Leftluggage
Mitglied
Gibt es Gott?Was meint ihr dazu?
Was spricht dafür und was dagegen?
Hallo,
für mich als Fan der zielführenden Formulierungen wäre es spannender zu fragen, ob es einen lebendigen Gott gibt. Tote Götter, für die es keine Rolle spielt, wie wir uns verhalten, gab und gibt es ja massenhaft. Die interessieren mich aber nicht. Mich interessiert nur der lebendige, d.h. der interaktive Gott, mit dem ich in Kontakt treten kann, dem ich meine Fragen direkt stellen kann. Mir erscheint es dabei als völlig normal, dass die Form des Inputs (der Annäherung) nicht egal ist. Würden wir uns zum Hof des Kaisers von China begeben, wären uns auch ein paar Punkte wichtig - wie wir dort auftreten, wie wir es vermeiden, bei unserem Gastgeber unangenehm aufzufallen, etc.
Da der lebendige Gott (für mich) ja ein noch weitaus erhabenerer Gastgeber ist als es der Kaiser von China oder jedes andere noch so exponierte irdische Wesen sein könnten, finde ich es nur nahe liegend, mir hier um so mehr Gedanken zu machen und erst mal den in meiner Kultur bekanntesten "Knigge" zum Thema zu wälzen, zumal der auch noch für sich in Anspruch nimmt, Gottes Wort oder so etwas wie sein Brief an die Menschheit zu sein. Wenn ich hier keinen Aufschluss bekommen würde, könnte ich mich schließlich immer noch weiter "weg" umsehen, aber erst dann, denn ich bin auch ein Fan der konzentrierten Untersuchung einer Sache. Wenn mir etwas wichtig ist, schalte ich alle möglichen Störquellen aus. Das kann ich mir leisten, auf Grund meiner ständig präsenten eigenen Kritikfähigkeit, und das brauche ich andererseits für meine Unbefangenheit.
Ich schaue also in dieses Handbuch und staune nicht schlecht über den Index, der für sich allein schon verlockende Lektüre im Übermaß ist ..., aber ich wollte mich ja konzentrieren.
Ich denke also wie bei Google darüber nach, welches Suchwort wohl am genauesten ins Schwarze treffen könnte. "Ansprechen" ? Das gibt es in meinem Index nicht. Wäre eigentlich auch verfrüht, da ich ja das Wesen noch nicht gefunden habe, das ich eventuell ansprechen möchte. So abgedroschen das jetzt auch klingen mag, ich schaue unter "Suchen", und mir wird schwindlig - so viele Einträge gibt es da. Ich picke mir einen davon heraus, er führt zu einer Stelle im Alten Testament - und das finde ich ja gerade interessant, weil ich wissen möchte, wie sich die Menschen früher, bevor Gott seinen Sohn Jesus der Menschheit als Vermittler schenkte, mit Gott unterhielten. Ich lande also bei Psalm 139, Verse 23+24, von keinem Geringeren als Könid David selbst verfasst, und ich erlebe die nächste Überraschung: Ich kann Gott auch darum bitten, dass er nach mir sucht ! Bisher kannte ich nur die umgekehrte Version des Gottes, der mich bittet, ihn zu suchen. Ich habe jetzt nur den englischen Text, aber das ist ja nicht weiter schlimm, denn der deutsche kann ja jederzeit in jeder Art von Bibelübersetzung nachgelesen werden:
Search me, O God, and know my heart
Search me, O God, and know my heart;
test me and know my anxious thoughts.
See if there is any offensive way in me,
and lead me in the way everlasting.
Psalm 139:23,24 NIV
Und gleichzeitig erfahre ich, was meine Kommunikation mit Gott eventuell behindern könnte. Ich fühle mich nun immerhin schon König David sehr nahe ... schließlich weichen meine heutigen Gefühle keinen Deut von seinen ab. Ich spüre die Zeitlosigkeit dieser einfachen Worte.
Allerdings fühle ich eine Scheu, Gott nun ganz genau so anzusprechen, als hätte König David das Urheberrecht für dieses Gebet. Ich wäre froh über einen Querverweis (die klitzekleinen Zahlen hinter den Versen, die in einer Fußnote aufzeigen, welche anderen Bibelstellen zum Zusammenhang gehören) zum Neuen Testament, aber den gibt es hier - ausnahmsweise - nicht. Aber im Grunde ist die Botschaft klar: Gott kommt es anders als dem Kaiser von China auf meine Herzensbildung an, ich brauche mich vor ihm nicht wegen meiner Ängste zu schämen, meine Aggressionen, die Ventile meiner Ängste, könnte ich unter seiner Führung verarbeiten und so alles ablegen, was einem Kontakt mit ihm im Weg stehen könnte - es fühlt sich schon im Vorfeld alles an wie eine Riesen Erleichterung. Das kommt nicht von ungefähr, denn Aggressionen sind Stressoren und Stressoren setzen/halten ungesunde bio-chemische Prozesse in Gang. Ich kürze das jetzt zusammen auf einen tiefen Seufzer und sage "Ja, lebendiger Gott, bitte such Du mich, ich habe mich von Dir wegtreiben lassen und kann dich sonst unmöglich wiederfinden, zu vieles blockiert mich, bitte begegne mir so, dass ich Dich keinesfalls verwechseln kann. Damit Du siehst, wie ernst es mir ist, werde ich diese Bitte wiederholen, bis Du mich abholst, da wo ich stehe. Ich bitte Dich um das alles im Namen Jesu, an dessen Existenz ich fest glaube. Amen."
Das war nun mein ehrlich gemeintes öffentliches Gebet, angelehnt an die Bibelstelle, die ich heute fand und an meine persönliche Situation angepasst, in einer Form, von der ich weiß, dass sie Gott gegenüber korrekt ist seit Jesus - als letztes Rettungsangebot an die Menschheit - sich für uns ermorden ließ.
Ich wünsche mir und allen anderen, die Gott ernsthaft immer neu suchen, die unvergesslich schönen Erfahrungen des heller und heller werdenden Lichts auf seinen Wegen.
Lefti