Hallo Despereaux,
als ich Deinen Thread las fühlte ich mich an meine eigene Geschichte mit meinem Ex-Partner doch sehr erinnert....
Allerdings war ich nicht der Mensch mit dem Gedanken an einen goldenen Käfig ... sondern wohl der andere Part :-/
Das für mich erniedrigenste, erdrückendste und schlussendlich auch verletztendste war seinerzeit das man mich Monatlelang belog, betrog, hinterging und mir die Wahrheit immer nur Krümmelchensweise servierte und das selbstverständlich nur im Nachhinein, als man bereits getrennt war und unter dem Motto was auch hier angeklungen ist angeblich aus Sorge um mich usw. usw. - UND wohl ganz klar um die eigenen Lügen und das eigene Fehlverhalten zu relativieren, nein sogar eine Begründung zu haben überhaupt gelogen und betrogen usw. zu haben - weil man mich nicht verletzen wollte... weil man sich um mich sorgte usw. wenn man mich denn verließe usw. usw.
Das alles hat mich damals vollkommen aus der Bahn geworfen. Nicht das mein Partner mich nicht mehr liebte und die Tatsache das man sich trennte - sondern die Lügen, das Hintergehen über Monate vorher, was aber eben alles erst viel später rauskam. Alles unter dem Motto ich will den anderen nicht verletzen usw. - aber wohl vor allen Dingen um die Dinge die man da so macht vor sich selbst zu rechtfertigen, die Lügen zu legitimieren, den Fremdgang zu begründen usw. usw. usw. das schlechte Gewissen was einen wohl doch irgendwo plagt usw.
Es gibt immer einen Grund für eine Lüge - es gibt aber auch immer hunderte Gründe für die Wahrheit.
Das was mich damals "schonen" sollte, die Sorgen die man hatte um mich - was wird aus mir wenn man geht usw. - kann ich verstehen, schliesslich war man mal ein paar Jahre miteinander zusammen usw. jemanden den man mal liebte hasst man ja nicht unbedingt - aber eben das Gerüst aus Lügen was nach und nach dann aufgedeckt wurde im nachhinein eben - das hat mich wirklich verletzt, denn die Monate nach der Trennung ging ich dann echt auf dem Zahnfleisch und machte mir Selbstvorwürfe ohne Ende. Man nahm mir mit diesem Lügengerüst irgendwo auch die Möglichkeit tatsächlich sauer zu sein für eine Weile und stellte sich am Ende auch noch als das Opfer dar, so wie Du hier gerade ...
Wenn man fremdgeht, dann macht man das ja nicht ohne Grund. Ob jetzt mit einem ehemaligen Lover oder einem neuen Menschen sei da mal nicht so wichtig. Deine Gründe sind auch für mich absolut nachvollziehbar. Aber dann sollte man auch soviel Eier in der Hose haben die Konsequenzen zu ziehen und den Partner schlussendlich auch mit der Wahrheit konfrontieren. Eben für klare Verhältnisse sorgen.Was im übrigen auch gut für einen selbst ist...
Das macht eine Trennung zwar nicht leichter und die ganze Sache sowieso nicht, aber die Verletzungen die eh schon entstanden sind und dabei entstehen nicht unnötig noch tiefer als sie dann eh schon sind.
Jeder Mensch möchte ich mal behaupten kommt am Ende viel besser klar mit einer großen harten Wahrheit die ihn vielleicht erstmal umhaut als mit dem immer wiederkehrenden Vertrauensbruch mit jeder noch so kleinen Lüge die einer großen folgt, weil sich sowas immer weiter verselbstständigt und man es schlecht unter Kontrolle bringen kann.
Man wundert sich wirklich wie einfach es ist ehrlich zu sein und wie gut es einem tut ehrlich und wahr - haftig zu sein - man muss sich dann nämlich auch nicht mit Gewissensbissen herumtragen und kann erhobenen Hauptes aus einer Verbindung aussteigen - auch wenn es dadurch sicher nicht einfacher wird, aber der hier vermeintlich einfachere Weg ist am Ende der schwierigere weil es immer komplizierter wird usw.
Es liegt mir fern über Dich zu urteilen. Ich kann Deine Gründe auch verstehen und die sind wirklich nicht ohne. Ich denke auch das eine Trennung das einzig richtige ist - allerdings - um Gottes Willen nicht in eine gemeinsame Wohnung mit dem "Neuen Alten". So wirst Du Dich nicht wirklich selbst finden können und verbaust Dir irgendwo einen wichtigen Schritt zu mehr Selbstständigkeit, Selbstbewusstsein und Selbstliebe wie mir scheint. Im Gegenteil - Du begibst Dich da wieder in ein altes Muster...m.M.nach.
Momentan ist es so das Dein Noch-Partner wohl alles mögliche machen kann und es passt Dir so und so nicht, Du findest immer ein Haar in der Suppe - eben weil Du auch immer eins finden willst ;-)
Ich denke ihr habt beide in Eurer Beziehung immer mal wieder Grenzen des anderen überschritten. Wenn ich Dich so lese fühle ich mich gerade Jahre zurückgesetzt, lach.
