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Wie geht ihr mit dem Tod um?

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Unregistriert

Gast
Bitte erzählt mir doch mal wie ihr verkraftet wenn ihr wißt das ein Elternteil nicht mehr lange zu Leben hat. Ich habe arge Probleme damit und weine mir die Augen aus. Zur Zeit nehme ich Beruhigunsmittel damit meine Kinder nicht immer merken wie es mir geht. Meine Kinder sind noch sehr klein, erst 3 und 4 Jahre alt. Mein Vater ist 68 Jahre, also auch noch nicht alt, aber dafür von Krankheiten echt gebeutelt . Und als ob das nicht genug währe, nein nun bekommt er auch noch eine Lungenfibrose die sich rapide verschlechtert.
Ich kann einfach nicht damit umgehen meinen Vater sterben zu sehen. Wie kann ich das möglichst schnell packen, sonst gehe ich vor die Hunde.
Seit mir nicht böse das ich unerkannt bleiben möchte, ich könnte sonst nicht darüber schreiben und habe auch hier niemanden mit dem ich offen reden könnte.
LG
einfach nur Ich
 
Hallo Du,

Ich versuche mich nochmal in die Zeit zurückzuversetzen, als ich mit 21 den Vater, mit 27 die Mutter und mit 25 den älteren Bruder verlor.

Vielleicht hilft es, wenn cih Dir 2 Fragen stelle, auf die ich gerne, nach reiflichem Überlegen, eine ganz ehrliche Antwort von Dir hätte.

Ich gehe mal davon aus, dass Du selbst noch rechts jung bist, da Deine Kinder noch so klein sind. Bist Du als Einzelkind mit Deinem Vater groß geworden, ich schätze er war bestimmt schon 35 als Du zur Welt kamst. Entschuldige, ich versuche mir nur erst einmal ein Bild von Dir und Deiner Familie zu machen.
Bist Du sehr behütet aufgewachsen? Du erwähnst Deine Mutter nicht. Stehst Du alleine dem Leiden Deines Vaters gegenüber?

Bitte stelle Dir einla folgende Situationen vor:

Ich gehe davon aus, dass Du Deinen Vater sehr liebst und sehr an ihm hängst.
Wieviele Jahre erlebst Du jetzt schon seine Qualen mit?
Was bedeutet der Gedanke für Dich wenn Dein geliebter Vater, endlich von seinen Qualen erlöst wird? Hast Du es mal aus dieser Warte betrachtet, wenn Du ihn lieb hast?
Was ist die Trauer um einen geliebten Menschen?
Man verliert etwas, dass man aus "Liebe" nicht loslassen möchte, egal wie sehr der andere sich quält. Könntest Du Dich mit dem Gedanken anfreunden, dass das sehr egoistisch ist? Du liebst ihn doch. Gönnst Du ihm aus lauter Egoismus den wohlverdienten Frieden nicht? Bitte spring mir nicht ins Gesicht, wenn diese Sätze und Fragen fast zynisch klingen. Ich will Dir helfen, mit dem Tod umzugehen, deshalb bist Du ja hier im Forum. Zum Lernen mit etwas umzugehen gehört, sich so nüchtern, wie es geht damit auseinanderzusetzen. Aber nicht nur nüchtern, sondern auch ganz ehrlich sich selbst gegenüber.

