Das mit der Seele in zwei Körpern halte ich für romantisiert und unrealistisch. Das gibt es nicht, wir sind alle unterschiedlich. Diese romantisierte Sicht führt nur zu Enttäuschungen.
Für mich ist es wichtig, jemanden so anzunehmen wie er ist und die Grenzen dieses anderen Menschen zu wahren. Niemals darf mit emotionalen Erpressungen, Manipulationen und Druckmache gearbeitet werden, sowas vergiftet alle Sympathien. Man hat auch keinerlei Recht, jemand anderen irgendwie umzuerziehen.
Freundschaft ist ein Interesse am anderen Menschen, ohne Ausnutzung, ohne Statusaufwertung oder Selbsterhöhung auf Kosten des anderen. Freundschaft ist ein Geschenk, ein Stück Kuchen, welches man vom Leben bekommt und welches einen selber zum Backen inspiriert. Den ganzen Kuchen zu wollen, ist eine Sünde!
Freundschaft bedeutet, sich Gedanken zu machen, was man selber geben kann und was nicht, und was der andere geben kann und was nicht. Niemals darf man enttäuscht sein, weil jemand anders etwas einfach nicht kann. Da muss man genau hinschauen und differenzieren. Maßhalten ist, wie überall im Leben angesagt, sowohl im Nehmen, als auch im Geben. Nicht den anderen ausbeuten und sich selber nicht ausnutzen lassen. Anerkennung aussprechen, aber nie nach dem Munde reden um zu gefallen. Durchaus kritisch bleiben.
Besser kann man es nicht ausdrücken. Man ist nur bei sich ganz selbst, und kann auch nur bei sich ganz sein. Als Einheit. Freundschaften ergänzen nur das was schon da ist.
Ein wahrer Freund verzeiht einem nicht alles. Ein wahrer Freund sagt und zeigt einem, wie der Name schon sagt, die Wahrheit. Und Freunde sind auch nur Menschen, und ein Mensch kann nicht immer trösten, nicht immer helfen und nicht immer da sein. Wenn man sein eigenes Ganzsein empfindet, dann ist einem jeder Freund ein wahrer Freund, dem man sein ganzes Sein wahrhaftig zeigen kann.
"Wahre Freundschaft hat es vielleicht vor 50, 60 Jahren noch gegeben. Heute sind das nahezu zu 100 % nur noch Zweckgemeinschaften zum gegenseitigen Nutzen. Entfällt der Nutzeffekt, wird der andere fallen gelassen, auch wenn er ein noch so sympathischer, feinfühlender, hilfsbereiter Mensch ist. Wahre Freundschaft bedeutet, auf einer Wellenlänge zu liegen und auch dann füreinander da zu sein, wenn der andere keine Vorteile zu bieten hat und nicht "funktioniert"." Ich habe vor 50, 60 Jahren nicht gelebt, aber so ganz kann ich das nicht glauben. Selbst in der Antike wurde gesagt, dass die Menschen früher ehrlicher waren, oder "freundschaftlicher". In den meisten Fällen ist es aber eine etwas illusionäre Vorstellung. Es gibt diese Zweckgemeinschaften, es gab sie schon immer. Und es wird sie wohl auch immer geben, und in 50 Jahren wird man sagen "Anfang der 2000er gab es noch echte Freundschaften. Die Welt geht vor die Hunde." - Nun ist das aber eine innere Einstellung und Vorstellung. Jemand der sagt "Früher war alles besser." dem wird es im heute schlechter gehen, oder sich schlechter fühlen, als jemand der sagt "Heute ist gut genug, wie es ist so freue ich mich."
Und wer sagt "Heutzutage gibt es keine Freundschaft." der wird sich wohl auch schlechter fühlen als jemand der sagt "Heute sind die Freundschaften anders, aber gut genug."
Und die Zweckgemeinschaften an sich, die habe ich noch nicht erlebt. Und dann kann es ja nicht 100% sein, oder? Du und ich, okay, wir sind kein nennenswerter Prozentteil von 7 Milliarden, aber unsere, deine und meine Wahrnehmung, kann das auf die ganze Menschheit übertragen werden? Nicht wirklich oder? Also heißt es doch "Meine Freundschaften, die Freundschaften die ich erlebt habe, sind 100% Zweckgemeinschaften." Und was sagt das dann aus? Wie kann das passieren? Wäre es nicht interessant herauszufinden wo man selbst angreifbar ist, oder sich "ausnutzen" lässt?