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Wann ist ein Zusammenbruch ein Zusammenbruch ?

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Sianus

Gast
Hallo zusammen,

ich würde gern mal eure Meinung dazu hören:

Der Psychologe Stephan Grünewald spricht in seinem gerade erschienenen Buch „Deutschland auf der Couch“ von eine „unbewussten Ersatz-Religion“. Sie verspricht uns, dass das Leben nicht mühselig ist, keine Anstrengungen, Krankheiten, Leiden und Risiken zumutet. Er sagt, noch im 20. Jahrhundert lebten die Menschen nach dem Prinzip „Schallplatte“, jetzt sei die CD das Modell. Die Nadel setzt auf der Platte auf, fährt durch die Rille, muss ihr folgen, ist gewissermaßen in der Rille gefangen, arbeitet sich durch die Furchen. Sie kommt das Leben zum Klingen. Aber es gibt auch Abnutzung, Kratzer, Risse. Knistern und Rauschen nehmen zu.

Dann kam die CD. Nicht mehr eingezwängt in Rillen. Auf Knopfdruck kann man mühelos die schönsten Stellen ansteuern. Man muss keine Entwicklungen abwarten, bis man zu den Höhepunkten kommt. Man kann überspringen, was einem nicht gefällt. Es gibt keine Abnutzung und Alterung. Immer höchste Qualität. Er nennt das „unverbrauchte Brillanz“. Dieses „digitale Lebensideal“ habe in den letzten 15 Jahren unsere Hoffnungen, Erwartungen und das Handeln im Alltag bestimmt.

Kernbotschaft der Ersatzreligion: Leben in ewigem jugendlichen Glanz und nie versiegender Vitalität“. Aber er stellt fest, dass immer mehr Menschen erkennen, dass diese Vorstellungen ein Irrglaube sind, der unser Leben sehr schwer macht, ja, unsern Alltag schon zur Vorhölle „von rastloser Erschöpfung und hektischer Besinnungslosigkeit“ gemacht hat. Außerdem seien wir unfähig die Aufgaben in der Umbruchsituation unseres Lebens und unserer Gesellschaft anzupacken und zu bewältigen.

Wir erreichen mit unseres jüngsten Lebensweise die Erfüllung unserer Träume also nicht. Im Gegenteil. Was sollen wir tun? Die Sehnsucht bleibt.

Machen wir es uns zum Teil wirklich zu einfach? Recken hilflos die Hände in die Luft, wenn Paare auseinander gehen, Leben zerbrechen, Prüfungen anliegen, man nicht dem Lebenslauf folgen kann, den man sich ausmalt ... . Eben einem Steine in den Weg gelegt werden und man sich nicht aufrafen kann? Oder man Älter wird und nicht mehr so gut und schnell kann wie einst?


Sianus
 
Wenn ich es richtig verstanden habe: Stephan Grünewald ist der Meinung, das Leben sei zu einfach, es gibt weniger ernsthafte Sorgen und Probleme als früher, wo ... z. Bsp. die Medizin noch nich so gut war. Und deswegen, weil wir quasi NICHT so dermaßen durch harte Arbeit, Überlebenskampf oder was weiß ich, abgelenkt sind, deswegen werden wir träge und hören auf zu kämpfen etc. bzw. schaffen uns Probleme, die eigentlich unsichtbar sind, wie z.Bsp Depressionen.
Falls ich es richtig verstanden habe:
Ja, ich bin mir sicher, dass es so ist.

P.S. Dein Bild ist so unheimlich. Es erinnert mich an "Saw". Es macht mir Albträume.
 
Hallo naradchjela,

ja so würde ich das auch auffassen. Wir haben zwar nicht mehr die Probleme der Nahrungssuche ... . Dafür haben wir andere. Doch die Illusion, die oft verkauft wird, heißt das alles ganz einfach ist.
Das kann man jetzt mit der Illusion Werbung anfangen und bei der Unwissendheit überforderter Menschen - "Ja wieso bleibt sie/er denn bei dem/der man kann doch einfach aufstehen, gehen, sich hilfe holen und fertig. Ist doch deren eigene Schuld, wenn sie nicht da raus kommen." - aufhören.

Sianus

Ps.: Was ist Saw? Mein Bild ist Trollfrau. Es gibt hier einige Bilder, vor denen ich zurückschreck, so mit Korkenzieher durch die Zunge und so. Aber ausgerechnet vor diesem. *wunder*
 
Zuletzt bearbeitet:
Hi =)

Ich bin mir sicher, dass "Luxus" (wie Häuser, Autos, Supermärkte) und all das uns zwar vor gewissen Gefahren schützen (Verhungern, wilde Tiere, giftige Spinnen etc), aber dadurch entstehen, wie meine Mutter es immer nennt, Wohlstandskrankheiten. Grübeln zum Beispiel. Oder auch Magersucht. Und Depressionen, Panik, Verfolgungswahn etc. Das alles gibt es in Ländern der dritten Welt zum Beispiel überhaupt nich. Is schon alles krank.

Also, "Saw" ist ein übler Horrorfilm, und der psychopathische "Mörder" (der eigentlich gar kein richtiger aktiver Mörder ist - eher ein passiver), der trägt immer so eine unheimliche Maske, die mich an deine erinnert. Ich hoffe, du fasst das nicht kränkend auf =) Jetzt, wo ich weiß, dass es eine Trollfrau ist, find ich das Bild auch nett. *g*
 

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