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Wieso gehen Menschen einfach daran vorbei?

W

Wieweiter

Gast
Wie schon beschrieben, wurde ich letzte Woche nachts auf dem Heimweg von meinem Freund angegriffen. Das ganze spielte sich auf einem etwa 300 m langen, übersichtlichen und auch nachts beleuchteten Fuss- und Radweg am Rand des Dorfes ab. Ich heulte vor Angst und Schmerz, mein Freund schrie mich wütend an. Viermal lag ich am Boden oder im Gebüsch.

Während dieser Attacken kamen zwei Männer an uns vorbei. Die mussten die Vorgänge schon von weitem gesehen haben. Ich kann verstehen, dass beide vielleicht unsicher waren, wie sie sich verhalten sollten. Was ich aber nicht verstehe, ist die Tatsache, dass beide ohne einen Blick zurück einfach weiter gingen. Wenigstens ein Beobachten der Vorgänge aus sicherer Distanz hätte ich eigentlich erwartet. Mein Freund hätte sicher früher von mir abgelassen, wenn er auf sein Verhalten angesprochen worden wäre. Dazu muss ich noch sagen, dass er keinerlei Ähnlichkeit mit einem Bodybuilder hat.

Im Nachhinein erschreckt es mich riesig, dass einem in so einer Situation nicht geholfen wird. Fast jede/r hat heutzutage ein Handy dabei, falls ihm/ihr ein persönliches Eingreifen zu riskant erscheint. Ich hatte Glück, dass ich mit einem blauen Auge und ein paar Prellungen davonkam. Es hätte aber auch ganz andere Folgen haben können.

Ich glaube, wir alle sollten lernen, hinzusehen und etwas zu unternehmen, wenn wir Zeugen solcher oder ähnlicher Vorfälle werden.

Gruss
Wieweiter
 
Hallo Wieweiter,

schad, dass du nicht meiner Schwester oder mir begegnet bist....wir beide sind schon oft in ähnlichen Situationen eingeschritten....wir sind auch eher unübliche und extrem seltene Exemplare vom Stamme: guck hin und misch dich ein...

Der Grund warum die meisten Mensche wegschauen oder ausweichen sind Angst (z.B bei Auseinandersetzungen und bei Einmischung selber ein auf die Mütze zu kriegen etc.) Unsicherheit, Abgebrühtheit, Eigennutz oder was weiss ich.
Zwei Männer hätten locker eingreifen können....Und auch mit den Handys hattest du vollkommen recht, sie hätten zumindest durchaus die Polizei rufen können...wer weiss, vielleicht hatten die selber Dreck am Stecken, oder waren betrunken und konnten die Situation nicht einschätzen, vielleicht waren es auch zwei selber prügelnde Jung, Sadisten oder ähnliches, oder Frauenhasser die es lustig fanden, dass ne Frau vermöbelt wird, oder zwei ausgemachte Feiglinge, die sich lieber verzogen haben....who knows it??
Wie auch immer die Konsequenz die du aus der Tatsache ziehen solltest, dass du in Hinsicht auf Schutz letztlich immer selber auf dich angewiesen bist, sollte sein, dass du dich zukünftig ausreichend selber schützt....so einen Typen wie deinen Freund, der dich dazu noch öffentlich attackiert solltest du tunlichst meiden und schnellstmöglichst in den Wind schiessen....
Mach nen Selbstverteidigungskurs, geh nicht allein durch dunkle Gassen, such dir die richtigen Kerle als Freund aus, mach nen Kurs in De-Eskalationstraining, dann kommst du an sich recht unbeschadet durchs Leben....war jedenfalls meine persönliche Erfahrung...

Und in Hinsicht auf deinen Freund, geh zum Arzt, mach ne Beweissicherung de r Verletzungen und erstatte eine Strafanzeige...ansonsten lernt er es nie sich sozial korrekt zu verhalten....körperliche Gewalt ist ne Straftat und du solltest so etwas nicht auf dir sitzen lassen, andernfalls wird das als Schwäche ausgelegt und die Wiederholung ist vorprogrammiert...zieh eindeutige Grenzen und wehre dich mit legalen Mitteln!

Gruss
Tyra
 
Wieweiter meinte:
1.Während dieser Attacken kamen zwei Männer an uns vorbei. Die mussten die Vorgänge schon von weitem gesehen haben. Ich kann verstehen, dass beide vielleicht unsicher waren, wie sie sich verhalten sollten.

2.Ich glaube, wir alle sollten lernen, hinzusehen und etwas zu unternehmen, wenn wir Zeugen solcher oder ähnlicher Vorfälle werden.