Jetzt stell Dir die andere Situation vor:
Dein Vater ist kerngesund, nie ernsthaft krank gewesen. Dein bester Kumpel in Kind- und Jugendzeit. Und dann plötzliche macht er eine blöde Bewegung mit dem Bohrer, während er dir einen schönen Schreibtisch zusammenbaut. Nach ein paar Tagen, in denen alles ist wie immer, kriegt er starke sChmerzen und es wird eine zerissenen Bandscheibe festgestellt. Er kommt in eine Klinik, wo du ihn nicht besuchen kannst, weil sie 500 km weeit weg ist. Du vermisst ihn, denn er war ja nie krank, Du freust Dich wie narrisch auf den kommenden Samstag, weil er nach 4 Wochen endlich nach Hause kommt. Am Freitag abend telefonierst Du eine ganze Stunde mit ihm, erzählst ihm von Deiner neuen, großen Liebe, er lacht sein warmherziges Lachen, dass Du so liebst und freut sich Deinen neuen Schwarm kennenzulernen.
Lachend und scherzend beendet ihr das Gespräch.
Am Samstag morgen, um 6 Uhr klingelt das Telefon. Du hast einen kleinen 15 Jährigen Bruder, der wie immer schneller dran ist als Du selbst, denn Du wirst ja erst vom klingeln geweckt. Und dann stürzt er in Dein Zimmer, rüttelt Dich an der Schulter und brüllt Dich an. "Du, Du, Du, wach auf, Papa ist tod."

Kannst Du Dir vorstellen, was jetzt in Dir vorgeht. Wie würdest Du damit umgehen?
Stell Dir ehrlich vor, welche Situation Du besser meistern könntest.
Die Erlösung des schwerkranken, 68-jährigen Vaters, oder das Herausgerissenwerden aus Deinem Leben mit 48 Jahren.

Ich möchte Dir jetzt zu beiden Situationen nichts weiter sagen, sondern Dich bitten, den Mut zu haben, einmal beide zu durchleben.

Willst Du mir eine ehrliche Antwort darauf geben, wenn Du soweit bist.

Am Eingang zum Freidhof, steht ein Schild:
"Im Ja zum Willen Gottes, verliert das Leiden seine Macht"

Ich wünsche Dir tröstliche Gedanken, und dass Du voll Liebe an Deinen Vater und Deine Kinder denkst.

Es grußt Dich voller Wärme
Luiserl
 
Hallo !

Wie Du mit dem Tod umgehen kannst, hängt davon ab, was Du über ihn weißt, und wie Du es verstehst.

Leider denken sehr viele Menschen immer noch, daß der Tod ein endgültiges Ereignis ist. Also das Ende der Existenz eines Menschen. Daß dem nicht so ist, hab ich selbst erfahren.

Bei aller Trauer um den Abschied wäre es für Dich wichtig, daß Du verstehst, daß Dein Vater endlich wieder nach Hause darf. Dort (im sogenannten Jenseits) wird es ihm erheblich besser gehen. Er wird dort seinen weiteren Weg gehen und Dich in Empfang nehmen, wenn für Dich die Zeit gekommen ist, und Du es möchtest.

Begleite ihn die letzte Zeit auf der Erde, und zwar mit einer Träne im Auge, aber einem Lächeln auf den Lippen. Sieh es so, als würdest Du ihn zum Zug bringen, und er eine lange Reise machen. Und freue Dich, daß es ihm besser gehen wird und Du ihn wiedersiehst!

Du brauchst keine Beruhigungsmittel, sondern das Vertrauen darauf, daß das, was die Liebe erschafft, stets für die Ewigkeit ist!

Sei ganz fest umarmt!

Liebe Grüße

Marcus
 
Luiserl meinte:
Hallo Du,

Ich versuche mich nochmal in die Zeit zurückzuversetzen, als ich mit 21 den Vater, mit 27 die Mutter und mit 25 den älteren Bruder verlor.

Vielleicht hilft es, wenn cih Dir 2 Fragen stelle, auf die ich gerne, nach reiflichem Überlegen, eine ganz ehrliche Antwort von Dir hätte.

Ich gehe mal davon aus, dass Du selbst noch rechts jung bist, da Deine Kinder noch so klein sind. Bist Du als Einzelkind mit Deinem Vater groß geworden, ich schätze er war bestimmt schon 35 als Du zur Welt kamst. Entschuldige, ich versuche mir nur erst einmal ein Bild von Dir und Deiner Familie zu machen.
Bist Du sehr behütet aufgewachsen? Du erwähnst Deine Mutter nicht. Stehst Du alleine dem Leiden Deines Vaters gegenüber?

