Harry Haller
Mitglied
Schwierige Situation. Einweisen funktioniert nicht. Um gegen ihren Willen eingewiesen zu werden, muss schon massive Eigen- oder Fremdgefährdung vorliegen. Zudem erkennst du ja selbst, dass es nichts bringt. Die wissen dann in der Psychiatrie auch nix mit ihr anzufangen, wenn sie keine Hilfe will. Und Zwangsbehandlung ist ja auch Mist und man würde das eh nicht so ohne weiteres machen.
Vielleicht ist es ja so, dass sie euch ja noch als "Ableiter" hat. Sprich, wenn es ihr schlecht geht, kann sie es an euch auslassen. Was würde passieren, wenn sie diesen "Ableiter" nicht mehr hätte? In anderen Worten gesprochen, wenn ihr keiner mehr zuhört. Vielleicht würde sie sich dann woanders hin orientieren. Oder kaputt gehen. Ich weiss es nicht. Bei mir war es immer so, dass ich mir Hilfe suchen musste, wenn ich alleine nicht mehr konnte, denn ich hatte niemanden. Ich bin allerdings auch ein erträglicher Verrückter und schade mir weitesgehend nur selbst.
Gibt es bei euch Vereine/Beratungsstellen für Angehörige psychisch Kranker? Wenn ja, würde ich mich dort mal beraten lassen. Ich hoffe, die haben dort mehr Ideen als "Zwangseinweisung". Ich kann aus Beobachtungen sagen, es gibt psychisch Erkrankte, die haben "Helferkreise" aus drei oder mehr Personen. Und schon die reiben sich dran auf. Aber es ist für jeden einzelnen Helfer zumindest erträglicher, wenn sich die Last auf mehreren Schultern verteilt. Aber das wird sie sicher auch nicht wollen. Und genau das ist das große Problem. Ich sehe keine Lösung, die für beide Seiten gut wäre. Sie müsste zumindest sagen: "Ja, ich möchte mir helfen lassen".
Ein Verein für die Hilfe mit psychischen Erkrankungen ist eine super Idee. Hab gerade geguckt, so etwas gibt es in der Tat hier in der Nähe.
Eigentlich hatte sie mal größere "Helferkreise". Aber wie ich oben geschrieben hatte, reagiert sie in manchen Momenten absolut aggressiv auf jegliche Form von Druck, auch wenn es nur Bitten oder ähnliches sind. Und nach dem Selbstmordversuch haben eigentlich alle Personen versucht sie zu überzeugen, dass sie eine Therapie oder etwas ähnliches machen sollte. Das hat dazu geführt, dass sie dann allen Leuten, die ihr eigentlich beistehen wollten aggressiv gegenüber geworden ist, und sich fast alle ihre Freunde von ihr abgewendet haben. Sie hat sich in der Zeit auch temporär von mir getrennt, weil ich sie auf eine Therapie angesprochen hatte. Bevor da irgendwelche falschen Interpretationen kommen, sie hat mit der temporären Trennung jedenfalls nicht erreicht, dass ich das Thema nicht mehr anspreche.
Mittlerweile ist es sogar bald so weit, dass sich ihre Eltern immer mehr von ihr Abwenden. Ich kriege hier von Tag zu tag mit, dass ihre Eltern immer weniger mit ihr zu tun haben wollen, weil sie mit der Aggression auch nicht klar kommen.