Lieber Tom,
dein Beitrag zu deinen Erfahrungen hat mich veranlasst, mich hier in diesem Forum registrieren zu lassen. Wie du dir sicherlich vorstellen kannst, verfüge ich über ähnliche Erfahrungen und würde dir gerne etwas von der Kraft und vor allem von der Entwicklung abgeben, die ich wegen - nicht trotz! - genau dieser Erlebnisse sammeln konnte. Kapazitätsgründe zwingen mich natürlich, mich kurz zu fassen und manches zugespitzt auf den Punkt zu bringen, aber ich hoffe, du kannst auch das nicht Geschriebene zwischen den Zeilen erkennen.
Biografisch gibt es einige Parallelen zwischen uns: Ich habe in etwa dein Alter, habe meinen Mann auch schon sehr sehr früh kennen gelernt und bin vor ca. 2 Jahren mit ihm in eine massive Krise gerutscht. Anlass war, dass er mich betrogen hat und ich durch dieses Erlebnis derart traumatisiert wurde, dass ich mich (un ihn) mit Unruhezuständen, Wutausbrüchen, Weinkrämpfen, Anschreien, Rachephantasien uvm an meine (seine) gesundheitlichen Grenzen gebracht habe. Ich hatte mich damals so verletzt, betrogen, hintergangen, kurzum so sehr als Opfer gefühlt, dass ich alle meine Gedanken nur noch auf ihn und seine außerehelichen Eskapaden konzentrieren konnte. Ich habe über Monate hinweg quasi an nichts anderes mehr denken können. Erst eine sehr sehr gute Therapie hat mich in die Lage versetzt, damit umzugehen und mich vor allem für die Beiträge sensibilisiert, die ich zu seinem Verhalten geleistet habe. Heute ist unsere Ehe besser als je zuvor und ich kann sein Verhalten mehr als nur verstehen. Zugleich ist auch mein Verständnis für mich selbst enorm gestiegen und ich habe als Frau eine enorme Entwicklung durchgemacht. Ihn erstmalig (!) zu erkennen, ihn so wahrzunehmen, wie er ist und gleichzeitig auch mich selbst klarer erkennen zu müssen, mit all meinen Plus- und Minuspunkten war ein harter, langer und schwieriger Weg, aber rückblickend will ich keinen Schritt davon vermissen.
Vielleicht noch eine "Kleinigkeit", die sicherlich keine ist: Auch ich habe meinen Mann betrogen, musste es ihm aber nie gestehen. Mein Fazit daraus: Zu betrügen ist UNENDLICH viel einfacher und belangloser, als betrogen zu werden. Ich hatte mir damals überhaupt gar nichts aus diesem Mann gemacht, ich hatte niemals daran gedacht, meinen Ehemann zu verlassen, er stand überhaupt nicht in Konkurrenz zu ihm und erst im Nachhinein musste ich mir eingestehen, dass Sex mit diesem Anderen wirklich nur Sex war und gar nichts, aber auch wirklich überhaupt gar nichts mit ihm und mir zu tun hatte. Es war eine Art Langeweile nach elendig langen, eintönigen Ehejahren, es war die Lust darauf, all das zu erleben, was andere in ihren jungen Jahren erlebt haben, es war quasi nichts. Aber es hätte mich umgekehrt das (Ehe-)Leben kosten können, wenn es aufgeflogen wäre. Ich würde dich wahnsinnig gerne fragen, was du heute denkst, was dein Teil zu euren Erfahrungen gewesen ist und ob du schon ein wenig in der Lage bist, diese andere Blickrichtung überhaupt zu erkennen oder einzunehmen?
Noch etwas, was keinesfalls wie ein Trostpflaster für dich wirken soll. Wenn deine Frau sich um dich bemüht, nimm dieses Bemühen bitte ernst. Ich bin mir sehr sehr sicher, dass es nicht nur eine Art schlechtes Gewissen ist, was sie antreibt. Bestimmt ist es mehr......
Alles Gute
Novalis
hallo, danke für deine netten zeilen. meine frau hat offenbar einen teil ihrer pubertät nachholen müssen, wie ich mittlerweile glaube. es ist im moment so, dass sie viel in unsere beziehung investiert. sie überrascht mit mit geschenken und ich erlebe sie sehr bemüht. auch sexuell ist es viel bunter geworden. aber trotzdem bin ich natürlich völlig verunsichert, was eine weitere gemeinsame zukunft mit ihr anbelangt. ich bin hin- und hergerissen und meine psychische verfassung ist ziemlich mies im moment. zudem verspüre ich die nebenwirkungen der ad's recht heftig indem mir den ganzen tag hindurch schlecht ist.
ich bin sonst auch sehr müde und körperlich wie psychisch beinahe am ende meiner kräfte...
lg tom34