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Wenig Selbstbewusstsein auf der Arbeit

Sheerie

Mitglied
Hallo zusammen,

meine Situation ist Moment ein wenig ungewöhnlich.
Ich bin vor Kurzem (vor 2 Monaten) ausgewandert. Nach Schweden. In Deutschland habe ich im Einzelhandel gelernt und auch eine Fortbildung absolviert, während der ich Inhalte zu Management, Marketing, Personal usw. vermittelt bekommen habe.

In meinem alten Betrieb war ich so mäßig zufrieden. Das Gehalt war mickrig, die Arbeit körperlich sehr anstrengend, lange Arbeitszeiten, unbzehalte Überstunden aber mit den Kollegen kam ich gut zurecht. Aber es gab auch viel Druck von oben.
Von meiner Chefin habe ich sehr viel Lob erhalten und ich weiß von ehemaligen Kollege, mit denen ich noch im Kontakt bin, dass sie sogar noch heute viel über mich spricht.
In diesem Betrieb habe ich insgesamt 3 Jahre lang hauptsächlich im Verkauf gearbeitet und die Arbeit an sich (Ware verräumen, etc.) und mit den Kunden hat mir an sich schon echt Spaß gemacht.

Jetzt habe ich vor 3 Tagen einen neuen Job, ebenfalls im Einzelhandel begonnen. Im Vorhinein war meine größte Angst die Sprache. Ich spreche zwar mittlerweile schon gutes Schwedisch, aber noch nicht fließend.
Doch das war bisher überhaupt kein Problem!
Stattdessen fühle ich mich einfach sehr, sehr unsicher. Direkt am ersten Tag wurde ich total ins kalte Wasser geschmissen, stand teilweise 10-15min lang ganz alleine im Laden.
Meine größten Probleme habe ich mit der Kasse. Denn das Kassensystem ist wahnsinnig kompliziert im Vergleich zu dem meines vorherigen Betriebes. Normales Abkassieren kann ich mittlerweile. Doch Umtäusche, Reklamationen und Kassenabrechnung sind sehr kompliziert. Ständig muss ich nachfragen und irgendwie habe ich das Gefühl, dass die ganzen Tastenkomninationen und einzelnen Schritte nicht hängen bleiben wollen... Doch ich habe auch Angst irgendetwas falsch zu machen oder etwas Wichtiges zu vergessen.
Meine Kollegen sind alle sehr hilfsbereit und auch nett. Gestern habe ich eine wirklich sehr nette Kollegin kennengelernt, die selbst erst seit einem Monat dort arbeitet. Sie meinte, dass sie auch etwa 4 Wochen brauchte, um die Kasse kennenzulernen und bedienen zu können. Doch sie musste am 3. Tag den Laden alleine zu machen.
Das würde ich mir noch nicht zutrauen.
Doch überhaupt hat sie, obwohl sie einige Jahre jünger ist als ich, ein so tolles selbstbewusstes Auftreten und kennt sich schon wirklich gut aus.
Neben ihr kam ich mir gestern total aufgeschmissen vor...
Die ganze Zeit kreisen meine Gedanken darum, wie ich besser werden kann und was ich besser machen könnte. Und wie ich schnell die Kasse auf die Kette bekomme...
Immer wieder denke ich mir, dass ich so vieles in meiner Fortbildung gelernt habe und mich eigentlich viel selbstbewusster präsentieren müsste. Doch das fällt mir irgendwie so schwer... Teilweise erkenne ich mich mit so viel Unsicherheit nicht wieder.
Ich weiß, dass aller Anfang irgendwo schwierig ist. Doch wenn ich sehe, wo meine Kollegin nach einem Monat bereits steht, bin ich einfach nur beeindruckt.

Ich habe leider auch das Gefühl, dass meine Aufmerksamkeit vielleicht ein wenig unter meiner Unsicherheit und den ständig kreisenden Gedanken darunter leidet. Sobald ich alleine im Laden bin, denke ich zum Beispiel: "Was, wenn jetzt ein Kunde mit einer Reklamation kommt?"

