Ich kann mir nicht vorstellen, dass es der Mutter entgangen ist, dass ihre Tochter zusammen mit den Kindern im Keller gefangen gehalten wurde. Die Kinder werden im Babyalter hin und wieder geschrieen haben.
Möglicherweise ist es möglich, über einen längeren Zeitraum Nahrungsmittel, von der Ehefrau unbemerkt, in den Keller zu schmuggeln, allerdings halte ich es für sehr unwahrscheinlich, dass man den aufwändigen Ausbau einer Einligerwohnung im Keller vor dem Ehepartner verbergen kann. Auch die Tatsache, dass ein Teil vom Keller kontinuierlich abgesperrt blieb, hätte eigentlich Fragen aufwerfen müssen.
Die Mutter wird die Tatsache, dass die Tochter im Keller gefangen gehalten und missbraucht wurde, in ihrer Wahrnehmung ausgeblendet haben. So gesehen war sie eine passive Komplizin ihres Mannes, die sein Verhalten zwar nicht unterstützt, aber geduldet hat.
Als Erklärung ihres Verhalltens könnte möglicherweise das
Stockholm-Syndrom zu einer sehr selektiven Wahrnehmung geführt haben:
Grundsätzlich neigen Menschen dazu, in Zwangs- oder Abhängigkeitssituationen auch moralisch bzw. ethisch bedenkliche Handlungsweisen von Autoritäten zu relativieren und eine Schutzhaltung für sich zu entwickeln. Dies gilt insbesondere für Familien, in denen auch gewalttätiges Verhalten von den eigenen Angehörigen oft toleriert oder im Nachhinein abgestritten wird, um sich selbst nicht weiter in Gefahr zu bringen oder den eigenen Selbstwert nicht zu verlieren bzw. für abhängig beschäftige Mitarbeiter, die (scheinbare) Sympathie für Vorgesetzte entwickeln, obwohl diese z.B. psychische Gewalt gegen sie selbst oder Kollegen der eigenen Gruppe/Abteilung anwenden.
Die emotionale Nähe zum jeweils emotional stärksten Mitglied einer (auch kleinen) sozialen Gemeinschaft hängt eng mit dem Überlebenstrieb des Menschen zusammen und wird häufig auch nach dem Ende einer solchen Beziehung unbewusst verdrängt. Der so entstehende Selbstschutz erhält in der Regel die affektive Selbststeuerungsfähigkeit des Betroffenen und sorgt dadurch für eine akute Überlebenschance im Alltag.
Stockholm-Syndrom – Wikipedia
Für uns ist es unvorstellbar, dass eine Frau sich einem derartig abstossenden Straftäter zugehörig fühlen kann und dulden kann, dass ihr eigenes Kind vor ihrer Nase missbraucht wird. Es fällt schwer, die Komlexität des inneren Konflikts einer solchen Frau, die möglicherweise mit einer schwachen, dependenten Persönlichkeitsstruktur geschlagen ist, nachzuvollziehen. Es kann durchaus passieren, dass eine Mutter zur Mittäterin wird, da sie (scheinbares) soziales Ansehen und die Bindung zu ihrem Mann als wichtiger/ erstrebenswerter ansieht, als den Schutz ihres Kindes.
Was der Mann/Vater sich dabei "gedacht" hat - das würde ich gerne mal hören. Was geht in diesem Kopf vor?
Das möchten wir wahrscheinlich gar nicht so genau wissen. Die Denkstrukturen eines derartig perversen Triebtäters haben nicht mehr viel mit dem emotionalen Empfinden, das wir als unser Gefühlsleben wahrnehmen, zu tun.
Ich könnte mir vorstellen, dass bei diesem Menschen keine soziale Kompetenz entwickelt wurde, er aber gelernt hat, so zu tun, als wäre er sozial kompetent, um sein Umfeld zu täuschen. Zudem ist vermutlich eine übermäßige Triebsteuerung vorhanden, die er nicht kontrollieren kann.
Wie es passierren kann, dass irgendjemand sein eigenes Kind oder irgendein Kind sexuell missbraucht, kann und will ich gar nicht nachvollziehen.
LG
Maliza