Wiederlektüre: Thomas Bernhard, Auslöschung.
Große späte Summe seines Werks, in der sich die kalte Wut der frühen Jahre in heißen Zorn und Liebe (verborgen wie so oft bei ihm, außer in den autobiografischen Erzählungen) gewandelt hat, eine Kaskade ohne Absatz, mit vielen Verwischungen. Nein, Wandlung ist falsch gesagt: die frühen Werke haben das alles auch schon, ist eher wie mit Goethes Werther und den Wahlverwandtschaften, so ungefähr.
Vor zwanzig oder was weiß ich wie viel Jahren ein erstes Mal gelesen, aber die Erinnerung stimmt noch halbwegs, ein paar Seiten am Tag, in der Nacht genügen. Beim ersten Lesen hat mich das Buch aufgesogen, jetzt bin ich ruhiger, schau hie und da hinein. Jedenfalls ein Buch, das für mich ein Beispiel ist, dass man ein Buch, das man nicht mindestens zweimal liest, gar nicht erst lesen muss.