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Werkzeugkoffer Religion

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TomTurbo

Aktives Mitglied
Religionen sind ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft. Die meisten Menschen haben irgend eine religiöse Überzeugung, auch wenn diese oft sehr wage ist („Irgendetwas gibt es...“) . Auch nicht-religiöse Menschen sind in ihrem täglichen Leben stark von Religion geprägt: Feiertage zum Beispiel. Unsere Moral ist stark von religiösen Denken durchdrungen. In Ethik-Kommissionen sitzen oft religiöse Menschen.

Religionen können viel gutes tun, sie gibt Menschen Sinn und Halt. Religionen geben vielen einen moralischen Kompass. Sie Strukturieren unser Leben durch Feste, von Geburt bis zum Tod.

Religionen bringen aber auch viel Zwist. Über vieles im Alltag kann man argumentieren. Man kann Kompromisse schließen. Aber im religiösen Bereich sind Kompromisse schwierig. „Dieses Buch ist von Gott und es ist absolut wahr.“ Wie kann man über so ein Thema Kompromisse schließen? Der Schöpfer des ganzen Universums muss es doch wissen, was gibt es da zu diskutieren?

Nun, ein anderer hat ein anderes Buch, das ist auch von Gott und auch absolut wahr. Dummerweise stehen in dem anderen Buch aber andere Sachen……
Und schon kracht's.

In diesem Thread möchte ich ein paar Ideen vorstellen, die für das Verständnis von Religionen und für den religiösen Dialog sinnvoll finde. Ich möchte euch einladen, diese Ideen zu kritisieren, wenn ihr sie nicht gut findet. Und ich möchte euch einladen, eure „Werkzeuge“ für diesen Koffer zu posten, wenn ihr welche habt.

Nachdem das Thema Religion hier im Forum immer wieder zu Streitereien führt, möchte ich für diesen Thread ein paar Regeln einführen.
1.) Verboten ist das Werben für eine bestimmte Religion. Macht eure Missionstätigkeit meinetwegen in einem anderen Thread, aber nicht hier.
2.) Verboten ist das Kritisieren und beschimpfen einer bestimmten Religion. (Wenn jemand gegen Regel 1 verstößt, bitte einfach kommentarlos stehen lassen.)
3.) Nicht erwünscht sind auch abfällige Bemerkungen über Religionen und religiöse Menschen im allgemeinen.

Es geht also so etwa um diese Fragen:

* Was ist Religion, wie kann man Religionen verstehen.
* Was ist Religion nicht? Wie grenze ich „Religion“ von anderen Begriffen ab wie „Ideologie“ oder „Spiritualität“
* Was ist ein Kriterium für eine gute oder eine schlechte Religion? Wie finde ich die für mich passende bzw. die „wahre“ Religion?
* Wie soll man interreligiösen Dialog gestalten, welche Regeln sind sinnvoll? Hier im Forum und in der Gesellschaft.
* Ist der Dialog überhaupt sinnvoll? Hier im Forum und auch sonst?



Ein Wegbegleiter durch den Dschungel dieses Threads:


Werkzeug Nr 1: Subjektive Wahrheit

Kompliziertes Eingangsstatement https://www.hilferuf.de/forum/gesellschaft/264868-werkzeugkoffer-religion.html#post3693343

Erklärung wie ich das meine https://www.hilferuf.de/forum/gesellschaft/264868-werkzeugkoffer-religion-9.html#post3693947

Eine Geschichte dazu https://www.hilferuf.de/forum/gesellschaft/264868-werkzeugkoffer-religion-23.html#post3695511


Werkzeug Nr 2: Ich Botschaften https://www.hilferuf.de/forum/gesellschaft/264868-werkzeugkoffer-religion-2.html#post3693365

Werkzeug Nr. 3: Mehrere Ebenen von Wahrheit https://www.hilferuf.de/forum/gesellschaft/264868-werkzeugkoffer-religion-2.html#post3693383

Werkzeug Nr 4: Sprich über deine Weltanschauung, ohne andere dabei runter zu machen https://www.hilferuf.de/forum/gesellschaft/264868-werkzeugkoffer-religion-3.html#post3693532

JPrestons Microcosmos https://www.hilferuf.de/forum/gesellschaft/264868-werkzeugkoffer-religion-6.html#post3693682

Juehrs Zugang: https://www.hilferuf.de/forum/gesellschaft/264868-werkzeugkoffer-religion-7.html#post3693740 ff