Bitte stelle Dir einla folgende Situationen vor:

Ich gehe davon aus, dass Du Deinen Vater sehr liebst und sehr an ihm hängst.
Wieviele Jahre erlebst Du jetzt schon seine Qualen mit?
Was bedeutet der Gedanke für Dich wenn Dein geliebter Vater, endlich von seinen Qualen erlöst wird? Hast Du es mal aus dieser Warte betrachtet, wenn Du ihn lieb hast?
Was ist die Trauer um einen geliebten Menschen?
Man verliert etwas, dass man aus "Liebe" nicht loslassen möchte, egal wie sehr der andere sich quält. Könntest Du Dich mit dem Gedanken anfreunden, dass das sehr egoistisch ist? Du liebst ihn doch. Gönnst Du ihm aus lauter Egoismus den wohlverdienten Frieden nicht? Bitte spring mir nicht ins Gesicht, wenn diese Sätze und Fragen fast zynisch klingen. Ich will Dir helfen, mit dem Tod umzugehen, deshalb bist Du ja hier im Forum. Zum Lernen mit etwas umzugehen gehört, sich so nüchtern, wie es geht damit auseinanderzusetzen. Aber nicht nur nüchtern, sondern auch ganz ehrlich sich selbst gegenüber.

Jetzt stell Dir die andere Situation vor:
Dein Vater ist kerngesund, nie ernsthaft krank gewesen. Dein bester Kumpel in Kind- und Jugendzeit. Und dann plötzliche macht er eine blöde Bewegung mit dem Bohrer, während er dir einen schönen Schreibtisch zusammenbaut. Nach ein paar Tagen, in denen alles ist wie immer, kriegt er starke sChmerzen und es wird eine zerissenen Bandscheibe festgestellt. Er kommt in eine Klinik, wo du ihn nicht besuchen kannst, weil sie 500 km weeit weg ist. Du vermisst ihn, denn er war ja nie krank, Du freust Dich wie narrisch auf den kommenden Samstag, weil er nach 4 Wochen endlich nach Hause kommt. Am Freitag abend telefonierst Du eine ganze Stunde mit ihm, erzählst ihm von Deiner neuen, großen Liebe, er lacht sein warmherziges Lachen, dass Du so liebst und freut sich Deinen neuen Schwarm kennenzulernen.
Lachend und scherzend beendet ihr das Gespräch.
Am Samstag morgen, um 6 Uhr klingelt das Telefon. Du hast einen kleinen 15 Jährigen Bruder, der wie immer schneller dran ist als Du selbst, denn Du wirst ja erst vom klingeln geweckt. Und dann stürzt er in Dein Zimmer, rüttelt Dich an der Schulter und brüllt Dich an. "Du, Du, Du, wach auf, Papa ist tod."

Kannst Du Dir vorstellen, was jetzt in Dir vorgeht. Wie würdest Du damit umgehen?
Stell Dir ehrlich vor, welche Situation Du besser meistern könntest.
Die Erlösung des schwerkranken, 68-jährigen Vaters, oder das Herausgerissenwerden aus Deinem Leben mit 48 Jahren.

Ich möchte Dir jetzt zu beiden Situationen nichts weiter sagen, sondern Dich bitten, den Mut zu haben, einmal beide zu durchleben.

Willst Du mir eine ehrliche Antwort darauf geben, wenn Du soweit bist.

Am Eingang zum Freidhof, steht ein Schild:
"Im Ja zum Willen Gottes, verliert das Leiden seine Macht"

Ich wünsche Dir tröstliche Gedanken, und dass Du voll Liebe an Deinen Vater und Deine Kinder denkst.

