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  • Starter*in Starter*in propellerkind
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P

propellerkind

Gast
Ich will hier von einer wahren Liebe erzählen.

Wir gingen beide in diesselbe Ausbildung und lernten uns so kennen.
Im Unterricht haben wir beide immer viel Quatsch zusammen gemacht, haben über die Professoren (wir haben an einer Klinik gelernt und daher hatten wir oft auch Ärzte als Lehrer) gespottet und sonstigen Firlefanz getrieben.
Nach einem halben Jahr flog ich wegen Nichtlernens raus, was meine eigene Schuld war (Jugendsünde), aber ich wusste auch so, dass ich mit meinem damaligen Wissen keine Chance hatte.
Er machte weiter, auch wenn er stinkfaul war, er war intelligent genug, es ohne lernen zu packen.

Während er weiter lernte, arbeitete ich erst im Krankenhaus für einen Monat und im nächsten Monat hatte ich wieder eine Stelle in Frankfurt. Daher überlegte ich mir, dass wir uns nach meiner Arbeit öfter mal treffen könnten.
Beim ersten Mal hielt mich leider mein damaliger Chef auf, doch er wartete brav weiter und hatte sogar Rosen gekauft.
Leider konnten wir uns gegenseitig nicht besuchen, weil die Fahrkarten sonst zu teuer gewesen wären.
Er verdiente kein Geld und ich auch nicht. Ich arbeitete durch die ARGE und bekam daher nur ca. 200 Euro im Monat von denen ich auch noch die Fahrkarte bezahlen musste. Das waren über 130 Euro damals. Wäre ich noch zu ihm gefahren, hätte mich das mit Hin- und Rückahrt zusätzlich nochmal um die 15 Euro gekostet.
An meinem 20. Geburtstag hatte ich auch eine CD geschenkt bekommen. Ich meinte, dass ich mir ein Lied darauf aussuchen sollte, dass mich am besten beschreibt und er sich eines aussuchen sollte, dass ihn am besten beschreibt, damit wir uns immer an uns erinnern können und an diesen schönen Tag.

Dann ging ich auf seine Zeugnisüberreichung. An dem Tag wurden die Ergebnisse bekannt gegeben und die Stimmung war sehr emotional. Viele freuten sich. Eine junge Frau, die auch bei mir im Jahrgang gewesen war, war durchgefallen und weinte sehr (sie hatte später die Nachprüfung bestanden). Auch ein junger Mann hatte eine Prüfung nicht bestanden und war deshalb beleidigt. Ich sah eine weitere junge Frau, die sehr kräftig war und völlig außer sich flehnte. Ich kannte sie nicht, sie musste wohl aus einem anderem Semester gewesen sein.
Alle waren angespannt. Als das Abschlussfoto gemacht wurde, fragte mich die Schulleiterin, ob ich nocheinmal eine Ausbildung anfangen wolle. Ich dachte erst, ich träume oder ich hätte mich verhört.
Dann willigte ich aber sofort begeistert ein. Hätte ich damals gewusst, was daraus später für ein Fehler resultieren sollte, ich hätte es gelassen.
Während ich die Stelle inne hatte, musste er zum Arbeitsamt, um sich eine Stelle zu suchen. Das Arbeitsamt wollte ihn in eine Fabrik vermitteln, die Babywindeln herstellen. Er sollte dort die Laborwerte überprüfen und nur befristet eingestellt werden. Hinzu kam auch noch, dass er auch noch Schulden wegen den Prüfungskosten hatte und seine Mutter das ganze Geld versoffen hatte. Ich weiß nicht, was gewesen wäre, hätte er diese Stelle angenommen. Ich weiß nur, es wäre nicht gut verlaufen.
Also bin ich liebestrunken zur Schulleitung, dachte mir, wenn man mich später nochmal rauswirft, dann hab ich hier wenigstens eine gute Sache erreicht und hab die Schulleitung mehr als nur gebeten ihn zu vermitteln.
Die Schulleitung hat ihn dann angerufen, weil sie noch seine Kontaktdaten via Schulakte hatte. Sie hat ihn dann in ein Labor für Krebsforschung mit Festanstellung vermittelt. Ich habe seinen Arbeitsvertrag als Kopie noch da, weil ich ihn von unserem Lehrer für Gesetzeskunde, einem Arbeitsrechtsanwalt, überprüfen ließ (Natürlich auch noch mitten in der Klausur, so dass ich zugegeben dabei wunderbar spicken konnte. Ich hätte die Paragrafen sowieso später nicht mehr gebraucht, wie man es aus der Praxis kennt. Und es war mehr als leicht, die Antworten nur auf andere Seiten ins Gesetzesbuch zu kritzeln.).

