Liebe Herzeleid
so schlecht scheinen mir deine Karten gar nicht. Wichtig scheint mir: GRENZ DICH AB! Dadurch, dass du Mutter bist, hast du nicht bloss ein Kind - deine Position in der Familie ändert sich, und zwar nach oben, auch gegenüber deiner Schwester. Das musst du bei dir ankommen lassen. So wie du dein Umfeld beschreibst, ist es dir nicht grundsätzlich böse gesinnt. Jetzt geht es darum, wie du IHNEN beibringst, dir zu helfen. Du darfst weder von dir noch von den anderen erwarten, dass alles gleich ändert. Aber probiere dir Stück um Stück deine Luft zum Atmen zurück zu gewinnen.
Ich sehe da durchaus guten Willen in deinem Freund, wenn er sagt, aha, die Geschirrspühlmaschine, ach, ich mach es gleich. Erste Manager-Regel: Wenn du jemandem einen Auftrag gibst, erledige es nicht selbst! Bestärke ihn sofort positiv und sag was wie: "Ach Mensch, da bin ich aber froh dass DU das heute machst!" Zeig das ganz deutlich auch mit deinem Körper und mit deinem Gesicht. Strahl ihn erleichtert an, lass dich neben ihn aufs Sofa plumpsen, kuschel dich an ihn, blick an ihm hoch und sag: Und würdest du mir nicht auch gleich einen Kaffee mit aus der Küche bringen? Ich bin echt so fertig...
Probier einfach aus, das kann Spass machen, herauszufinden, was wirkt, was nicht.
Ebenso, wenn es so anstrengend ist, die Schwiegereltern rauszuekeln, probiers einfach mal umgekehrt. Nächstes Mal, wenn sie Fenster putzen kommen, renn zu ihnen und bitte sie, doch noch gleich die Geschirrspühlmaschine auszuräumen und grinse dazu freundlich! Entweder sie sind verblüfft und tun es, oder sie werden auf die Dauer weniger zu Besuch kommen und beides dient dir!
Verwende deine Energie statt in schlechtes Gewissen dazu, dir Aufgaben für deinen Freund und deine Schwiegereltern und deine Schwester auszudenken, die dir auch wirklich nützen. Wenn frau nämlich meint, sie sei die Eierlegendewollmilchsau, ist es gar nicht so einfach, die Kontrolle abzugeben.
Du hast es in jedem Moment in der Hand, wie du reagieren willst. Du kannst dich, wenn deine Schwiegereltern im Garten den Kopf schütteln, dich Kopf schüttelnd daneben stellen und sagen: Ist das nicht krass, wie schnell das alles verwildert! So toll, dass ihr euch drum kümmert! Wenn die Schwester damit kommt, dass du es verbissen sieht, sag einfach: Mensch du hast recht, könntest nicht du mal heute einkaufen und kochen gehen? Und wenn sie kocht, lass dir von ihr aus IHREM Leben erzählen. Wenn dein Freund kommt, gib ihm sofort das Kind ab, damit ihr Schwestern mal unter euch sein könnt. Lass es nicht dabei bewenden, dass du allen erzählst, wieviel du zu erledigen hast, sondern verteile stattdessen Aufgaben. Konzentriere dich dann auf das, was wirklich Punkte bringt: Die anderen sofort und deutlich zu loben und ihre Hilfe anzuerkennen, dir neue Aufgaben ausdenken, in deiner Freizeit faulenzen und mit deinem Kind zusammen spielen.
sellerie