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Ranra

Neues Mitglied
Hallo...


ich weiß nicht mehr weiter. Ich bin 23, habe ein abgebrochenes Studium hinter mir und bin gerade im 1. Semester eines anderes Studiums. Ich komme einfach überhaupt nicht zurecht...

  • ich kann diese Stadt nicht ausstehen, es gibt betrachtet keinerlei Dinge, die mich hier reizen, vor allem ist es hier auch sehr teuer
  • habe meinen Nebenjob in meiner Heimatstadt und somit einen wichtigen Bezugspunkt für mich aufgeben müssen,
  • hatte vor zwei Jahren eine sehr depressive Phase durch den Verlust einer Person, von der ich mit der Zeit wieder losgekommen bin. Doch seitdem ich hier in dieser Stadt bin wird es wieder schlimmer und das möchte ich nicht.
  • ich will und kann keine „Freundschaften“ mit den Kommilitonen schließen oder mich näher mit ihnen befassen. Habe absolut kein Interesse daran, jemanden in dieser Stadt kennenzulernen und von meinem Leben erzählen zu müssen.(Es ist wie eine Blockade. Normalerweise kann ich „oberflächlich“ gut auf andere Leute zugehen und mich wunderbar mit ihnen unterhalten bzw. ihnen das Gefühl geben, dass es mich interessiert, was sie erzählen etc. auch wenn ich eigentlich zurückhaltend und ängstlich in dem Bereich bin und Schwierigkeiten habe, z.B. irgendwo anzurufen oder eine Bewerbung(!) zu schreiben, weil ich immer denke, dass ich nicht gut genug bin)
  • bin 24 Stunden am Tag alleine (bis auf die Unikurse und Telefonate natürlich) und muss losheulen, wenn ich nur an dieses Studium denke.
Ich dachte, dass ich jetzt unbedingt nach dem 1. abgebrochenen Studium weitermachen muss, das ich nehmen muss, was ich kriege – nur leider habe ich nicht damit gerechnet, dass mich die ca 600km Entfernung zu Familie und Freund so fertig machen. Ich habe keinerlei Motivation für die Kurse und auch nicht den Enthusiasmus und das Interesse dafür wie viele andere. Ich schaffe es nicht, hier noch 3 Jahre meines Lebens zu verschwenden, alles, was ich lerne, erscheint mir sinnlos und ich fühle mich wie gelähmt. Ich sitze in meinem Zimmer und kann nichts tun. Kann mich nicht auf den Stoff konzentrieren. Kann mich nicht aufraffen, etwas für die Uni zu tun. Ich weiß nur, dass ich auf keinen Fall so weitermachen kann. Diese Einsamkeit macht mich fertig und erdrückt mich. Ich habe eine falsche Entscheidung getroffen, das ist mir jetzt klar. Nur warum merkt man das immer erst, wenn es schon zu spät ist? Meine Familie steht hinter mir, egal wie ich mich entscheide, das ist nicht das Problem. Das Problem ist, dass ich mich frage, wie es jetzt weitergehen soll, wenn ich dieses Studium auch abbreche. Mit fast 24 nochmal einen Neuanfang wagen(während im Vergleich meine jüngere Schwester in diesem Sommer mit ihrer Ausbildung fertig wird) ohne dass man etwas „in der Tasche hat“? Es geht mir nicht darum, die große Karriere zu machen. Ich kann nur nicht ohne familiären Rückzugsort (und meinen Freund) abgeschieden leben, mit einem Studium, dass für mich keinen Sinn macht. Auch wenn ich am Anfang dachte, dass das schon irgendwie wird. Habe mir auch gedacht, gut, jetzt heißt es Zähne zusammenbeißen und durch, die drei Jahre schaffst du schon und der Stoff ist doch bestimmt auch ganz interessant. Aber ich schaffe es nicht. So sieht es aus. Vor allem, weil ich nicht die finanziellen Möglichkeiten habe, jeden Monat nach Hause fahren zu können.
 

Selah

Aktives Mitglied
Hallo,

Ich neige meistens auch dazu, studiumsmüde Menschen zum Durchhalten zu animieren. Aber in deinem Fall tendiere ich eher dazu, zu sagen: Brich ab. Wenn man schon im 1. Semester so gar nicht mehr will, ist ein Studium nur schwer schaffbar. Wer studiert, MUSS sich selber motivieren können. Jemand anders tut es nämlich nicht.

"Irgendwas" zu studieren, nur um ein Studium vorweisen zu können, ist keine gute Idee gewesen. Das weißt Du ja inzwischen auch. Wichtig ist, dass Du nicht noch mehr Zeit "sinnlos" verstreichen lässt. Das heißt: überlege, was Du eigentlich beruflich machen willst. Und dann bewirb dich entsprechend. Sicher, dein Alter wird immer wieder mal Fragen aufwerfen. Aber sich mit 23 umzuorientieren ist dennoch leichter als erst mit Mitte 30 den Schritt zu wagen.