Es grußt Dich voller Wärme
Luiserl

Hallo Luiserl,
erstmal danke für deine Antwort.
Ich bin kein junger Hüpfer mehr, nein ich bin 44 Jahre alt und habe auch schon etliche Verwandte gehen lassen müssen.Meine Mutter lebt auch noch und zwar mit meinem Vater zusammen. Das mit dem behütetem Einzelkind stimmt, aber meine Eltern waren erst 21 und 23 Jahre alt als sie mich bekamen.
Ich habe schon die verschiedensten Varianten des Todes kennengelernt, von plötzlich über langes Siechtum halt eben die ganze Bandbreite. Leider komme ich einfach nicht damit zurecht einen geliebten Menschen loszulassen. Ja, ich würde meinem Vater den Frieden gönnen, endlich keine Schmerzen und keine Atemnot mehr. Was daran , unter anderem, so schwer fällt ist eben das er am Leben hängt und noch nicht gehen möchte. Ihn mit diesem Wissen sterben zu sehen fällt mir halt nicht leicht.
Natürlich ist es für einen selbst besser jemanden nach langem Siechtum gehen zu lassen. als jemanden der kerngesund war. Habe ja leider beides schon erlebt was es mir dennoch nicht leichter macht. Bin eben ein hoffnungloser Fall.
Vielen Dank jedenfalls für deine liebe Antwort, es hat mir schon gutgetan mich einfach mal austauschen zu können.
LG
Ich
 
Marcus meinte:
Hallo !

Wie Du mit dem Tod umgehen kannst, hängt davon ab, was Du über ihn weißt, und wie Du es verstehst.

Leider denken sehr viele Menschen immer noch, daß der Tod ein endgültiges Ereignis ist. Also das Ende der Existenz eines Menschen. Daß dem nicht so ist, hab ich selbst erfahren.

Bei aller Trauer um den Abschied wäre es für Dich wichtig, daß Du verstehst, daß Dein Vater endlich wieder nach Hause darf. Dort (im sogenannten Jenseits) wird es ihm erheblich besser gehen. Er wird dort seinen weiteren Weg gehen und Dich in Empfang nehmen, wenn für Dich die Zeit gekommen ist, und Du es möchtest.

Begleite ihn die letzte Zeit auf der Erde, und zwar mit einer Träne im Auge, aber einem Lächeln auf den Lippen. Sieh es so, als würdest Du ihn zum Zug bringen, und er eine lange Reise machen. Und freue Dich, daß es ihm besser gehen wird und Du ihn wiedersiehst!

Du brauchst keine Beruhigungsmittel, sondern das Vertrauen darauf, daß das, was die Liebe erschafft, stets für die Ewigkeit ist!

Sei ganz fest umarmt!

Liebe Grüße

Marcus

Lieber Marcus,
auch dir sei gedankt für deine Antwort.
Ich bin mir nicht sicher was nach dem Tod auf uns wartet. Habe schon einige Bücher diesbezüglich gelesen, stehe dem aber dennoch etwas skeptisch gegenüber. Aber ich werde wirklich mal versuchen daran zu glauben oder mich zumindest mal wieder mehr damit zu beschäftigen, mal sehen ob ich dann besser damit zurechtkomme.
Danke für deine Umarmung, hat gutgetan.
LG
Ich
 