Ich habe einfach das Gefühl, ich stehe mir selbst im Wege. Momentan vermisse ich schon einfach das Gefühl wirklich eine Hilfe sein zu können und sicher zu sein wie in meinem alten Betrieb... Da war ich quasi mit allen Wassern gewaschen und konnte jede Frage von Kunden und Kollegen beantworten. Wirklich, das fehlt mir einfach total.
Ich habe wirklich Angst, dass ich einfach total hinterher hänge. Ich versuche das Ganze als Herausforderung zu sehen, aber dieses unsichere Gefühl schränkt mich ziemlich ein.

Hat jemand eventuell einen Tip für wie ich mich einfach mehr auf das Wesentliche konzentrieren kann, statt mich durch meine eigenen Gedanken zu verunsichern?
Oder wie ich einfach so schnell wie möglich lerne und sicherer werde?
Ich freue mich wirklich über jede Meinung oder auch Erfahrung dazu.
 
Bist du wirklich allein im Laden?
Schaut dir niemand anders auf die Finger?
Hast du eine Nottelefonnummer, die du anrufen kannst, wenn gar nichts mehr geht?

Ich persönlich finde allein zu arbeiten nicht mal schlecht. Wenn du doch mal Fehler machst, merkt es keiner und kann dich anschwärzen.

Mir sind Fehler, die ich allein mache auch immer lieber als die, die zehn andere noch bemerken.
 
Hi cora1234,

Also ich bin nicht die ganze Zeit allein im Laden. Wir sind immer zur Dritt, ab 16/17 Uhr dann noch zu Zweit.
Doch es war die letzten Tage so, dass ich oft ganz allein im Laden gelassen wurde. Das heißt, dass meine Kolleginnen den Laden komplett verlassen haben.
Wir haben Walkie-Talkies, die sind aber nur hilfreich auf bestimmter Distanz. Wenn eine Kollegin unten im Lager des Shopping-Centers ist, nützt es gar nichts...

Wirklich auf die Finger schaut mir niemand. Am ersten Tag wurde mir alles ein Mal sehr flüchtig erklärt. Danach habe ich immer nachfragen und darum bitten müssen, dass man nochmals zuschaut, ob ich alles richtig mache. Ansonsten hat man mich einfach machen lassen.

Eine Notfalltelefonnumer habe ich nicht.
Die anderen Kolleginnen riefen immer die Chefin auf ihr Handy an. Auch nach Feierabend. Das finde ich persönlich nicht so super, denn schließlich möchte die ja auch mal ihre Ruhe haben... Zumindest in meinem alten Betrieb haben wir die Chefin wirklich nur in akuten Notfällen angerufen. Doch wenn ich keine andere Wahl habe, werde ich natürlich das gleiche tun müssen und die Chefin anrufen.

An sich finde ich das Alleine-Arbeiten auch nicht schlimm. Doch jetzt zu Anfang ist es kein so schönes Gefühl, wenn ich kaum eine Frage der Kunden beantworten kann... Ich kenn ja noch nicht das gesamte Sortiment und wenn dann Fragen zur Suche nach bestimmten Kleidungsstücken kommen, geht das große Suchen los und dann fühle ich mich sehr unsicher. Wenn dann auch noch keine Kollegin da ist, die ich um Rat fragen kann, ist es natürlich echt doof, wenn dem Kunden nicht geholfen werden kann. Auch wenn bisher immer sehr freundliche Reaktionen kamen.
Ich selbst finde das einfach nicht gut... Irgendwo geht ja dann eventuell auch gewisser Umsatz verloren...

Heute habe ich eine Kollegin richtig mit Fragen gelöchert und immerhin ein paar neue Sachen an der Kasse gelernt, die jetzt sitzen.
 
Das ist natürlich schwierig. Ich kann dich verstehen, dass du dich allein gelassen fühlst.
🙁

Wie sehr hängst du an dem Job?
Könntest du dich neu bewerben?
Ich stells mir jetzt auch nicht so optimal vor, nie Anleitung zu erhalten.
 
Ich hänge ziemlich an diesem Job, weil es wirklich sehr schwer ist hier in Schweden einen Arbeitsplatz zu bekommen.
Ich hatte großes Glück. Insgesamt habe ich bestimmt um die 50-70 Bewerbungen geschrieben, bin in die Geschäfte gegangen und habe dort nach einer Arbeitsstelle gesucht. Schon von Deutschland aus habe ich bevor ich hergezogen bin viele Bewerbungen verschickt.
Meist bekommt man hier nicht mal eine Antwort. Erst dachte ich, dass es irgendwas mit meiner Bewerbung nicht stimmt oder ich einfach nicht gut ankomme bei den Arbeitgebern. Aber nach vielen Gesprächen mit Freunden hier, weiß ich jetzt, dass die Situation allgemein hier sehr schwierig ist.

Ich habe bestimmt noch 40 offene Bewerbungen. Da warte ich also noch auf eine Antwort. Falls den überhaupt jemals eine kommt...

Anfang Dezember stehen eigentlich noch 2 Wochen Urlaub an. Das ist schon seit Januar geplant und ein Geburtstagsgeschenk von meinem Freund an mich, da ich noch nie in meinem Leben in den Urlaub geflogen bin. Ich hatte noch nicht mal die Gelegenheit meiner Chefin etwas davon zu erzählen, weil sie immer so getsresst ist. Wenn der Urlaub für sie ein Problem ist, muss ich ihn leider stornieren... Das fände ich ewig schade, aber der Job ist mir wichtiger...

Ich habe gestern echt versucht einfach kompetent und seriös zu wirken. Die Chefin war gestern nicht da. Nur eine Kollegein, die selbst recht neu ist und erst seit einem Monat da arbeitet. Sie ist immerhin sehr hilfsbereit, kennt sich selbst aber auch noch nicht 100%ig aus.
 
Hallo Sheerie,

jeder fängt irgendwann irgendwo mal neu an. Ich würde so offensiv wie möglich damit umgehen und eher mit einem Lächeln von vornherein sagen "ich bin noch ganz neu hier aber ich helfe Ihnen gern", als zu versuchen, möglichst kompetent rüberzukommen. Ich denke, dass die allermeisten Menschen dafür Verständnis haben und du nimmst für dich ein Stück weit den Druck raus.

Deine Kollegin, die dir so souverän und selbstbewusst erscheint, ist schon 1 Monat dort. Das ist ein Vielfaches der wenigen Zeit, die du da bist. Ich bin mir sicher, du bist in 1 Monat auch viel viel sicherer als heute 🙂

Nimm dir nicht zu viel vor. Mach kleine Schritte. Vielleicht kannst du dir vornehmen "diese Woche möchte ich das Sortiment besser kennenlernen" und in der anderen Woche "jetzt nehme ich mir das Kassensystem vor". Wenn es möglich ist, könntest du dir auch kleine Notizen machen, die du bei dir liegen hast zum Nachschauen. Ich denke, wenn du deinen Kollegen und deiner Chefin signalisierst, dass du täglich etwas dazulernst, ist alles in Ordnung. Die Routine kommt von ganz allein.

Als ich in meiner jetzigen Firma angefangen habe, musste ich gefühlte hundert Mal die selben Dinge fragen. Ich kam mir soo blöd dabei vor, dass ich wieder die Hälfte vom Vortag vergessen hatte. Heute bin ich über 9 Jahre dabei und sehe bei neuen Kollegen, dass es anscheinend jedem so geht.

Hab ein wenig mehr Geduld mit dir selbst. Ich drücke dir die Daumen.

Anne
 
Hallo Sheerie,

wow, was für ein toller, nicht sehr gewöhnlicher Neustart. Muss ich direkt erst mal meinen Glückwunsch dazu an dich loswerden.
Du erwartest allerdings wirklich ein bisschen sehr viel von dir!
Auch in Deutschland hättest du Schwierigkeiten mit einem neuen Kassensystem, einer neuen Arbeitsumgebung und neue Kollegen muss man erst mal kennenlernen und einschätzen lernen. Nun kommt ja noch die Fremdsprache für dich dazu, was erwartest du denn? Natürlich ist das erst mal etwas fordernd, natürlich musst du voll da sein und dich total konzentrieren. Natürlich kannst du nicht alles sofort souverän und vorbildlich meistern.
Du lernst das gerade und ich finde die Chefin schon sehr mutig, dass sie euch Anfängerinnen einfach ins kalte Wasser wirft und darauf vertraut, dass ihr das hinkriegt. Offenbar klappt aber ihre Strategie.
Gib dir einfach selbst eine Chance und denke dich nicht in Schwierigkeiten die nur in deinem Kopf so groß sind. Ich bin sicher, dass die schwedischen Kunden in dem Laden auch Verständnis haben, wenn man ihnen erklärt, weshalb man sich ein bisschen ungeschickt anstellt und sagt, dass man noch neu ist.
Du machst dich gerade unnötig selbst verrückt, sei wach, sei aufmerksam, das wird schon. Sei nicht zu perfektionistisch, du bist zu sehr an dein routiniertes Arbeiten bei deiner alten Arbeitsstelle gebunden. Das ist vorbei, jetzt ist Neustart angesagt, das heißt auch, neues Lernen, wieder weiter unten beginnen. In zwei -drei Wochen siehst du das schon ganz anders, du wirst sehen.

