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Wie soll ich mich verhalten?

melanie32257

Mitglied
Hallo,
ich brauche mal einige Meinungen.
Vor 1 1/2 Jahren haben wir neue Nachbarn bekommen. Eine Mutter mit 3 Kindern ( 9, 7, 1 Jahr). Wir haben uns von Anfang an super verstanden und auch die Kinder sind super. Wir haben leider keine Kinder. Meine Nachbarin kommt aus nicht guten Verhältnissen, hat eine schwere Kindheit gehabt und musste unter Polizeigewahrsam mit den Kindern vor Ihrem Mann flüchten ( sie hat bis dahin in England gewohnt). Hat jetzt hier in Deutschland vor 3 Jahren den Kontakt zu ihrer Mutter gesucht und auch ihren leiblichen Vater kennengelernt. Die Kinder waren damals völlig gestört ( wegen des gewaltbereiten Vaters). Dann kam alles noch schlimmer und der "liebe" Opa hat die Enkeltochter sexuell missbraucht. Er sitzt mittlerweile im Gefängnis.
So, jetzt haben wir guten Kontakt, die Kinder übernachten bei uns, kochen mit meinem Mann und wenn wir uns mal einen Tag nicht sehen, sind sie am nächsten Tag gleich da, weil sie ins vermissen ( natürlich werden sie bei uns verwöhnt, wie zu Hause nicht, wir müssen ja nicht immer strikt sein). Obwohl ich auch nicht sehr viel durchgehen lasse, weil zu Hause doch mal Manieren usw. etwas lasch gehalten werden, aber bei uns bekommen sie hat 100% Aufmerksamkeit.
Vor ein paar Monaten musste ich meine Nachbarin nachts ins Krankenhaus einliefern, wäre fast gestorben. Wir hatten Urlaub und haben dann alle 3 Kinder eine Woche bei uns gehabt, weil der Lebenspartner ( war zu besoffen um mit ihr ins Krankenhaus zu fahren) und die Familie sich nicht gekümmert hat.
In dieser wirklich stressigen Woche ( von null auf 3 Kinder ) haben wir der Tochter das Bettnässen und Bekoten abgewöhnt ( ich war selbst erstaunt).
Der Lebenspartner kümmert sich nur um das Baby, die anderen beiden interssieren ihn nicht und sie keiden darunter.
Mein Problem:
Ich investiere viel Zeit in meine Nachbarin, um sie emotional zu ünterstützen und auch in die Kinder, um ihnen Halt zu geben. Dadurch verbahclässige ich manchmal sogar meinen Mann.
Vor ein paar Tagen habe ich mit mit dem Lebenspartner überworfen und habe ihm sehr direkt vorgeworfen, dass er sich nciht um die Kinder kümmert, sich von einer Sozialhilfeempfängerin durchfüttern lässt, obwohl er ein Nettoeinkommen von 1600,00€ hat und sie benutzt wie eine Putzfrau. Das fand er natürlich nicht toll, hat aber danach eingesehen, dass ich wohl mit einigem Recht hatte und ist mir nicht böse.
Jetzt nässt das Mädchen wieder das Bett ein und ist oft verstört.
Meine Nachbarin spricht ständig von Trennung und dass der Mann nicht gut für sie und ihre Kinder ist, aber es passiert nichts.
Ich kann es kaum ertragen die Kinder leiden zu sehen, auch der Junge hängt ständig an meinem Mann, weil er eine Vaterfigur sucht.
Aber wir können doch diese Aufgabe nicht ünernehmen, denn es ist ja auch ein "Vater" vorhanden.
Ich kann diese ganze Situation kaum noch ertragen, traue mich nicht abzuwenden, weil meine Nachbarin mit ständig sagt, wie sehr sie mich braucht. Ich kann aber auch nicht mehr lange zusehen, wie die Kinder leiden.
Was soll ich nur tun? Mich selbst schützen und den Kontakt verringern? Ganz abbrechen könnte ich den Kindern nicht antun.
Ich darf mich aber doch auch nicht in eine Beziehung mischen.
Leider ist das jetzt etwas lang geworden.
Hätte ich alles geschrieben wäre es wohl doppelt so lang.
Vielleicht hat ja jemand einen Denkanstoß für mich.
Melanie
 
Huhu Melanie,

Erstmal: Ich finde es ganz toll, dass ihr soviel Mitgefühl für eure Nachbarin und ihre Kinder habt. Das ist soziales Engagement, wie es viel mehr Menschen an den Tag legen sollten.

