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Warum schaffe ich das nicht professionelle psychische Hilfe in Anspruch zu nehmen?

Builder

Mitglied
Hallo

Vorgeschichte siehe meine anderen Beiträge.

Vor jetzt ziemlich genau 6 Jahren hatte ich einen Burnout bei der Arbeit. Ich hatte eigentlich einen ziemlich guten Job mit gleitenden Arbeitszeiten, war kaufmännischer Angestellter und Teamleiter bei mir in der Abteilung. Außerdem war ich schon 8 Jahre dort. Aber als mein Chef gesehen hat, dass ich mich richtig in die Arbeit reinstürze und öfters bereit war auf Freizeit zu verzichten, da hat er mir immer mehr Arbeit von sich selbst zugeteilt.

Manchmal hatte ich das Gefühl, er würde nur noch 50 % seines Jobs machen und den Rest ich. Andere Abteilungsleiter fingen an sich zu wundern, wie er das hinbekommt dass seine Abteilung sehr gut läuft, obwohl mein Chef jeden Tag stundenlang in der Buchhaltung mit den Mädels Kaffee getrunken und geflirtet hat. Klar geht das problemlos, wenn man jemanden hat wie mich. Jemanden der den Laden am laufen hält und seine Arbeit gut und zuverlässig macht. Jemanden, den man aber nicht nach seiner geleisteten Arbeit bezahlt, jemand der offiziell nach oben nicht erwähnt wird. Denn bei beiden Punkten hätte mein Chef ja sonst gegenüber dem Personalchef und der Geschäftsleitung zugeben müssen, dass er seine Arbeit nicht selbst erledigt, sondern nur die Lorbeeren dafür erntet.

Dieses Spiel hab ich jahrelang mitgemacht, denn ich war so blöd meinem Chef zu glauben, dass er mich nur fördern wollte und dass Gehaltserhöhungen momentan einfach nicht drin wären weils der Firma nicht so gut geht. Ihm gings aber finanziell immer besser - nur mir nicht. Er machte auch immer öfters Freitags schon mittags um 12 Uhr Feierabend und lies mich bis 20 Uhr ackern, nur damit ich das Arbeitspensum auf die Reihe bekam. Von wegen dringende Aufträge.

Wie blöd war ich eigentlich???

Jedenfalls hats mir dann 2006 die Sicherungen rausgehauen und ich war fertig mit der Welt. Ich konnte nicht mehr, hatte Schlafstörungen bis zum abwinken, hab angefangen zu saufen damit ich überhaupt einschlafen konnte, bekam dann vom vielen Alkohol Magenprobleme die mich dann wieder wachgehalten haben, hab den Führerschein verloren und zum Schluß bei der Arbeit nichts mehr vernünftig auf die Reihe bekommen.

Ich bin monatelang von Arzt zu Arzt gelaufen und es konnte nichts gefunden werden. Bin mir langsam aber sicher wie ein Simulant vorgekommen. Dann eines Tages hatte ein Arzt den Vorschlag, dass ich doch mal zu einem Psychiater gehen sollte. Hab ich auch sofort gemacht und der hatte die Diagnose "Erschöpfungsdepression", das sei das medizinische Fachwort für einen Burnout. Toll dachte ich, jetzt werde ich vernünftig behandelt und kann hoffentlich bald wieder arbeiten gehen...

Von wegen - bei dem Psychiater hatte ich entweder das Gefühl der sieht mich tatsächlich als Simulant oder der Mensch hat keine Ahnung von was er redet.

Therapie - was ist das? Dem seine einzige Therapie hat darin bestanden, dass ich monatelang alle 2 Wochen vorbeikommen durfte um mir ein Rezept für meine Medikamente abzuholen. Mehr ist nicht passiert. Es gab so gut wie keine Gespräche und wenn doch dann hat er die ganze Zeit geredet, davon wo er dieses Jahr in Urlaub hinfährt und weis der Geier was noch alles.