Sei's drum, wir hatten eine schöne Zeit. Wir haben uns nie gestritten und wir kamen immer klar miteinander.
Seine Mutter trank viel Alkohol und sein kleiner Bruder, damals 9, lebte noch mit bei ihm im Zimmer. Er hatte es Zuhause ziemlich ungemütlich. Oft war er total übermüdet und schlief daher viel bei mir. Eines Tages hatten wir mal einen schlimmen Sturm und er saß am Bahnhof fest, weil keine Züge mehr fuhren und er kein Geld für ein Taxi hatte. Dann hab ich ihn mit meinen Eltern abgeholt.
Nur eine hatte was gegen unsere Beziehung. Franzi, mein damaliges Kaninchen. Wenn er da war, war sie nicht begeistert davon. Er nannte sie "Fellball", sie starrte ihn etwas missgünstig an.

Irgendwann merkte ich, dass es ausbildungstechnisch bergab ging, weil ich Probleme auf sozialer Ebene mit einer Lehrerin bekam. Ich weiß nicht was ich dieser Frau getan habe, aber sie hatte was gegen mich.
Ich dachte zu jener Zeit, dass es besser wäre, wenn ich mich von ihm trennen würde.
Er wollte eine klassische Familie und ich war dabei meine finanzielle Zukunft zu verlieren.
Sowas könnte nicht gut gehen und auch aus anderen Gesichtspunkten, die ich hier nicht nennen will, wäre das nicht gut gewesen.
Daher dachte ich, es wäre gut, wenn wir noch ein letztes Mal einen gemeinsamen Ausflug an einen Ort machen würden, der noch jahrelang bestehen würde, so dass ich mich immer an ihn erinnern könnte.
Daher wählte ich ein Museum aus, dass sehr bekannt gewesen ist. Danach verabschiedete ich mich von ihm ganz normal genau vor dem Eingang als wir fertig mit dem Ausflug waren.
Schluss machte ich dann per Telefon, weil ich wusste, wie sehr er wütend bzw. am Boden zerstört sein würde.
Er hatte mir sogar damit gedroht, mich umzubringen, aber er hat es nie umgesetzt (wie man sieht).

Ich weiß nur, dass er irgendwann in der Schule nochmal nach mir gefragt hatte, aber da war ich schon gekündigt worden. Da war er ganz geschockt.
Das war das letzte, was ich von ihm hörte.

Dieses Jahr fand ich beim aufräumen seinen Arbeitsvertrag mit seiner alten Adresse wieder und beschloss hinzufahren in der Hoffnung, er könnte evtl. noch dort wohnen, doch er hat mittlerweile geheiratet und eine Tochter.
Ich habe nichts dagegen, schließlich war es sein Wunsch.
Ich frage mich nur, ob ich ihm nicht seine Sachen, die ich noch bei mir habe, noch zu seiner Mutter bringen soll, da ich seine Adresse nicht kenne. Ich will auch nicht danach fragen, da ich ihn nicht stören will.
Auf der anderen Seite weiß ich ja, dass seine Mutter nicht zuverlässig ist und was will er schon mit einem alten Laborkittel, der durchsetzt von Chemikalienflecken ist, die dank Krankenhauswäsche nicht mehr rausgehen und mit einem Puzzle, dass er vor Jahren mal mit mir gekauft hat. Er hat doch jetzt bestimmt andere Sachen im Kopf.