Aber alles hat bekanntlich seine Grenzen. Letzten Endes sind es nicht eure Kinder und es sollte nicht dazu kommen, dass die Kinder euch als neue Eltern ansehen.
Schließlich haben sie noch eine Mutter, die jedoch sehr mit der Situation überfordert zu sein scheint. Ich kann mir vorstellen dass sie sich auch deshalb nicht von ihrem "Freund" trennen will, weil sie nicht ganz allein mit ihren Problemen und den Kindern da sein will (Denn euch soviel zumuten tut sie bestimmt auch nicht gerne.)

Statt euch immer um die Kinder zu kümmern wenn sie es nicht mehr kann, solltet ihr euch (Dein Mann und Du) vielleicht mit eurer Nachbarin an einen Tisch setzen und in Ruhe darüber reden.
Wenn ihr den Kindern wirklich helfen wollt, solltet ihr alle zusammen an Lösungen arbeiten, damit sie sich bei ihrer Mutter wieder zuhause fühlen und ihre Mutter auch mit den Kindern zurecht kommt.
Vielleicht kann das Jugendamt dabei behilflich sein und z.B. eine Erziehungshelferin stellen, die eurer Nachbarin unter die Arme greift was die Erziehung der Kinder angeht.

Was die Vaterfigur angeht; Aus irgendeinem Grund sieht der Junge (und die Kinder allgemein) wohl im Freund eurer Nachbarin nicht so eine richtige Vaterfigur. Sicher hat das auch was mit seinem Verhalten zu tun; Besonders scheren tut er sich anscheinend ja nicht um die Kinder. Wenn eure Nachbarin aber schon einsieht, dass ihr "freund" nicht gut für ihre Kinder und sie ist, dann braucht sie vielleicht nur mehr Festigung und Rückhalt, um sich von ihm zu trennen. Wenn sie sich sicherer ist, dass sie es auch alleine (sprich eher: ohne Freund) schaffen kann, dann sollte sie früher oder später auch Schluss machen. Dass ihr nicht immer diesen Rückhalt geben könnt (und auch nicht unbedingt sollt) ist klar und verständlich; Darum versucht vielleicht Hilfe beim Jugendamt zu kriegen; Vielleicht gibts auch die Möglichkeit eines der Kinder in eine Tageskinderstätte zu geben oder eine Haushaltshilfe bezuschusst bekommen usw.

Ein vertrauliches Gespräch mit eurer Nachbarin würde da sicher helfen. Bietet ihr vielleicht an, ihr beim Gang zum Jugendamt zu helfen oder informiert euch gemeinsam zum Wohle der Kinder, was denn möglich wäre.

Ich hoffe ich konnte euch einen Denkanstoß geben
Liebe Grüße,
Blattweiss
 
Hallo Blattweiss,
vielen Dank für deine Antwort.
Natürlich gebe ich meiner Nachbarin auch viel halt, aber das hätte den Text nur noch länger gemacht. Auch finanziell unterstütze ich sie manchmal, weil ihr Freund nicht fürs Kind zahlt und das Jugenamt daher den Unterhalt kürzt.
Vom Jugendmat wird sie unterstützt und das Mädchen ist in psychologischer Betreung.
Die Kinder sehen uns wohl nicht als Ersatzeltern, sondern eher als Vertrauenespersonen und ruhigen Pohl in ihrem Leben.
Mein Problem ist eigentlich nur, dass ich immer nur mit anschauen muss wie alle 4 leiden, weil der Freund ainfachnur das letzte ist.
Ich leide wahnsinnig, weil ich ihm einfach nur gerne den Hals umdrehen möchte, aber noch nicht einmal was sagen kann. Das frisst mich einfach auf, aber ich kann doch nicht meinen Rücken kehren. Was wird denn dann aus ihnen.
 
Ich leide wahnsinnig, weil ich ihm einfach nur gerne den Hals umdrehen möchte, aber noch nicht einmal was sagen kann. Das frisst mich einfach auf, aber ich kann doch nicht meinen Rücken kehren. Was wird denn dann aus ihnen.

