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wie lerne ich mit mir selber klar zu kommen?

Rogue

Neues Mitglied
hi, ich möchte hier mal ein bisschen was über mein leben und meine sorgen erzählen und gerne auch einige tipps erhalten, was mein weiteres leben anbetrifft.

puh, ich weiss garnicht wo ich anfangen soll... ich erzähle etwas über meine vergangenheit und danach etwas über die gegenwart(wichtiger), zu welcher ich gerne einige meinungen und tipps hätte 🙂 danke.

ich entschuldige mich für den langen text, der sich so ergeben hat.

Vergangenheit:

ich war seit ich klein bin irgendwie immer anders als die anderen, ruhig, zurückhaltend gegenüber anderen menschen, habe sehr viel in lexika gelesen, mich also sehr für tiere und die welt interessiert und darüber nachgedacht wie man die welt verbessern könnte. ich hatte das große pech niemals leute kennenzulernen, welche die bezeichnung "bester freund" verdient hätten; ich habe sehr viele wechselhafte bekanntschaften gemacht und war gerne höchstens zu dritt unterwegs und hoffte immer eine art lebensfreundschaft aufzubauen.

unzählige andere menschen haben niemals meine freundschaftlichen gefühle erwidert, ich wurde nach einiger zeit entweder von meinen sogenannten freunden, welche letzlich immer nach dem mitläufer prinzip lebten und lieber viele bekanntschaften statt freunde hatten, gemobbt, bedroht, fertig gemacht, etc..., sodass immer wieder "freundschaften" zerbrachen und ich immer periodisch zeiten hatte, in denen ich an einsamkeit erstickte und ich die meiste zeit am computer verbrachte.

im gymnasium lernte ich einen typen kennen, den ich einige zeit meinen besten freund nannte, bis auch dieses sich als ein verdammter *&%§" rausstellte. ich wurde in unserer gemeinsamen zeit deutlich selbstbewusster und auch extrovertierter, was eigentlich meiner angeborenen introvertiertheit total widersprach. man sagte mir immer wieder ich sei komisch und sollte mehr aus mir herausgehen...
nach einigen jahren war nichts mehr von dem lieben, schüchternen und ruhigen jungen übrig, der ich einmal war (und deswegen, wenn ich so überlege, im nachhinein auch von einigen selber eher ruhigeren mädchen geschätzt wurde, weil sie das wohl süß fanden *grins*).

im endeffekt änderte sich nur die tatsache, dass aus einem schüchternen außenseiter ein rebellischer, asozialer außenseiter wurde und ich eine langjährige fernbeziehung mit einem mädchen führte, in welches ich sehr stark verliebt war. nach diesen vergangenen jahren, in denen ich began hiphop zu hören, alkohol zu trinken und mich mit leuten zu treffen, die ich eigentlich nicht leiden konnte, began zeitgleich ab der 9 klasse eine schreckliche zeit für mich: ich wurde jahrelang gemobbt(auch von meinem sogenannten besten freund, der zusammen mit mir die schule wechselte).

ich schloß mich während dieser zeit in den pausen immer heimlich im klo ein, nur um nicht alleine im schulhof rumstehen zu müssen. es war für mich die hölle und ich weinte manchmal, wenn ich heim kam und ließ meine einsamkeit von meinem meerschweinchen ein wenig mindern. meine noten wurden wegen all dieser dinge so schlecht, dass ich 3 mal die zehnte klasse wiederholte.

beim dritten versuch die 10. klasse zu schaffen landete ich dank des schulamtes gerade so noch in einer realschule, in welche es gott sei dank mein "bester freund" nicht auch hineinschaffte. ich war am anfang wieder einsam, lernte aber mit der zeit einige coole leute kennen und began mich in der schule anzustrengen, weil ich die letzte chance nutzen wollte und es satt hatte zu sehen, wie meine mutter wegen mir weint und verzweifelt ohne ende ist. ich merkte schnell, dass es gut war, dass mein ex-bester freund nicht mit mir gemeinsam in die schule kam, weil dieser mich jahrelang herunterzog. ich war am ende so gut, dass mein zeugnis dieses mal statt einem 4-er durchschnitt einen guten 2-er durchschnitt hatte und ich eine belobigung bekam. ich und meine freunde aus der klasse gingen (so wie immer in meinem leben) nach einiger zeit getrennte wege.

die darauffolgende zeit war, motivert durch meine gute leistung in der realschule und durch meine glückliche fernbeziehung, der bisherige höhepunkt meines lebens. das lernen machte mir wieder großen spass und es bereitete mir große glückseeligkeit, wenn ich jedes mal eine gute note bekam; ich machte mein fachabitur, welches ich als klassenbester mit einem schnitt von 1,6 abschloss und ging daraufhin elektro- und informationstechnik studieren, welches ich bis heute als eine sehr interessante herausforderung in meinem leben sehe.