Du hast Deinem Freund anscheinend vorher immer wieder weite Teile von Entscheidungen usw. die beide Leben betreffen übertragen. Nicht mal bewusst wie ich denke.Das war eine zeitlang bequem, denn dann "musste" bzw. hat der andere auch viel Verantwortung gehabt und war der Meinung alles managen zu müssen usw. - Dich fallen gelassen, Verantwortung abgegeben und er machte schon... Sowas hat natürlich zur Folge das der andere Part auch immer den "Entscheider" in der Beziehung gibt, den vermeintlich Überlegenen usw. nach dessen Nase alles läuft. Man verliert die Augenhöhe.
Sein Verhalten ist Kontrolle und Macht um es kurz zu sagen.
Keine Kontrolle zu haben macht ihn ohn - mächtig.
Was z.B. dieses ständige nach dem schauen was machst Du gerade usw. usw. für mich erklärt.
Auch scheint er Deine Kritik, Dinge die Dir wichtig sind zu besprechen weil sie Dich belasten, nicht ernstzunehmen - liest stattdessen Zeitung wie Du schreibst.
Natürlich ist das nicht richtig. Natürlich hat sich da was entwickelt was sich mal gar nicht gut auf eine Partnerschaft auswirkt.
Auf der anderen Seite Du - der Du Dich berufen fühlst an SEINER beruflichen Situation was zu ändern und dafür zu sorgen das er sich bei einer anderen Firma vorstellt wo Du den Job FÜR IHN auserkoren hast beispielsweise...
Das alles ist irgendwie von beiden Seiten grenzüberschreitend.
Mich erinnert das wie gesagt alles an meine eigene Geschichte mit Ex 🙂
Es war natürlich nicht gleich - aber ähnlich.
Mein Partner war in dieser Beziehung auch die "kleine Diva" und ich entwickelte mich ebenso zu einer Art "Macho". Er war der vermeintlich Schwächere, ich nahm vieles in die Hand und ihm vieles ab und er liess das auch gerne zu, er hatte psychische Probleme, machte später eine Therapie und veränderte sich dabei und danach sehr.
Nahm einfach mehr und mehr sein eigenes Leben in die Hand und eroberte Terrain zurück wie ich es heute sagen würde.
Ich reagierte damals irgendwie und irgendwo mit Angst wenn ich darauf zurückblicke. Ich fand die neue Selbstständigkeit und das erwachende Selbstbewusstsein meines damaligen Lebenspartners als bedrohlich - was natürlich absoluter Quatsch ist - aber so fühlte ich wohl damals. Es war wohl der Kontrollverlust usw. Verlust von Macht, Angst vor Augenhöhe, Angst davor von einem gleichstarken Partner wohl nicht mehr so geliebt zu werden oder schlimmer noch verlassen zu werden... das er meine Schwächen entdeckt usw.
Eigentlich hätte man froh sein müssen, eigentlich hätte ich auch glücklich sein müssen über diese Entwicklung, doch mir machte sie tatsächlich nur Unbehagen - und das obwohl ich hätte eigentlich diese Veränderungen hätte begrüßen sollen und mich frei und offen dafür hätte machen sollen.
Heute weiss ich das es Quatsch ist - damals sah ich das natürlich nicht. Man erkennt selten seine eigenen Muster auf Anhieb um daran was zu ändern, das dauert. Und auch dafür bin ich am Ende sogar sehr dankbar für die Trennung denn dadurch wurde in mir selbst auch erst ein Änderungsprozess in Gang gesetzt, der wohl ohne diesen Einschnitt und die Trennung nicht stattgefunden hätte.
In den letzten Monaten der Beziehung wo - wie sich im nachhinein herausstellte - mein Partner damals schon eine Affäre oder sagen wir wie Du es auch sagst, neue Liebe in seinem Leben hatte - wurden die Veränderungen immer deutlicher. Er wurde immer kälter und abweisender mir gegenüber und egal was ich auch tat - es war falsch und nicht richtig und es gab was zu meckern. Ich konnte ihm gar nicht mehr gerecht werden.
Wer Fehler bei einem sucht - der wird auch immer welche finden. Und sie auch so groß machen können das man quasi schon gar nichts mehr dagegen tun kann um diese zu beheben...
Ich wurde dann immer misstrauischer und mutierte auch wie Dein Mann gerade zum absoluten "Controletti"
Wie gesagt - ich kann Dich wirklich verstehen. Ich halte eine Trennung in Eurer Geschichte auch für eine Möglichkeit die man nicht ausser acht lassen sollte - aber ich halte es auch für möglich das ihr Euch auch zusammenraufen könnt - auch wenn das sehr viel Arbeit bedeuten würde...
Leider kann ich gerade nicht weiterschreiben - muss jetzt mal ganz schnell zur Arbeit. Vielleicht kann man sich auch mal über PN austauschen...