Hallo Lehrerin,
ich denke, dass es keine gute Idee wäre, mit den Eltern zu sprechen. Zumindest zu diesem Zeitpunkt. Denn Sie wissen ja scheinbar nicht, wer hinter den Vergewaltigungen steckt. Und wenn das öfter der Fall ist, liegt die Vermutung nahe, dass der Täter aus der Familie stammt. Und dann wäre es unter Umständen keine Hilfe für das Mädchen, wenn Sie mit den Eltern sprechen.
Reden Sie nochmal mit dem Mädchen. Vielleicht sagen Sie ihr ihre Vermutung, signalisieren Sie ihr aber auf jeden Fall, dass Sie für sie da sind. Sie könnten ihr Ihre Telefonnummer geben oder so, dass sie im Notfall einen Ansprechpartner haben. Geben Sie ihr Adressen vom KSB oder vom Schulpsychologen, dann weiß sie, an wen sie sich notfalls wenden könnte.
Verlieren Sie nicht den Mut und überstürzen Sie nichts. Das Schlimmste, was Ihnen jetzt passieren könnte, ist, dass Sie das Mädchen überfordern und verschrecken. So hart das klingt, auf ein paar Wochen kommt es jetzt nicht an, wichtig ist, dass sie Vertrauen zu jemanden findet.
Und sie wissen ja nicht, ob der Verdacht der Vergewaltigung stimmt. In Schulen wird immer viel erzählt. Aber das Ritzen ist auf jeden Fall ein Hilfeschrei.
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg!