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Wie konnten wir als Kinder der 60er und 70er nur überleben? :-)

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ice_cold

Mitglied
Habe diesen Text zugesendet bekommen, ich kannte ihn noch nicht. Lässt mich aber mit einem kleinen, wehmütigen Grinsen an meine Kindheit zurück denken. Was haltet ihr davon? Lest selber.

***

Wenn du als Kind in den 60er oder 70er Jahren lebtest, ist es zurückblickend kaum zu glauben, dass du so lange überleben konntest!

Als Kinder saßen wir in Autos ohne Sicherheitsgurte und ohne Airbags.
Unsere Bettchen waren angemalt mit Farben voller Blei und Cadmium.

Die Fläschchen aus der Apotheke konnten wir ohne Schwierigkeiten öffnen, genauso wie die Flasche mit dem Bleichmittel.

Türen und Schränke waren eine ständige Bedrohung für unsere Fingerchen und auf dem Fahrrad trugen wir nie einen Helm.

Wir tranken Wasser aus Wasserhähnen und nicht aus Flaschen. Wir bauten Wagen aus Seifenkisten und entdeckten während der ersten Fahrt den Hang hinunter, dass wir die Bremsen vergessen hatten. Damit kamen wir nach einigen Unfällen klar.

Wir verließen morgens das Haus zum Spielen. Wir blieben den ganzen Tag weg und mussten erst zu Hause sein, wenn die Straßenlaternen angingen.

Niemand wusste, wo wir waren und wir hatten nicht mal ein Handy dabei!
Wir haben uns geschnitten, brachen Knochen und Zähne und niemand wurde deswegen verklagt. Es waren eben Unfälle. Niemand hatte Schuld außer wir selbst.

Keiner fragte nach "Aufsichtspflicht". Kannst du dich noch an "Unfälle" erinnern?

Wir kämpften und schlugen einander manchmal grün und blau. Damit mussten wir leben, denn es interessierte die Erwachsenen nicht besonders.

Wir aßen Kekse, Brot mit dick Butter, tranken sehr viel und wurden trotzdem nicht zu dick.

Wir tranken mit unseren Freunden aus einer Flasche und niemand starb an den Folgen.

Wir hatten nicht: Playstation, Nintendo 64, X-Box, Videospiele, 64 Fernsehkanäle, Filme auf Video, Surround Sound, eigene Fernseher, Computer, Internet-Chat-Rooms.

Wir hatten Freunde!!!

Wir gingen einfach raus und trafen sie auf der Straße. Oder wir marschierten
einfach zu denen Heim und klingelten. Manchmal brauchten wir gar nicht klingeln und gingen einfach hinein. Ohne Termin und ohne Wissen unserer gegenseitigen Eltern. Keiner brachte uns und keiner holte uns...

Wie war das nur möglich?

Wir dachten uns Spiele aus mit Holzstöcken und Tennisbällen. Außerdem aßen wir Würmer.

Und die Prophezeiungen trafen nicht ein: Die Würmer lebten nicht in unseren Mägen für immer weiter und mit den Stöcken stachen wir auch nicht besonders viele Augen aus.

Beim Straßenfußball durfte nur mitmachen, wer gut war. Wer nicht gut war, musste lernen, mit Enttäuschungen klarzukommen.

Manche Schüler waren nicht so schlau wie andere. Sie rasselten durch Prüfungen und wiederholten Klassen. Das führte damals nicht zu emotionalen Elternabenden oder gar zur Änderung der Leistungsbewertung.

Unsere Taten hatten manchmal Konsequenzen. Das war klar und keiner konnte sich verstecken.

Wenn einer von uns gegen das Gesetz verstoßen hat, war klar, dass die Eltern ihn nicht automatisch aus dem Schlamassel heraushauen. Im Gegenteil: Sie waren oft der gleichen Meinung wie die Polizei!

So etwas!

Unsere Generation hat eine Fülle von innovativen Problemlösern und Erfindern mit Risikobereitschaft hervorgebracht.

Wir hatten Freiheit, Misserfolg, Erfolg und Verantwortung. Mit alldem wussten wir umzugehen!

Und DU gehörst auch dazu?!?

Herzlichen Glückwunsch !!!

geb. nach 1980 = So, jetzt wisst ihr Warmduscher das auch ;-)

geb. vor 1980 = WIR WAREN HELDEN!!!!!!!!!!!!!!
 