Therapie - was ist das? Nach 6 Wochen kam er dann und meinte ich sei soweit und könnte wieder arbeiten gehen. Mir hat sich der Magen umgedreht, wenn ich nur daran gedacht hab. Ich hab mich geweigert und ihm erklärt dass ich das garantiert nicht machen würde. Darauf meinte er dann, er könne mich nicht länger krank schreiben und ich soll doch kündigen, er würde mir ein Attest ausstellen, damit ich beim Arbeitsamt keine Probleme wegen ner Sperrzeit bekommen würde.

So ist es auch passiert. Aber später hab ich immer noch darauf gewartet dass jetzt irgendeine Art von Therapie beginnen würde - falsch gedacht, nur alle 2 Wochen ein neues Rezept. Das hab ich ca. 6 Monate mitgemacht und ihn dann eines Tages gefragt, wie das denn jetzt weitergehen würde wegen Therapie und so. Nichts war geplant, ich soll mir nen anderen Job suchen und weiterhin meine Medikamente nehmen. Er würde nicht wissen was ich von ihm wolle, ich soll meine Medikamente nehmen und alles ist gut.

Nach dem Gespräch hab ich die "Behandlung" abgebrochen und bin nie wieder hingegangen.

Ich sollte eigentlich schon seit Jahren in eine vernünftige Behandlung. Ich merke die ganze Zeit schon, dass bei mir einiges nicht stimmt und fühle mich momentan genau gleich wie damals kurz bevor mir die Sicherungen durchgebrannt sind - aber nochmal die gleiche Enttäuschung und wieder blöd dastehen....

Was tun? Ich wohn jetzt in einer Kleinstadt, hier gibts genau einen Psychiater und einen Psychologen für 15.000 Leute. Ich leb seit 4 Wochen von ein paar Euro Krankengeld, hab keinen Euro übrig um mir auswärts einen Fachmann zu suchen und die Ortsansässigen haben monatelange Wartezeiten.

Außerdem hab ich Angst vor der nächsten großen Enttäuschung, so wie bei meinem ersten Versuch. Erwarte ich zuviel von denen oder wie sollte so eine Therapie bzw. Behandlung ablaufen?

Gruß
 
Erst mal hat sich das beim Thera wiederholt, was du von deiner Arbeit her kanntest - mit dir kann gemacht werden. Das wird sich durch dein Leben hindurch schon ziehen. Mach dir nichts draus, passiert anderen auch.

Eine Thera wie ich sie erlebt habe ist so, dass du alle 2 Wochen z.b. einen Termin hast, darfst du natürlich so für sorgen
😉 dann gehst du hin, schaust, was zu der Zeit gerade aktuell ist, führst Gespräche entweder durch eine Frage durch den Thera angeregt oder hast selber was zu erzählen. Je nach Thera gibt er dir wieder, was er gehört hat und vllt noch seine Gedanken dazu. Manchmal provoziert er vllt auch etwas - braucht manch einer. Kommt aber echt drauf an, wer du bist. Dann kann es sein, dass du deinen Lebenslauf darlegen darfst, der Thera eine Methode anbietet, die du eingehst oder nicht.... Kommt auch drauf an, auf was sich der Thera spezialisiert hat.

Das ist eine Variante und es gibt sicher noch einige andere. U.a. eben auch die, wo Medikamente eine Rolle spielen.

Letztendlich steckt übrigens die Lösung in dir bereits drin und der Thera, dein Gegenüber, puzzelt ein wenig, legt es etwas frei, schiebt den Nebel beiseite whatever...
 
Gut, meine Fehler bezüglich der Arbeit und des Burnout kenne ich jetzt. Das musste ich aber per Internet und Bekanntenkreis selbst herausfinden. Ich kann die Lösungen aber a) nicht umsetzen und b) fühle ich mich immer bzw. verstärkt jetzt wieder so, als würde ich direkt vor dem nächsten Burnout stehen. Mir wird grad wieder alles viel zu viel, nur mit dem Unterschied, dass ich seit ca. 10 Wochen wegen was anderem schon krankgeschrieben bin, privat eigentlich nur überschaubare Probleme habe und ich die Ursache für meinen momentanen Zustand nicht kenne.

Liegt es daran dass der erste Burnout nie richtig verarbeitet wurde oder bahnt sich ganz was neues an, was vieleicht gar nichts mit einem Burnout zu tun hat sondern ganz was Eigenständiges ist?