Gegenwart:

meine 6-jährige fernbeziehung zerbrach vor einem halben jahr, weil meine ex-verlobte sich kurzzeitig in ein riesena...loch verliebte(ja, es stimmt wohl tatsächlich, dass vor allem junge frauen auf solche typen hereinfallen). als sie mich kurz darauf zurückhaben wollte, lehnte ich dankend ab und machte ihr klar, dass höchstens nur noch eine "freundschaft mit gewissen vorzügen" möglich sei. sie sagte mir oft, dass sie ein kribbeln im bauch hat, wenn sie an mich und die alte zeit denkt. ich sagte ein paar wochen später, dass ich es schade finde, dass sich der mensch, den ich 6 jahre lang liebte und aufgebaut habe nach unserer trennung zu einer verkommenen, dummen versagerin ohne eigene meinung entwickelt und verabschiedete mich von ihr endgültig, das war vor ca. 3 monaten.

was ist heute aus mir geworden? ich bin 22, studiere im 4. semester und ich leide unter großer einsamkeit, verbittertheit gegenüber der gesellschaft und sehne mich so sehr wieder nach einer freundin, dass es mich schon fast verrückt macht... ich bin was frauen angeht sehr wählerisch geworden, um nicht wieder enttäuscht zu werden und bevorzuge diesmal eine ruhige, introvertierte freundin.

introvertiertheit... das ist das stichwort, welches mich in letzter zeit so sehr beschäftigt. ich bekam immer gesagt und dachte auch selber, dass etwas mit mir nicht stimmen würde... kompletter blödsinn: ich bin nur introvertiert: ich erledige aufgaben am liebsten alleine, hänge oft meinen gedanken nach und hasse den mainstream, mitläufer und laute, angeberische, nach anerkennung suchende menschen, die nicht zuhören können und bin viel lieber mit wenigen leuten zusammen, die ich gut leiden kann, als mit vielen fremden oder bekanntschaften(wie dies z.b. in diskotheken oder clubs der fall ist), das ist für mich stress pur und auch extrem langweilig, weshalb ich einfach meinen kopf ausschalte, um ihn für gedanken und dinge frei zu halten, die mich glücklich machen oder weiterentwickeln. ich bin relativ glücklich, dass ich endlich verstanden habe, was mich ausmacht und welche stärken ich habe.

warum werden in schulen eigentlich nicht themen behandelt, welche dazu beitragen sich selber zu akzeptieren und zu lernen seine individuellen stärken noch mehr zu verbessern, welche im endeffekt ja auch der gesellschaft einen großen nutzen bringen werden? warum wird einem beigebracht, dass social skills das wichtigste im leben sind und die lautesten schüler gleichzeitig auch die zukunft sind, und es vollkommen egal ist ob der beitrag zu unterricht ein sinnvoll war? warum assoziiert man ruhige schüler mit dummen versagern, obwohl diese oft einen bedachten und sinnvolleren beitrag zum unterricht hätten als die lauten extrovertierten schüler, die energie daraus beziehen aufmerksamkeit von anderen zu erhalten? es heisst nicht umsonst stille wasser sind tief und ich finde, dass man introvertierte menschen für ihre guten eigenschaften wie z.b. treue, nachdenklichkeit und rücksicht viel zu wenig schätzt. ich denke, dass meine mutter viel weniger tränen vergossen hätte und ich mich gut entwickelt hätte, wenn nicht dieses ständige "du bist so leise und immer alleine, du musst mehr aus dir rausgehen" kollektivdenken mein leben beeinflusst hätte.

