Du bist nicht komisch. Unsere Gesellschaft ist es.Üben kann ich mit niemanden. Freunde hatte ich noch nie und Familie auch nicht mehr. Die haben sich alle leider alle von mir abgewendet. Naja kein Wunder, so komisch wie ich bin.
Einen Menschen, der ein Problem hat und leidet, sollte man auffangen und nicht im Stich lassen.
Ich meine...Du hast lediglich eine Sozialphobie und niemanden überfallen, verletzt, oder gar umgebracht. 🙄 Natürlich kenne ich Deine Familie nicht und weiß nicht, warum sie nicht für Dich da sind und ob dort etwas vorgefallen ist. Aber generell sollte man in einer Familie füreinander da sein. :herz:
Es sieht so aus, als ob sich bei Dir ein schwieriger Kreislauf eingeschlichen hätte: Sozialphobie -> Einsamkeit -> mangelnde Unterstützung von Mitmenschen und fehlende Wärme -> Essstörungen -> das Selbstvertrauen sinkt noch mehr -> Probleme bei Bewerbungen und im Arbeitsleben -> das Selbstvertrauen sinkt -> die Phobie wird nicht besser.
Außer dieser einen kleinen Schwäche (Sozialphobie) ist alles mit Dir in Ordnung. Wir haben alle Schwächen. Nur leider gibt es kaum eine Schwäche, die in unserer Leistungsgesellschaft ein so großer Nachteil ist, wie eine Sozialphobie. 🙁 Ich habe selber unter einer SP gelitten. Vor allem im Teenager-Alter. Glaube mir: man kann das heilen. 🙂 Es ist manchmal ein langer, steiniger Weg, aber kein in Stein gemeißeltes Schicksal. Und Du bist noch so jung.
Der Zug ist keineswegs abgefahren! Vielleicht wirst Du Dich mit 27, 30 oder 35 fangen und kannst dann mit einer Ausbildung loslegen. Was wäre so schlimm daran, wenn es nicht bereits jetzt oder in einem Jahr klappt?
Ich glaube, den Kreislauf, in dem Du im Moment steckst, durchbrichst Du nicht indem Du Dich in einen Job hinein quälst. Außer vielleicht, wenn Du in die Reha-Abteilung des Arbeitsamtes hinein kommst, wie 'Gast' hier im Forum geschrieben hat.
Vielleicht hast Du Glück und findest einen Job mit sehr netten Menschen. Kann alles passieren. Aber verbeiße Dich bitte nicht so sehr in dieses Job-Thema. Denn Dein Wohlbefinden und Deine Gesundheit sind auch wichtig.
Deine SP scheint so stark zu sein wie damals bei mir in der Schule (wo ich gemobbt wurde). Damals hätte ich unter keinen Umständen berufstätig sein können. Viele Menschen sind leider nicht nett, wenn jemand anders sind, sondern können ganz schön gemein sein und lassen ihren Frust gerne an Leuten, die sie als anders wahrnehmen, aus. Ich möchte nun nicht sagen, dass Du nicht arbeiten kannst oder dass glückliche Umstände im Job ein Ding der Unmöglichkeit sind. Vieles hängt einfach vom Glück ab. Ich finde nur, Du bist wichtiger als ein Job. Und Deine Gesundheit ist es auch.
Wenn es mehr Mitgefühl unter uns Menschen gebe, gebe es bestimmt weniger Leute mit SP und denen, die daran leiden, würde es besser gehen.
Mache Dir bitte nicht soviel Druck, dass es jetzt beruflich unbedingt mit etwas klappen muss. Es ist völlig in Ordnung Hartz IV anzunehmen, damit Du Zeit gewinnst Dich selber zu stabilisieren.
Den problematischen Kreislauf, in dem Du steckst, kannst Du dauerhaft am besten dadurch durchbrechen, dass Du lernst Dich selber anzunehmen. Wenn Du das geschafft hast, wird auch Dein selbstschädigendes Verhalten aufhören (man sagt nicht umsonst Kummerspeck) und irgendwann kann dann auch ein Job kommen.
Kein Mensch sollte seine gesamte Identität von einem Job abhängig machen.
In der Zwischenzeit könntest Du eine Sprache erlernen (geht auch über Bücher und das Internet) oder Fähigkeiten wie Buchhaltung (von potentiellen Arbeitgebern oft gerne gesehen) oder irgendein anderes Wissen oder Fertigkeit.
Gibt es eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit Sozialphobie in Deiner Stadt?
Vielleicht könntest Du dort hin gehen? Oder, falls Dir das zu schwer fällt, erst einmal über das Internet Freundschaften schließen. Vielleicht würdest Du eine Freundschaft über Hilferuf finden oder ein anderes Internet-Forum? Eventuell sogar eine Freundschaft im "realen" Leben mit Treffen & co und wenn nicht, dann vielleicht erst einmal eine reine Email-Freundschaft.
Zweitens: Hast Du einen Glauben? Spirituell oder religiös? Meine Erfahrung (natürlich subjektiv) ist, dass Menschen, die in einem Glauben verwurzelt sind, andere nicht so schnell mobben oder drangsalieren. Hartz IV ermöglicht Dir finanziell sicher keine großen Sprünge, aber vielleicht wäre mal ein Kurzurlaub in einem Kloster drin. Ich habe mal einen Bericht über ein Kloster gesehen im TV, wo die Nonnen Wellness und Massagen anboten. Und vielleicht gehört auch Seelsorge zu den Angeboten einiger Klöster. Viele Menschen, Therapeuten oft eingeschlossen, sind in unserer materialistischen Gesellschaft (Leistungsdenken und/oder wenig Mitgefühl) sehr verwurzelt. Vielleicht wäre es gut, mal etwas anderes auszuprobieren.
Auch wenn Du vielleicht keinen Glauben hast oder Dein Glauben ein anderer ist, könnte Dir ein Aufenthalt unter Menschen, die andere nicht nur danach beurteilen wie viel sie leisten (beruflich, soziale Fitness, Redegewandtheit, Selbstbewusstsein) bestimmt gut tun.
Telefonseelsorger tun das meist auch nicht. Also, andere nach Oberflächlichkeiten (Erscheinungsbild, Auftreten) beurteilen.
Es gibt glücklicherweise noch immer ein paar mitfühlende Menschen, die einen anderen nicht einfach verurteilen, wenn er ein Problem mit sich und der Welt hat und man das merkt (zB am Verhalten) und sieht. Versuche am besten Dich auf die Suche nach diesen Menschen zu machen.
Waren Deine Eltern liebevoll zu Dir? Oder haben Sie Dir weh getan? Konntest Du ihnen nie in die Augen schauen, oder war das als früher als Kind anders?Beim Arbeitsamt meinten die sie können mir nicht helfen, weil... Naja selbst dort saß ich mit hochroten Kopf, am schwitzen wie Sau (und nein, nicht wegen meinem Gewicht, sondern wegen der Angst) und konnte keinen in die Augen schauen (das kann ich generell nicht, selbst bei meinen Eltern konnte ich es nie).
Zum Arbeiten hast Du noch so viel Zeit. Wichtig ist es, dass Du Menschen findest, die Dich annehmen und dass Du es selber lernst Dich mit Deiner Schwäche zu akzeptieren. Eine Sozialphobie ist leider eine Sache, die in unserer Ego-betonten Gesellschaft große Folgen hat, aber sie macht Dich in keinster Weise als Mensch weniger wertvoll. Und wenn Du es lernst Dich selber etwas mehr anzunehmen, wird die Sozialphobie meist auch geringer. Habe bitte etwas Geduld mit Dir.
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