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Wie kann man mit mentaler Krankheit normal leben?

solr1se

Neues Mitglied
Ich hab mich schon immer gefragt, ob es jeder mentalen kranken Person so geht wie mir. Ich habe mehrere Diagnosen und eines spielt in das andere rein. Dazu kommt dann auch Trauma.
Zum Beispiel fühle ich mich sehr oft schlecht dafür, dass ich depressiv bin. Ich denke dann oft, "Hör auf so zu tun als ob du depressiv wärst" "Du bist nur faul" "Heul nicht rum".
Ganz oft grenze ich die Stimme in meinem Kopf von mir selber ab, denn ist oft so als würde ich mich mit mir selber streiten.
Auch wenn ich an Kindheitstrauma denke und dann ängstlich werde, fange ich an zu denken "Das war doch gar nicht so schlimm wie du denkst" oder "Das war ganz anders, du hast kein Trauma", obwohl ich gleichzeitig mittlerweile genau weiß, dass es Trauma ist.
Ich weiß, dass viele von diesen Gedanken von den Kommentaren meiner Mutter entstanden sind, aber ich hatte jetzt schon so lange keinen Kontakt mit ihr...Ich frage mich, ob das alles niemals besser wird.
Ich fühle mich nicht normal, jedes einzelne rausgehen ist für mich an vielen Tagen einfach Tortur, was mich traurig macht, weil ich normalerweise gerne draußen bin, aber meine Angststörung es mir unmöglich macht, mich einfach auf die Natur zu konzentrieren.

Dazu kommt, dass ich oft meine Emotionen nicht wirklich unter Kontrolle habe. Ich werde schnell sauer und traurig, bin sehr selten glücklich und "gute Tage" passieren so einmal im Monat für mich. Ich meine nicht, dass jeder andere Tag schlecht ist aber ich bin einfach sehr depressiv. Wenn ich irgendwelche Personen auf der Straße sehe, denke ich direkt "Der/Die denkt bestimmt ich sehe voll schlecht aus..." und somit sehe ich jede andere Person direkt "feindlich" und ich hasse das. Ich kann Menschen schwer in die Augen schauen, weder noch normal lächeln. Manchmal habe ich Probleme mit Menschen, weil sie denken, ich wäre "angepisst" aufgrund meiner Mimik und Stimme. Dann muss ich immer sagen "Haha Nein, ich sehe nur so aus" und bin dann Tagelang zu ängstlich herauszugehen.

Zu all dem kommt dann noch, dass ich mich immer noch selbst verletze, wenn mir alles zu viel wird. Ich bin 23 und finde keinen normalen Weg, mit meinen Emotionen umzugehen, also ritze ich mich und hoffe oft, dass ich versehentlich zu tief mache, damit ich einfach sterben kann. Ich sage versehentlich, weil ich generell zu viel Angst davor habe zu sterben, weil keiner weiß, was nach dem Tod kommt und außerdem will ich meine Tante und Oma nicht traurig machen, die sind nämlich die einzigen Personen in meiner Familie, welche noch regelmäßig mit mir sprechen.

Ich hab auch ganz oft existentielle Ängste. Manchmal glaube, dass ich nicht dazu bestimmt war so lange zu leben, ich glaube oft mein Leben wird sich darauf hinausspielen, dass ich mich irgendwann im Wahnsinn umbringe und eigentlich hätte dies schon viel früher passieren sollen. Insbesondere in letzte Zeit habe ich das Gefühl, dass ich irgendwann bald sterben werde, weil ich schon länger lebe als gedacht.

Manchmal fühle ich mich auch nicht wie ein Mensch. Als ob ich alles so vor mir beobachte. Und ich mein das nicht abgehoben wie "Ich bin besser als Menschen". Ich kann einfach nicht wie andere Menschen sein. Manchmal setze ich mir wie so eine "Maske" auf und dann bin ich für ein paar Stunden ein extrovertierter Mensch, welcher lustig ist und Spaß haben kann. Und ich mag das, ich mag, wenn Menschen mich lustig finden oder sogar mit mir befreundet sein wollen. Aber ganz oft merkt man dann, dass ich einfach nicht immer so bin und die meiste Zeit einfach nur depressiv in meiner Stube sitze und mir über alles zu viele Gedanken mache.