in meinem studienfach bin ich ein ziemlicher einzelkämpfer und fühle mich zum einen teil sehr wohl damit, weil ich meine persönlichkeit auslebe und mich nicht verstelle, werde aber zum anderen teil von einigen extrovertierten kommilitonen regelmäßig schief angeguckt, weil ich es nicht so nötig habe anderen etwas zu beweisen, sehr ungerne in diskos gehe und regelmäßig absage, wenn ich gefragt werde, ob ich lust habe mit den anderen gemeinsam zu lernen. wie erkläre ich diesen wenigen personen, dass ich introvertiert bin, ohne dass ich von ihnen als unnormal angesehen werde? meine bisherige lösung bestand darin diesen intoleranten nervensägen aus dem weg zu gehen, weil sie es anscheinend nicht verstehen wollen, dass ich mich so sehr wohl fühle. viele meiner kommilitonen schätzen meine ruhige, selbstbewusst und bestimmend auftretende art sehr, es kommt oft jemand zu mir und hält mit mir interessanten smalltalk(ja, es gibt auch uninteressanten smalltalk wie zum beispiel: "alter, wir haben heute dienstag und gehen heute in den club 1, 2 und 3 und saufen uns die birne zu und lästern dann über dies und das, während wir ein paar einfache frauen anbaggern, nur um später als tolle hechte dazustehen...). ich werde auch oft gefragt, ob ich schon für diese und jene prüfung gelernt habe, oder ob ich schon den laborbericht für xyz geschrieben habe und bescheid weiss, wie dies und das zu verstehen ist. es bereitet mir große freunde wenn ich anderen menschen helfen kann, und ich sehe, dass mich menschen gerade deshalb schätzen, weil ich introvertiert bin und mir deshalb ein lächeln oder interessantes gespräch zu zweit oder zu dritt schenken.

In zukunft will ich lernen, mehr dinge alleine zu machen und auch mal ein glückliches einzelgängerdasein zu führen, auch weil ich mitlerweile fast nicht mehr an freundschaften glaube und wieder "freunde" verliere, weil ich mich seit meiner trennung von meiner ex verändere und mich selber entdecke. ich sehe immer häufiger einzelgänger und beneide diese. ich sah z.b. diesen mann mittleren alters, welcher mit einem radler bier bewaffnet alleine neben einem staudamm sitzt und die natur genießt und jedem ein lächeln zuwirft, der seinen blick kreuzt, oder die frau die im park zufrieden alleine mit einem buch unter einem schattigen baum sitzt und ließt... ich finde das so cool, bin aber noch weit davon entfernt auch so zufrieden zu sein... immer wenn ich alleine irgendwo hingehe komme ich mir so komisch und beobachtet vor, obwohl ich mich doch sehr wohl dabei fühle. ich weiss nicht was ich tun kann, um mich alleine nicht mehr so komisch zu fühlen... ich hatte neulich auch einen schönen moment alleine, ich habe mir während einer vorlesungspause alleine ein eis geholt, habe mich danach in die sonne gesetzt und die sonne genoßen, während es auch andere studenten gab, die alleine mit sich selbst beschäftigt dagesessen sind. als ich mit dem eis fertig war, stand ich mit erhobenem haupt auf und ging lächelnd an zwei studentinnen vorbei und bildete mir ein gesehen zu haben, dass mich diese beiden interessiert angeguckt haben. kann es sein, dass sich einige frauen eher für männer interessieren, die alleine einer tätigkeit nachgehen, dabei aber keineswegs einsam wirken?

ich sollte noch erwähen, dass ich ein wenig komplexe habe, was mein äußeres betrifft, weil meine nase leicht krumm ist und ich als mann zwar relativ gut gebaut, aber nur 1.73 groß bin und ein sogenanntes milchbubi-gesicht habe, also im gesicht statt 22 eher wie 16-19 aussehe und auch noch einen schwachen bartwuchs habe 🙁

vielleicht kann mir ja jemand seine meinung schreiben oder erzählen, wie derjenige/diejenige mit der introvertiertheit oder dem einzelgängerdasein gelernt hat umzugehen? vielen dank fürs durchlesen 🙂

