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Von Bindungssucht zur Bindungsangst?

  • Starter*in Starter*in EinsameLoewin
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EinsameLoewin

Gast
Hallo zusammen,

ich hoffe ich bin hier richtig..nun ich überlege wie ich anfangen soll..
Ich bin weiblich,21 Jahre alt und habe ein Problem.
Ich versuche es möglichst kurz zu umschreiben, denn sonst würde mein Post eindeutig den Rahmen sprengen.

Also, ich bin momentan in meiner 3. richtigen Beziehung, alles ist super, ich bin glücklich wie nie zuvor, es passt einfach alles..wäre nur nicht dieses eine große Problem, dass mich wirklich sehr belastet. Hier sei erwähnt, dass ich in den 2 vorigen Beziehungen Gewalterfahrungen machen musste und mich stark an diese für mich krankmachenden, unglücklichen Beziehungen klammerte, ich würde es sehr klar als eine Art Bindungssucht und Angst vor dem Alleinsein beschreiben.

Nach meiner letzten Beziehung, die nach 5 Jahren dauerndem hin und her beendet wurde (natürlich nicht meinerseits) war ich ein halbes Jahr lang allein.

Bis ich meinen jetzigen Freund wieder traf, den ich schon jahrelang kannte, wir hatten uns allerdings aus den Augen verloren..nach 2 Monaten in denen wir mehrmals wöchentlich Kontakt hatten, stellten wir fest, dass wir Gefühle füreinander entwickelt haben. Das war das erste Mal, dass ich von mir aus zu einem Mann "Ja" gesagt habe, und dies nicht nur um nicht allein zu sein!

Wir sind jetzt seit 4 Monaten ein Paar und es ist wirklich alles super, nur dreht es sich diesmal um..ich fühle mich eingeengt und habe furchtbare Angst meine Selbstständigkeit und Freiräume zu verlieren! Ich kann es nicht erklären, mein Freund ist auf Montage, wir sehen uns nur von Donnerstag bis Sonntag. Ich liebe ihn wirklich, dass weiß ich..aber ich bin jedesmal fast froh, wenn er wieder fährt und ich allein sein kann! Wenn er da ist, wird mir seine Nähe mitunter zuviel, ich habe ihm dies schon mitgeteilt und er lässt mich dann auch in Ruhe um mir Zeit zu geben. Aber ich finde es schade und will es auch nicht, dass wir in der kurzen Zeit, die wir haben, wegen mir auch noch auf Distanz gehen müssen! Ich spüre gern seine Nähe, doch irgendwann kommt der Punkt an dem es mir reicht. Ich kann es leider nicht anders beschreiben.

Manchmal merke ich, dass ich ihm gegenüber recht verletztend bin und dann auch wirklich barsch mit ihm rede, obwohl das in dem Moment absolut nicht nötig gewesen wäre..auch fehlt mir völlig die Freude auf ihn, wenn er heim kommt, es ist eher, dass ich genervt bin nun meine persönlichen Freiräume wegen ihm aufgeben zu müssen.

So, dass war nun echt viel Text..kann mir denn jemand sagen was mit mir los ist und was ich tun kann? Ich will diese Beziehung nicht mit so etwas kaputt machen, es fühlt sich richtig an und ich bin mir wirklich erstmals sicher Liebe zu empfinden und auch zu empfangen!

Danke im Voraus für eure Antworten!
 