Was wird denn aus dir und deinem Mann? Das hört sich vielleicht seltsam an, aber wenn man Anderen Menschen hilft, dann muss man vor allem auch auf sich achten, denn diese Belastung die du und dein Mann spüren, die kann einen ebenso kaputt machen.

Eure Situation ist wirklich nicht einfach, aber es ist ja keinem geholfen wenn ihr euch so überfordert, bis ihr auch für die Kinder keinen ruhigen Pol bieten könnt und es euch noch schlechter geht als jetzt.

Der mentale Rahmen, in welchem ihr Unterstützung geben konntet ist durch das Dazutun des "Freundes" ja schon gesprengt, wenn ich das richtig verstanden hatte. Ein Patentrezept gibt es da wohl leider nicht, aber ich denke es wäre für alle lang- und mittelfristig besser, wenn ihr euch nicht so übernehmt, sondern eher ein wenig zurücknehmt. Da eure Nachbarin den schlechten Einfluss ihres Freundes bereits kennt, wird sie sich in Verständnis dafür üben müssen. Ihr habt eure Belastungsgrenzen und es ist nicht schlimm, wenn man sich das eingesteht und dementsprechend handelt. Gefährlich wird es aber, wenn man sie längere Zeit ignoriert. Also nehmt euch etwas zurück und sammelt wieder Kräfte;

Ich wünsch euch alles Gute,
Blattweiss
 
Danke für die Antwort Blattweiss,
das scheint wohl mein Problem zu sein, dass ich immer helfen muss.
Ich denke, ich werde versuchen mich etwas zurück zu nehmen. Aber wenn Kinder im Spiel sind, finde ich es immer schwer. Die sind der Situation ja leider hilflos ausgeliefert.
Nochmals danke.
Melanie
 
Liebe Melanie,
ich würde genauso, wie Du handeln. Die Kinder können nichts für ihre familiäre Situation. Ich denke, sich nur zurückzuziehen ist keine Lösung. Die Mutter und die Kinder haben viel mitgemacht und würden sich alleingelassen fühlen. Ich würde der Mutter versuchen klarzumachen, daß sie , da sie ja selbst sagt, daß der Freund schlecht für sie alle ist, sich ein Leben ohne diesen scheinbaren Schmarotzer aufbauen muß. Hat Deine Nachbarin auch noch andere gute Bekannte oder Freunde? Oder hat sie Angst, in ein tiefes Einsamkeitsloch zu fallen ohne Lebensgefährten? Könnte sie nicht an einer Selbsthilfegruppe teilnehmen, um eigenständiger zu werden?

Sicherlich mußt Du auch sehen, daß Du Dich bei Deiner Hilfe nicht verausgabst. Du selbst und Deine Ehe / Partnerschaft sind schließlich auch wichtig. Aber: wenn Du Dich nur zurückziehst, quält es Dich auch, denn Du weißt, was die Frau und die Kinder durchgemacht haben und daß sie Probleme haben. Wie wäre es, wenn Du die Frau dabei unterstützt, einen Freundeskreis aufzubauen, so daß Du Dich nicht mehr alleine verantwortlich fühlst? Wenn es mehrere nette Leute gäbe, die die Mutter besuchen oder etwas mit ihr und den Kindern unternehmen? Erst dann könntest Du Dich ruhigen Gewissens etwas zurückziehen.

Ich wünsche Dir und Deiner Nachbarsfamilie alles Gute und daß ihr bald bessere Zeiten, hoffentlich ohne "den Schmarotzer" erlebt! Für Deine Freundin wäre es das Beste, wenn sie erstmal sich selbst und ihre Kinder stabilisiert, bevor sie wieder an eine Partnerschaft denkt. Vielleicht braucht sie therapeutische Hilfe dazu. Aber sie muß lernen, daß sie selbst stark sein kann, daß sie das Leben meistern kann und daß sie dazu nicht auf einen Mann angewiesen ist. Wenn sie das nicht lernt, wird sie immer wieder an die gleiche Sorte Mann geraten und immer wieder ausgenutzt oder gar geschlagen werden. An Frauen, die ihr leben alleine meistern können, trauen sich diese Typen nämlich nicht ran.

Nochmals alles Gute!
 

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