Hallo, ich versuche so gut wie es geht mit dem Tod umzugehen, denn meine Mutter ist mit 66 Jahren an Krebs gestorben, mein Bruder tödlich verunglückt (suizid) und im selben Jahr ist das Nesthäckchen der Familie mit 32 an Krebs verstorben ihre Tochter war neun Jahre, meine ältere Schwester wird auch bald sterben an Krebs und mein Vater hat Leukämie, er hat die Chemo gut überstanden, aber leidet sehr weil zwei seiner Kinder vor ihm gegangen sind.
Manchmal liege ich die ganze Nacht wach und wünschte es wäre nur ein böser Traum gewesen, aber ich weine sehr viel, das macht meiner Seele Luft. Ich weiß das der Tod etwas sehr trauriges ist, aber ich rede jeden abend zu den Sternen und weiß meine drei lieben hören mir zu und sind immer in meiner Nähe. Wenn jemand geht ist es schlimm, aber wir tragen sie in unseren Herzen weiter. Ich wünsche Dir viel Kraft, die wirst Du brauchen, aber es hat jeder sein Leben warum manche früher und manche später gehen, da weiß nur der Himmel. Doch das Leben geht weiter, denn Deine Kinder brauchen Dich und auch sie werden einmal vor dieser Situation stehen, so ist der Lauf des Lebens. Ich habe Leute dafür gehasst, die mir soetwas gesagt haben, aber ich habe gelernt damit umzugehen.
 
Hallo DU,

danke dass Du mir geantwortet hast. Dann sind wir ja altersmäßig gar nicht so weit auseinander.
Ich meld mich heute abend wieder im Forum, muss nur leider gleich weg.
Wollte Dich nur wissen lassen, dass ich gedanklich versuche, Dir heute Abend etwas zu geben, was Dir und unseren anderen unregistrierten Gast vielleicht ein kleiner Balsam ist.
Bis dahin kann ich mich nur Markus Worten anschließen. Ich denke, wie er.
Euer Luiserl
 
Ihr Lieben hier,
mir geht es schon ein wenig besser, weil ich hier Menschen gefunden habe mit denen ich mich austauschen kann. Das hilft mir sehr. Obwohl ich verheiratet bin habe ich in meinem Mann keine Unterstützung und das tut sehr weh. Er hat halt seine Art damit umzugehen. Mir jedoch würde es schon helfen wenn er mich einfach mal in den Arm nehmen würde, habe ich ihm auch schon deutlich gesagt. Schade, es kommt nichts zurück von ihm. Deshalb komme ich mir halt im Moment so verloren vor.
Wenn ich jedoch lese das es anderen noch viel schlechter geht als mir, dann bin ich beschämt überhaupt etwas geschrieben zu haben.
Morge werde ich wohl mehr erfahren, ich habe Morgen mit meinem Vater einen Termin bei seinem Lungenfacharzt. Mal sehen was der sagt. Ich hoffe ihn alleine sprechen zu können um zu erfahren wie viel Zeit meinem Vater noch bleibt. Wenn er davon wüßte, würde er sich aufgeben oder aber sofort in eine Atemattacke kommen aus der er nicht wieder herauskommen würde. Das möchte ich nicht verantworten. Nur mir könnte das Wissen, wie lange noch, etwas bei der verarbeitung helfen. Ist egoistisch von mir ich weiß, bin auch nicht stolz darauf.
LG
Ich2
 
Hallo DU2 (wieso eigentlich plötzlich 2?), hier bin ich, wie versprochen. Ist spät geworden, ich weiss, tut mir leid.
Da hast Du aber einen ganz dummen Gedanken geäußerst. Was heißt einen, es waren sogar zwei.
Hier bei uns gibt es keine größeren oder kleineren Sorgen und Nöte. Verzweiflung bleibt, Verzweiflung und Traurigkeit bleibt Traurigkeit, da gibt es keine Wertigkeit. Für jeden ist der Moment, wo er sich an uns wendet, der entscheidende, der aus der absoluten Verzweiflung heraus geboren wird. Verstehst Du, jede einzelne Geschichte, die wir hier lesen, ist absolut und subjektiv. Da gibt es kein mehr oder weniger, und schon gar kein dummes Schämen. So, das war das Erste.