Ich habe noch seinen damaligen Liebesbrief vom Valentinstag aufgehoben. Er steht bei mir im Schrank, wo Puten aus Gips, wovon 2 sogar auf Herzen sitzen und Rosenkränze um den Kopf tragen, davor stehen. In der anderen Ecke des Schranks steht mein Riesengummibärchen, dass ich zum Ausbildungsbeginn von meiner Mutter geschenkt bekommen hatte. In der Mitte steht ein Sektglas mit meinem Namen drauf und 2 Herzformen aus Glas am Stil, dass ich dorthin gestellt habe, weil es einfach passte.
Ich habe das so hergerichtet als ich noch nichts von seinem Familienglück wusste und dachte, er wäre sicherlich begeistert, wenn er das sehen würde, wie sehr er mir bedeutet hat, doch jetzt ist es eben nur noch eine Erinnerungsecke.
Evtl. kommt er ja doch noch eines Tages mal wieder, aber dann bin ich wohl schon umgezogen und habe alles wieder verstaut oder anders umgestaltet.
Ich werde nicht nach im fragen und suchen. Das wäre nicht richtig.
 
Hallo Propellerkind,

ein trauriges Ende eurer Zeit, aber das Leben ist weitergegangen. Er ist weitergegangen und du solltest ihn jetzt loslassen. Ihm seine alten Sachen zurückbringen, würde nur etwas aufleben lassen, das längst zur Vergangenheit gehört. Das wäre nicht gut. Du hast dich entschieden, er hat sich entschieden. Sich jetzt wieder in Erinnerung zu bringen, tut nur allen Beteiligten weh.

Vielleicht kannst du für dich eine Art Abschiedsritual machen, in dem du ihn ziehen lässt und seine Sachen entsorgst? Ich habe mal sowas im Urlaub in Italien gemacht und einen Ring und Kettchen von meinem Ex im Meer versenkt und für mich die Sache abgeschlossen. Danach war es mir besser. Ihm das Zeug zurückzugeben war für mich keine Option.

Vielleicht in einer hübschen Tüte oder so in die Mülltonne tun, ganz kurz bevor sie geleert wird, so dass es dann auch real weg ist. Oder wenn noch was Gutes dabei ist, es auf ebay Kleinanzeigen oder so verschenken. Dann freut sich noch jemand drüber, für den es keinen Symbolwert hat.

Alles Gute für dein weiteres Leben
Hexenkind
 
Eigentlich hatte er sich nicht dafür entschieden.
Es war eine Trennung alleine von meiner Seite, aber egal.

Die Liebe hört nicht auf, nur weil andere einen anderen Weg einschlagen.
Das muss man akzeptieren, aber man muss nicht aufhören, die Menschen zu lieben.

Die Sachen kann ich nicht einfach entsorgen.
Ok, das Puzzle schon, aber der Kittel, nee, sowas will echt keiner.
Außer Maler vielleicht.😀
 
Eigentlich hatte er sich nicht dafür entschieden.
Es war eine Trennung alleine von meiner Seite, aber egal.

Die Liebe hört nicht auf, nur weil andere einen anderen Weg einschlagen.
Das muss man akzeptieren, aber man muss nicht aufhören, die Menschen zu lieben.

Die Sachen kann ich nicht einfach entsorgen.
Ok, das Puzzle schon, aber der Kittel, nee, sowas will echt keiner.
Außer Maler vielleicht.😀


Naja, aber nach deiner Entscheidung, dich zu trennen, hat er eine neue Beziehung begonnen und nun ein Kind. Also wird es a) schon ein Weilchen her sein (mindestens mal 9 Monate) und b) sich für ihn inzwischen erledigt haben. Auch er hat sich entschieden, nämlich deine Entscheidung zu akzeptieren und es damit gut sein zu lassen. Er hat eine Partnerin und ein Kind. So meinte ich das. 😉

Den ollen Kittel kannst du auch in der Mülltonne "entsorgen", Hauptsache du machst keinen Andenken-Altar mit seinen Dingen. Wie auch immer, es ist Zeit auch für dich, mit deiner damaligen Entscheidung zu leben (auch wenn du sie insgeheim bereust oder traurig bist, dass er was Neues hat, obwohl du noch immer an ihn denkst) und ihn auch innerlich gehen zu lassen. Alles andere führt nicht zu etwas gutem.
 
Das stimmt, er hat nicht mit entschieden, als du gegangen bist, das warst allein du. Er hat sich aber dahingehend entschieden, dich ziehen zu lassen und weiter gemacht. Er hat sich dazu aufgerafft, nach vorn zu schauen. Und zwar soweit dass er geheiratet und Kinder bekommen hat.
Für mich klingt es so, als möchtest du, durch das Zurückgeben seiner Sachen, etwas in ihm wach rütteln, dass du vor Jahren für dich selber gewählt hast. Er hatte keine Chance an deinem Beendigen etwas zu ändern. Und vllt schwelgst Du ja in Erinnerungen oder fühlst dich einsam und denkst an das zurück, was war und was hätte daraus werden können.
Ich fände es seiner Familie gegenüber nicht fair, denn du würdest dich da vermutlich in was glückliches rein drängen. Ich finde, deine Chance ist verstrichen.

