Fahrt mal in gewisse Skigebiete in Österreich und schaut Euch an, wie sich die neureichen Russen dort benehmen!
Ja ja, der österreichische Fremdenverkehr im Wandel der Zeit.
Früher waren es die Deutschen über die wir uns rasend echauffiert haben, heute die Russen... und mit Wehmut blicken wir auf die Piefke-Saga zurück....Deutschen begegnen wir nun mehr zünftig in Tracht gekleidet als Bedienung auf Berghütten...
Die Russen können sich ja nichtmal in der Staatsoper benehmen. Letztens, man gab Eugen Onegin - Tschaikowsky, neben mir (Parkett, 7. Reihe) ein Russenpärchen, beladen mit Plastiksackerln aus diversen Souveniergeschäften (die Verhandlungen mit dem Pagen ob oder ob nicht Einlass mit Sackerl waren schon nervig genug).
Die Overture hat schon begonnen, neben mir nestelt sich der männliche Part des Russenduos lautstark und keuchend aus seiner knallroten mit weißen Applikationen, geschmacklosen Lederjacke, knüllt sie zusammen und stopft sie keuchend unter seinen Sitz während sein A**** meinem Gesicht gefährlich nahekommt.
Seine Begleitung, ähnlich adäquat gekleidet, sucht in den Sackerln (raschel - raschel) verzweifelt nach dem Programmbücherl.
Noch bin ich ruhig, Atemübungen, tiiiiiiiief einatmen....auuuuuuusatmen.
Der Vorhang geht auf, ein transparenter Vorhang mit einem überdimensionalen Portrait von Alexander Sergejewitsch Puschkin wird sichtbar. Meine Sitznachbarn freuen sich wie die Schneekönige und lassen uns an ihrer Freude teilhaben.
"Алекcа́ндр Серге́евич Пу́шкин !!!!!!!"
Erste Unmutsäußerungen in der Reihe hinter mir werden hörbar - noch bin ich ruhig.
Auf der Bühne (der transparente Vorhang ist nun auch verschwunden) findet
ein russisches Gartenfest der gehoben Gesellschaft statt und Tatjana wirft Onegin erste schmachtende Blicke zu. Das scheint zu animieren, der Russe nimmt ein Plastiksackerl (raschel - raschel) und zieht eine Flasche unbekannten Inhalts hervor, öffnet diese, setzt sie an die Lippen, trinkt, rülpst dezent und gibt sie an seine Partnerin weiter.
Ich bin nicht mehr ruhig, JA WO SAMMA DENN ? Das ist die Staatsoper und nicht der Musikantenstadl!
Ich wende mich den zwei Geschwüren zu und flüstere:
"Would you please be quiet so we can enjoy the show"
Ich ernte zwei etwas dümmliche Blicke, so zische ich ein
"just SHUT UP" hinterdrein.
Eine Weile war Frieden,
Tatjana schreibt einen Liebesbrief an Onegin und übergibt in ihrer Amme da höre ich neben mir das Knistern von Celophanpapier. Der Herr neben mir öffnet eine Schachtel Mozartkugeln, nimmt 2 heraus, Schachtel retour ins Sackerl (raschel - raschel), reicht eine Kugel seiner gelbblonden Begleitung und beginnt konzentriert die Alufolie welche die Praline fest umhüllt herunterzukletzeln. FUTZERLWEISE. Kleine goldene Alustückerl fallen zuerst auf seine Hose und werden dann akribisch immer wieder abgeputzt um auf den Boden des ehrwürdigen Hauses zu fallen.
Ich bin bei einem Ruhepuls von 180 angelangt.
Russe 1 lutscht und zuzelt genussvoll an seiner Mozartkugel, Russin 2 scheint die Praline nicht zu schmecken, sie verzieht das Gesicht, spuckt die angekaute Praline in ein Taschentuch und will es dezent unter ihrem Sitz verschwinden lassen doch der Schlußakkord des ersten Aktes und das angehende Licht im Saal vereitelt ihren Plan. Ich bin erleichert.
-Pause-
Im Gustav Mahler Saal, beim Buffet, sehe ich die beiden mit voll beladenen Tellern (Kanapees & Petit Fours) und einer Flasche Sekt (Gläser überflüssig, es wird aus der Flasche getrunken)
Ein melodischer Gong verkündet das Ende der Pause. Das Publikum begibt sich zurück in den Saal.
Ich sitze schon auf meinen Platz und blättere im neuen Spielplan da hör ich eine laute Diskussion. Ich hätte nicht mal aufschauen müssen, ich habs ja geahnt....meine Sitznachbarn wollten mit der halbvollen Flasche Sekt in den Saal. Der Page fand diese Idee nicht so gut und teilte das dem illustren Pärchen auch mit was aber, no na, auf wenig Gegenliebe stieß. Erst der anwesende Polizist konnte die beiden überzeugen.
- 2. Akt -
Am Anfang ist Ruhe, wir geniessen die Musik...die Handlung wird dramatischer, L
enski wirft Onegin den Fehdehandschuh hin, Onegin nimmt ihn auf, ein Duell ist unabwendbar.
Blondie ist fad, ihr scheint die Handlung nicht zuzusagen. Sie handiert mit einem dieser Feuerzeuge welche eine kleine Lampe eingebaut haben und kramt in ihrer übergrossen Fake-D&G- Tasche.
Man glaubt es nicht wie hell so ein kleines Feuerzeuglamperl sein kann. Sie zieht ein Schminktascherl in der Größe eines mittelgroßen Kulturbeutels heraus und beginnt ihr Make up aufzufrischen.
Die Dame auf der anderen Seite der russischen Belagerungsmacht wird ungehalten und beschwert sich lautstark.
Ein Page kommt und bittet um Ruhe was aber nicht so einfach ist da sich die Leute rundherum immer mehr aufregen ob der laufenden Störungen durch die zwei. Blondie keppelt unverständliches vor sich hin während er aus seiner Gangstalederjacke einen Hunderter hervornestelt und diesen dem Pagen in die Brusttasche stecken will.
Lenski stirbt duch Onegins Hand im Duell..noch sterbend wandert sein Blick aber in Richtung Reihe 7 Links...das wirkliche Theater findet heute auf der anderen Seite der Bühne statt.
Der Page weigert sich den Hunderter anzunehmen, die Stimmen werden lauter, der diensthabende Polizist kommt hinzu.
Es ist so unsagbar peinlich.
Der Pausenapplaus und das Licht retten erneut die Situation.
Nun mische ich mich ein, in mir brodelts ja schon seit dem ersten Akt und jetzt muß alles raus. Ich erstatte dem Polizisten einen vollständigen Bericht (gespickt mit bösen Seitenhieben) alteriere mich natürlich auch darüber daß Opernkarten sehr teuer sind und daß ein solches Verhalten für die anderen Gäste nicht zumutbar ist (ok, ich geh auf Regiekarte rein, aber das wissen die ja nicht).
Mittlerweile sind ganz schön viele Leute um uns und der Polizist, um Deeskalation bemüht, bittet uns nach draußen.
Bis die Russen ihr Marschgepäck zusammen hatten..das dauerte wieder ...
Um eine lange Geschichte etwas kürzer zu machen..den 3. Akt haben die Russen nicht mehr gesehen
😀, sie verpassten
Onegins werben um die nun mit Fürst Gremin verheiratete Tatjana und deren eiskalte Rache .*seufz*
Man könnte jetzt meinen - ok das ist ein Einzelfall - ist aber nicht so. Ich hab mich danach noch mit dem Pagen unterhalten, er hat mir erzählt daß es leider immer wieder Zwischenfälle gleicher oder ähhnlicher Bauart gebe..und immer wieder mit Russen. Inzwischen seien die Billeteure schon angewiesen Russen nur Karten für Balkon und Galerie zu verkaufen..quasi wie ein Opernghetto...was ja nicht immer klappt weil Kartenagenturen diese Politik ablehnen.