…wann habe ich dann gewonnen und wann verloren?
Woher weiß ich überhaupt, was Sieg und was eine Niederlage ist?! Wer definiert?! Ich selbst?! Die Gesellschaft, ect…?!
Vielleicht ist es ja wie beim Spiel des Lebens. Ziel ist es, alles zu besitzen. Mein Bankkonto zeigt meinen Punktestand. Je mehr desto besser. Mehr Macht, mehr Einfluss mehr Geld, mehr Erfolg, mehr Wohlstand. Gewonnen habe ich, wenn alle meine Mitspieler und Konkurrenten in den Ruin getrieben sind. Wenn ich der Welt meinen persönlichen Stempel aufgedrückt habe.
Oder beim Fußball: Gewonnen habe ich, wenn ich zusammen mit meiner Mannschaft hart trainiert habe, geschickt taktiert habe, alles gegeben und geleistet habe, die gegnerische Abwehr zur richtigen Zeit am richtigen Ort durchbrochen und meine Chance voll genutzt habe. Die Menge jubelt, Ich habe es mir verdient, ich bin der Held: Ruhm, Anerkennung, Ehre, Bewunderung. Habe ich das Leben dann gewonnen?!
Womöglich muss ich auch Gutes tun. Etwa um mein Karma aufzubessern oder um Punkte für das Jenseits zu sammeln. Oder einfach weil es mir Freude bereitet, anderen zu helfen und für andere da zu sein, als persönlicher Lustgewinn – reziproker Altruismus. Geht es im Leben denn eigentlich nicht darum? Um Liebe, Partnerschaft, Freundschaft, Hilfsbereitschaft – fern aller materialistischer und egoistischer Motive? Habe ich nicht dann das Leben gewonnen, wenn ich es gut gelebt habe, mich gut gefühlt habe und meinen Teil zum „Besseren“ beigetragen habe?!
Was wäre da noch?! Ideale, Ideen, Wissen, Visionen, Ideologien, Dogmen…Gewonnen habe ich dann, wenn mein ich mein Weltbild verwirklicht habe, die Menschheit mit meine aufklärerischen Pamphlete gesegnet oder das Heilmittel gegen Krebs entwickelt habe. Zusammengefasst: Wenn ich die Welt „verbessert“ oder zumindest für meine Ideale gekämpft habe. Eine Welt ohne Leid, Armut, Krankheit, Krieg – für die Freiheit, für den Kapitalismus, für den Kommunismus…was auch immer. Dann habe ich gelebt und dann habe ich gewonnen! Oder etwa nicht?!
Natürlich nicht, viel zu ernst und sinnverhaftet…die Rede war ja von einem Spiel namens Leben. Ein Spieler ist ein Lebemann/ eine Lebefrau. Ich habe gewonnen wenn ich gut gelebt habe und gut gelebt heißt Spaß am Leben. Spaß und Freude am Leben und meinen Mitmenschen. Ich habe dann gewonnen, wenn ich viel gefeiert habe, wenn ich viele Herzen erobert habe, wenn ich den perfekten Partner gefunden und die Liebe erfahren habe. Hey, das Leben ist nicht immer nett und auch nicht immer fair, aber ich mache das Beste draus, ich bin Hedonist und als solcher im Hier und Jetzt verhaftet, lasse mich treiben und lasse es mir dabei gut gehen. Immer auf der Suche nach dem nächsten Event, dem nächsten spaßbringenden Happening. Sorgen sollen sich andere machen, ich erfreue mich an der Schöpfung. Dann habe ich gewonnen. Oder?!
Die Frage lautet: Bin ich am Ende weniger Tod als all die Verlierer, wenn ich das Spiel des Lebens gewonnen habe?
Diverse psychologische Studien und die Tatsache der Entwicklung der Religionen belegen ganz gut, dass die Angst vor dem Tod und der Wunsch nach der ewigen Existenz für die meisten von uns von zentraler Bedeutung sind. Der eine pflanzt sich deshalb fort, der andere möchte etwas erschaffen und Aufbauen, das ihn überdauert und ein dritter sichert sich seinen Platz im Geschichtsbuch. Wohlwissend, das die Menschheit und all Ihre Hinterlassenschaften in 10 Millionen Jahren mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ohnehin nicht mehr existieren werden (zumindest nicht in der gegenwärtigen Form).
Ich gebe zu, ich persönlich Spiele nicht so gerne mit bei diesem Spiel. Klar hat man mal das eine oder andere der oben beschriebenen Haltungen und Stereotypen selbst ausprobiert. Sie haben alle ihren Reiz, jedes auf seine Art. Ich frage mich nur manchmal, was denn die Menschen zu Höchstleistungen antreibt, um dem einen oder anderen Bild zu entsprechen oder ganz darin aufzugehen?! Woher der Siegeswille im Spiel des Lebens, das für Sieger und Besiegte immer gleich Endet? Sind das alles Getriebene: getrieben von der Langeweile, vom Ego, der Angst, vom Stoffwechsel, den Trieben, von der Unzufriedenheit, ect…? Was treibt euch denn an?
Wäre das Leben ein Fußballspiel, ich säße die meiste Zeit auf der Ersatzbank. Dort ist es bequem und man hat alles im Blick, kann das Spiel genießen oder eigenen Gedanken nachhängen ohne sich selbst abmühen zu müssen. Mit der seligen Gewissheit, dass für mich das Spiel exakt gleich enden wird wie für den SpielemacherStürmerSuperstar. Womöglich ist das ja ein Fehler, eine Sünde. Womöglich bin ich nur von der Angst zu Verlieren getrieben oder vielmehr angekettet, wer weiß. Womöglich findet er am Ende Erlösung und darf sich das Spiel dann für alle Zeiten von oben anschauen, während ich ewig auf der Ersatzbank darbe. Nur hat er von Oben wirklich die bessere Perspektive? Wäre er dann nicht auch bloßer Zuschauer?