Und dann, wie kommst Du auf den Gedanken, es könnte egoistisch sein, wenn Du die Wahrheit über Deinen Vater wissen möchtest. Wenn Du glaubst, mit dieser Wahrheit, wie immer sie aussieht, umgehen zu können, wenn sie dir wirklich helfen kann, dich besser auf das Ende vorzubereiten, dann hat das wirklich nichts mit Egoismus zu tun. Nur viele wollen diese Wahrheit gar nicht wissen, weil sie davor Angst haben. Allerdings wirst Du auch respektieren müssen, dass der arzt an Seine sChweigepflicht gebunden ist, wenn Dein Vater ihm das gesagt hat, damit ihr nicht noch mehr beunruhigt werdet.
Aber versuchen würde ich in jedem Fall, ein persönliches Gespräch mit dem Arzt zu bekommen.
Vielleicht nicht gerade am Untersuchungstag, da dürfte es schwer sein, ohn das dein Vater es merkt. Aber stecke dem Arzt ein brieflein zu, mit der Bitte um einen telefonischen Termin. Wenn er Dich dann nicht zurückruft, kann ja vorkommen bei einem Klinikarzt, der ja ziemlich viel um die Ohren hat, dann versuch Du es. Ich halt es da genau wie Du, ein Feind, den man kennt, vierliert schon ein wenig seinen Schrecken. Bist Du sicher, dass Dein Vater die Wahrheit, die ja auch nur eine Schätzung sein kann, nicht auch lieber kennen würde, um sich selber vorbereiten zu können.
Weist Du es gibt so viele Dinge, die man als Betroffener noch so gerne erledigt oder ins Reine gebracht hätte, wenn man die Chance dazu gehabt hätte. Aber da die liebe Familie meist so denkt, wie Du, aus Rücksicht, und um den Kranken zu schonen, aus Angst ihn zu belasten, und was es sonst noch für Gründe für die mitleidige Lüge geben mag, bekommen die wenigsten Todkranken diese Chance. Dadurch dass der Tod immer noch so ein starkes Tabuthema ist, über das man lieber nicht spricht, weil man keine Geister wecken möchte, werden wichtige Angelegenheiten immer wieder aufgehoben. Glaubst Du ich wäre schon einmal, seit ich erwachsene und eine eigene Familie habe, in ein Krankenhaus zu einer Op gegangen, ohne nicht vorher, ein gültiges Testament zu verfassen, meine Patientenverfügung überprüfen, ob noch alles so ist, wie ich das möchte, weil ich eigentlich nie weis, ob, und wenn ja, wie ich zurückkomme. Ist doch komisch, oder? Jeden Tag riskiert man im Straßenverkehr sein Leben,. aber wenn man mal ins Krankenhaus muss, nimmt man jedesmal fast einen Abschied für immer. Unser Hirn geht schon seltsame Windungen.
Weist Du, eigentlich hast Du ja schon alles gesagt, mit Deinem Motto: Lebe jeden Tag, als wäre es Dein letzter. Zu wissen, wie lange der Arzt Deinem Vater noch gibt, kann auch das Abschiednehmen zerstören. Denn sobald der vermutliche Zeitpunkt ganz nah ist, macht man sich täglich noch mehr sorgen: Wenn ich morgen aufwache, dann...... Tja, und dann ist der Termin verstrichen, 1 Woche, 1 Monat, noch eine Woche usw. Glaubst Du nicht, dass Du dann halb irre wirst und kaum noch schlafen kannst, um jaaa bei ihm zu sein, wenn es soweit ist.
Das wird eine harte Belastung für Dich, und glaube nicht, Du könntest Deine Angst und Unruhe dann vor Deinem Vater verbergen. Ein todkranker hat ein besonders feines Gespür für die verschiedenen Schwingungen. Entweder, ihr wisst beide Bescheid, dann kann einer den anderen trösten, wenn die Angst zu groß wird, oder es weis keiner von Euch. Dann wisst ihr, das es jeden Tag oder aber auch erst in Wochen sein wird, und könnt die einzelnen Tage vielleicht etwas unbeschwerter miteiander umgehen. Wie man es dreht und wendet, immer wieder kommt es aufs gleiche raus, man tut immer genau das richtige, in dem Augenblick wo man es tut, ob richtig oder falsch, weis man immer erst hinterher. Ist keine große Hilfe,was ich hier von mir gebe, gell?