Was du beschreibst erinnert mich sehr an mich selbst (auch weiblich, 25). Ich lese grade viel zum Thema Bindungssucht und Bindungsangst. Ich glaube, dass beides schon in Bezug auf meine Eltern eine Rolle gespielt hat und ich dadurch geprägt wurde. Bindungssucht trieb mich - im Nachhinein sehe ich das - gerade zu bindungsängstlichen Menschen. Und die Erfahrung der Bindungsangst bei mir selbst habe ich umgekehrt auch schon gemacht. So wie du es beschreibst - ja, evtl. besonders mit tendenziell bindungssüchtigeren Menschen, auf die ich mich oft gar nicht erst länger einlassen konnte. Vielleicht könnte man sagen die Bindungssucht hat mich in Beziehungen getrieben, die dazu beigetragen haben eine Bindungsangst zu entwickeln? Beides wirkt aber auch parallel. Ich denke auf jeden Fall es bringt echt viel, sich die eigene Vergangenheit anzusehen und zu überlegen wo da Bindungssucht und - angst eine Rolle spielten, wie sie sichtbar werden und ehrlich damit umzugehen. Vielleicht sogar per Therapie aufarbeiten. Für die ersten Schritte allein, kann man sich ja auch erstmal mit sich selbst beschäftigen. Ich glaube offen mit dem Partner reden ist superwichtig. Und sich selbst - oder sogar gemeinsam - Strategien überlegen, wie man mit Problemsituationen umgeht. Also: Wie kann ich dem Partner signalisieren, dass ich er mir viel wert ist, wie kann ich mir Auszeiten nehmen, so dass es für ihn auch okay ist & Was kann der Partner tun, um mir zu zeigen, das ich keine Angst haben brauche, dass mein Verhalten falsch verstanden wird usw. - das können konkrete Fragen, Sätze sein, oder Handlungen (eine Nachricht schicken, eine bestimmte Auszeit nehmen auf bestimmte Weise). Ganz konkret sprechen hilft mir total viel. Ansonsten - wie gesagt es ist gut möglich, dass auch dein Partner bei diesen Themen ein dir jeweils gegensätzliches Verhalten zeigt. Also wenn er sich darauf einlassen kann, könntet ihr auch das Thema gemeinsam bearbeiten.

Ich habe übrigens auch viel im Internet recherchiert und ich fand die Texte die ich gefunden habe sehr hilfreich für erste Überlegungen. Es gibt auch Foren. Google doch mal Bildungsangst. Schön finde ich z.B. diese beiden Seiten:

- Wege aus der Bindungsangst (dort auch noch diverse weitere Artikel zum Thema)

- Bindungsangst.net - Forum und kompetente Beratung

Viele Liebe Grüße
 
Hallo EinsameLöwin-Gast,

was Du als Titel gewählt hast, ist im Grunde schon die Antwort darauf.

Vorher hast Du Beziehungen aus dem Grund gewählt nicht allein sein zu müssen; warst bereit Gewalt dafür in Kauf zu nehmen, um die Einsamkeit, das Alleinsein nicht zu erleben.

Nun ist es so: Du liebst wirklich, wirst wirklich geliebt - und möchtest keine Beziehung führen, um einem möglichen Alleinsein zu entfliehen, sondern eine Beziehung führen, die Dir und Deinem Partner einfach ein Geschenk ist.

Damit hast Du dich gedanklich weiter entwickelt, und bist von einem bedürftigen Menschen ( der Nähe braucht, weil er Angst vor Einsamkeit hat), zu einem gebenden Menschen geworden ( der Nähe geben kann).

Das sich Deine Beziehungsgefühle und Empfindungen durch Deine innere Veränderung auch verändert haben, ist offensichtlich.

Jetzt, wo Du ein gebender Mensch geworden bist, kommt Dir Nähe auf Dauer so vor, wie eingeengt sein - Du spürst das Gegenteil extrem von dem, was Du früher (scheinbar) dringend gebraucht hattest. Also: was Dir früher an Nähe wichtig war, ist Dir jetzt als Distanz lieb und schön.

Das ist okay so. Weil es eben für einen gebenden Menschen okay sein kann, auch mal ohne den Partner auszukommen. Und es kann noch einige Zeit dauern, bis Dein Inneres verstanden hat, dass Du nun eine andere, inhaltlich wertvollere Beziehung führst.

Also bis Du angenommen hast, dass Du selber auch gut mit Distanz umgehen kannst.

Nimm Dir einfach die Zeit, die Du brauchst in der Beziehung, um Dich mehr anzunehmen, als die Person, die Du (nun geworden) bist.

Liebe Grüße
 

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