viele grüße,
Rogue
 
Hallo Rogue,
ich habe leider gerade keine Zeit, alles durchzulesen
und habe deshalb nur die Gegenwart überflogen, was
mich schon beeindruckt hat. Für dein Alter machst du
dir echt konstruktive Gedanken, auch wenn die prak-
tischen Konsequenzen wohl noch mehr werden dürf-
ten. Da du das Konzept der Extrovertiertheit von C.G.
Jung und damit eine Persönlichkeitstypologie verwen-
dest, würde ich dir gerne empfehlen, dich mit einem
relativ neuen Modell zu befassen, das noch sehr viel
detaillierter Unterschiede zwischen Menschen und
die praktischen Möglichkeiten zur Persönlichkeitsent-
wicklung (und außerdem Ansätze für die Partnerwahl)
beschreibt. Klick' dich mal durch die Webseiten und
schau, ob dir das weiterhilft: http://www.123modell.de/

Viele Grüße erstmal,
Werner
 
Hm. Ganz ehrlich: es hört sich manchmal so an, als nutzt du deine Introvertiertheit ein wenig als Ausrede. Natürlich gibt es introvertiertere Menschen, aber man kann sich nicht vor allem verschließen und darin einen Grund sehen.

Es ist doch völlig wumpe, ob du intro- oder extrovertiert bist. Hauptsache dir geht es gut und du machst die Dinge die dir gefallen. Dazu gehört auch, dass man über seinen eigenen Schatten springt und mit Bekannten Unternehmungen macht, die man alleine nie machen würde. Bsp. Es ist völlig in ORdnung das du nicht so der Partytyp bist. Aber du hast ein solch starres Bild 😀. Du gehst da mit guten Bekannten hin, die dich fragen ob du mitkommen möchtest. D.h. sie mögen dich, möchten dich besser kennenlernen. Freundschaften können entstehen. Auf den Partys geht es oft nicht um irgendwelche Frauen anzubaggern. Sondern auch um einfach zusammen etwas zusammen zu machen. Manchmal muss man sich darauf einlassen. Du kannst im nachhinein immer noch sagen, dass es nicht so deins ist. Andersherum könntest du ja deine Kommilitonen fragen, ob ihr mal gemütlich etwas trinken gehen könnte. Vielleicht magst du das lieber.

Du beurteilst andere Personen relativ stark, wie es mir vor kommt. Du beschreibst meistens das "Missverhalten" der anderen. Das ist mir aufgefallen

Zu deiner Ex: sie hat die Entscheidung so getroffen. Das du sie so im nachhinein beschreibst, finde ich schon relativ krass. Ihr wart schließlich 6 Jahre zusammen und sie dann als Versagerin etc. zu bezeichnen - unnett. Vielleicht ist es auch eine Reaktion, da sie dich so verletzt hat.

Ich stimme dir zu, dass es wichtig ist, sich selber zu mögen. Dafür ist es wichtig, sich immer zu reflektieren und zu hinterfragen. Seine guten und negativen Charaktereigenschaften zu kennen und weiter an sich zu arbeiten. Wenn man sich darüber bewusst ist, ist es auch vielleichter mit sich selber zurecht zu kommen.
Warum das in der Schule nicht gelernt wird: es ist ein kleiner BEstandteil neben 100 weiteren Themen. Die Schulen sollen so viel, aber können leider nicht alles erfüllen oder thematisieren. Ich gebe dir recht, dass es unfassbar wichtig ist.

Zu einer möglichen neuen Freundin: lege dich nicht allzu fest, letztenendes kann man nicht lenken, in wen man sich verliebt oder nicht.
 
Hallo TE,

die Frau wird schon irgendwann von alleine kommen, da mach dir mal kein Sorgern.
Genau dann, wenn man nicht mehr dran glaubt, kommt Sie, so war es bei mir zumindest.

Bei mir ist das auch ähnlich, wie bei dir, aber du solltest dir dieses Einzelgängertum nicht zu sehr einreden.
Wenn du dich in Massen unwohl fühlst und das unbeschwerte Alleinsein imposant findest, würde ich behaupten, dass es dir an Selbstvertrauen fehlt.

Ist sicher nicht so einfach das wieder zu bekommen, wenn man einen großen Anspruch an sich selbst hat, allerdings ist es danna uch bei weitem mehr Wert, als wenn es nur auf Mainstreamproletentum basiert.

Naja Freunde sind sehr wichtig, gerade weil man sich über Smalltalk heraus unterhalten kann, damit meine ich richtige Freunde.
 

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