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Wenn def Bruder stirbt..

Kalak

Neues Mitglied
Wenn der Bruder stirbt..

Es ist jetzt 9 Monate her das mein Bruder starb. Er lag zwei Monate im Koma und ist dann verstorben. Mein Bruder war 20, ich bin 17. Mein Bruder ist schon mit einem schweren Herzfehler geboren, aber er war immer tapfer und eigentlich hat man ihm das auch nicht angemerkt. Als wir kleiner waren, war er oft im Krankenhaus, später waren alles nur noch größtenteils Check up Termine. Man muss auch dazu sagen meine Eltern haben mich auf eine gesunde Art vor vielem geschützt, mich aber nicht unwissend gelassen. Ich wusste immer, dass er krank ist, aber nicht, dass er so krank ist, dass ich ihn nur 16 Jahre erleben darf. Ihr müsst wissen mein Bruder und ich haben ein sehr gutes Verhältnis zueinander gehabt. Unsere Mutter war 6 Jahre Alkoholabhängig und depressiv. In dieser Zeit hatten wir eigentlich nur einander und er hat immer auf mich aufgepasst. Irgendwann holte mein Vater uns zu sich. Ich glaube mein Bruder war der Einzige dem ich alles anvertraut hätte. Er war einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben. Nun, vor einem Jahr hat meine Mutter ihre alkoholsucht in den Griff bekommen und ich beginne mein Abitur und bin glücklich in einer Beziehung. Alles scheint endlich mal perfekt für mich zu sein, aber das gibt es nicht. Mein Bruder stirbt. Ich halte mi h tapfer und geh auch zur Therapie. Ich habe mich von meinem Freund getrennt, da er mich in dieser schwierigen Zeit im Stich gelassen hat.
Aber was das komischste an all dem ist, mir geht es ganz gut. Wenn ich den Gedanken, dass er derjenige ist der gestorben ist und den Bilder aus unserer Kindheit und dann bis zu der Zeit, die er im Koma lag in meinem Kopf freien Lauf lasse, weine ich so sehr, dass ich sterben möchte. Aber das passiert nicht sehr oft. Es ist so merkwürdig, weil es mir eigentlich schlecht gehen muss, aber das tut es nicht oft. Ich glaube manchmal ist das gar nicht richtig bei mir angekommen..
Es ist nahezu so als würde ich gar nichts mehr richtig spüren..
 
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AW: Wenn der Bruder stirbt..

Hallo Kalak,

was du erleben musstest, ist der absolute Horror. Ich fühle mit total dir. Das gehört ganz sicher zu den schwersten zu ertragenden Emotionen und das fühlt sich gerne auch mal unwirklich an, so als würde man das gar nicht zulassen. Auf der anderen Seite kann es Tränen ohne Ende geben und dann ist es oft auch nicht überraschend, dass man sterben möchte.

Mit anderen Worten: Das ist echt hammerhart und nicht selten normal. Ich finde es in solchen Situationen wichtig, dass man auf sich aufpasst und auch mal Hilfe annimmt. Mein Rat wäre: Versuche dem nicht aus dem Weg zu gehen. Wenn dir nach Weinen zumute ist, dann mach das. Wenn du dich gut fühlst, dann ist das auch ok. Finde und gehe deinen Weg mit der Situation umzugehen.

Ich wünsche dir alle Liebe!
 
Zuletzt bearbeitet:
AW: Wenn der Bruder stirbt..

Hallo Kalak,

noch lebst Du in einer unwirklichen Situation - auf der einen Seite hast Du akzeptiert, das Dein Bruder nicht mehr da ist auf der anderen Seite ist es noch so unwirklich und Deine Gedanken an ihn so lebendig, als wäre er noch immer da, so wie seine Bilder und vermutlich auch ein Teil seiner Sachen.
In den Momenten, wo Du fast übergangslos weinst sagt Dein Kopf - er ist tot und die Vorstellung ihn nie mehr zu sehen, zu hören, zu berühren bringt Dich fast um - aber Deine Psyche schützt Dich und stellt genauso schnell ein Stopschild auf, welches Dich aus dieser Situtation wieder katapultartig herausschleudert.

Stell Dir vor, Du stehst auf einem Bahnhof und Dein Bruder ist in einen Zug gestiegen, der ihn nie mehr zurückbringt.
Du läufst auf dem Bahnhof hin und her, findest Unterhaltung und hast sogar Spass - aber Dein Inneres schaut immer wieder zum Bahnsteig und hofft darauf, das irgendein Zug Deinen Bruder zurückbringt - obwohl Du weißt, es wird nie passieren.
Du stehst noch immer im Bahnhof und noch nicht bereit, das Gebäude zu verlassen.
Du wirst noch sehr viel Zeit brauchen, um Dich langsam dem Ausgang zuzuwenden - es braucht noch viele kleine Schritte - aber irgendwann - kurz vor der Tür, wirst Du rennen und ins freie laufen und...............die Luft wird so frisch und rein sein - wie schon sehr lange nicht mehr.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich danke euch für eure Antworten. Sie haben mir weitergeholfen und ich weiß auch was grade passiert, schließlich gehe ich ja auch zur Therapie. Aber irgendwie hatte ich dass Bedürfnis mich mitzuteilen.
Ich denke es wird noch sehr lange dauern bis mir das alles reell erscheint und dann wird es richtig richtig schlimm.
Ein schlimmes Gefühl, dass ich bei dem ganzen empfinde ist auch, ihn im Stich gelassen zu haben. Ich weiß jetzt, er muss gewusst haben, wie krank er war und dass sein Leben nicht lange sein wird. Ich habe dies überhaupt nicht realisiert.. er muss doch teilweise solche Angst empfunden haben.. außerdem hatte er ein solch kurzes Leben und das war nun wirklich nicht das schönste. Ich hatte ihm meinerseits gerne mehr geboten. Diesen Gedanken habe ich noch nie irgendwie ausgesprochen, da er mich erstickt.
 
Dein Bruder ist in und mit seiner Krankheit herangewachsen und ihm war wohl immer bewusst, das er nicht alt werden wird. In der Regel haben diese Menschen einen anderen Bezug zum Tod. Ich denke sie fürchten sich mehr davor, die Menschen die sie lieben zurückzulassen und ihnen Schmerz zuzufügen, als vor dem Sterben selbst.
Du hast ihn nicht im Stich gelassen, Du hast das getan, was er von dir erwartet und erwünscht hat, Deinen Weg zu gehen. Ein Bremsklotz wollte er nie für Dich sein. Du musst Dich nicht schuldig fühlen - Du warst seine Schwester und wirst es immer bleiben, denn nicht nur in Deinen Genen ist auch ein Stück von ihm....sondern vorallem auch in Deinem Herzen wird er immer ein Teil von Dir sein.
Vieleicht wirst Du irgendwann einen Sohn haben, in dem Du Deinen Bruder wiedererkennst, was genetisch durchaus möglich ist....dann hast Du ihn auf die schönste Art und Weise "zurückbekommen".
Aber zuvor musst Du eines tun - ihn loslassen - damit seine Seele frei sein kann und die Deinige ebenfalls.

Wenn es Dir hilft:
wenn Du bereit dazu bist
......Kaufe Dir einen Luftballon in seiner Lieblingsfarbe - schreib seinen Namen darauf und lass ihn fliegen (Du wirst spüren, Er wird Dich an den richtigen Platz führen, um den Ballon loszulassen - dann sind Eure Seelen frei)
 

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