Hallo zusammen,
habe mich heute damit beschäftigt ihm einen Brief zu schreiben. Den werde ich ihm nächste Woche bei unserem letzten Treffen übergeben. Doch nun bin ich mir nicht mehr sicher ob ich den Brief so lassen kann😕 nicht das ich wieder etwas falsches mache oder mich einfach zum deppen mache was ich nicht unbedingt möchte.
Lieber Stefan,
wahrscheinlich wunderst Du dich jetzt über diesen Brief und fragst dich insgeheim, warum ich das, was ich Dir nun hier mitteilen möche, nicht persönlich sage!
Ganz einfach, Du würdest dieses Gespräch ganz schnell mit einem "Du musst dich nicht bedanken" beenden. Uns so hoffe ich, dass Du dir ein paar Minuten Zeit nimmst und meinen Brief liest.
Ein kläglicher Versuch, Gedanken, Gefühle zum Ausdruck zu bringen, vor denen ich mich nach außen immer verschließe. Denen ich mich mit einer Mischung aus Angst und Respekt und einer beachtlichen Willensstärke immer verschlossen habe.
Die Mauer die ich um mich gebaut hatte, war hoch genug, dass man von aussen nicht darüber schauen konnte. Im Inneren des Gemäuers saß ich auf einem Hügel und fand nichts interessanter als zu beobachten, wie einige wenige Personen aufgrund ihrer Neugier, einer gewissen freundschaftlichen Nähe und einem unglaublichen Gespür für andere, den Versuch unternahmen, mehr als nur einen flüchtigen Blick hinter diese Mauer werfen zu wollen. Dabei bestimmte ich immer, wie nah sie der Wand kommen und wie weit sie hineinschauen durften.
Dabei hat es niemand so weit gebracht wie Du, nicht einmal ansatzweise.
Ich, das unbekannte Wesen; verständnisvoll, hilfsbereit, nie um einen Spruch verlegen, den Optimismus scheinbar als Dauerbegleiter und doch allein. Es erfüllt mich immer mit einem gewissen Stolz, einer inneren Genungtuung, zu sehen, dass es selbst denjenigen nicht gelang, denen ich in schweren Stunden ihres Lebens beigestanden hatte. Die mir damit zu helfen versuchten, mit purer zum Ausdruck gebrachter Emotion an der Mauer zu rütteln und abzuwarten, was passiert, ob sie nachgibt oder wenigstens ins Schwanken gerät.
Es ist niemanden gelungen, aber der Versuch hatte eine Faszination für mich. So gelang es mir bisher immer, einerseits das Gefühl für die Sorgen Anderer zu haben und ihnen beizustehen, sofern sie es wollten, aber anderseits im Grunde genommen nichts von mir preiszugeben. Emotional die Kreation eines Freundes für ein Wort, das diesen Zustand umschreiben sollte, wohl wissend, das dieses Wort nicht existiert und wahrscheinlich mit der starken Vermutung, dass dem eigentlich nicht so sein kann.
Du hast es als Erster geschafft, über diese Mauer zu klettern. Eingerissen hast Du sie nicht. Ich weiß nicht wieso. Ob ich Dich gehindert habe oder Du sie nicht einreissen wolltest. Vielleicht selbst in dem Wissen, wie praktisch so ein Gebilde sein kann. Vielleicht hätte ich Dich gehindert.
Hier und Jetzt möchte ich Dir von ganzen Herzen danken, dass Du in mein Leben getreten bist und diesen gelungenen Versuch gewagt hast.
Durch Dich habe ich so vieles gelernt, Du hast mir gezeigt, dass es die Mühe wert ist einem Menschen zu Vertrauen und ihn an meinem Leben teilnehmen zu lassen.
Du stehst immer hinter mir, hörst mir zu und gibst mir Kraft, ohne dafür zu verlangen. Egal was auch ist, ich kann immer zu Dir kommen, Du bist immer für mich da, etwas was nicht selbstverständlich ist.
Auch hast Du mich manches gelehrt, hast mich inspiriert, ohne zu wissen, wieviel mir das bedeutet. Wenn ich erschöpft oder beunruhigt bin, hast Du ein tröstendes und ermutigendes Wort für mich.
