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Verzweiflung im Master

Lecat0605

Neues Mitglied
Hallo Zusammen,

mich stehe regelrecht kurz vor einer Panikattacke, denn mein Werdegang fühlt sich wie eine komplette Sackgasse an!
Hier zu meiner Situation:

Ich (w, 28/ bald 29) studiere Kommunikations- und Medienwissenschaften im ersten Semester Master. Ich habe bereits einen Bachelor darin gemacht (Note 1,8). Nach dem Abi habe ich zunächst ein Jahr als Au Pair im Ausland verbracht. Ich habe das Ganze studiert, weil ich nach dem Auslandsjahr eine Ausbildung zur Industriekauffrau gemacht und etwas Passendes dazu gesucht habe. Reines BWL hatte mich nie interessiert. Mein Berufsschullehrer hatte mir von KMW erzählt und mich davon überzeugt.
Das Bachelorstudium hatte mir nicht wirklich viel Spaß gemacht, ich habe es aber durchgezogen, weil ich dachte, dass Theorie und später die berufliche Praxis bestimmt nicht viel miteinander zu haben werden.
Den Master wollte ich eigentlich nicht machen, habe mich dann aber dafür entschieden, da es durch Corona im Moment echt schwierig ist, an Arbeitsplätze oder Praktika zu kommen. Nach dem Motto: bevor ich Zuhause rumsitze, schließe ich den Master an. Nebenbei habe ich mich schon auf Vollzeitstellen beworben, aber nur Absagen bekommen. Deshalb mache ich weiter. In zwei Wochen beginne ich einen Teilzeitstelle an der Uni, in der Öffentlichkeitsarbeit.

Mittlerweile bin ich mir nicht mehr sicher, ob der Studiengang überhaupt etwas für mich ist. Es macht mir keinen Spaß und ich habe Panik, dass ich damit später nur Jobs finde, die reine Büroarbeit sind und ich eingehe. Jetzt im Nachhinein fällt mir nämlich plötzlich auf, dass ich gerne mit Menschen zu tun hätte. Dann kamen mir Studiengänge wie Psychologie oder soziale Arbeit in den Sinn. Auch Natur interessiert mich und plötzlich finde ich Forstwirtschaft total toll (jetzt auf einmal, wiesooo!!!🙁 )

Das Problem ist, dass meine Eltern mich nun genug finanziell unterstützt haben und ich das auch gar nicht mehr von ihnen verlangen kann und will. Soll ich ein Zweitstudium beginnen?Und ist es das wirklich wert einen Studentenkredit aufzunehmen? Gibt es wirklich nichts mit meinem Studiengang, das sich mit etwas Sozialem verbinden lässt? Außerdem werde ich bald 30 und ich fühle mich so als hätte ich mein halbes Leben weggeworfen, nur weil ich zu blöd war, mal ein bisschen früher in mich reinzuhören. Ich habe es nur nach dem besten wissen und Gewissen gemacht und trotzdem alles falsch. Ich habe vor Grübelei gestern einen Hörsturz bekommen...

Ich würde mich über eure Antworten freuen.

Danke und viele Grüße!
 
Hallo liebe TE 🙂

Wenn ich deinen Werdegang mal so durchgehe, hast du mit 18? dein Abi gemacht und deinen Bachelor nach dem Au Pair mit 20? angefangen. Also hast du für den Bachelor 9 Jahre, also 18 Semester gebraucht. Ist das richtig oder fehlt da etwas in deinem Lebenslauf?

Theoretisch ist es ja nie zu spät um sich weiterzubilden oder auch einen neuen Weg zu gehen. Aber ich kann dich da auch verstehen, bin selbst erst mit 30 mit meinem Master fertig geworden. Nach der Schule, einer Ausbildung und einem Studium will man auch endlich "ankommen", ich denke einfach mal, dass es dir da ähnlich geht. Ich habe z.B. etwas naturwissenschaftliches studiert und auch erst mit 25 gemerkt, dass etwas soziales auch eigentlich sehr gut zu mir passt. Um diese Lücke in mir zu stillen habe ich eine karitative Arbeit angefangen, die mich sehr erfüllt, vllt wäre das ja etwas für dich? So kannst du etwas mit Freude machen, was dich evtl auch erfüllt, aber ohne den Druck, dass du es machen musst, weil du sonst auf der Straße sitzen würdest.

