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Verluste

Danke für deine Antwort. Eine Trauerfeier wird noch stattfinden, ich hätte ihn nur gerne nochmal gesehen, zusammen mit seinen anderen Freunden und wundere mich über mich selbst. ich bin früher nie weggelaufen, wenn es schwierig wurde. Ich habe 3 Jahre erlebt wie meine Mutter krebskrank war, ich hab immer angerufen und wollte wissen was los ist, war im Krankenhaus am Ende dabei, obwohl es schwer war. Ich bin zu meinem Onkel, als er im Sterben lag und zu meiner Tante, als sie nach einem Sturz bettlägrig war, ich bin 600 km angereist weil ich sie unbedingt sehen wollte, auch wenn ich wusste der Anblick wird schwer. Ich habe eine Freundin mit einer Krebsdiagnose, mit Metastasen, ich hab trotz Angst immer angerufen und gefragt, wie die Ergebnisse sind, habe sie getroffen, obwohl ich wusste sie hat die Glatze und wird krank aussehen. Ich bin nie geflüchtet und plötzlich kann ich das nicht mehr.

Ich hab Angst meinen Vater anzurufen, ich hab Angst in die Wohnung meines Freundes zu fahren, obwohl ich versprochen habe nach dem Kater zu schauen und für seinen Mitbewohner dazusein. Ich wäre normalerweise auf jeden Fall in die Aussegnungshalle gegangen … ich weiß nicht was los ist, ich hab auf einmal so eine Angst und Blockade. Möchte mich verkriechen.
 

Hallo hirnundherz,

schau mal hier: Verluste. Hier findest du vielleicht was du suchst.

Das tut mir leid. Man kann nur ein bestimmtes Maß an Leiden und Schmerz ertragen. Irgendwann wird es zuviel und die Seele und der Körper wehren sich. Manchmal entwickelt sich dann eine Angststörung oder Depression oder irgendeine andere Krankheit.

Es ist alles zuviel für Dich im Moment. Ich würde mal einen Arzt kontaktieren und vielleicht ein leichtes, vielleicht pflanzliches Beruhigungsmittel nehmen. Mir hat z.B. oft Nervenstark von Doppelherz geholfen, rein pflanzlich. Das machte mich ruhiger innerlich.

Du kannst nicht unbegrenzt für andere da sein, es ist auch wichtig, für Dich etwas zu tun.
 
Hallo, ich komme mit dem plötzlichen Tod meines Freundes nicht klar. Ich habe jetzt erfahren, dass er mal davon sprach, dass er hochallergisch ist. Ich verstehe nicht, wieso er tagein tagaus auf der Terrasse im Garten saß, ohne Notfallset. Er hinterlässt so eine Leere.
 
Die Email Deiner Schwester würde ich als reinen Informationsstatus sehen und alles, was Du darin an falschen Worten, Vorwürfen,… entdecken kannst, schlicht ihrem Zustand zurechnen und abhaken.

Wichtig ist die Information!
Demenz kann schleichend sein, sehr schleichend. Aus einer kleineren Vergesslichkeit werden mitunter auch sehr schnell Verdachtsdiagnosen gestellt, die sich nicht bewahrheiten müssen. Seine psychische Belastung kann das genauso auslösen!
Aber fahre zu ihm, rede mit ihm, sieh ihn und wie er den ganz normalen Tag managed.

Zuvor kümmere Dich um Dich und versuche mit dem Verlust Deines Freundes klarzukommen. Das ist ein Schock, der nicht zu übertreffen ist. Die Sinnlosigkeit, die man dabei hinterfragt, ist die Schlimmste.
Ich hatte eine vergleichbare Situation mit meiner Jugendliebe: Geburtstag gefeiert und am nächsten Abend musste er wieder zurückfahren zur Uni, er kam nicht an. Niemand weiß, ob ihn jemand von der Straße gedrängt hat, ob es ein Wildunfall war und er einfach von der Straße abkam. Niemand weiß, ob er noch gelebt hat und gerettet hätte werden können, wenn jemand angehalten hätte. Am nächsten Morgen wurde er tot im zerstörten Auto gefunden, nur 50 km von zu Hause entfernt. Handy gab es da noch nicht!
Tröste Dich, dass Dein Freund nicht leiden musste, ein anaphylaktischer Schock ist kein harter, schmerzvoller, kämpfender Tod und ich finde das wichtig zu wissen, denn es nimmt einem die Angst, der Schmerz des Verlustes wird nicht weniger, es ist nur eine Last weniger darin, die etwas “beruhigt”.
Nimm eine Beratung/Trauerhilfe in Anspruch, eine Selbsthilfegruppe oder natürlich Freunde, die Dich auffangen und kümmere Dich zuerst darum. Deinem Vater geht es, im Moment, soweit gut und das kann noch eine Zeit warten!