Aber ich habe null Bock wieder so eine Arzt-Odyssee zu starten und wochenlang zu suchen, nur um dann wieder bei so einem zu landen der mich nicht ernst nimmt.

Dieses Problem hatte ich demletzt auch schon wieder, aber diesmal wegen rein körperlichen Problemen:

Ich hab ne kaputte Wirbelsäule und mal hab ich hier Probleme und mal dort. Nun hab ich schon seit Monaten heftige Rückenschmerzen im Bereich der LWS und bin zum Hausarzt gegangen. Das ist ein ganz lieber Mensch mit nem gigantischen Fachwissen, aber er ist eigentlich Chirurg und Wirbelsäule ist nicht so sein Ding. Er hat mich daraufhin sofort zum Orthopäden geschickt und der hat sich nicht mal die Mühe gemacht meine LWS zu röntgen, sondern meinte lapidar, das seien nur Verspannungen. Nun ist das aber so, dass es in meiner Kleinstadt nur einen Orthopäden gibt, ich kein Auto hab und der nächste 20 km weg ist. dadurch dass ich aus beruflichen Gründen schon ein Dutzend mal umgezogen bin, hab ich keine festen Ärzte sondern musste mir alle paar Jahre neue suchen. dann ist mir aber spontan eingefallen, dass mein letzter Hausarzt noch meine letzten Unterlagen haben muss und hab die angefordert.

Als die endlich nach Monaten eingetroffen sind, ist mein Orthopäde aus allen Wolken gefallen, denn da stand drin, dass ich unter mehreren Arthrosen in der LWS leiden würde und was soll ich sagen - das wusste ich ebenfalls nicht. Hat mir nie irgendwer gesagt. Wahrscheinlich gehört das zu dem Schema was Du geschrieben hast, dass man es mit mir wohl einfach mach kann.

Da bin ich mir vorher auch wieder monatelang wie ein Simulant vorgekommen. Wenn man alle paar Tage zum Arzt rennt und der findet angeblich nix. Aber jetzt hab ich es ja endlich mal schwarz auf weiß dass meine Rückenschmerzen begründet sind.

So sachen plagen mich momentan und dass ich absolut keine Ahnung habe, wie mein Leben weitergehen soll. ich hab null Bock mehr auf Arbeit. Körperlich arbeiten geht eh nicht mehr wegen der kaputten Wirbelsäule. Bin bis auf weiteres krankgeschrieben aber was kommt danach?
 
Hallo Builder,

könntest du dir vostellen, in eine psychosomatische Klinik zu gehen? Vielleicht eine, die als einen weiteren Behandlungszweig orthopädische Sachen mitbehandelt? Dann hättest du die Möglichkeit, dort eine Auszeit zu haben, in der du dich auf dich konzentrierst, deine Probleme anschaust und bearbeitest und vielleicht sogar noch etwas für deinen Rücken tun kannst. Wenn ja: Sprich mit deinem Hausarzt darüber. Und nachdem du jetzt ein Problem von dir kennst, kannst du bereits anfangen zu üben. Es wäre eine Möglichkeit, das mit Nachdruck zu verlangen. Du könntest auch im INternet recherechieren und Homepages von entsprechenden Kliniken anzuschauen, eventuell die ein oder andere anzuschreiben.
Das wäre eine Möglichkeit.

Gibt es bei dir in der Nähe Selbsthilfegruppen? Sowohl für Psyche als auch für deinen Rücken? Da könntest du dir weitere Infos einholen und dich damit selbst aus deiner Hilflosigkeit herausholen.
Das wäre eine andere.

Ich finde es gut, dass du für dich bereits wichtige Erkenntnisse gesammelt hast und dass du das selber geschafft hast! Allein das zeigt, dass du nicht allem hilflos ausgeliefert bist, sondern zumindest noch reflektieren kannst und überhaupt die Fähigkeit hast zum Reflektieren. Eine Eigenschaft, die du nicht unterschätzen solltest!

Mal soweit! Prüfe, ob etwas für dich dabei ist, was für dich passt und dich einen Schritt weiterbringt.

Alles Gute für dich!
Elidea
 

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