Naja, oder du fängst wirklich ein neues Studium an. Die Kredite sind da auch, in meinen Augen, sehr überschaubar, solange du es dann auch knallhart durchziehst, bedeutet die Regelstudienzeit so gut wie nicht überschreitest. Denn auch die Studienkredite gibt es nur beschränkt. Also wenn du denkst, dass du einen neuen Bachelor in 3-4 Jahren hinbekommst, wieso dann nicht?

Ein Punkt über den du aber auch nachdenken solltest, ist der, dass du in sozialen Berufen leider eher schlecht als recht bezahlt wirst, was die Rückzahlung eines Kredits evtl. erschweren könnte.
 
Hallo @Lecat0605 ,

das Dilemma kenne ich... Wobei es bei mir ständige Probleme im Elternhaus waren, die eine vernünftige Berufs- und Studienwahl damals verkorkst haben. Und dann hat man die Dinge eben durchgezogen, anstatt rechtzeitig die Reißleine zu ziehen. So hat man es ja auch gelernt...

Die Teilzeitstelle ist immerhin ein beruflicher Anfang. Die Büroarbeit ist nicht einmal das Problem. Aber es ist in diesen Bereichen oft reinste Ausbeutung und das Personal ist nicht selten mit Profilneurosen behaftet und narzisstisch geprägt. Aber vielleicht sind das auch nur meine Erfahrungen. Das Interesse für die angesprochenen anderen Studiengänge kann ich gut nachvollziehen, könnte mich noch heute ohrfeigen, damals trotz entsprechender Vorarbeiten nicht gewechselt zu haben. Tja, manche Züge sind dann einfach ab.

Das Problem ist, dass ohne (Studien-) Abschluss in D eben so gut wie gar nichts geht. Ich hatte in den angesprochenen Bereichen schon Kollegen, die mit ganz anderen Werdegängen auf ihre Stellen gekommen sind - heute meist undenkbar. Die gute Nachricht: Mit U30 könntest du theoretisch noch locker einen anderen Studiengang beginnen. Ob es jetzt noch zwei oder drei Jahre Studium sein werden, ist ja eigentlich auch egal. Ob es dafür elternunabhängiges Bafög o.ä. geben würde, weiß ich nicht. Vielleicht wäre es ja möglich, die Teilzeitstelle weiter auszuüben, trotz Studiengangwechsel? Allerdings gibt es die Problematik, dass gerade Soziale Arbeit in den vergangenen Jahren einen Ansturm erlebt hat und es häufiger zu Wartesemestern kommt. Ich würde aber dennoch die Reißleine ziehen, sofern möglich. Ansonsten besteht die Gefahr, das restliche Berufsleben mit Dingen verbringen zu müssen, deren Sinnhaftigkeit zweifelhaft erscheint. Alternativ gibt es natürlich auch Ausbildungsberufe in sozialen und anderen Bereichen. Da steht man zumindest finanziell am Ende häufiger auch nicht viel schlechter als der Bachelorabsolvent da, wobei es sich eben eher um Heil- und Pflegeberufe handelt.
 
Ich habe vor Grübelei gestern einen Hörsturz bekommen...
Ich würde mich über eure Antworten freuen.

Danke und viele Grüße!
Hörsturz kommt durch kurzfristige oder dauerhafte Durchblutungsstörungen, nicht vom Grübeln.
Bist du damit zum Arzt oder im Krankenhaus, das muss sofort behandelt werden mit Infusionen.
Und die Ursache geklärt und abstellt werden, alles andre ist jetzt nicht wichtig...
Hörsturz: Risikofaktoren, Anzeichen, Behandlung - NetDoktor
 

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