Urlaub Anfang Dezember ... das ist natürlich ganz sicher kein Pluspunkt im Einzelhandel kurz vor Weihnachten, so nah am Wohnort vom Weihnachtsmann ... vielleicht solltest du das sehr bald zur Sprache bringen und besser umbuchen, je nachdem, wann es für die neue Arbeitsstelle günstiger ist. Chefs sind an dem Punkt normalerweise sehr empfindlich und auch bei einer anderen Arbeitsstelle, die mit Verkauf zu tun hat, hättest du zu diesem Zeitpunkt Schwierigkeiten.

LG
 
Hi Zitronentorte und StürmischerTag!

Und Danke an euch beide für diese aufbauenden Antworten.
Beim Lesen ist mir schon ein kleiner Stein vom Herzen gefallen.

Es stimmt schon, dass ich ziemlich perfektionistisch bin und hohe Anforderungen an mich selbst habe. Ich möchte in meinem Team natürlich eine Hilfe sein und dass meine Chefin mich für eine gute und zuverlässige Mitarbeiterin hält.

Bisher hatten alle Kunden wirklich Verständnis dafür, dass ich dort noch ein Frischling bin und mich noch nicht so gut auskenne bzw. ich etwas länger brauche.
Überhaupt finde ich die Kunden hier freundlicher, geduldiger und verständnisvoller als die Kunden, die ich in meinem vorherigen Unternehmen in Deutschland hatte.

Ich habe mir vorgenommen vor meiner Chefin mit möglichst gutem Kundenservice und viel Aufmerksamkeit zu glänzen. Mir ist aufgefallen, dass dort fast kein Mitarbeiter die Kunden begrüßt oder ihnen Hilfe anbietet (auch wenn ich im Moment viele Kundenfragen noch nicht beantworten kann). In meinem alten Unternehmen war Kundenservice sehr, sehr groß geschrieben. Das möchte ich schon beibehalten, da ich es selbst für sehr wichtig halte. Schaden kann es ja zumindest nicht.

Ich habe heute die Pläne für die nächsten 3 Wochen bekommen und war ein wenig enttäuscht, dass ich relativ wenig arbeite... An sich ist das nicht allzu schlimm, da man in Schweden an Wochenenden den doppelten Stundenlohn erhält und somit trotzdem auf ausreichend Gehalt kommt.
Momentan werden auch relativ viele Leute neu eingearbeitet.
Meine Chefin meinte beim Vorstellungsgespräch zu mir, dass es wohl auch oft passiert, dass man mich spontan anruft und fragen würde, ob ich einspringen könnte (was für mich kein Problem ist, ich bin da sehr flexibel) aber so ein paar Stunden mehr hätte ich mir schon gewünscht. Aber bleibt abzuwarten.

Das mit dem Urlaub ist wirklich etwas doof... Ärgert mich schon etwas. Besonders, wenn ich in diesen zwei Wochen dann vielleicht auch nur eher wenig arbeiten sollte. Ich weiß, dass im Dezember immer sehr viel zu tun ist... Doch für 3-4 Tage Arbeit die Woche storniere ich den Urlaub dann echt nur ungern... Falls ihr versteht, was ich meine.
Ein wenig Angst davor, dass meine Chefin dann etwas "beleidigt" reagiert und mir noch weniger Stunden gibt, habe ich auch ein wenig...
Ich werde sie sobald ich sie das nächste Mal sehe darauf ansprechen.
 

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