Du hast Verständnis dafür, wenn ich zickig bin. Ich weiß, dass es oft nicht leicht ist. Es bedarf eines ganzen Mannes, mit so jemanden wie mir auszukommen. Du hast mir gezeigt, was es bedeutet, einen anderen zu schätzen und zu achten, und ich bin dadurch ein anderer, ein besserer Mensch geworden. Ich möchte, dass Du das niemals vergißt. Es ist eine Ehre Dich zu kennen und ich sags Dir viel zu selten, es ist schön das es Dich gibt.
Was ich aber einfach nicht verstehe, ist, wie Du das alles geschafft hast!!! Du bist mit der Wucht eines Hurrikans in mein Leben getreten und hast mein mir doch so sicheres Kartenhaus eingestürzt. Du hast mir gezeigt, dass das Leben lebenswert ist, dass ich auf Dich bauen kann, dass Du hinter mir stehst und zu mir hältst. Dieses Gefühl der Vertrautheit ist bei mir im Laufe der Zeit in Vergessenheit geraten, ich habe den Glauben an die Menschheit verloren, da mir oft schmerzlich gezeigt wurde, dass ich nichts Wert bin.
Doch Du Stefan, hast mich vom Gegenteil überzeugt. Ich habe einige Menschen, die mir sehr ans Herz gewachsen sind, doch niemanden kann ich so viel Vertrauen entgegen bringen wie Dir. Warum das so ist, dass kann ich Dir noch nicht sagen, ebenso wenig wie ich den Sinn warum Du in mein Leben getreten bist (obwohl es einen gibt) noch nicht verstehe. Du hast mir beigebracht, dass Demut etwas positiv ist, Du hast mich meinem Glauben und der Kirche wieder näher gebracht wodurch ich sehr viele positive Ereignisse mitgenommen habe, die ich auch zu schätzen weiß.
Du hast damals zu mir auf den Weg nach Bach gesagt, die Oberpfälzer haben keinen Schutzengel.
Doch da muss ich Dir "leider" widersprechen, denn ich bin mir ganz sicher das ich einen Schutzengel habe, er ist nicht unsichtbar und kann nicht fliegen aber dafür ist er real und an meiner Seite. Das ist tausendmal schöner! ! ! Ich möchte auch, dass Du weisst, dass auch ich immer für Dich da bin und das meine ich ernst. Ich werde dich niemals im Stich lassen.
Stefan Du bist ein toller Mensch und auch ein toller Mann und ich bzw. wir sind froh das es Dich gibt.
Aber jetzt wird mir bewusst, dass das Schicksal einen Menschen glücklich sowie auch unglücklich machen kann und ich frage mich, warum ausgerechnet mich das Schicksal bestrafen muss.
An dem Tag als Du mir so nebenbei erzählt hast, dass du Regensburg eventuell im September verlassen wirst, brach etwas in mir zusammen. Der Gedanke, dich nicht mehr sehen zu können, macht mir Angst. Was soll ich denn ohne Dich machen? Mit wem soll ich lachen, weinen, Scherze machen, Diskussionen führen und Dvd Abende geniessen? MIT NIEMANDEN!
Als du mir am Abend des Feuerwerkes sagtest, wir sollen mitkommen, machte ich mir natürlich einmal wieder Gedanken darüber.
Warum eigentlich nicht, dachte ich mir, denn was hält mich hier in Regensburg?
Nichts!
Vielleicht ist das mein Weg beruflich so wie auch menschlich und ich erfreute mich an diesen Gedanken.
Nun aber, kann bzw. darf ich nicht mitkommen so sehr ich es mir auch wünsche. Doch du kennst die Problematik, meine Mutter, ich weiß, dass sie alles versuchen würde, dir auf irgend eine Art und Weise Probleme zu verschaffen. Und genau das möchte ich nicht. Etwas, was ich mit mir selbst nicht vereinbaren kann. Ich würde es mir niemals verzeihen können und Du mir wahrscheinlich auch nicht.