Gruss
Wieweiter

Zu 1. Es sind feige Kerle, wie Dein Freund.

Zu 2. Da gebe ich Dir recht. Es gibt Städte, die haben da auch schon extra Programme aufgelegt, um die Bevölkerung zu sensibilisieren.

Die drei - Dein merkwürdiger Freund und die zwei Kerle - die können froh sein, dass ich nicht dazugekommen bin. Die hätten hinterher alle eine Strafanzeige bekommen. Der eine wegen Gewalt und Körperverletzung und die anderen beiden wegen unterlassener Hilfeleistung. Ich hätte wahrscheinlich auch auf die Mütze bekommen wegen der anderen beiden. Aber das ist dann auch egal.
 
Es kann durchaus sein, dass die beiden betrunken waren, aber doch nicht so schlimm, dass sie „im Slalom“ gegangen wären. Beide schienen mir eigentlich recht stramm unterwegs.

Strafanzeige machen....ich sehe nicht ein, was dies wem nützt. Mir bestimmt nicht, es macht das ganze nicht ungeschehen. Meinem Freund auch nicht, da er nicht bei Sinnen war. Wem also? – Der Statistik? Mir kommt dies eher vor wie Auge um Auge.... bringt mir keine Genugtuung.

@ Tyra
Ich bin froh, dass es Leute wie dich und deine Schwester gibt. Und ich bin ebenfalls sicher, dass ich in Zukunft auch viel aufmerksamer durch die Welt gehen werde. Es sollte noch viel mehr Leute wie euch zwei geben!!!

Beweissicherung braucht es übrigens nicht mehr. Mein Freund hat die Tat nie abgestritten und hat dies auch dem Notarzt und der Psychologin gegenüber zugegeben, welche mich beide gesehen haben. Ausserdem hat die Dame von der Opferberatung mich auch gesehen, für den Fall wäre ich vermutlich genügend dokumentiert.

@Störer
Die Sensibilisierungsprogramme finde ich gut. Weißt du, ob sie erfolgreich waren?

Gruss
Wieweiter
 
Hi Wieweiter,

mit dem nicht Beisinnen sein muss aber, denke ich noch eindeutig geklärt werden? Ich mein, ansonsten hätte dein Freund ja ne prima Ausrede...und wenn in ihm ein kleiner Psychopath schlummert...kann das ein ganz ganz böses Ende nehmen, denke bitte daran...Leider oder zum Glück....je nachdem kann man in die Köpfe anderer Menschen nicht hineinsehen...
Allerdings ist die moderne Medizin schon in der Lage ne eindeutige Diagnose zu stellen...falls es ne endogene Schizophrenie sein sollte....stehen die Aussichten auf Besserung sehr schlecht...falls es sich um ein Trauma oder Tumor im präfontalen Mittelkortex (Sitz des Sozialverhaltens)handelt...kann man was machen und es sich was bessern.
Falls dein Freund jedoch nur somatisiert und so macht als ob und einfach ein quersozialer Schisser ist, dem es Spass macht nach Lust und Laune mit anderen Menschen zu verfahren, dann würd ich ihn in den Wind schiessen und zwar schleunigst...
In deinem anderen thread hattest du von Bedingungen gesprochen....deine erste Bedingung sollte sein, dass du in Hinsicht auf diese Ausfälligkeiten oder VErhaltensaberrationen oder was auch immer persönlich von einem der behandelnden Ärzte ne Bestätigung kriegst, dass das ne Krankheitssache ist, für die dein Freund nicht oder nur eingeschränkt verantwortlich ist....Anders haut das nicht hin und du gefährdest dich nur unnötig. Falls keine ärztliche Erklärung vorhanden ist, dann kann man sagen, dass dein Freund auch voll verantwortlich für sein Handeln ist, wofür er bei Missachtung von sozialen Regeln oder Gesetzen halt die Folgen, d.h. ne Strafanzeige schon spüren sollte....um rechtzeitig vor weiteren Eskalationen ne deutliche Linie zu ziehen...Jeder Mensch hat seine Probleme, kann diese allerdings nicht auf dem Rücken, A**** oder sonstwo von anderen Menschen austragen, bzw. ausprügeln...sondern sollte sich schon an die normalen Spielregeln halten und sich einigermaßen ordentlich benehmen.
Also lass am besten Fakten sprechen, damit du Klarheit hast und weisst, was möglich ist und was nicht.

LG
Tyra
 
ich denke, es gibt zwei Hauptgründe, warum sich NIE jemand einmischt und hilft.

