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Versagensängste im Job

  • Starter*in Starter*in Kiss
  • Datum Start Datum Start
K

Kiss

Gast
Hallo zusammen,
ich bin neu hier und 29 Jahre alt.
Seit September 09 bin ich zu Hause da meine alte Firma wg.
Auftragsmangel Personal reduzieren musste. Davor war ich
in zwei Speditionen wo Insolvenzen mich auch wieder auf
die Suche nach einer neuen Arbeit schickten.
Ich war in allen Firmen in der Verwaltung tätig und habe auch
eine Ausbildung als Bürokauffrau absolviert. Insgesamt hab ich
bis Sept 09 13 Jahre gearbeitet.
Jetzt hab ich Mitte Dezember ein Jobangebot erhalten wo ich
ab Montag beginnen kann. Es ist weniger Geld wie vorher und
ein weiterer Weg. Ich habe sogar immer wieder hin und her
überlegt ob ich es überhaupt annehmen soll wg. meiner Versagens-
ängste. Ich fühle mich im Job bei einer Aufgabe erst sicher
wenn ich immer die Bestätigung von einem Kollegen bekomme.
Bin total unsicher und nervös da ich alleine keine Entscheidung
treffen kann. Zittere , schwitze dann total und möchte am liebsten alles
abrechnen. Seit der Vertragsunterzeichnung bzw. schon vorher
bin ich nur am Grübeln ob ich das alles schaffe , da ich mir einbilde ich muss alles können und auf alles eine Antwort wissen. Ich mach mir
selber so einen Druck, da ich eine eigene Wohnung und Auto
habe die ich bezahlen muss. Auch denke ich manchmal wenn man
40 Std. in der Woch in der Arbeit ist und dann noch Haushalt machen muss dass dann keine bzw. wenig Zeit mehr zum Leben
zum Genießen ist.
Von meinen Eltern kommt oft die Aussage du bist erst 29 und
jung und du kannst no net in Rente gehen aber auf der anderen
Seite sagen sie auch dass ich es auf mich zukommen lassen soll
und wenn es nicht klappt gibt es wieder eine andere Lösung.
Kennt jemand dies von Euch ? Weiß jemand einen Rat ?
Danke im voraus für Eure Hilfe
 
Ich kenne das. Dabei ist es hilfreich sich das Worst Case Szenario auszumalen.

Beispiel:

Wenn du das Jobangebot nicht angenommen hättest, dann wärst du weiter arbeitslos gewesen.

So hast du eine Möglichkeit zu schauen wie es dort ist und wenn es nicht passt und du es nicht schaffen solltest wäre doch das schlimmste was dir passieren kann, dass du wieder arbeitslos wirst.

Im Sozialstaat Deutschland geht doch keiner unter. Das Geld was man bekommt ist sehr knapp bemessen. Aber ich habe folgende Erfahrung gemacht:

Als ich am Boden zerstört war, nach der Ausbildung hatte ich einen Job und meine Chefin (Rechtsanwältin) hat mich die ganze Zeit rund gemacht und rumgeschriehen wie dumm ich doch sei. Je mehr ich versucht habe Recht zu machen desto unsicherer wurde ich. Nach 7 Monaten wurde ich dann gekündigt. Aber es war auch neben dem Schock eine Wohltat. Und dann kam das Arbeitsamt mit seinen lächerlichen 400 € Arbeitslosengeld (weil Lehre noch mit eingerechnet wurde in die 12 Berechnungsmonate).

Ich hab mir gedacht die können mich mal. Dann habe ich die Zeitung geschaut und eine Zeitarbeit Firma gesehen. Dort bin ich hin, hab die Unterlagen abgegeben und habe gesagt: Ich mach alles! Egal was, hauptsache Kohle kommt rein.

Die haben sich gefreut und gesagt: Super sowas können wir immer brauchen. Ich hatte sofort ein Vorstellungsgespräch in einer Fabrik und innert einer Stunde ab meinem Entschluss wieder Arbeit. Es war harte Arbeit in der Fabrik. Aber es hat mein Selbstvertrauen ungemein aufgebaut, weil ich das erste Mal meine Grenzen testen konnte. Nach einem Jahr wollte man mich an eine Männermaschine versetzen. Da wollte ich aber nicht dran. Also habe ich in zwei Tagen 150 Kurzbewerbungen per E-mail rausgejagt. Nachdem Motto ich nehme alles was ich kriegen kann, vom Kellner bis zum Deutschlehrer.

Innert 20 Minuten klingelte das Telefon und ich hatte ein Vorstellungsgespräch. Innert drei Tagen hatte ich 10 Angebote und einen unterschriebenen Vertrag.

Je weniger Angst man hat, desto einfacher ist das Leben. Man muss nur ein wenig forsch sein.

Wenn du den Job verlierst suchst du dir eben einen anderen.
 
Vielleicht kennst du das Gesetz der grossen Zahl.

Wenn 98 Leute nein sagen, garantiert sagt irgendwann einer Ja. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Die Zahlen stehen natürlich nicht fest. Man kann auch 100 Bewerbungen schreiben und alle sagen ab. Dann sollte man dringend seine Unterlagen von einem Profi prüfen lassen. Aber grundsätzlich hat man alle Möglichkeiten. Man muss sie nur nutzen.
 

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