Problematisch ist es, wenn Du gar keine Idee hast, was Du machen willst. In diesem Fall würde ich wohl das Studium doch noch eine Weile weiterlaufen lassen.

Ich verstehe, dass Du keine Lust mehr hast, 1. ein ungeliebtes Fach zu studieren, 2. die neue Stadt nicht zu mögen und 3. ohne Familie und Freund zu sein. Jetzt kommt das Aber: In den seltensten Fällen ist es möglich, alle drei Faktoren zur eigenen Zufriedenheit zusammenzubringen. Das solltest Du also nicht unbedingt anstreben, weil es sehr schwierig sein dürfte. Ich würde wohl mit einer beruflichen Richtung, die mich wirklich interessiert, anfangen. Vielleicht fällt es dir dann leichter, zeitweise ohne deine Familie zurecht zukommen. Das gehört halt auch ein bisschen zum erwachsenen Leben dazu;)
 

Ranra

Neues Mitglied
Hallo Selah und Rainer,
erstmal vielen Dank für eure Antworten. Rainer, ich kann deine Argumente nachvollziehen. Dennoch habe ich mich jetzt, nach reiflichem Überlegen, gegen das Studium entschieden. Ich werde das Semester noch zu Ende machen und dann gehen. Es war ein Fehler von mir,sich gleich auf das nächstbeste Studium zu stürzen, das sehe ich ein. Gut, ich habe es sehr spät "bemerkt" aber ich kann daran nichts ändern.
Allerdings sehe ich mich nicht in der Kategorie"bricht alles bei der kleinsten Schwierigkeit ab",
das kann ich in meinem bisherigen Leben nicht sehen. Gut, das mag sich vielleicht angesichts der abgebrochenen Studien irgendwie lächerlich anhören. Die ganzen Eigenschaften, die du aufgezählt hast, Rainer, waren für mich selbstverständlich in meinem Nebenjob. Und den habe ich gerne gemacht. Ich denke, ich hätte eher in diese Richtung gehen sollen, statt
mich für ein Studium einzuschreiben. Letztendlich zählt für mich nicht der berufliche Erfolg (was zwar in Deutschland immer noch als das höchste Gut angesehen wird aber naja). Und damit will ich nicht sagen, dass ich faul zu Hause rumsitzen will, im Gegenteil. Ich bin kein Karrieremensch und habe mich im Studium auch nie wohlgefühlt... Ich danke euch beiden für eure offenen und ermahnenden Worte. Ich denke jedoch, dass ich mich diesmal richtig entscheiden werde.

 

Ranra

Neues Mitglied
Hallo liebe Leute,

in den letzten Tagen habe ich des Öfteren an meinen Eingangspost denken müssen.
Zehn Jahre sind nun vergangen, und ich würde gerne ein Update geben, da ich mich oft auch bei älteren Posts frage, wie die Geschichte denn nun ausgegangen ist. Vielleicht hilft es ja auch der einen oder anderen Person in ihrer aktuellen Lage.

Ich hatte mich damals Hals über Kopf in das zweite Studium gestürzt und merkte relativ schnell, dass das nichts für mich ist.
Zu dieser Entscheidung, das Studium nach einigen Monaten abzubrechen, stehe ich noch heute und bin heilfroh (!), dass ich mich so entschieden habe. Denn ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass ich das drei Jahre durchgezogen hätte. Jedenfalls nicht als die verängstigte und verunsicherte Person, die ich damals war.

Was habe ich danach gemacht?
Bevor ich mein Studium abgebrochen habe, habe ich mich in meiner Heimatstadt nach einem Bürojob umgeschaut und beworben.
Dazu muss ich sagen, dass in einer Tochterfirma meiner damaligen Nebenjobfirma (den Nebenjob hatte ich ja für das Studium gekündigt) jemand für den Kundenservice im Büro gesucht wurde.
Ich hatte mich dort beworben und den Job bekommen. Erst nach Unterschrift des Vertrags habe ich mich exmatrikuliert und meine Wohnung im Studentenwohnheim gekündigt. Gewohnt habe ich dann bei meinem Freund.

=> Mein Rat: Niemals ein Studium/Job abbrechen, ohne einen Vertrag für etwas Neues in der Tasche zu haben! Überlegen, wo bzw. bei wem man wohnen kann.

Dann habe ich in dem Büro zwei Jahre gearbeitet. Für den Lohn würde sich die Allgemeinheit heute wahrscheinlich nicht mal mehr im Bett umdrehen...

