Hallo ihr Lieben,
es ist eine ganze Weile vergangen, seit ich meinen letzten Beitrag mit euch geteilt habe.
Heute möchte ich ein kleines Update geben – und gleichzeitig ein schweres Thema ansprechen, das mich sehr belastet.
Zunächst das Positive: Die Schulden, von denen ich damals berichtet hatte, sind vollständig beglichen. Meine Mutter hat jeden Cent übernommen. Wir haben viel miteinander gesprochen, und auch wenn ich glaube, dass sie in finanziellen Dingen noch einiges lernen muss, bin ich ihr nicht böse. Ich liebe meine Mama – ganz gleich, was passiert.
Doch nun wende ich mich mit einem weitaus schwierigeren Anliegen an euch.
Nie hätte ich gedacht, dass ich in meinen 24 Lebensjahren einmal wohnungslos werde, dann endlich eine Wohnung finde – nur um jetzt wieder vor der Wohnungslosigkeit zu stehen.
Ich möchte euch erzählen, wie es dazu kam. Es ist nicht nur ein Bericht, sondern auch ein Hilferuf. Denn ehrlich gesagt: Ich bin am Ende meiner Kräfte.
Im Februar 2024 erhielt meine Mutter die Kündigung für unsere alte Wohnung. Die Nachricht traf uns wie ein Schlag – wir waren eine achtköpfige Familie und der Wohnungsmarkt war mehr als angespannt.
Meine Oma, die damals noch lebte, schlug vor, dass wir uns aufteilen sollten: Alle, die arbeiten oder in Ausbildung sind, sollten versuchen, selbstständig eine Wohnung zu finden.
Leichter gesagt als getan.
Neben meiner Ausbildung schrieb ich täglich Bewerbungen, telefonierte unermüdlich und kämpfte um jede Besichtigung. Gleichzeitig verschlechterte sich mein seelischer Zustand spürbar – ich zog mich aus dem Unterricht zurück und weinte viel. Meine Lehrerinnen und Lehrer merkten, dass etwas nicht stimmte, denn normalerweise bin ich sehr engagiert.
Trotz aller Bemühungen fanden wir bis zum Auszugstermin keine Wohnung.
Meine Wut auf das System war grenzenlos. Es tat weh, meine Familie so am Boden zu sehen. Ich dokumentierte jede einzelne Besichtigung, führte Tabellen, Korrespondenzen – und schickte alles ans Sozialamt.
Zum Glück hatten wir dort eine engagierte Sachbearbeiterin, die es schließlich ermöglichte, dass meine Mutter, meine fünf Geschwister und ich in eine Übergangsunterkunft für Familien einziehen konnten. Doch der Preis war hoch: Das Jobcenter übernahm keine Lagerkosten – unser gesamter Hausrat ging verloren. Unsere Katzen mussten wir abgeben. Rückblickend war diese Zeit zutiefst traumatisch.
Mein anderer Bruder zog in eine WG - falls ihr euch fragt, was aus der achtköpfigen Familie geworden ist.
Durch mein Engagement wurden wir ins Geschützte Marktsegment aufgenommen. Ein Hoffnungsschimmer! Wir mussten nur noch warten, bis geeigneter Wohnraum gemeldet wurde.
Meine beiden Schwestern (21 & 19), die sich seit Jahren weigern zu arbeiten oder regelmäßig ihre Jobs verlieren, müssen sich selbst organisieren – sie hätten zu ihrem Vater nach England ziehen können, der ihnen Ausbildung, Führerschein und Sprachkurs angeboten hatte. Jetzt leben sie vorübergehend bei Freunden.
Dann geschah das Unglaubliche:
Eine bezahlbare Vierzimmerwohnung in Charlottenburg!
Weniger als 1.000 Euro warm – ein kleines Wunder.
Die Baugesellschaft setzte sich für uns ein, wir reichten alle Unterlagen ein, und tatsächlich: Wir bekamen die Wohnung. Bei der Vertragsunterzeichnung flossen Tränen – aus Erleichterung, aus Dankbarkeit.
