Hallo Tyra,
ich danke Dir sehr für die Mühe, die Du Dir mit Deinen ausführlichen Antworten gemacht hast!
Es ist alles sehr kompliziert, weil ich nun mal ein sehr komplizierter Mensch bin.
Ich glaube, Du hast recht in dem Punkt, dass ich die Wut und den Hass brauche um überhaupt leben zu können.
Ich brauche den Schmerz um mich selbst zu spüren, so wie viele Borderliner, die sich ritzen.
Habe schon oft darüber nachgedacht und bin zu der Erkenntnis gekommen, dass ein Leben in Liebe und Harmonie für mich wohl unerträglich wäre!
Eine Therapeutin sagte mal zu mir, dass meine Aggressionen aus meiner Kindheit kommen.
Ja, aber nicht nur! Mein Elternhaus war sehr lieblos, die Schule war die Hölle für mich.
Doch die negativen Erfahrungen zogen sich auch später wie ein roter Faden durch mein Leben. Ich scheiterte immer wieder im Beruf und wurde von Männern nur benutzt und sexuell missbraucht.
Gleich von meinem ersten Freund wurde ich vergewaltigt.
Ich glaube, darüber bin ich nie hinweggekommen.
Im Grund habe ich es immer so erlebt, dass mir weh getan wurde.
Sowohl psychisch als auch körperlich. Vielleicht habe ich heute die Sucht in mir, mir selber immer weh zu tun, um diesen Zustand aufrechtzuerhalten. Um den vertrauten Zustand nicht aufgeben zu müssen.
Wahrscheinlich habe ich mir jahrelang etwas vorgemacht, als ich glaubte, einen liebevollen und zuverlässigen Partner finden zu wollen, mit dem ich eine Familie hätte gründen können.
Ja, manchmal denke ich darüber nach, wie es wohl gewesen wäre, Kinder zu haben.
Wäre ich eine gute Mutter gewesen, oder hätte ich die Verantwortung, die damit verbundenen Sorgen und die Aufgabe meiner Bequemlichkeit gar nicht ausgehalten?
Ich weiß nicht, ob Du meinen Beitrag von gestern in meinem Thread im Forum Gewalt gelesen hast.
Ich hatte gestern das Gespräch mit dem Amtsleiter, das angenehm für mich verlaufen ist, da er sehr nett und locker war.
Aufgrund seiner Art gelang es mir, neutral und sachlich zu bleiben.
Ich schilderte die Vorfälle so, wie sie waren, habe nichts weggelassen und nicht hinzuerfunden.
Mir wurde ein anderer Sachbearbeiter zugesagt.
Der Sachbearbeiter, der mich belästigt hat, wird wohl nur mit einem Verweis rechnen müssen. Auf die Möglichkeit einer Strafanzeige habe ich verzichtet.
Das Gespräch hat mir sehr geholfen, meine Wut in den Griff zu bekommen. Zumindest die gegen diesen Typen, denn ich weiß, dass meine Beschwerde für ihn ein Schlag sein wird, da er niemals mit meiner Gegenwehr gerechnet hat.
Er ist davon ausgegangen, dass ich als dummes Naivchen das miese Spiel weiter mitspielen würde - aus Angst.
Wie der Sachbearbeiter mich drangsaliert hat?
Er hat mir immer wieder Sexangebote gemacht, ist in seinem Büro sexuell übergriffig geworden. Einmal rief er mich auch zu Hause an, dass ich dringend vorbeikommen müsse, da es ein problem gebe.
Das "Problem" war dann, dass er mir unterstellte, ich habe mich bei zwei Firmen gar nicht beworben.
Als wir uns einmal privat getroffen haben, waren wir in meiner Wohnung. Ich habe sofort nach dem Sex gewusst, dass es keine Wiederholung geben würde, denn er hat mich erniedrigt und schlimmer als eine Prostituierte behandelt.
Er konnte es aber nicht akzeptieren, dass ich keine Wiederholung wünschte und versuchte daher den Sex mit mir zu erpressen!
Diese Tatsache und die Tatsache, dass ich in den letzten Monaten auch noch von einem anderen Mann sexuell belästigt wurde, stürzten mich erst in schwere Depressionen. Daraus entwickelte sich dann mehr und mehr eine Riesenwut.
Es ist einfach so, dass jedes Mal, wenn ich mir ein bißchen Zuneigung und Wärme erhoffe, es für mich in einem gefühlsmäßigen Desaster endete.
Und obwohl ich mich nicht in diesen Sachbearbeiter verliebt habe, hatte ich echt schlimme Gedanken ihn betreffend.
Dachte die ganze Zeit, warum haben solche Männer ihr schönes Leben, und ich bin immer allein und traurig?
Ich glaube, ich werde noch mal eine Therapie in Angriff nehmen müssen.
Allein werde ich sicher aus diesem Sumpf nicht rauskommen.
LG,
June