=> Auch das muss man bedenken, dass man ohne Ausbildung oder Studium bei den Gehalts"verhandlungen" bzw. ~wünschen immer schlechter gestellt ist. Wobei es heute mit Mindestlohn nicht mehr so ist (??), aber man kann eben nicht viel erwarten, weil man auf dem Papier nichts vorzuweisen hat (außer man ist ein Blender, aber dann hat man solche Probleme sowieso nicht).

Rückblickend betrachtet, waren diese zwei Jahre eine sehr freie Zeit. Einfach, weil ich mich selbst dafür entschieden und die Konsequenz getragen habe. Wir hatten echt wenig Geld (es war sehr knapp) und wir konnten keine Sprünge machen. Trotzdem ging es uns nicht schlecht.
Frei auch, weil ich mir das erste Mal in meinem Leben meine Haare bunt gefärbt habe, und das in dem Büro einfach niemanden interessiert hatte ;-).
Für manch einen mag das eine Lappalie sein, für mich war es ein Akt der Selbstbestimmung.

So, nach diesen zwei Jahren fing ich an, mich nach Ausbildungen umzusehen. Ich hatte verstanden, dass ich nicht ewig so weitermachen kann und ich doch einen Abschluss brauche.

Ich bewarb mich bei zahllosen Firmen und fing dann 2014 an, meine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement zu machen. Nach derAusbildung wurde ich von meinem Betrieb übernommen.
Ich wechselte 1,5 Jahre später in eine andere Firma, die ein Albtraum war... dort habe ich gelernt, was es heißt, wenn man ausgenutzt wird und dass in Vorstellungsgesprächen schamlos die Wahrheiten verdreht werden. Nun gut, das ist ein anderes Thema. Trotzdem bin ich dankbar für diese Zeit, denn dort habe ich weitere Erfahrungen gesammelt, die mir helfen, alles etwas gelassener zu sehen und Gegebenheiten und Menschen realistischer einschätzen zu können.

Die Firma habe ich dann auch nach 1,5 Jahren verlassen und arbeite nun auf meiner Traumstelle.

Fazit:
  • Niemals etwas ohne Plan B abbrechen.
  • Nicht alles glauben, was auf Firmenhomepages und in Vorstellungsgesprächen geschrieben/gesagt wird.
  • Den Mut haben, die Zelte abzubrechen, wenn einem das Gefühl sagt, dass es nicht die richtige Stelle ist.
  • Aber auch: Sich nicht auf das "Was passiert, wenn ich X mache, dann passiert Y, und überhaupt, ich bin zu alt, und das klappt nicht und dann geht danach ganz bestimmt die Welt unter!!!" einlassen. (Letztlich lache ich jetzt darüber, dass ich vor zehn Jahren dachte, dass ich mit 23 schon zu alt bin und der Zug abgefahren ist. Total unsinnig, aber für mich war das mein Gedankengefängnis. )
  • Es sieht alles viel schlimmer aus, als es wirklich ist.
  • Aktiv sein, den ersten Schritt tun und dann abwarten, was sich ergibt. Diese Gedankenkarusselle verpulvern Energie, hemmen und engen ein und führen dazu, dass man gelähmt wird.
  • Es ist nie zu spät für eine Veränderung!
Ich habe so viele Kolleginnen gehabt, die extrem unzufrieden mit ihrem Job waren. Auf meine Frage, warum sie sich nicht einfach woanders bewerben (man muss bei einer Zusage ja nicht kündigen), kam immer wieder: "Hier kenne ich alles, hier bin ich wer. Wer weiß, wie es woanders wird?"
Ja, das weiß man nicht. Es kann schlechter werden. Dann geht man eben wieder. Oder es kann auch besser werden.

Letztendlich hat man es selbst in der Hand, ob man weiterhin unglücklich bleiben will, sich den ganzen Tag beschwert, meckert und auf der Stelle tritt, oder ob man aktiv wird und etwas verändert.
Ich finde, das sollte man sich immer selbst wert sein! Man hat nur ein Leben.
 

momo28

Moderator
Teammitglied
in den letzten Tagen habe ich des Öfteren an meinen Eingangspost denken müssen.
Zehn Jahre sind nun vergangen, und ich würde gerne ein Update geben, da ich mich oft auch bei älteren Posts frage, wie die Geschichte denn nun ausgegangen ist. Vielleicht hilft es ja auch der einen oder anderen Person in ihrer aktuellen Lage.

Ich finde es schön, dass du nach so langer Zeit ein Feedback gibst, wie es dir ergangen ist, wie du dich entschieden hast und wie du dir Stück für Stück dein Berufsleben erarbeitet hast.

Weiter alles Gute dir.
 

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