Doch nach all den Gesprächen dir wir führten und Du mir Mut gegeben hast, dass es Dir egal ist was meine Mutter erzählt und ich trotzdem mitkommen soll, werde ich da bleiben. Denn seit unserem gemeinsamen Wochenende in Wien hat sich oder haben wir uns verändert. Du gibst mir das starke Gefühl das Du mich nicht mehr dabei haben willst und wir reden auch nicht mehr darüber.
So weh es auch tut, muss ich wohl von Dir loslassen und irgendwie versuchen damit klar zu kommen.
Früher fand ich die Unnahbarkeit bis zu einem gewissen Grad interessant, vor allem, wenn ich es selber war. Heute ist es fast eine Qual, diese Unnahbarkeit aufrecht zu erhalten. Da ist sie wieder, meine Mauer. So unerwartet, wie es Dir gelungen war, hinter diese Mauer zu gelangen, so schnell wirst Du sie wieder verlassen. Nur wirst Du sie bei Deiner Abreise nicht abreissen. Vielmehr werde ich noch eine weitere Reihe Steine setzen. Vielleicht in der Hoffnung, das, was Du dagelassen hast, die Erinnerung, nicht herauszulassen. Oder aber, dem nächsten nach Dir das Überwinden noch schwerer zu machen. Die eigene Stärke wieder herzustellen und zu demonstrieren mit dieser Festung. Eigentlich ein Zeichen von Schwäche. Nur um keine Schwächen zu zeigen.
Du warst sie wert, diese Erfahrungen, während dieser Zeit. Nichts kann mir das Erlebte nehmen. Genommen ist mir die Illusion, tiefes Glück empfinden zu können, ohne sich anderen wirklich zu öffnen. Genommen die Möglichkeit, sich hinter meinen Mauern zu verstecken, niemanden an mich heran zu lassen und sich dadurch zwar einer der schönsten Erfahrungen zu berauben, sich im Gegenzug aber große Enttäuschungen zu ersparen. Einsamkeit ist ein hoher Preis, den man zahlt, wenn man sich vor zwischenmenschlichen Enttäuschungen schützen will, indem man erst gar nicht wirkliche Nähe zulässt. Preisverdächtig der Balanceakt, sich und anderen vorzuspielen, glücklich zu sein, alles erreichen zu können, immer gut gelaunt, verständnisvoll, zufrieden zu sein. Keine Hilfe anderer benötigen zu müssen. In der Illusion, alles lässt sich allein meistern und aus jedem Fiasko, selbst umschifft, gestärkt hervorzugehen. Der Preis ist hoch und die Kraft, die man dafür aufwendet. Lohnt sich das?
Ich zweifle manchmal am Sinn dieser Mauer. Das Sitzen auf meinem Hügel und meinen Beobachtungen derer, die wieder einen Blick erhaschen wollen. Irgendwie ist es keine Herausforderung mehr, niemanden herein zu lassen. Sie besteht vielmehr im Gegenteil. Und doch scheint es mir schwerer als jemals zuvor, es zuzulassen. Warum ist Glück nicht endlos, warum mit Unglück verbunden. Ist man bereit für beides?
Du musst gehen. Eine viel zu kurze Zeit, die ich vermisse. Eingetauscht gegen ein vielfaches an Zeit, in der ich Dich vermisse, Dir nah bin und doch so fern.
Ich bemühe mich diese Tage noch mit Dir zu geniessen, so lange Du da bist, aber der Gedanke an die Wirklichkeit holt mich immer wieder ein und es fällt mir so schwer es Dir gegenüber nicht anmerken zu lassen.
Hätte ich einen Wunsch frei, so würde ich Dich darum bitten hier zu bleiben! Doch ich weiss, dass mir das nicht zusteht, das ich nicht das Recht dazu habe und so bleibt mir nichts anderes zu tun als Dich mit schweren Herzen gehen zu lassen.
Stefan, ich und auch Fabian (der Dich ebenso in sein Herz geschlossen hat) werden dich ganz toll vermissen und ich werde Dich für immer tief im Herzen tragen, voller Dankbarkeit!!
Ich wünsche Dir für die Zukunft alles Liebe und Gute, dass Du weiterhin beruflich Erfolgreich bleibst und natürlich auch Gottes reichen Segen.
In Liebe und Dankbarkeit
Nicole