Anzeige(1)

  • Liebe Forenteilnehmer,

    Im Sinne einer respektvollen Forenkultur, werden die Moderatoren künftig noch stärker darauf achten, dass ein freundlicher Umgangston untereinander eingehalten wird. Unpassende Off-Topic Beiträge, Verunglimpfungen oder subtile bzw. direkte Provokationen und Unterstellungen oder abwertende Aussagen gegenüber Nutzern haben hier keinen Platz und werden nicht toleriert.

Vergewaltigt (Triggerwarnung) Erinnerungen kommen immer wieder

_jule_

Mitglied
Hallo zusammen.
Zum ersten Mal teile ich meine Erlebnisse. Habe mich bisher niemandem anvertraut.
Ich bin heute nach dem Feierabend meinem Vergewaltiger fast in die Arme gelaufen.
Vor einiger Zeit bin ich umgezogen und er damals auch (weiß/wusste aber auch nicht wohin). Ich dachte ich muss ihn nie wieder sehen.
Als es passierte war ich 15 Jahre alt, er 18 oder 19 (kannte ihn durch einen Kumpel). An vieles kann ich mich nicht mehr erinnern, da ich Ohnmächtig wurde. Aber die Schmerzen danach werde ich wohl nie vergessen. Ich habe mich so benutzt gefühlt. Manchmal "wünsche" ich mir eine Erinnerung an diesen Abend. Ich weiß nicht ob ich mir dadurch eine bessere Verarbeitung erhoffe?
Dadurch das er damals nur wenige Wochen danach weggezogen ist, bin ich ihm nicht mehr über den Weg gelaufen und konnte es gut verdrängen.
Bis heute.
Der Schmerz und kurze Erinnerungsstücke waren sofort wieder da.
Schuldgefühle tauchen wieder auf. Vielleicht habe ich damals nicht deutlich genug gesagt, dass ich das nicht möchte? Mich nicht richtig gewehrt?
Die Beziehungen nach diesem Vorfall hielten nicht länger als 1 Jahr. Ich konnte den Sex nicht genießen, was meistens nicht verstanden wurde und habe versucht das erlebte zu verarbeiten.
9 Jahre später, ich war gerade 24, wurde ich erneut vergewaltigt.
Mit der Brutalität habe ich noch heute (bin mittlerweile 30) zu kämpfen.
Ich habe mich gewehrt. Mit allen Mitteln.
Er hat mich geschlagen, mir in den Bauch geboxt, meine Hände hinter dem Rücken gefesselt und mir irgendetwas über den Kopf gezogen und meinen Slip zerrissen.
Ich habe versucht meine Oberschenkel zusammenzupressen, habe ihn getreten. Habe ihn irgendwann sogar angebettelt mich gehen zu lassen.
Aber das hat ihn nur wilder gemacht.Es wurde immer schmerzhafter. Jedes erneute Eindringen war unerträglich.
Ich dachte, das ich da nicht mehr lebend rauskomme.
Es hat eine Menge in mir zerstört. Warum nur? Warum musste es ein zweites Mal passieren? Gerade heute kommen diese Fragen wieder hoch.
Ich wollte einfach nur meine Erlebnisse von der Seele schreiben. Vielleicht hilft es mir.
Falls es jemand gelesen hat: Danke für deine Zeit.
 

Anzeige(7)

Werwiewas

Aktives Mitglied
Liebe _jule_, das tut mir so leid, was dir passiert ist, das ist wirklich furchtbar.

Machst du eine Therapie? Falls nicht, wäre es sehr wichtig, damit du über all das mit jemandem sprechen kannst, der/die dir Hilfestellung geben kann, wie du damit fertig werden kannst. Ich glaube, ohne das geht es nicht, weil sexueller Missbrauch tiefe Spuren hinterlässt und dein ganzes Leben beeinträchtigen kann. Einfach nur verdrängen wollen funktioniert leider nicht.

Falls du noch nichts in der Richtung machst, wäre vielleicht auch eine Selbsthilfegruppe/-forum hilfreich. Du bist nämlich nicht allein, es gibt leider viele Betroffene. Und sehr viele davon haben lange die Schuld bei sich gesucht, aber bei den Geschichten der anderen wurde ihnen klar, dass immer der Täter schuld ist.
 

momo28

Moderator
Teammitglied
Es tut mir sehr Leid, dass dir so Schreckliches passiert ist.
Du hattest zwei sehr traumatische Erlebnisse, die vieles in der zerstört haben.
Hast du jemals an eine Therapie gedacht, um das Erlebte besser verarbeiten zu können?
Das kann sehr hilfreich sein.
 