Ist das zu hart? Oder meint die Community "man sieht sich immer zwei Mal im Leben"?

Ich kann mich da nur in die Frau von ihn versetzen und mir vorstellen, wie das wäre, wenn da eine Bekannte von früher wieder in sein Leben treten möchte.
 
Er hat sich dazu aufgerafft, nach vorn zu schauen. Und zwar soweit dass er geheiratet und Kinder bekommen hat.
Für mich klingt es so, als möchtest du, durch das Zurückgeben seiner Sachen, etwas in ihm wach rütteln, dass du vor Jahren für dich selber gewählt hast.

Ich kann mich da nur in die Frau von ihn versetzen und mir vorstellen, wie das wäre, wenn da eine Bekannte von früher wieder in sein Leben treten möchte.

Wir haben uns 2013 getrennt.
Der genaue Grund war ja genau, dass er Frau und Kinder wollte, weil er das Zuhause nicht hatte.
Er hatte diese romantische Vorstellung und ich kann nur hoffen, dass er damit glücklich geworden ist.
Immerhin hat er keine Geldprobleme dank meiner Vorsorge.
Er war damals so naiv und wollte den Job vom Amt sogar ohne nachzudenken annehmen.
Ich kannte das bereits durch meinen Vater und hab daher dafür gesorgt, dass er fest unterkommt.

Ich hab überliegt ihm seine Sachen zurückzugeben, weil er
a) Geld dafür bezahlt hatte (Puzzle)
b) die Sachen teilweise einzigartigen Wert haben, weil man sie nicht ersetzen kann (Kittel mit Erinnerungen)
Mehr wäre das eigentlich nicht. Ich hab ja jahrelang darauf gewartet, dass er irgendwann mal zurück kommt, daher hab ich sie ja aufgehoben.
Oder ich stell die Sachen einfach als Kiste bei seiner Mutter vor die Tür mit der Aufschrift, dass es für ihn ist.
Ich muss dazu ja keinen Brief schreiben und ihn treffen.
Das wäre sowieso alles viel zu kompliziert. Er wusste nicht von meiner Behinderung, da ich damals noch keine Diagnose hatte.

Zudem glaub ich, dass du das verwechselst mit nochmal mit jemanden fremd gehen und ins Bett springen.
Ich will nicht mit ihm schlafen oder ihm die Frau streitig machen (dafür hab ich mich schließlich getrennt), ich will ihm nur sein Zeug zurückbringen.
Was er damit dann macht ist ja sein Ding.
Wenn ich nur daran denke, überhaupt mit irgendwem ein Kind zu haben, wird mir ganz grün im Gesicht.🙁

Ich puzzle ja gerne, aber das geht einfach nicht. Ich kann kein Puzzle machen, dass einer zur Hälfte bezahlt hat, nicht in so einer Situation. Und da es noch eingepackt ist, will ich es auch nicht wegwerfen.
Und verschenken ist irgendwie auch nicht richtig.

Den Kittel kann ich selber nicht tragen. Viel zu groß und sieht aus, wie ein Fleckenteppich.
Zudem habe ich mittlerweile meinen eigenen. Ohne Flecken wohlgemerkt.

Ich kann das ganze auch via Post ohne Absender verschicken.
Das kann seine Mutter dann ja weiterschicken.
Im Kittel steht sein Name drinnen. Das wird genug beweisen, dass es sein Zeug ist.
 
Wenn er die Sache bis jetzt nicht vermisst hat und haben wollte, dann hat er wohl keinen großen Wert darauf gelegt und Du kannst sie getrost entsorgen.

Es macht ja keinen Sinn nach Jahren noch Dinge hinterher zu tragen, die offensichtlich bisher nicht vermisst wurden.

Wozu sollte das gut sein?

Er hat sein Leben. Lass es ihm , wie es ist und suche nicht unnötig Kontakt zu ihm.

Das bringt nichts.
 

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