Hallo Bana,
ich komme relativ frisch aus einer Beziehugn, die scheinbar der Deinen sehr ähnelte. Ich war 6 Jahre mit einem Mann zusammen, der mir alles bedeutete und nach dem ich mein gesamtes Leben ausgerichtet hatte.
Er war, so wie Dein Freund, unglaublich aggressiv. Am Anfang waren es "nur" kleinere Ausraster über Nebensächlichkeiten. Der PC wollte nicht so wie er wollte und dann flog halt mal die Tastatur an die Wand und ähnliche Sachen. Nur mit den Jahren wurde es immer schlimmer und schlimmer, so dass ich am Ende regelrecht Angst vor ihm hatte, wenn er wieder einen seiner Wutanfälle bekommen hat.
Kritik konnte er ebenfalls kaum ertragen, seine Sicht der Dinge war die einzig wahre, Fehler machten immer nur die Anderen und wenn irgendetwas schief ging, war das nie seine Schuld sondern immer die der Anderen, die ihn "nicht verstehen". Auch das mit dem Selbstbewusstsein kommt mir überaus bekannt vor. Anfangs dachte ich, er sei quasi das Selbstbewusstsein in Person, doch im Laufe der Zeit stellte ich fest, dass er noch weniger Selbstbewusstsein hat, als ich und ich habe schon nicht viel davon.
Zu dem allem hatte er auch noch eine unglaublich manipulative, kontrollierende Art, alles was nicht seiner Kontrolle unterlag musste sozusagen aus dem Weg geräumt werden. Freunde? Sicher, aber nur, solange ich nicht mit denen über unsere Beziehugn sprach und mich nicht alleine mit ihnen traf. Freiraum? Sicher, solange er die Möglichkeite hatte, mich zu kontrollieren (Chatprotokolle, etc.). Alleine weggehen ging garnicht, all 30 Minuten klingelte das Handy, nach einem Abend war er ein nervliches Wrack, nach einem Wochenende (Betriebsausflug) durfte ich seine zerschnittenen Arme eincremen....
Dass er krank ist, ist ihm klar. Schon seit einiger Zeit. Nur ist er noch nicht soweit, dass er etwas dagegen tun könnte. Ich denke, er muss mit seinem Verhalten erst einmal so kräftig "auf die Schnauze fallen" (und unsere Trennung hat da offensichtlich noch nicht genügt), dass er von alleine einsieht, dass es so nicht weitergehen kann. Wenn man ihm das vorschlägt, versteht man ihn ja nur nicht.
Was ich Dir damit sagen will, Bana, ist Folgendes: Wenn sich Dein Mann nicht ändert und nicht einsichtig zeigt, solltest Du die Beziehung zu Deinem eigenen Besten beenden. Ich weiß, dass es in solchen Beziehungen auch eine Menge schöner Zeiten gibt und dass man dem Menschen, den man so unglaublich liebt einfach immer noch eine und noch eine Chance geben möchte, aber irgendwann reicht die Kraft nicht mehr. Ich bin heute noch (und das Ende liegt ein Jahr zurück) extrem unsicher und eingeschüchtert. Gottseidank habe ich einen unglaublich liebevollen neuen Partner, der auf mich aufpasst und mir alles gibt, was mir in der vorhergegangenen Beziehung gefehlt hat. Ich mache wieder die Dinge, die mir Spass machen, die mir über 6 Jahre verwehrt blieben, ich habe eine Menge unglaublich lieber Menschen als Freunde wiedergewonnen und ich kann VOR ALLEM wieder lachen und singen. Das ging damals nicht mehr.
Ich hoffe, ich konnte Dir ein wenig weiterhelfen, auch, wenn ich nur ein "Gast" bin.
Grüße,
der "Gast"