Mach den Lauten
Hallo Icemoon28,
Du bist momentan vielleicht in einer schwierigen Lage nach der Scheidung und hast Angst den Leuten in Deinem sozialen Umfeld vor den Kopf zu stoßen. Schießlich bist Du ja darauf angewiesen, dass Dir jemand die Küche aufbaut etc und man will ja nicht die restlichen sozialen Kontakte aufs Spiel setzen, die einem noch bleiben.
Schön, dass Du Deine Tante schon ins Vertrauen gezogen hast. So kann sie Dich auf Familienfeiern allein durch ihre Anwesenheit davor schützen, dass weitere Übergriffe passieren. Wenn Dein Vater sie aus der Küche schicken will, um mit Dir allein zu sein, sag: "Nein, Tante XY ist auf meinen ausdrücklichen Wunsch hier, damit Du nicht wieder versuchst, mich anzugrapschen."
Das wird für ihn erst mal ein Schock sein, wenn Du dazu stehst, es öffentlich anzusprechen. Lass Dich weder vor anderen, noch vor Deiner Tante auf Diskussionen mit ihm ein. Nichts sagen oder ein kurzer Kommentar reichen vollkommen aus. Wiederhole anstatt auf seine Diskussionsversuche einzugehen Deine Wünsche: z.B.
"Tante XY bleibt hier." oder
"Du wirst mich nie wieder anfassen."
"Mutter hätte Dich längst in die Wüste geschickt, wenn sie wüßte, dass Du keine Gelegenheit ausläßt, mich anzugrapschen." (Das solltest Du natürlich nur sagen, wenn Du auch davon überzeugt bist)
"Der zuständige Richter des Amtsgerichts würde sicher anders urteilen."
Lass ihn dann einfach labern. Verrichte weiter Deine Tätigkeiten (Kaffee kochen etc.) ohne ihm besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Wenn Du auf ihn eingehst, schwächst Du nur Deine Position. Möglichen Anwesenden reichen kurze klare Aussagen, um sich ein richtiges Bild von der Situation zu machen.
Wenn er Dir dann eine Frage stellt, wiederhole sturr Deine Forderung. Beispiele:
"Ist das jetzt der Dank dafür, dass ich Dir so sehr geholfen habe. Ich habe alles für Dich getan: als Kind, ..... ganze Küche aufgebaut....."
Du siehst ihm in die Augen und sagst:
"Du wirst mich nie wieder anfassen!"
Du kannst dann zu Deiner Tante oder zu Deiner Mutter hinzufügen. "Bei den Entlohnungen, die er sich vorstellt, hätte ich ja lieber direkt auf den Strich gehen können. Dann hätte ich auch jemanden bezahlen können, der mir die Küche aufbaut."
"Sag bloß, Dir hätte es nicht gefallen ???!???"
Du siehst ihm in die Augen und sagst:
"Du wirst mich nie wieder anfassen!" Verlass dann das Zimmer, um Dich einer weiteren Diskussion zu entziehen. Geh notfalls zur Toilette. Wenn er versucht, Dich festzuhalten, befreie Dich LAUTSTARK und notfalls mit Gewalt.
"Was soll das denn heißen?"
"Du wirst mich nie wieder anfassen!"
Denke immer daran, die Moral ist auf Deiner Seite.
Die öffentliche Moral besagt:
"Sei treu." - Dein Vater hintergeht Deine Mutter, indem er sich an Dich ranmacht.
"Inzesttabu: Mach Dich nicht an Deine (Stief-)Kinder heran"
"Nötige eine Frau nicht zu sexuellen Handlungen": Mach Dir hier ruhig einmal bewußt, wie ein Richter die Angelegenheit beurteilen würde.
Mach ihm UNMISSVERSTÄNDLICH DEUTLICH, dass Du nicht bereit bist, weitere Entgleisungen seinerseits hinzunhemen.
Stelle KURZE KNAPPE PRÄZISE FORDERUNGEN, was er tun oder unterlassen soll. "Nimm Deine Hand aus meiner Hose!!!" Schubs ihn weg und verlasse den Raum und vor allem SPRICH LAUT UND DEUTLICH, DAMIT MAN ES AUCH IM NEBENZIMMER MITBEKOMMT.
Und mach Dir vor allem klar, er muss nicht verstehen, warum Du seine ach so gut gemeinten Annäherungsversuche ablehnst. Er hat es zu akzeptieren.
Bau Druck auf und zwar in dieser Reihenfolge
1. Benutze Deine Stimme: Schrei ihn an, wenn er es wieder versucht.
2. Benutze Deinen Körper: Dreh Dich weg, schubs ihn weg, gib ihn eine Ohrfeige, notfalls tritt ihm in die Eier oder schütte ihm heisses Wasser ins Gesicht.
3. Zeig ihn bei der Polizei an.
Ich kann mir aber gut vorstellen, dass Schritt 1 vollkommen ausreicht, wenn Du Deinen Standpunkt gut vertrittst. Es ist gar nicht so schwer standhaft zu bleiben, auch wenn er Dir verbal überlegen ist. Aber es ist immer noch besser zu härteren Massnahmen zu greifen, als sich alles gefallen zu lassen.
Und noch was: Lehne in Zukunft seine Hilfe und auch die harmlosen Abschiedsumarmungen ab. Du musst es gar nicht begründen. Die nicht eingeweihten Leute können ja denken, dass es an negativen Erfahrungen aus Deiner Ehe oder sonst was läge. Du lässt dich gern von vertrauten Personen umarmen. Aber er hat Dein Vertrauen verspielt. Lass Dich mindestens ein Jahr nicht mehr von ihm umarmen - auch wenn er väterlich ankommt - es bei den anderen Anwesenden auf Unverständnis stoßen würde und Du es bisher immer zugelassen hast. Was er sich geleistet hat, muss zu einem Bruch Eurer Beziehung von Deiner Seite aus führen. Sag einfach "Ich will das nicht." und streck ihm die Hand zum Auf Wiedersehen Sagen hin. Möglicherweise wird Deine Mutter erschreckt sagen "Aber Kind?" und Dein Vater wird erneut versuchen, Dich in die Arme zu nehmen. Diese Unverschämtheit, Dein erstes Nein nicht zu akzeptieren, solltest Du kann mit einem lauten, notfalls hysteischem "Ich sagte, ich will keine Umarmung und ich meinte, ich will keine Umarmung." quittieren und ihn wegschubsen.
Wenn Du Dich das nicht traust, dann lies noch mal den Beitrag, der Dich dazu auffordert, ihn anzuzeigen und frage Dich was für ihn wohl die schlimmeren Konsequenzen haben würde.
Also: Ab heute keine faulen Kompromisse mehr.
Petra