Nun, Du lebender Pessimist, was hält wohl länger an in der Erinnerung? Schöne oder miese Erlebnisse?
Ich weiß nicht wie alt Du bist, aber es würde mich wirklich wundern, wenn Du noch ganz genauso denken würdest, wie jetzt, wenn Du Dich hier ein wenig intensiver umsehen würdest.
Gerade hier im Forum, wo sich die tragischen und bösen Schicksale nur so häufen, wo man an der Grausamkeit des Lebens verzweifeln könnte, grade hier ist auch so viel Liebe und Gutes zu spüren. Hier vergessen Menschen wenigstens solange den eigenen Schmerz, das eigene Gefühlschaos, solange sie bereit sind, sich auf das Elend anderer einzulassen. Deshalb beschäftigen sich ja so viele Menschen mit dem Elend anderer, weil sie dann subjektiv das Gefühl haben, dass es ihnen doch eigentlich gut geht, oder glaubst Du, sonst könnten die Medien mit Katastrophen so viel Geld verdienen?
Ich war in meiner Jugend ein grenzenloser Optimist. Optimismus ist was wunderbares, es gibt einem immer wieder Auftrieb. Aber es birgt auch die Gefahr, immer doppelt so stark enttäuscht zu werden, da man das Schlechte ja gar nicht erwarten möchte. Im Laufe meines Lebens überwog dann auch bei mir der Pessimismus, bedingt durch viele eigene schlechte Erfahrungen, aber im Hinterstübchen lauerte immer der Optimist, bereit wieder hervorzubrechen, wenn ich es zulasse. Ich habe es sehr lange nicht mehr zugelassen, weil ich all die schmerzenden Enttäuschungen wirklich leid war. Heute wo all das hinter mir liegt, habe ich meinen Optimismus wieder gefunden.
Ein Pessimist ist eigentlich ein Mensch, der bereits resigniert hat. Auch er hat etwas Gutes, er kann nie enttäuscht werden, denn er erwartet ja nichts gutes.
Aber eines ist sicher, Du erhältst in Deinem Leben auf Dauer das, was Du denkst.
Positiv zu denken, bedeutet nicht unbedingt auch Optimist zu sein. Positiv denken bedeutet, auch im Negativen noch etwas Positives für sich selbst zu finden.
Negativ denken,lässt absolut nichts positives zu. Es ist verneinen auf dere ganzen Linie.
Ich weiß nicht, woher Du Deine negative Einstellung zum Leben hast. Natürlich hast Du recht, dass man verzweifeln könnte, an den Katastrophen, Kriegen, Seuchen, menschlichen Grausamkeiten, Tätern und deren Opfern.
Und trotzdem ist die menschliche Natur so beschaffen, dass das Gehirn nur soviel Negatives speichert, soviel es ertragen kann ohne aus den Hirnwindungen zu geraten.
Ich habe auch manchmal das Gefühl ich krieg Hirnsausen, wegen Dingen die ich sehe, höre oder erleide, ohne etwas dagegen tun zu können.
Es spielt auch gar keine Rolle, ob oder ob nicht ein Gott oder Jesus existiert. Jeder Mensch braucht irgend etwas, was er verantwortlich machen kann, für Dinge, die er nicht versteht, nicht begreifen kann. Und dafür ist Gott doch die ideale Gestalt. Je dümmer man die Menschheit halten wollte, desto intensiver wurde Gott ins Spiel gebacht und der Teufel. Der eine um Angst zu haben, der andere um Hoffnung oder etwas zum Festhalten zu haben. Die Menschheit hat sich dies seit Jahrtausenden immer wieder zu Nutzen gemacht. Haltet die Menschheit dumm, damit wir die Macht behalten. Jeder der hinter die Dinge blickte war Hexe, Ketzer, Gefahr, die auf den Scheiterhaufen gehörte. Denn Denken gefährdet die Macht.
Du schreibst, die schönen Dinge sind nur für den Moment, nur für einen Augenblick, während das Grauen immer da ist.
Und genau da ist Dein Denkfehler. Das Schöne ist auch immer da, man muss es nur sehen, genauso wie das Grauen. Da aber die Medien am Schönen nicht verdienen, sondern am Grauen, wird uns das Grauen tagtäglich hundertmal vor Augen geführt, das Schöne muss man sich selber suchen.
Da aber beides existiert, denn eines ohne das andere ist nicht denkbar, kommt es ganz auf die Sichtweise des Betrachters an.
Wenn Du jetzt mal nicht verallgemeinerst, sondern Dich selbst in den Mittelpunkt stellst und darüber nachdenkst, was von dem Grauen betrifft Dich persönlich, und was von dem Schönen betrifft Dich persönlich. Wenn Du mal absiehst von Leid, dass Du selber erlebst hast, so betrifft Dich persönlich nichts von dem Grauen, aber die Schönheiten kannst Du Dir jederzeit nehmen, denn sie sind für jedermann vorhanden.
Wenn Du als lebender Pessimist, selbst schon viel Leid erlebt hast, und nichts Schönes, so herrscht natürlich in Deiner Erinnerung das Schlechte vor, auch wenn es nur für einen Momen existierte, aber in der Erinnerung lebt es weiter, sofern es nicht aus Selbsterhaltungstrieb vom Gehirn verdrängt wird.
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Aber genauso ist es für jemanden, der etwas Wunderschönes erlebt hat, der kann ebenfalls ein Leben lang davon zehren, denn er erinnert sich gerne daran, das Gehirn versucht nicht es zu verdrängen.
Vielleicht kannst Du mal versuhen, über meine Gedanken zu Dir als lebende Pessimisten nachzudenken, und dann sage mir, dass nur das Böse und Schlechte immer vorhanden sei, und das Gute nur für den Augenblick.
Wie gesagt, es kommt darauf an, was Du sehen willst. Gäbe es keine Medien, wüssten wir von den meisten negativen Geschehnissen nichts, aber die positiven Dinge sind tagtäglich auch ohne Medien um uns herum.
Und wenn Du noch ein bißchen mehr über positive oder negative Eindrücke und Erlebnisse wissen willst, so brauchst Du nur mit offenen Augen und Sinnen hier im Forum spazieren gehen, und Du wirst auch hier enorm viel Schönes sehen. Du wirst erleben, wie Menschen, die seelisch fast zerstört sind, dennoch Schönes bewirken können.
Nun lebender Pessimist, wird es nicht Zeit zu sterben? Auch der Tod des noch lebenden Pessimisten bringt Erneuerung und die Chance, wie Phönix aus der Asche zu erstehen und plötzlich die Welt als neu geborener Optimist zu betrachten.
Ein Pessimist kann doch eigentlich gar nicht zulassen, dass es ihm gutgeht, denn dann könnte er ja kein Pessimist mehr sein, er würde ja dann das Gegenteil am eigenen Leib erfahren.
Demzufolge ist es auch nur logisch, dass ein Pessimist niemals in der Lage sein kann, mit irgend einem hier im Forum, der wirkliches Leid kennengelernt hat, auch nur einen Funken Mitgefühl oder Mitleid zu haben, denn dann müsste er ja zugeben, dass es dem anderen schlecher geht als ihm selber, aber als lebender Pessimist kann es niemals irgendeinem anderen schlechter gehen als ihm selbst, sonst wird seine Lebenshaltung völlig ad absurdum geführt.
Und nun wünsch ich Dir viel Spaß beim Nachdenken.
Aber vorsicht, Hirnausen tut weh und ist gefährlich
sagt das Luiserl