Insbesondere fühle ich mich nicht "Deutsch", obwohl ich eine Deutsche Familie habe und in Deutschland geboren wurde. Ich kann mich mit Deutschland nicht gut identifizieren und finde selten Deutsche, mit denen ich gut klarkomme =(

Oft denke ich, ich habe wahrscheinlich ein paar mehr Probleme als Depressionen und Angststörung, aber ich habe immer noch keinen Therapeuten. Und ich will auch nicht wieder in die Psychiatrie, ich habe kein Geld und keine Zeit dafür im Moment oder überhaupt in den nächsten Jahren. Obwohl ich genau weiß, ich müsste wahrscheinlich wieder gehen, weil ich im Moment sehr suizidal bin.

Vielleicht klingt das alles wie Rumgeheule für andere Personen. Keine Ahnung, ich wünschte einfach mein Leben wäre nicht so geleitet von existentiellen Ängsten und Fragen welche keiner beantworten kann. Ich wünschte ich könnte normal leben, ohne daran zu denken, dass es mir besser gehen würde, wenn ich tot wäre. Wie kann man so normal Leben?
 
Nein das klingt nicht wie Rumgeheule.
Oh man, ich könnte gleich weinen vor Mitgefühl, wenn ich dich lese.
Ja wie kann (soll) man leben, wenn man anders ist und nicht mithalten kann mit der Spassgesellschaft?
Nicht so sein kann, wie man sein will oder sollte?
Du bist da echt nicht die Einzige mit dem Problem.
Eine Komplettlösung gibt es da nicht.
 
Es tut mir leid, dass es dir so oft nicht gut geht. Bist du denn medikamentös eingestellt? Und stehst du für einen Therapeutenplatz auf einer Warteliste?

Hast du einen Hausarzt, dem du deine Situation schildern kannst? An den solltest du dich zuerst wenden, damit ein Hilfeprozess für dich in Gang gesetzt werden kann. Der Arzt kann dir auch einen Dringlichkeitscode geben, so dass du schneller einen Therapeutentermin bekommst. Wichtig ist allerdings, dass du wirklich offen redest, damit der Arzt deine Situation auch richtig einschätzen kann: Dass du Phasen hast, an denen du nicht mehr leben möchtest, solltest du unbedingt erwähnen, genauso ihm von deiner Selbstverletzung berichten.

Es gibt mittlerweile auch einige wirklich gute Online-Angebote für die Übergangszeit bis du einen Platz bei einem Therapeuten hast. Dabei handelt es sich um Programme, die dir ebenfalls ein Arzt verschreiben muss und die zu 100% krankenkassenfinanziert sind. Danach könntest du ihn auch konkret fragen. Schau mal, hier hatte ich dazu bereits etwas geschrieben. Und nein, es ist keine Werbung. Ich bin beruflich mit solchen Themen befasst.
 
Wenn du zB in einer fröhlichen Runde nicht mitlachen kannst, weil dich die Melancholie mal wieder überkommt, dann äussere dies auch falls du darauf angesprochen wirst. "Ich bin grad ein bissi depri, aber finde es trotzdem schön bei euch zu sein." Wenn du es nicht schön findest, dann verlasse die Situation.

Hör auf deine Bedürfnisse. Die Menschen, die von deinen Problemen wissen und dich trotzdem mögen, werden nachsichtig sein.
Ja genau 👍
 
Ich wünschte ich könnte normal leben, ohne daran zu denken, dass es mir besser gehen würde, wenn ich tot wäre. Wie kann man so normal Leben?

Mir kommt das sehr bekannt vor, das habe ich auch so. Es gibt zwei unterschiedliche Wahrnehmungen, eine ist so, eine anders.
Ich komme gut klar, weil ich die "Andersform" ( Trübsal, Zweifel, Menschenhass, Selbsthass etc.) zwar etliche male am Tag japsen höre, sie aber nicht ernst nehme. Wegen dieser "zweiten Stimme" wäre schon so viel kaputt gegangen, die ist niemals mein Berater, die ist nur Murks und Verderben.

Wieso hörst du drauf, du müsstest doch längst wissen, dass diese Tortour, die du mitmachst, wegen dem ist, weil du das alles glaubst, was du aus deinem Innern vernimmst und hörst.

Geh spazieren, auch wenn es für den Depri in dir die Hölle ist, schau freundlich, auch wenn der Depri das nie tun würde, guck dich um und schreibe auf, was du alles gut hast, das würde dieser Stimme in dir niemals einfallen, die ist eben anders. Je öfter du Regungen nachgehst und jene trainierst, die "hell" sind, umso "tödlicher" ist das für dieses Dunkle. Es geht ein... das Helle lebt auf.

Ich schicke dir die Geschichte von den zwei Wölfen, da wird das gut beschrieben. https://scheitweiler.de/blog/achtsamkeit/die-parabel-von-den-zwei-woelfen/
 
Ich kann nur jedem (JEDEM!) raten, mit Kraftraining anzufangen. Jeder wie er kann, aber 3 Mal die Woche.


Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird das deine Stimmung positiv beeinflussen. Von den körperlichen Vorteilen will ich mal gar nicht anfangen.

Bzw. ich hatte früher selbst Probleme mit Selbstverletzung, eine Sozialphobie des Todes, die mir mein Leben zur Hölle gemacht hat. Inzwischen bin ich davon komplett geheilt. Sogar das Gegenteil ich kann (wenn es für mich sinnig ist), aktiv auf fremde Menschen zugehen.

Ohne Medikamente, ohne Therapie. Durch Konfrontations"therapie", Sport, gesunde Ernährung, etc. Heißt nicht, dass das jeder machen sollte und es zu empfehlen ist - aber es ist möglich
 
Hi @solr1se,
ich habe Deinen Beitrag auszugsweise gelesen (ganz geht gerade nicht.)
- Ja, ich bin chronisch psychisch krank, Aussicht unheilbar, mit mehreren Diagnosen, geht mir ähnlich.
- Gestolpert bin ich über den Punkt bei Dir, dass Du ein Problem damit hast (wenn ich das richtig verstanden habe), deutsch zu sein. Das berührt bei mir einen wunden Punkt aktuell, weil ich (ebenfalls?) deutsch bin, in meinem komplexen Trauma dadurch ausgegrenzt war in einer Gemeinschaft, und auch im Leben danach viele diskriminierende und folgenreiche Erfahrungen machen musste als deutschey / deutsche*r. Daher befürchte ich, wenn das in Deinem Thema zur Sprache kommt, dass ich dann kein guter Gesprächspartner bin.
> Bezüglich Leben mit chronischer psychischer Krankheit da könnte ich einiges erzählen, was mir hilft. Dazu kannst Du mir gerne fragen stellen.
LG FlokiX
 
Oft denke ich, ich habe wahrscheinlich ein paar mehr Probleme als Depressionen und Angststörung, aber ich habe immer noch keinen Therapeuten. Und ich will auch nicht wieder in die Psychiatrie, ich habe kein Geld und keine Zeit dafür im Moment oder überhaupt in den nächsten Jahren. Obwohl ich genau weiß, ich müsste wahrscheinlich wieder gehen, weil ich im Moment sehr suizidal bin.
Hallo solr1se,
das ist ärgerlich, dass es so schwer ist, Therapieplätze zu finden ... aber wenn du das, was du hier schreibst, deiner Hausärztin oder deiner Krankenkasse schilderst, müsste sie doch zumindest eine Übergangslösung für dich finden? Suizidal zu sein ist ja keine Lapalie.

Einen Hinweis möchte ich dir noch geben: Du schreibst von Depressionen, Angststörungen und suizidalen Gedanken sowie Aggressivität – weißt du, dass das alles Symptome von Zinkmangel sind? Mein jüngerer Bruder hatte in deinem Alter ganz ähnliche Beschwerden und da wusste das auch niemand. Das hat sich erst Jahre nach seinem Tod herausgestellt. Hast du vielleicht auch Schlafstörungen, ein schlechtes Immunsystem und Wortfindungsstörungen? Vielleicht magst du mal hier einen kostenlosen und anonymen Test machen und das Ergebnis mit deiner Hausärztin besprechen: www.zinktest.de – Zinkmangel kann z. B. auch durch ein Trauma ausgelöst werden und dann jahrelang unentdeckt bleiben. Dabei ist der ganz einfach zu beheben.

Alles Gute!
Werner
 
Wenn man hinter die Kulissen blickt, führt fast niemand ein "normales" Leben oder sie tun es, fühlen sich dabei aber unzureichend und schlecht. Manchmal motiviert mich so eine innere Stimme sogar, wenn sie sagt, dass ich nur so tue, dass es doch gar nicht so schlimm sei. Aber man darf sich auch nicht selbst fertig machen und die eigenen Probleme runterspielen. Was könnte dir helfen?
 
Und ich will auch nicht wieder in die Psychiatrie, ich habe kein Geld und keine Zeit dafür im Moment oder überhaupt in den nächsten Jahren.
Wie kommt das? Bezüglich Geld: Die Krankenkasse zahlt doch normalerweise. Bezüglich Zeit: Wenn es dir so schlecht geht… wieso hast du dann keine Zeit? Hättest du eine körperliche Krankheit, könntest du ja auch nicht sagen „hab keine Zeit, kann nicht ins Krankenhaus“.
 

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