Das sind interessante Aspekte. Vor allem habe ich ja nen ähnlichen Thread am Laufen --- zu den veränderten Lebensbedingungen ggü. anderer Jahrzehnte. (zusammengefasst)...

Du und die anderen seid halt alle anders aufgewachsen. Viele aus meiner 1980er Generation sehen das, was wir jetzt haben, halt ähnlich positiv wie du dein früheres Leben. 🙂 Du bist halt anders sozialisiert/aufgewachsen...

Welches Leben ist besser?

Kann man das überhaupt bewerten? Das kann man vielleicht nur für sich individuell tun.
 
Ja so war das. :daumen:
Warscheinlich kaum vorstellbar für die heutige Jugend. 😀

Ich mußte noch in der Ecke stehen, wenn ich nicht brav war. Mit dem Gesicht zur Wand. Der Klapps auf den Hinterkopf war Standardprogramm. 😀

Telefon? Fehlanzeige.
 
Hallo icecold,
das ist nunmal leider nur die halbe Wahrheit, denn

- manche von uns wurden noch von ihren Lehrern
und Eltern geschlagen und haben davon einen
bleibenden psychischen Schaden und ein gestörtes
Verhältnis zu ihrem Körper zurückbehalten

- uns wurde zu viel Zucker mit ins Essen gegeben
und deshalb haben viele von uns noch heute viel
zu viele Löcher und Plomben in den Zähnen (sofern
sie noch vorhanden sind)

- wir bekamen viel zu wenig Jod zu essen, weil Fisch
teuer war und nur wenige sich eine Gefriertruhe leisten
konnten; nicht wenige Kinder sind wegen Jodmangel
ihrer Mütter heute geistig behindert, manche sogar
schwer

- wir wurde noch von alten Nazis "erzogen", die vielen
von uns Angst vor Fremden, Franzosen, "Zigeunern",
"Landstreichern", "Russen", "Negern", "Juden" oder
anderen, die nicht "einheimisch" sind, eingeimpft haben,
als wir uns dagegen noch nicht wehren konnten; manche
kämpfen noch heute gegen Vorurteile, über deren
Ursache sie sich nicht im klaren sind

- wir gingen wie "befohlen" zur Kirche und lernten uns
zu fürchten: vor Gott, dem Teufel, der Hölle oder vor
dem Tod, weil wir keine Ahnung hatten, was uns danach
wohl erwarten mochte

- wir fürchteten uns davor, uns zu verlieben - denn ein
Mädchen anderen Glaubens zu heiraten war zumindest
auf dem Land fast unmöglich

- wir fürchteten uns vor dem ersten Kuss weil wir noch
nicht genau wussten, wie ein Mädchen schwanger wird
und als wir es endlich wussten, hatten wir Angst davor,
dass sie schwanger würde und wir dann "heiraten mussten"

- und als wir älter wurden hatten wir Angst vor AIDS, weil
wir glaubten (zu recht wohl), jeder würde daran sterben

- und wir hatten Angst vor den russischen oder/und ameri-
kanischen Atomraketen, vor den Chinesen, vor der NVA
oder allen zusammen; wir dachten an Selbstmord, weil uns
das angenehmer erschien als in einem atomar verstrahlten
Land umherirren zu müssen

- wir hatten kein Internet und konnten uns selbst die ein-
fachsten Informationen nur mit größter Mühe in den Biblio-
theken zusammen suchen und alte Freunde wieder zu finden,
war häufig schlicht unmöglich

- und als wir dann wählen konnten, gab es nur drei Parteien
und die wollten in vielen Fragen letztlich alle das gleiche, so
dass es nicht wie eine Wahl aussah, sein Kreuzchen zu
machen

Insofern: Auch früher war nicht alles in bester Ordnung 😉
auch wenn der Text einen gewissen Reiz hat.
 
Ich erinnere mich gern an meine Kindheit, abgesehen von meiner Mutter. Bin auf dem Lande gross geworden, es war einfach genial .Wir sind im Winter noch mit Ziegelsteine ins Bett gegangen , damit wir warme Füsse hatten, im Winter gab es Äpfel aus der Bratröhre des Kachelofens , einen Bohnerbesen, da konnte man all seine Wut weg bohnern ...😀 .
Wir aßen Kartoffeln aus dem Kartoffeldämpfer für die Schweine , rohe Eier konnte man noch ohne Angst vor Samonellen verspeisen (würde ich heute nie mehr tun) usw. usw.

Aber die heutige Technik möchte ich auch nicht missen. Was wären wir ohne Internet.

Mit 48 Jahren kann ich sagen es hatte alles seine guten und schlechten Seiten. 🙂
 
Das stimmt alles. dennoch bin ich der Meinung das wir zumindest eine unbeschwertere Kindheit und Jugend hatten.
Ich denke das wir schon ein Stück freier und auch selbständiger waren als heute Jugendliche,gleichwohl natürlich auch wir mit den Problemen und Ansichten unserer Zeit leben mussten.

Meine Meinung ist das wir in zwar schwierigen Zeiten jugendliche waren Oelkrise, Vietnam und kaltem Krieg aber wir nahmen die Dinge lockerer.
Und wenn mein Leben die ersten Jahre auch sehr schwer war so möchte ich doch in keiner anderen Zeit als dieser Kind und Jugendlicher gewesen sein.
 
FQ

Insofern: Auch früher war nicht alles in bester Ordnung 😉
auch wenn der Text einen gewissen Reiz hat.

Werner, warum schreibst du so viele negatives auf?
Ich habe mich gerade so über den Beitrag Icecold gefreut und erinnerst du mich daran wie schlecht es früher doch war. :wein: 😉
 
Werner, warum schreibst du so viele negatives auf?

Sollte nur die "Gegengewichte" dieser Zeit und damit
das Gute von Heute aufzeigen. Sonst klingt es so, als
wäre "früher" alles gut und heute alles schlecht - was
ja nicht so ist.

Hätte jemand nur Negatives geschrieben, hätte ich mir
einiges Positive überlegt 🙂
 
Hallo icecold,
das ist nunmal leider nur die halbe Wahrheit

Und deine Schreckensliste soll wohl Zeugnis der anderen Hälfte der Wahrheit geben?

Wohl eher nicht.
Zumindest für die von mir erlebte, erinnerte und interpretierte Wahrheit meiner Kindheits- und Jugendtage.
Diese setze ich zur besseren Einordnung mal zwischen 1967 (weiter reicht mein Gedächtnis nicht zurück) und 1982 (Ende der Schullaufbahn) an.

Werner meinte:
- manche von uns wurden noch von ihren Lehrern
und Eltern geschlagen und haben davon einen
bleibenden psychischen Schaden und ein gestörtes
Verhältnis zu ihrem Körper zurückbehalten

Stimmt.
In der Grundschule haben wir noch die eine oder andere Ohrfeige sowie das Langziehen der Ohren erfahren müssen.
Diese Art der unmittelbaren Strafen wurde übrigens durchweg von Lehrerinnen vollzogen, die als Lehrkörper in der Grundschule schon damals die Mehrheit stellten.
Ihre männlichen Kollegen pflegten eher Schlüsselbunde, Kreidestücke oder Tafelschwämme auf vermeintliche Störer ihres Unterrichts zu schleudern,
was dem Ganzen zumindest aus Schülersicht noch eine gewisse sportliche Note und dem Ziel der Würfe die Gelegenheit zu Ausweichmanövern gab,
was wiederum zu gelegentlichen Kollateralschäden unbteilligter und weniger reaktionsschneller Hintermänner führte.
Zumindest wurden diese in ihrer Wirkung eher indifferenten Strafen weniger demütigend als die Züchtigungen durch Lehrerinnen empfunden,
zumal man, schon aufgrund des auch unter uns Schülern vorhandenen Ehrenkodex, diesem Gegner vom schützenswürdigeren und verletzlicheren weiblichen Geschlecht viel schlechter spontanen Hass und offene Feindschaft entgegenbringen konnte.
Dennoch bin ich mir sicher, dass die damals zu Recht oder Unrecht empfangenen Ohrfeigen, Wangenkneifer und Ohrzieher keinen Schaden an meiner Psyche hinterlassen haben.

Werner meinte:
- wir bekamen viel zu wenig Jod zu essen, weil Fisch
teuer war und nur wenige sich eine Gefriertruhe leisten
konnten; nicht wenige Kinder sind wegen Jodmangel
ihrer Mütter heute geistig behindert, manche sogar
schwer

Schulspeisung gab es zwar keine, aber dafür stand im Kindergarten und im Hort jeden Freitag Fisch auf dem Speiseplan.
Unser Kühlschrank zu Hause hatte bereits ein ebenso grosses Gefrierfach wie das Standardkühlfach.
Und da alle in der Familie gerne Fisch aßen, gab's den auch teilweise am Wochenende oder unter der Woche.
Wie jodhaltig der allerdings war und welchen Nutzen bzw. Schaden Jod in der Nahrung hatte, dafür hat sich tatsächlich damals kaum jemand interessiert;
auf jeden Fall ganz bestimmt nicht wir Kinder.

Werner meinte:
- wir wurde noch von alten Nazis "erzogen", die vielen
von uns Angst vor Fremden, Franzosen, "Zigeunern",
"Landstreichern", "Russen", "Negern", "Juden" oder
anderen, die nicht "einheimisch" sind, eingeimpft haben,
als wir uns dagegen noch nicht wehren konnten; manche
kämpfen noch heute gegen Vorurteile, über deren
Ursache sie sich nicht im klaren sind

Solche Pauker (im wahrsten Wortsinn) wurden wohl höchstens noch auf unsere Vorgänger losgelassen und konnten ihr Unwesen wohl höchstens in den späten 40er bis in die 50er Jahre kultivieren.
Wir hingegen hatten eher mit den Segnungen und Ausgeburten an antiautoritären Erziehungs- und Unterrichtsmethoden der sog. 68er, also jener Klientel der o.g. Nazi-Steisstrommler, zu kämpfen und darunter zu leiden.
Anscheinend waren unsere ohrfeigenden Lehrerinnen davon wohl noch nicht beseelt, aber in den späteren Grundschuljahren und den daran anschliessenden auf der Sekundarstufe sollte uns der 68er-Reformeifer noch voll erwischen.
Allerdings glaube ich im Nachhinein kaum, dass unsere frühen Grundschullehrerinnen und Kindergartentanten (Erziehrinnen) Nazijulen oder BDM-Zicken gewesen waren.
Auch boten sie dafür trotz ihrer lockeren Hand (oder etwa gerade deswegen?) auf uns pubertierende Jungs zu viel Projektionsfläche für erotische Phantasien und feuchte Träume.

Werner meinte:
- wir gingen wie "befohlen" zur Kirche und lernten uns
zu fürchten: vor Gott, dem Teufel, der Hölle oder vor
dem Tod, weil wir keine Ahnung hatten, was uns danach
wohl erwarten mochte

Humbug. Im atheistischen oder bestenfalls protestantischen Berlin befahl uns niemand zur Kirche und Gott und Teufel sowie die Ewige Verdammnis in der Hölle fürchtete von uns niemand.
Die Teilnahme am Religionsunterricht war eine freiwillige Angelegenheit.
Da die Religionslehrerin nur spannende Geschichten von den irren Israeliten aus dem alten Testament erzählte, nahme wir sogar bis zur Pubertät gerne freiwillig daran teil,
obwohl die nicht daran teilnehmenden Schüler in der Zeit - man stelle sich das mal vor - unterrichtsfrei hatten!
Später in der Oberstufe war Religion, abgesehen von ein paar verirrten "Jesus-Liebt-Dich"-Hippie-Ablegern kein Thema mehr und einfach zu uncool (obwohl diese Bezeichnung wohl noch nicht im Schwange war).

Werner meinte:
- wir fürchteten uns davor, uns zu verlieben - denn ein
Mädchen anderen Glaubens zu heiraten war zumindest
auf dem Land fast unmöglich

Du meine Güte. Wer dachte denn schon ans Heiraten.
Wir wollten ran an die Weiber und allenfalls ein bisschen knutschen und sehr viel fummeln, wozu es aber so gut wie nie kam.
Denn bei den Mitschülerinnen waren wir absolut chancenlos.
Denn wir spielten nicht in deren Liga. Die orientierten sich, wenn schon an Schülern, höchstens an den Jungs aus ein bis zwei Klassen über uns.
Am ehesten schmissen sie sich aber an Typen ran, die bereits in Besitz einer Pappe und in Verfügungsgewalt über Papas Karre waren
und bereits der Schule den Rücken gekehrt hatten und einer Lehre oder einem Studium nachgingen.

Werner meinte:
- wir fürchteten uns vor dem ersten Kuss weil wir noch
nicht genau wussten, wie ein Mädchen schwanger wird
und als wir es endlich wussten, hatten wir Angst davor,
dass sie schwanger würde und wir dann "heiraten mussten"

Ich fürchte fast, dass trotz allgegenwärtiger Pornosierung (gibt's so ein Substantiv überhaupt?) heutzutage unter Schülern der Kenntnisstand über die mit der reinen physischen Praxis verbundenen psychischen und vor allem reproduktiven Fährnisse ebenso unterbelichtet ist wie zu unserer Zeit.
Anders ist die immer noch erschreckend hohe Zahl ungewollter Schwangerschaften nicht-erwachsener Mädchen kaum zu erklären.

Werner meinte:
- und als wir älter wurden hatten wir Angst vor AIDS, weil
wir glaubten (zu recht wohl), jeder würde daran sterben

von AIDS und den ersten Toten daran hörte ich erst nach dem Ende meiner Schulzeit.

Werner meinte:
- und wir hatten Angst vor den russischen oder/und ameri-
kanischen Atomraketen, vor den Chinesen, vor der NVA
oder allen zusammen; wir dachten an Selbstmord, weil uns
das angenehmer erschien als in einem atomar verstrahlten
Land umherirren zu müssen

Mir ist niemand meiner Mitschüler von damals bekannt, der aus diesen Gründen je an Selbstmord gedacht hätte.
Es gab zwar tatsächlich 1-2 Selbsttötungen unter denen, aber aus den gleichen Gründen, weshalb schon ein Werther bei der Jugend vor 200 Jahren Kultstatus erreichte - empfundene unerfüllte Liebe und allgemeiner Weltschmerz.

China spielte damals in den Ausläufern des Kalten Krieges keine Rolle.
Wer so ein intimes Wissen hatte, dass er von der Existenz chinesischer Atombomben und von der Intim-Feindschaft zwischen Russen und Chinesen wusste,
der konnte nur ein Sinologe oder Politikwissenschaftler sein.

Im Westen wurde das atomare Overkill-Potential nur den Amis angelastet.
(siehe Schmidts einsamen Kampf für den NATO-Doppelbeschluss)
Wer wusste schon (oder wollte das so genau wissen), dass 300000 Russen um Berlin herum stationiert waren, stets in Bereitschaft gehalten die West-Teilstadt heim ins SBZ/DDR-Reich zu holen?

Werner meinte:
- wir hatten kein Internet und konnten uns selbst die ein-
fachsten Informationen nur mit größter Mühe in den Biblio-
theken zusammen suchen und alte Freunde wieder zu finden,
war häufig schlicht unmöglich

Dafür fassten wir den Begriff "Freund" wohl auch etwas enger als Facebook und Co. uns das heute suggerieren wollen.
Der Kontakt oder wenigstens die Kenntnis ihres Verbleibs jener wirklichen Freunde ist uns über die Jahre nie abhanden gekommen,
weil wir noch ein Mindestmaß an Pflege diesen Freundschaften angediehen liessen.
Alle anderen "Freunde" hingegen, zu denen der Kontakt abriss, waren diese Anstrengung wohl auch nicht wert.
Informationen mussten wir uns tatsächlich zum Teil noch in Bibliotheken zusammensuchen.
Dafür wussten wir, wie man Bibliotheken, Zeitungen und Archive nutzt.
Der Zwang zu schriftlichen Notizen dabei verhalf uns, unser Wissen auch meist länger im Gedächtnis zu behalten
und überhaupt eine festere und breiter gegründete Struktur in unser Wissen auch der Zusammenhänge und nicht nur inkohärenter Einzelfakten zu bekommen.
Weil wir aus dem destillierten Wissen noch eigenständige Sätze und Zusammenfassungen formulierten und es eine Copy-and-Paste-Funktion nicht gab,
konnte man unseren Elaboraten auch seltener den Plagiatsvorwurf unterstellen.

Werner meinte:
- und als wir dann wählen konnten, gab es nur drei Parteien
und die wollten in vielen Fragen letztlich alle das gleiche, so
dass es nicht wie eine Wahl aussah, sein Kreuzchen zu
machen

Dafür gab es noch absehbare Wahlergebnisse und regierungsfähige Mehrheiten.
Wähler, die so, wie sie wählten, aus Tradition und langjähriger Überzeugung wählten und denen ihr Wahlrecht zu kostbar war,
um darauf durch Wahlenthaltung zu verzichten oder durch erratische Protestwahlen chancenloser Exoten die eigene Stimme auszudünnen.
 
Irgendwie scheint es modern geworden zu sein im Internet die Kindheit zu glorifizieren und diejenige seiner Generation über die anderer zu stellen. Und jeder der "dazugehört" darf sich dann eine Runde besser fühlen und "erhabener" als die Angehörigen anderer Generationen.
Ich finde es irgendwie albern sich durch vergangene Zeiten aufwerten zu müssen und daraus einen "Pissing Contest" zu machen.
 
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