Vielleicht ist es das beste, einfach aus dem Bauch heraus zu entscheiden, wenn ihr im Krankenhaus seid. Vielleicht ist Dein Vater ja auch einverstanden, dass Du dabei bist, falls der Arzt mit ihm darüber sprechen sollte.
Aber so wie Dein Vater und Du zueinander stehen, denn ich denke er liebt Dich so wie Du ihn, käme für mich nur ein entweder wir oder keiner in Frage. Es ist unfair, wenn einer alleine die Angst tragen muss, aber auch den Vorteil hat, mehr zu wissen.
Liebe Du2, ich kann Dir leider keinen allgemeingültigen Rat geben. Den gibt es sich. angehörige von Sterbenden stehen immer wieder vor diesem Gedankenzwiespalt.
Vielleicht gäbe es noch jemanden, der Dir aus manigfaltiger Erfahrung heraus berichten und raten könnte. Wende Dich doch einmal an ein Sterbehospiz (müsste man über die kirchlichen Stellen finden). Die Menschen dort haben schon so viele Sterbende begleitet, bis es zu Ende war, sodass sie eigentlich die Kompetentesten zur Beantwortung Deiner Fragen sind.

Ich begleite Dich in Gedanken weiter, aber auch ich kann nicht sagen, ob ich Dir wünschen soll, dass es bald vorüber ist, oder ob ich mit dir hoffensoll, dass es noch eine Weile dauert.
Ich bin auch ratlos, drücke und umarme Dich aber ganz fest. Und wenn es so weit sein sollte, und er seinen letzten Gang angetreten hat, dann denke an uns hier im Forum. Wenn Du irgend wo, nicht allzuweit entfernt wohntest, würde ich Dich auf dem letzten Gang gerne begleiten.
Alles Liebe
Luiserl
 
Hier ich nochmal, hallo, ich weiß auch wie es ist, wenn man nur den Wunsch hat in den Arm genommen zuwerden, auch mir erging es so, mein Ex-Mann hatte dafür keine Ader. Bei mir ist es zur Zeit so, das mein Vater sehr viel Hoffnung in mich setzt für ihn da zu sein, da er ja schon Frau und zwei Kinder verloren hat und das nächste Kind bald gehen wird. Er hat so viel durchgemacht, seine Chemos gut überstanden, aber sein Herz kann man nicht trösten. Ich habe Familie und ziehe mein Enkel groß, mein eigenes Leben steht am Abgrund, aber die Angst meinen Vater nicht halten zu können wenn er fällt, die ist sehr groß, ich bin am ende meiner Kräfte. Als wir erfuhren, das meine kleine Schwester ( Papas Liebling), nur noch ein paar Tage zu leben hat, habe ich meinen Vater in den schweren Stunden begleitet. Es hat mir fast da Herz zerissen, aber ich musste stark sein. Für mich ist der Tod nicht mehr so schlimm wie am Anfang, einen geliebten Menschen gehen zu lassen ist schwer, aber er ist immer im Herzen und wird immer wissen was wir denken und fühlen. Ihm wird es gut gehen und er wird uns ein schönes Wiedersehen bereiten. Der Schmerz einen lieben Menschen zu verlieren ist groß, aber aus dem Schmerz wird Trauer und aus der Trauer wird Erinnerung. Der Schmerz lässt nach, die Trauer bleibt eine Weile, aber die Erinnerung trägt man immer im Herzen, bis man wieder vereint ist. Ich wünsche Dir viel STärke dies durch zu stehen, auch werde Dich hiermit in den schweren Stunden des Abschiedes begleiten und in Gedanken bei Dir weilen.

LG
 

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