1. In unserer Gesellschaft herrscht ein totales Nebeneinander und jeder sagt sich "das geht mich nichts an".
Um das zu ändern, erfordert es einen Umbruch in unserer Gesellschaft. Das wird noch einige Zeit dauern - wenn es denn Erfolg hat....

2. Fehlverhalten wird häufig als "Kavaliersdelikt" toleriert und es kommen keine Konsequenzen zum tragen. Wir übernehmen keine Verantwortung mehr für unsere Handlungen, und das betrifft sowohl den Agressor als auch den Regressor.

Das soll im Klartext heißen, die Veränderung muss auch bei uns selbst anfangen. Ich kann nicht erwarten, dass jemand für meine Rechte eintritt, wenn ich es nicht selbst tue. Wie kann ich von meinem Partner erwarten, dass er etwas ändert/sein lässt, wenn ich es immer toleriere? Wie kann ich von Fremden Unterstützung erwarten, wenn ich selbst mit der Situation lebe?

Das soll jetzt kein persönlicher Angriff sein, ich habe diese Fehler alle selbst zigmal gemacht. Aber mich würde interessieren, was DU nach dieser Situation gemacht hast? Hast du deinen Freund zur Rede gestellt? Hast du Konsequenzen daraus gezogen?
 
Ich denk, gesellschaftlich wird sich leider nix ändern...das GAnze driftet immer mehr in Richtung Individualisierung...

Ein weiterer Grund dürfte auch sein, dass der Mensch irgendwie ein Herdentier ist...die meisten warten in Hinsicht auf Aktionen, die mal außerhalb des Normalalltags stehen, dass irgendeiner den Anfang macht...ich hab so was mal in ner U-Bahn erlebt und konnte dort einen kleinen Massenaufstand gg. einen pöbelnden Sauf-Punk organisieren....war ne interessante ERfahrung...also wenn jemand klare Vorgaben macht, dann guckense und machense doch manchmal wat...wohl eher aus Zugzwang oder was weiss ich...aber immerhin und danach hatten alle ihr kleines Erfolgserlebnis...was sie vielleicht eines Tages von selber zur Handlung bringt?? Ich denke in Konfliktlagen einzugreifen ist auch ne Lernsache...

Grundsätzlich sollte jedoch jeder selber in der Lage sein sich zur Wehr zu setzen... das ist die sicherste Variante...man sollte auch net abwarten, dass man von allein von anderen Hilfe bekommt...gut ist immer rechtzeitig dirket um Hilfe zu bitten...
Was an sich ganz hilfreich ist, ist z.B. De-Eskalationstraining zu machen...das lernt man beim Psychologen oder in der Polizeischule oder in Uni-Seminaren oder in VHS-Kursen...das ist fürs Leben echt hilfreich...kann ich aus eigener Erfahrung sagen...dadurch wird man auch selbstsicherer und kann mit einer Situation besser umgehn...d.h. hat auch mehr Mut sich einzumischen..
Kampfsport ist auch net schlecht fürs Selbstbewusstsein, dass einen dann auch in Konfliktlagen mutiger macht...

Gruss
Tyra
 
Kurz vor meiner Prüfung kam ein Klassenkamerad in unsere Klasse und der sah ziemlich bös aus den er war Freitags zusammen geschlagen worden. Da muß dazu gesagt sein das er nur noch einen Arm bewegen kann, also sowieso leichte Beute war. Außerdem spielte sich das ganze beim verlassen einer Kneipe ab. Die Bekannten halfen nicht sahen weg keiner in der Umgebung half nein, die Freundin versuchte einen der Angreifer von ihm runter zu reißen und handelte sich dabei schwere Gesichtsverletzungen ein. Sie sind zu dritt über ihn hergefallen. Das geht doch nicht, das war ein belebter Ort und keiner hatte den Mut einzugreifen. Nein später sagte man meinem Klassenkamerat das er Glück hatte denn die drei hätten sonst immer größere Waffen dabei. Toll das macht doch Mut, oder? Ich versteh es nicht warum helfen die Menschen nicht? Wir zusammen sind stark alleine sind wir schwach ,aber wenn wir zusammenhalten dann möchte ich die mal sehn. Das kann ich nicht verstehn, das dass nicht in die Köpfe der Menschen geht.

Helfen geht so einfach und wenn es nur ein anruf bei der Polizei ist und die reisen einem auch nicht den Kopf ab wenn es dann doch nicht so schlimm ist wie man gedacht hat. Lieber einmal zuviel anrufen als einmal zuwenig oder gar zu Spät.
 

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