Ausnahmsweise
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Der Gedanke stammt ursprünglich aus einer Vorlesung, in der es genau um diese extrem idealisierte, 'göttliche' Form von bedingungsloser Liebe ging – also darum, niemanden nach den eigenen Vorstellungen formen zu wollen.
Ein Student brachte dort ein, wie ich finde, sehr treffendes Gegenbeispiel: Er liebe seinen Sohn über alles, müsse ihm aber Regeln und Vorschriften machen, um ihn zu schützen. Das sei schließlich seine Verantwortung.
Genau an dieser Schnittstelle wird es doch extrem komplex und zum schmalen Grat: Bedeutet Liebe, jemanden in seinem Wesen vollkommen so sein zu lassen, wie er ist? Und wo fängt im Alltag – ob bei Kindern oder Partnern – die Notwendigkeit an, durch Grenzen, Vereinbarungen oder Korrekturen Verantwortung zu übernehmen?
Deshalb die Frage, wo diese Grenze verläuft – zwischen echter Akzeptanz und der Realität des menschlichen Miteinanders.
Das versteht Bedingungslosigkeit falsch. Jemanden zu befähigen, innerhalb gesellschaftlicher Regeln zurechtzukommen zu lernen, jemanden durch Einschränkungen vor Unfällen zu bewahren (Kind nicht auf Straße rennen lassen) u.ä., also seiner Verantwortung nachzukommen, hat nichts damit zu tun, dass es keine bedingungslose Liebe geben könne.
Ebensowenig hätte Selbstaufgabe in einer Beziehung etwas mit bedingungsloser Liebe zu tun.
Eine Beziehung erfordert, wie jedes Miteinander, Bedingungen und (unausgesprochene) Regeln.
Ein Mensch kann sich (einfach und allgemein verständlich formuliert) 'falsch' verhalten.
Man kann ihn dennoch weiter lieben, ihm die Liebe nicht entziehen.
Man kann ihn verlassen und dennoch lieben.
Hier ist dann das Gefühl der Liebe nicht an Bedingungen geknüpft, sondern bedingslos vorhanden, beständig.
Man kann sich aus Liebe hart verhalten, auf eine Weise, die einem selbst wehtut, die der andere nicht als Liebe verstehen kann, doch die in manchen Situationen das einzig angebrachte und hilfreiche sein kann.
Man erträgt das für den anderen aus Liebe.
Es gibt viele Formen bedingungsloser Liebe, das ist nicht immer rosarot und schön. Liebe kann auch sehr schmerzhaft sein.
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