Doch es folgte der nächste Schock:
Meine Mutter musste einen komplett neuen ALG-II-Antrag stellen. Die Kaution wurde zunächst nicht übernommen – nur die erste Miete.
Wir reichten alles ein, was wir noch an Dokumenten hatten. Eigentlich hätte das Jobcenter Charlottenburg den Antrag bis letzten Freitag (09.05.25) bearbeiten müssen. Doch am Mittwoch (07.05.25) hieß es plötzlich, es würden weitere Unterlagen fehlen - darunter Vaterschaftsanerkennungen, Kontoauszüge und Vermögensanlagen.
Ihr müsst wissen: Ich bin mit Armut aufgewachsen und weiß, wie es ist, nichts zu haben. Deshalb bin ich sehr sparsam. Ich spare, um mir nächstes Jahr vielleicht endlich ein eigenes Zuhause ermöglichen zu können.
Von meinen 870 Euro Einkommen, die ich im 1. Ausbildungsjahr verdiente - jetzt, durch die Streiks im ÖD ca. 1020€ -, gab ich 350 Euro an meine Mutter ab, zahlte Rechnungen (Schullaptop, Handy, BVG-Abo) und erlaubte mir einmalig 100 Euro für mich selbst (Kosmetik, Kleidung, Bücher oder Stifte zum Zeichnen. Der Rest wurde und wird gespart. Mittlerweile habe ich 5.800 Euro auf dem Konto – mein kleiner Notgroschen für die Zukunft (Lebensversicherung und Auszug).
Ich habe Angst, dass mir das zum Verhängnis wird.
Obwohl ein Freibetrag von 15.000 Euro gelten sollte (laut dem Internet, aber vielleicht verlese ich mich ständig), fürchte ich, dass ich jetzt für die Miete herangezogen werde – was meine Ersparnisse rasch aufzehren würde und ich von meinem Ausbildungsgehalt nichts mehr hätte.
Das Jobcenter wollte sogar von mir eine Ablehnung für BAB (Berufsausbildungsbeihilfe) haben. Aber, Moment mal? Ich leben doch bei meiner Mutter und meine Arbeit ist 8 Minuten entfernt. Ich hab das der Agentur für Arbeit gemeldet, sie haben einen Vermerk geschrieben, dass ich die Voraussetzungen nicht erfülle - das muss dem Jobcenter reichen.
Die Miete für Mai wurde bislang nicht bezahlt. Ich bin überfordert, erschöpft und weiß nicht mehr weiter. Ich übernehme den gesamten Papierkram für meine Mutter, die ihrerseits gerade erst ihren Job verloren hat. Und dann ist auch noch meine geliebte Oma gestorben.
Ich habe erneut das Sozialamt angeschrieben – aus purer Angst.
Das Jobcenter hält uns in der Schwebe. Und obwohl uns das alte Jobcenter die Mietübernahme bestätigt hat, passiert einfach nichts. Die Kaution sei inzwischen überwiesen worden, aber meine Mutter hat kein Geld mehr – ich musste ihr das Kostgeld auslegen.
Wir haben zwei Katzen unserer Oma adoptiert, sonst wären sie ins Heim gekommen. Die Tiere helfen mir vor allem, dass ich meine Seele heilen kann.
Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll. Ich will nicht aufgeben, aber manchmal fühlt es sich an, als würde ich langsam daran zerbrechen. Ich könnte das alles nicht nochmal durchstehen. Und meine kleinen Geschwister - sie müssen das nicht mitbekommen und sie sind zwischen 7 - 12 Jahren.... das ist doch grausam...
Wir, meine Mutter und ich, überlegen eine Untätigkeitsklage einzureichen...
Danke, dass ihr euch die Zeit genommen habt, das zu lesen.
Wenn ihr Tipps habt, was ich am Besten tun kann, wäre ich euch sehr dankbar - bin ich jetzt schon, weil auch das lesen nicht selbstverständlich ist. 🙂
Schreibt mir gerne eure Fragen - ich beantworte sie alle gerne.