Bidis Kritik am Wahrheitsbegriff https://www.hilferuf.de/forum/gesellschaft/264868-werkzeugkoffer-religion-8.html#post3693830

Warum ich das mache https://www.hilferuf.de/forum/gesellschaft/264868-werkzeugkoffer-religion-15.html#post3694177

Herrn N durch den Kakao ziehen 🙂 https://www.hilferuf.de/forum/gesellschaft/264868-werkzeugkoffer-religion-15.html#post3694180 ff

Inspirations Evangelikaler Zugang https://www.hilferuf.de/forum/gesellschaft/264868-werkzeugkoffer-religion-17.html#post3694670 ff

Meine Intention https://www.hilferuf.de/forum/gesellschaft/264868-werkzeugkoffer-religion-25.html#post3696314
 
Zuletzt bearbeitet:
Werkzeug Nr. 1: Objektive und Subjektive Wahrheit


Objektive Wahrheit ist etwas, das für jeden Menschen wahr ist, unabhängig von Religion, Geschlecht, Alter, Kultur usw.
Klassische Domänen sind die Mathematik und die Naturwissenschaften.

Kennzeichen der objektiven Wahrheit ist, dass ich eine Methode angeben kann, um die Aussage zu verifizieren oder zu falsifizieren.

In der Mathematik ist diese Methode z.B. der Beweis. In der Naturwissenschaft ist es das Experiment.

Beispiel 1:
5*3= 15, das ist eine objektive Wahrheit.
Ich kann sagen „Schau her: Multiplikation ist wiederholte Addition. 5*3 ist also 5+5+5 und das ist 15“

Beispiel 2:
Ich sitze jetzt vor einem weißen Sony Laptop. Ich behaupte, dass das objektiv wahr ist. Ihr könntet kommen und den Laptop ansehen und anfassen. Ihr könntet die Typenbezeichnung lesen und googeln. Ich könnte ein Photo machen.

Beispiel 3:
Ich habe eine Batterie in der Hand, die hat eine Spannung von 1.5 V. Ich behaupte, das ist objektiv wahr.
Die Spannung können wir mit unseren Sinnen nicht messen.
Es gibt aber unterschiedliche Messgeräte, die auf ganz unterschiedlichen Prinzipien beruhen. Die Messergebnisse werden alle ziemlich genau 1.5 V betragen. Folglich behaupte ich, dass das objektiv wahr ist.
Die objektive Wahrheit muss also nicht sinnlich erfahrbar sein. Ich muss aber ein Kriterium angeben können, wie sich andere Menschen vom Wahrheitsgehalt überzeugen können.


Subjektive Wahrheit ist etwas, was nur für einen Menschen oder für eine Gruppe von Menschen wahr ist.
Subjektive Wahrheit ist aber nicht weniger wahr. Es ist nur nicht für jeden wahr.
Das ist etwas, das für nichtreligiöse Menschen sehr sehr schwierig zu verstehen ist.

Ich war früher Christ und darum kann ich euch sagen: Für einen Christen ist es absolut wahr dass es z.B. Gott gibt. Und zwar gleich wahr, wie ich vor diesem Laptop sitze.
Darum sterben Menschen auch für ihre Religionen. Sie sterben nicht für etwas, das sie glauben, sondern für etwas das sie wissen.

Fast habe ich das Gefühl, dass sich subjektive Wahrheiten sogar „wahrer“ anfühlen. Weil mit dem Computer kann ich mich ja täuschen. Das geht über meine Sinne. Die Gegenwart Gottes spüre ich direkt in mir. Das ist viel direkter und unmittelbarer.


Das ist also mein Vorschlag zum interreligiösen Dialog.

* Der Atheist sagt zum Gläubigen: Für dich ist das absolut wahr, ich akzeptiere das und respektiere das und mache mich darüber nicht lustig.
* Der Gläubige sagt zum Atheisten: Für mich ist es wahr, für mich ist es das schönste der Welt, ich akzeptiere aber, dass es für dich vielleicht nicht wahr ist.
* Der Gläubige sagt zum Gläubigen einer anderen Religion: Ich akzeptiere, dass du eine andere Wahrheit hast und ich weiß, dass diese Wahrheit für dich gleich wahr und gleich wichtig ist wie meine Wahrheit für mich.


Dann haben wir eine gute Basis. Auf dieser Basis können wir einen respektvollen Dialog führen, wenn wir wollen.

Was denkt ihr?
 