Strukturiere das für Dich so gut wie möglich, denn jede Struktur hilft. Sie ist das Geländer, an dem Du Dich festhalten kannst, weil der klare Kopf in dieser Situation leider öfter versagt (vollkommen zu Recht).

Es tut mir wirklich sehr leid, dass Du dieses Schicksal gerade doppelt erlebst und darin vollkommen gelähmt bist, aber sei gewiss, dass es weitergeht und Du das durchstehst.
 
Vielen Dank für deine Antwort.
Ja, er hat nicht gelitten. Das war ihm immer wichtig, er wollte immer umfallen. In seinem Schrank hatte er ein Regal mit Bildern von Verstorbenen und eine Postkarte auf der stand: "Irgendwann gehen wir alle drauf." Das war sein Humor … und den hab ich geliebt.

Ich suche mir Unterstützung und rufe auch Leute an, die ihn kannten. Ich arbeite ehrenamtlich in einem Hospiz und habe angefragt, ob sie mir Gespräche anbieten können. Gestern hab ich mich überwunden und bin in die Wohnung hoch um seinen Mitbewohner zu besuchen und den Kater zu versorgen. Er war älter als ich (Mitte 50) und mir fällt auf, dass in der älteren Generation es noch völlig normal ist, sich anzurufen und vorbeizugehen. Meine Freunde schreiben wenn dann eine What's App... Das gibt mir wenig Halt und ich weiß auch nicht, was ich darauf antworten soll. Das ist doch viel zu schwer für eine Text Nachricht.

Zu meinem Vater: er hat auch in den letzten Telefonaten nichts Komisches oder Auffälliges gesagt und sich an alles erinnert, was letzte Woche oder am Wochenende war. Ich habe seine Exfreundin kontaktiert, die mir sagte, sie sind sogar noch in Kontakt und auch die Nachbarin hat ein Auge darauf. Die Exfreundin hat meinem Vater eine Freundschaft angeboten woraufhin meine Schwester ihr geschrieben hat, was ihr einfällt und ob es denn nicht schöne Zeiten gegeben hätte. So weit geht das …

Deshalb kann/muss ich das Thema jetzt für 1-2 Wochen parken. Dann werde ich hinfahren, aber nicht solange mir der Tod meines Freundes so im Herzen weh tut. Bei ihm hab ich mich heimelig gefühlt.
 
..komme zu Ruhe. 🙏
Setze dich immer mal wieder ans Fenster oder in den Garten und treibe deinen Gedanken nach,
ohne Lösungen oder Antworten zu suchen.
Oder zünde dir Abends eine Kerze an und schaue tief in die Flamme..und lass deine Gedanken mal frei.
Und sei mal ganz fest mal gedrückt.
 
Mein herzliches Beileid zum Tod deines Freundes. Letztendlich ist er aber so gestorben, wie er es wollte. Nur leider viel zu früh. 😢
Nimm dir jetzt erst einmal etwas Zeit, um zu trauern.
Dann kommt dein Vater mit seiner im Raum stehenden Demenz. Wie alt ist er denn?
Ich würde das wohl auch offen ansprechen und wahrscheinlich ist jetzt auch ein guter Zeitpunkt mit ihm darüber zu sprechen, wie er sich sein Leben vorstellt, falls er sich nicht mehr selbständig versorgen können sollte.
Wäre für den Anfang betreutes Wohnen eine Option für ihn? Wenn ja, könnte er sich heute schon auf eine Warteliste für eine Wohnung setzen lassen, die ihm gefällt. Mit 1 - 2 Jahren muss man da schon rechnen, bis eine Wohnung verfügbar ist.
Und Pflegeheim ist auch nicht mehr so gruselig, wie ich es noch aus Erzählungen von vor zig Jahren kenne, wo die älteren Menschen nur ruhig gestellt wurden, damit sie keine Arbeit machten.
Bin da gerade im Thema (war bis Februar diesbezüglich völlig unbelastet) Meine Mutter ist jetzt seit 4 Wochen im Pflegeheim auf einer wild gemischten Station - jeder hat was anderes, auch einige Bewohner mit Demenz.
Die Pflegekräfte sind toll und es werden jeden Tag Aktivitäten angeboten, bei denen alle Bewohner einbezogen werden, aber selbst entscheiden können, ob sie teilnehmen wollen oder nicht.
 

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