Viele, liebe Grüße!
es ist eine ganze Weile vergangen, seit ich meinen letzten Beitrag mit euch geteilt habe.
Heute möchte ich ein kleines Update geben – und gleichzeitig ein schweres Thema ansprechen, das mich sehr belastet.
Zunächst das Positive: Die Schulden, von denen ich damals berichtet hatte, sind vollständig beglichen. Meine Mutter hat jeden Cent übernommen. Wir haben viel miteinander gesprochen, und auch wenn ich glaube, dass sie in finanziellen Dingen noch einiges lernen muss, bin ich ihr nicht böse. Ich liebe meine Mama – ganz gleich, was passiert.
Doch nun wende ich mich mit einem weitaus schwierigeren Anliegen an euch.
Nie hätte ich gedacht, dass ich in meinen 24 Lebensjahren einmal wohnungslos werde, dann endlich eine Wohnung finde – nur um jetzt wieder vor der Wohnungslosigkeit zu stehen.
Ich möchte euch erzählen, wie es dazu kam. Es ist nicht nur ein Bericht, sondern auch ein Hilferuf. Denn ehrlich gesagt: Ich bin am Ende meiner Kräfte.
Im Februar 2024 erhielt meine Mutter die Kündigung für unsere alte Wohnung. Die Nachricht traf uns wie ein Schlag – wir waren eine achtköpfige Familie und der Wohnungsmarkt war mehr als angespannt.
Meine Oma, die damals noch lebte, schlug vor, dass wir uns aufteilen sollten: Alle, die arbeiten oder in Ausbildung sind, sollten versuchen, selbstständig eine Wohnung zu finden.
Leichter gesagt als getan.
Neben meiner Ausbildung schrieb ich täglich Bewerbungen, telefonierte unermüdlich und kämpfte um jede Besichtigung. Gleichzeitig verschlechterte sich mein seelischer Zustand spürbar – ich zog mich aus dem Unterricht zurück und weinte viel. Meine Lehrerinnen und Lehrer merkten, dass etwas nicht stimmte, denn normalerweise bin ich sehr engagiert.
Trotz aller Bemühungen fanden wir bis zum Auszugstermin keine Wohnung.
Meine Wut auf das System war grenzenlos. Es tat weh, meine Familie so am Boden zu sehen. Ich dokumentierte jede einzelne Besichtigung, führte Tabellen, Korrespondenzen – und schickte alles ans Sozialamt.
Zum Glück hatten wir dort eine engagierte Sachbearbeiterin, die es schließlich ermöglichte, dass meine Mutter, meine fünf Geschwister und ich in eine Übergangsunterkunft für Familien einziehen konnten. Doch der Preis war hoch: Das Jobcenter übernahm keine Lagerkosten – unser gesamter Hausrat ging verloren. Unsere Katzen mussten wir abgeben. Rückblickend war diese Zeit zutiefst traumatisch.
Mein anderer Bruder zog in eine WG - falls ihr euch fragt, was aus der achtköpfigen Familie geworden ist.
Durch mein Engagement wurden wir ins Geschützte Marktsegment aufgenommen. Ein Hoffnungsschimmer! Wir mussten nur noch warten, bis geeigneter Wohnraum gemeldet wurde.
Meine beiden Schwestern (21 & 19), die sich seit Jahren weigern zu arbeiten oder regelmäßig ihre Jobs verlieren, müssen sich selbst organisieren – sie hätten zu ihrem Vater nach England ziehen können, der ihnen Ausbildung, Führerschein und Sprachkurs angeboten hatte. Jetzt leben sie vorübergehend bei Freunden.
Dann geschah das Unglaubliche:
Eine bezahlbare Vierzimmerwohnung in Charlottenburg!
Weniger als 1.000 Euro warm – ein kleines Wunder.
Die Baugesellschaft setzte sich für uns ein, wir reichten alle Unterlagen ein, und tatsächlich: Wir bekamen die Wohnung. Bei der Vertragsunterzeichnung flossen Tränen – aus Erleichterung, aus Dankbarkeit.