Zuletzt bearbeitet:
Sorry, wenn mir jemand mit absoluter Wahrheit kommt, komme ich immer mit "Schrödingers Katze"
 
Werkzeug Nr 2: Ich Botschaften

Ich habe in meinem Leben viele religiöse Diskussionen gehabt, gute und schlechte. Gut läuft das Gespräch eher, wenn beide von sich sprechen. Schlecht läuft es, wenn einer oder beide absolute Wahrheit einfordern.

Empfehlenswert finde ich also Sätze wie:

Ich glaube dieses und jenes“
Ich habe das so und so erfahren“
„Das hat mir geholfen“
Ich bin fest davon überzeugt,...“

Der andere kann zuhören. Anteil haben an der Glaubenswelt. Und dann von seiner Welt erzählen. Beide können in einen sinnvollen Dialog treten.

Für Kritik finde ich gut:

Ich kann mir nicht vorstellen, ...“
Das heißt ja nicht, dass es falsch ist oder dumm. Ich kann es mir halt nicht vorstellen.

„Damit kann ich nichts anfangen“
Es muss nicht falsch sein oder dumm. Ich kann damit nichts anfangen. Wenn ich zum Beispiel mit Quantenphysik nichts anfangen kann, dann muss es ja nicht an der Quantenphysik liegen.🙂

Ich glaube nicht,...“
Vielleicht liegt's ja an mir, dass ich so kleingläubig bin.

Sobald jemand in der religiösen Welt absolute Wahrheiten formuliert, geht das Gespräch bald abwärts.
 
Ich glaube, du hast einen falschen Ansatz. Eine diskussion über Religion kann anregend sein aber NICHT in einem Hilfeforum in dem die Menschen wesentlich wichtigere Probleme haben.
Besuch doch an einer uni ein entsprechendes Proseminar und berichte darüber.
 
Religionen sind Lebensrichtlinien die jede Religion auf seine Weise ausschmückt und mit Mythen würzt.
Kinder glauben an den Weihnachtsmann und den Osterhasen, weil sie damit übermenschliche Fähigkeiten verbinden und dieser Glaube daran bewirkt gerade in der Vorweihnachtszeit bei den Kindern wahre wundern.
Sie sind braver, für viel Vieles sehr empfänglich in Erwartung des Weihnachtsabends.
Dir Religionen basieren auf dem gleichen Schema nur ist ihre Hauptfigur nicht der Weihnachtsmann sondern der Tod und die Furcht, das es danach nichts mehr gibt.
Ein manipulativer sehr guter und sehr alter Schachzug.

Sind religiöse Menschen besser - man könnte berechtigt zweifeln, wenn wir an die vielen Glaubenskriege und den Terrorismus denken.
Auch die Beichte, nach dem man Kind und Frau geschlagen hat, die scheinbar alles bereinigt.
Scheinheiligkeit.

Und dann gibt es die Menschen, die keine Götter brauchen, um sich ihrer ethisch moralischen Verantwortung bewusst zu sein und sie Vorleben, jeden Tag aufs Neue - das ist wirklich "göttlich".
 
Werkzeug Nr. 3: Mehrere Ebenen von Wahrheit

Es ist keine triviale Frage, ob ein Text wahr ist oder falsch. Es gibt viele Ebenen, auf denen ein Text „wahr“ sein kann.

Als Beispiel nehme ich gern Äsops Parabel vom Fuchs und den Trauben. Ist die Geschichte wahr?
Auf einer wörtlichen Ebene: Nein, natürlich nicht. Füchse können nicht sprechen und Füchse fressen keinen Trauben.
Dennoch ist die Geschichte „wahr“ in einem übertragenen Sinn: Die Menschen reden das schlecht, was sie nicht haben können.

So ist es bei religiösen Texten eben auch, aber viel, viel komplexer. Es gibt viele Ebenen, die über- und nebeneinander liegen. Oft ist eine Fülle von Interpretationen möglich.

Je mehr die Religionen ihre Texte mit einem gewissen Augenzwinkern lesen, umso weniger Konfliktpotential gibt es zwischen ihnen.
So kann ich als Atheist mit einem Christen gemeinsam die Bibel auslegen und beide haben etwas davon.
 
Man muss die Bibel eben mit den Augen der Vernunft lesen. Dann kann man ihr eine Menge Vernünftiges entnehmen.

Im Prinzip braucht man die Bibel ja nicht. Man hat ja seine Vernunft. Und die sagt mir ziemlich genau, was ich tun oder unterlassen soll. Als Erbauung können wir die Bibel aber zulassen, sofern sie vernünftig interpretiert wird.
 
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