Hallo Gast,
hier geht es kaum um juristische Spitzfindigkeiten. Ob er später mal wegen Vergewaltigung verurteilt wird oder nicht, spielt im Moment keine Rolle. Wichtig ist, wie du die Tat empfindest. Und an dem, was du schreibst, sieht man schon klar seelische Wunden.
Das war ein Ausbruch von Gewalt, der so in einer Beziehung nicht stattfinden darf. Dein Freund hat ein schwerwiegendes Problem und du musst zusehen, dass er dich nicht als Punchingball für seine Ausbrüche missbraucht.
Sicher ist er ein lieber Kerl, sonst wärst du nicht mit ihm zusammen. Du musst verstehen, dass diese Ausbrüche trotzdem ein Teil von ihm sind. Das ist wie bei Jekyll und Hyde. Er hat eine gute Seite, aber in ihm steckt auch das Monster und das wird nicht einfach weggehen. Wenn überhaupt, dann braucht er psychologische Unterstützung in Form eines Antiaggressionskurses.
Es ist so, für das Monster ist die Schwelle nun schon ein Stück niedriger und es wird ihm leichter fallen die Kontrolle zu übernehmen. Das war nur der erste Ausbruch. Weitere werden folgen. Und so lieb er auch sonst ist, niemand hat verdient in ständiger Angst vor einem Monster leben zu müssen. Es gilt also im Moment in erster Linie dich zu schützen.
Das Beste wäre, wenn du eine Weile bei deinen Eltern wohnen könntest. Erstmal raus aus der Gefahrenzone. Kriegst du das hin?
Dann solltest du dir Hilfe bei einer Beratungsstelle holen. Das ist wirklich nur eine Unterstützung. Dort wird nichts über deinen Kopf hinweg entschieden - zum Beispiel im Hinblick auf eine mögliche Anzeige.
Die Sozialarbeiterinnen dort kennen sich mit solchen Situationen aus und können dir beistehen. Auch wenn du keine Anzeige machen willst und bei ihm bleiben willst, wird man dir helfen. Man kann dir mit Tipps weiterhelfen, wie du deinen Freund dazu bekommst sich selbst Hilfe zu holen.
Es ist sehr schwer über eine solche Tat zu reden. Das wissen die Frauen dort sehr gut. Es geht allen ihren Klienten so. Darum sind sie einfühlsam, geben dir die Zeit, die du brauchst. Sie werden dir kleine Brücken bauen, sodass es dir leichter fällt zu reden.
Eine Frauenberatungsstelle in deiner Nähe findest du unter dieser Adresse:
BV Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe
Du fragst, ob es eine Vergewaltigung war. Weißt du, es ist egal, wie man es nennt. Es war auf jeden Fall eine wirklich gemeine Demütigung. Allein seine Worte müssen sehr weh tun. Und dann der Moment der Hilflosigkeit. Er hat dich ja mit Gewalt festgehalten. Das richtet ein großes Durcheinander in der Seele an. Auf juristischer Ebene kann man da vielleicht diskutieren, aber Tatsache ist, dass er völlig deine Grenzen missachtet hat und dass er dich seelisch wie körperlich verletzt hat. Das darf in einer Beziehung einfach nicht sein.
Vielleicht kannst du ihm eines Tages verzeihen. Das ist deine Entscheidung. Aber für den Moment solltest du deine Wunden wahrnehmen und dich um ihre Heilung kümmern, sonst wirst du ein Leben lang darunter leiden. Das geht viel leichter mit einem Profi an deiner Seite, der weiß, wie so eine Heilung aussehen kann.
Ich wünsche dir ganz viel Kraft und den Mut für dich einzustehen und dir Hilfe zu holen.
Tuesday