Doch es folgte der nächste Schock:
Meine Mutter musste einen komplett neuen ALG-II-Antrag stellen. Die Kaution wurde zunächst nicht übernommen – nur die erste Miete.
Wir reichten alles ein, was wir noch an Dokumenten hatten. Eigentlich hätte das Jobcenter Charlottenburg den Antrag bis letzten Freitag (09.05.25) bearbeiten müssen. Doch am Mittwoch (07.05.25) hieß es plötzlich, es würden weitere Unterlagen fehlen - darunter Vaterschaftsanerkennungen, Kontoauszüge und Vermögensanlagen.
Ihr müsst wissen: Ich bin mit Armut aufgewachsen und weiß, wie es ist, nichts zu haben. Deshalb bin ich sehr sparsam. Ich spare, um mir nächstes Jahr vielleicht endlich ein eigenes Zuhause ermöglichen zu können.
Von meinen 870 Euro Einkommen, die ich im 1. Ausbildungsjahr verdiente - jetzt, durch die Streiks im ÖD ca. 1020€ -, gab ich 350 Euro an meine Mutter ab, zahlte Rechnungen (Schullaptop, Handy, BVG-Abo) und erlaubte mir einmalig 100 Euro für mich selbst (Kosmetik, Kleidung, Bücher oder Stifte zum Zeichnen. Der Rest wurde und wird gespart. Mittlerweile habe ich 5.800 Euro auf dem Konto – mein kleiner Notgroschen für die Zukunft (Lebensversicherung und Auszug).
Ich habe Angst, dass mir das zum Verhängnis wird.
Obwohl ein Freibetrag von 15.000 Euro gelten sollte (laut dem Internet, aber vielleicht verlese ich mich ständig), fürchte ich, dass ich jetzt für die Miete herangezogen werde – was meine Ersparnisse rasch aufzehren würde und ich von meinem Ausbildungsgehalt nichts mehr hätte.
Das Jobcenter wollte sogar von mir eine Ablehnung für BAB (Berufsausbildungsbeihilfe) haben. Aber, Moment mal? Ich leben doch bei meiner Mutter und meine Arbeit ist 8 Minuten entfernt. Ich hab das der Agentur für Arbeit gemeldet, sie haben einen Vermerk geschrieben, dass ich die Voraussetzungen nicht erfülle - das muss dem Jobcenter reichen.
Die Miete für Mai wurde bislang nicht bezahlt. Ich bin überfordert, erschöpft und weiß nicht mehr weiter. Ich übernehme den gesamten Papierkram für meine Mutter, die ihrerseits gerade erst ihren Job verloren hat. Und dann ist auch noch meine geliebte Oma gestorben.
Ich habe erneut das Sozialamt angeschrieben – aus purer Angst.
Das Jobcenter hält uns in der Schwebe. Und obwohl uns das alte Jobcenter die Mietübernahme bestätigt hat, passiert einfach nichts. Die Kaution sei inzwischen überwiesen worden, aber meine Mutter hat kein Geld mehr – ich musste ihr das Kostgeld auslegen.
Wir haben zwei Katzen unserer Oma adoptiert, sonst wären sie ins Heim gekommen. Die Tiere helfen mir vor allem, dass ich meine Seele heilen kann.
Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll. Ich will nicht aufgeben, aber manchmal fühlt es sich an, als würde ich langsam daran zerbrechen. Ich könnte das alles nicht nochmal durchstehen. Und meine kleinen Geschwister - sie müssen das nicht mitbekommen und sie sind zwischen 7 - 12 Jahren.... das ist doch grausam...
Wir, meine Mutter und ich, überlegen eine Untätigkeitsklage einzureichen...
Danke, dass ihr euch die Zeit genommen habt, das zu lesen.
Wenn ihr Tipps habt, was ich am Besten tun kann, wäre ich euch sehr dankbar - bin ich jetzt schon, weil auch das lesen nicht selbstverständlich ist. 🙂
Schreibt mir gerne eure Fragen - ich beantworte sie alle gerne.
Viele, liebe Grüße!