Ich finde das ehrlich gesagt schrecklich wie die Medien Westen und Osten gegeneinander ausspielen. Ich bestreite ja gar nicht dass es in den neuen Bundesländern andere Probleme gibt. Aber im Westen gibt es auch soziale Probleme.
Immer diese Einseitigkeit? Wozu die Wiedervereinigung, wenn man gedanklich immer noch zwischen Westen und Osten differenziert.
Es wird nicht nur gedanklich differenziert, es bestehen Differenzen.
Warst Du schon einmal in den neuen Bundesländern? Kennst Du Städte und Menschen von dort?
Der Osten hinkt ökonomisch dem Westen ziemlich weit hinterher. In den Jahren von 1990 bis 1994 gingen fast zwei Drittel der ostdeutschen Industriearbeitsplätze verloren. Und davon sind nicht mehr viele wieder entstanden. Alle bisherigen für die Menschen so wichtige Werte und Orientierungen waren plötzlich weg, doch sie blieben Teil der Identität von uns. Von heute auf morgen war mein Land, meine Heimat - die DDR - nicht mehr da. Und bis heute möchte man mir in Gesprächen erklären, dass mein Land nichts wert war und dass ich dankbar sein solle ... und so weiter.
Das mal nur als winziger Anstoßpunkt. Die Wende ist geschichtlich gesehen noch nicht lange her, da sind selbst 100 Jahre wie ein Wimpernschlag, das wird sich erst in den nächsten Generationen ändern, vor allem für jene, die hineingeboren sind in die Zeit.
Was die 13 Prozent für die AfD betrifft, ich hoffe, dass die Politik ganz schnell und umfassend etwas gegen den Rechtspopulismus und rechtsradikalismus tun wird. Vor allem muss sie auch mehr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt tun.
Deutschland wird in Zeiten einer sich weiter globalisierenden Welt, in der die Zuwanderung und die ethnischen und kulturellen Veränderungen zunehmen, kein Land in einer Blase sein können oder sich als Insel sehen.
Ich erwarte von der Regierung, dass gegen solche Entwicklung, wie wir sie jetzt zur Wahl erlebt haben, was getan wird. Ich erwarte, dass hier die neue Regierung ansetzt, und ich erhoffe mir eine gute Opposition.