Hallo Piepel,
Alkoholismus ist wirklich keine spaßige Krankheit. Ich bin seit 8,5 Jahren trocken, wäre an meiner Sucht fast gestorben und denke deswegen, dass ich das gut beurteilen kann.
Während es von außen vielleicht so aussieht, als würde da Trinken Spaß machen (und das hab ich mir auch selbst lange genug eingeredet), ist die Realität eine andere: körperlicher Verfall, der Verlust von Freundschaften, echten Kontakten, mentale Belastungen, Schlafstörungen, ständig ein schlechtes Gewissen haben...
Ich war zu der Zeit immer so gut wie pleite, konnte mich nur schwer über Wasser halten, habe immer wieder neue Jobs angefangen, weil ich nicht in der Lage war, lange bei einer Sache zu bleiben (spätestens nach ein paar Wochen wurde ich rückfällig und bin für ein paar Tage abgetaucht, um durchgängig zu trinken). Meine Familie hat hilflos zugesehen, ich hatte viele Schuldgefühle, die ich nur aushalten konnte, indem ich wieder getrunken habe. Ein entsetzlicher Teufelskreis.
Um auf die Frage der TE zurückzukommen: Mir haben nahestehende Personen oft zu helfen versucht. Sie hatten keine Chance, solange ich nicht selbst in der Lage dazu war, mit dem Trinken aufzuhören. Wie das bei mir gelungen ist? Ich habe viele Dinge in meinem Leben radikal geändert, manches freiwillig, manches hat das Schicksal für mich erledigt. Das ist leider total individuell, deswegen habe ich keine allgemeingültige Lösung dafür.
Alles, was du von außen für deinen Vater tust, kann dazu führen, dass er sich in seiner Krankheit nicht dem Ernst der Lage stellt, weil er ausreichend Hilfe von dir bekommt. Wenn es für dich zu hart ist, ihn so zu sehen, ist es für euch beide besser, wenn du den Kontakt einstellst. Solange er weiß, dass deine Tür wieder offen sein wird, wenn er trocken ist, ist das für euch das beste.