Es wird hier oft so dargestellt, als wäre es glasklar, aus Sicht der Wirtschaft sei die deutsche Klimapolitik strunzdumm. Das stimmt aber nicht, dazu gibt es unterschiedliche Perspektiven, die hier aber häufig nur sehr einseitig wiedergegeben werden.
Auch in vielen anderen Ländern mit hohem CO2 Ausstoß, gerade China und Indien, die durch die Erderwärmung noch direkter bedroht sind als wir, kommt die Erkenntnis inzwischen an, dass es ohne wirksamen Klimaschutz bald gar keine rentable Wirtschaft mehr geben wird. Und auch da investiert (!) die Regierung riesige Summen in Forschung und Ausbau der Produktion klimafreundlicher Technologie, das regelt nicht alleine der Markt, auch wenn sich die Technologien aller Wahrscheinlichkeit nach dauerhaft auszahlen.
Dass China immer noch massenhaft Kohle nutzt ist ein großes Problem, aber durch die deutlich andere Entwicklungsgeschichte des Wohlstands (deutlich später als wir) sehe ich auch mehr Verantwortung bei den Ländern, die schon deutlich länger vom Wohlstand durch fossile Energie profitiert haben.
"Klima- und Umweltschutz schädigen Wohlstand und Wachstum – davon sind viele, auch in der Ökonomie, überzeugt. Aber stimmt diese These? Sie stimmt nur dann, wenn Wohlstand nach über Jahrzehnte etablierter Logik bemessen wird. Diese Logik übersieht die Auswirkungen wirtschaftlicher Aktivitäten auf Klima, Umwelt und sozialen Zusammenhalt. Deren Schutz ist den meisten Menschen nicht nur wichtig, sondern auch die Grundvoraussetzung dafür, dass sie zukünftig zur Wertschöpfung beitragen können. Daher ist es überfällig, dass wir unser bisheriges Verständnis von Wohlstand überdenken. Gelingt uns dies nicht, drohen dramatische wirtschaftliche Konsequenzen, auch in Deutschland.
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Auch das Argument, Klimaschutzmaßnahmen in den Sektoren Verkehr, Energie oder Wärme bremsten Wachstum und wirtschaftliche Dynamik, da sie lediglich darin bestünden, einen alten Kapitalstock durch einen neuen (und häufig weniger effizienten) zu ersetzen, hat Schwächen. Tatsächlich sind E-Autos und Wärmepumpen technisch effizienter als ihre mit fossilen Brennstoffen betriebene Konkurrenz und sorgen zudem für Emissionsminderungen und die Senkung von Gesundheitsrisiken.
Ebenso übersieht das Argument die möglichen Kosten des Nichthandelns.
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In Bezug auf die Kosten und Chancen des Klimaschutzes ist Optimismus angebracht. Wirtschaft und Gesellschaft – in Deutschland wie auch global – wissen, was zu tun ist, verfügen über Technologien für eine erfolgreiche Transformation und haben den Nutzen des erforderlichen Handelns eindrucksvoll nachgewiesen. Deutschland ist weltweit mit führend bei grünen Technologien – die deutsche Wirtschaft konnte ihren Weltmarktanteil in den vergangenen Jahren sogar auf zwölf Prozent ausbauen, was höher ist als in den meisten anderen Branchen."
(Artikel von 2023)
Die traditionelle Volkswirtschaftslehre sieht das Wachstum durch Klimaschutz bedroht. Doch diese Sicht ignoriert die langfristigen Auswirkungen wirtschaftlicher Aktivitäten, meint Marcel Fratzscher. Klima- und Umweltschutz schädigen Wohlstand und Wachstum – davon sind viele, auch in der...
www.diw.de
"China ist nicht nur der weltweit größte Verursacher von Treibhausgasen, sondern gehört auch zu den Ländern, die bereits massiv von den Folgen des Klimawandels betroffen sind. Eine Zunahme von Dürren, Hitzewellen, Starkregenereignissen, Rückgang der landwirtschaftlichen Erträge durch Trockenheit und Schädlingsbefall, Anstieg des Meeresspiegels in den ökonomisch bedeutenden Deltaregionen des Yangzi (Changjiang) und des Perlflusses (Zhujiang), abschmelzende Gletscher im tibetischen Hochland und gesundheitliche Belastungen für die Bevölkerung als Folgen der globalen Klimaerwärmung sind durch die drei nationalen Klimaberichte sowie die sechs Sachstandsberichte des Weltklimarats (IPCC) belegt. Zur Auflösung der Fußnote[5]
China muss sich somit auf große Herausforderungen für die Ernährungssicherung, den Katastrophenschutz und die wirtschaftliche Stabilität als Folge des Klimawandels einstellen."
(Artikel von 2022)
China verursacht fast ein Drittel aller globalen Emissionen. Ist das im Pariser Abkommen der UN-Klimakonvention 2015 vereinbarte 1,5-Grad-Ziel als maximale Erderwärmung noch annähernd umzusetzen?
www.bpb.de
"Die Volksrepublik ist aber auch weltweit führend bei Investitionen in und den
Ausbau von Ökostrom . Im Jahr 2023 investierte das Land 273 Milliarden Dollar in saubere Energie, gefolgt von Europa, das etwa halb soviel ausgab.
Laut der
Internationalen Energieagentur (IEA) stammt ein Drittel der weltweiten Investitionen in erneuerbare Energien aus China. Das Land habe im Jahr 2023 alleine so viele PV-Anlagen in Betrieb genommen hat wie die gesamte Welt im Jahr 2022 zusammen. Laut IEA steigerte China seine Windkraftkapazität im vergangenen Jahr um 66 Prozent. Und fast zwei Drittel aller Neuzulassungen von Elektroautos erfolgen demnach in China."
(Artikel von Ende 2024)
Mit der Wiederwahl von Donald Trump verlassen die USA die Bühne der internationalen Klimapolitik. Könnte China diese Lücke füllen? Daheim setzt Peking zwar auf die Erneuerbaren, aber auch auf Kohlekraft.
www.dw.com