_jule_

Mitglied
Liebe _jule_, das tut mir so leid, was dir passiert ist, das ist wirklich furchtbar.

Machst du eine Therapie? Falls nicht, wäre es sehr wichtig, damit du über all das mit jemandem sprechen kannst, der/die dir Hilfestellung geben kann, wie du damit fertig werden kannst. Ich glaube, ohne das geht es nicht, weil sexueller Missbrauch tiefe Spuren hinterlässt und dein ganzes Leben beeinträchtigen kann. Einfach nur verdrängen wollen funktioniert leider nicht.

Falls du noch nichts in der Richtung machst, wäre vielleicht auch eine Selbsthilfegruppe/-forum hilfreich. Du bist nämlich nicht allein, es gibt leider viele Betroffene. Und sehr viele davon haben lange die Schuld bei sich gesucht, aber bei den Geschichten der anderen wurde ihnen klar, dass immer der Täter schuld ist.
Danke, für deine Antwort. Nein eine Therapie habe ich nicht gemacht. Ich möchte da einfach anonym bleiben und es auch nicht erzählen müssen.
 

_jule_

Mitglied
Es tut mir sehr Leid, dass dir so Schreckliches passiert ist.
Du hattest zwei sehr traumatische Erlebnisse, die vieles in der zerstört haben.
Hast du jemals an eine Therapie gedacht, um das Erlebte besser verarbeiten zu können?
Das kann sehr hilfreich sein.
Nein, ich war nie in einer Therapie. Möchte es nicht erzählen. Das schreiben hat bereits einige Flashbacks ausgelöst.
 

momo28

Moderator
Teammitglied
Ich kann dich gut verstehen, es ist immer wieder heftig, wenn man durch Flashbacks getriggert wird.

Doch ich vermute mal, dass es nachdem diese schrecklichen Geschehnisse den Weg an die Oberfläche gefunden haben, es für dich immer schlimmer werden wird.

Ich hatte auch viele Jahre versucht zu unterdrücken, was mir angetan wurde, doch der Leidensdruck wurde immer mehr, immer stärker und es kam zu einem Zusammenbruch, der mich komplett aus der Bahn geworfen hat.

Überlege dir, ob du dich nicht einfach schon einmal umschaust, ob es in deiner Umgebung Traumatherapeuten gibt. Das könnte dir evtl. wenigstens eine zeitlang Sicherheit geben.
 

_jule_

Mitglied
Ich kann dich gut verstehen, es ist immer wieder heftig, wenn man durch Flashbacks getriggert wird.

Doch ich vermute mal, dass es nachdem diese schrecklichen Geschehnisse den Weg an die Oberfläche gefunden haben, es für dich immer schlimmer werden wird.

Ich hatte auch viele Jahre versucht zu unterdrücken, was mir angetan wurde, doch der Leidensdruck wurde immer mehr, immer stärker und es kam zu einem Zusammenbruch, der mich komplett aus der Bahn geworfen hat.

Überlege dir, ob du dich nicht einfach schon einmal umschaust, ob es in deiner Umgebung Traumatherapeuten gibt. Das könnte dir evtl. wenigstens eine zeitlang Sicherheit geben.
Danke dir. Ich werde mich mal umschauen.
 

grisou

Sehr aktives Mitglied
Nein, ich war nie in einer Therapie. Möchte es nicht erzählen. Das schreiben hat bereits einige Flashbacks ausgelöst.
es ist einfach schrecklich, was dir passiert ist. und es tut mir so leid. das sollte wirklich niemand erleben müssen.

ich wurde auch zweimal vergewaltigt. ich kann sehr gut verstehen, dass du nicht darüber reden möchtest. das ist auch ein schutz und du darfst der psyche vertrauen. sie wird freigeben, was sie kann und was dich nicht überfordert.

als mir das zum ersten mal passiert ist, war ich schon in therapie und habe meinem therapeuten vertraut, aber erzählt habe ich nichts. alles in mir war wie ein tsunami. ich hatte gar keine worte dafür. alles war bedrohlich. man kann nicht mitten im sturm schon das haus reparieren. erst mal den sturm überstehen.

mit dem schreiben hier bist du schon einen ersten schritt gegangen. und vielleicht braucht es jetzt zeit, um den zu verdauen.

therapie ist nicht gleich therapie.

du hast hier schon mehr erzählt, als ein therapeut normalerweise von dir erwarten würde. (und was du hier geschrieben hast, kannst du ausdrucken und mitnehmen).

es reicht zu sagen, mir ist was schreckliches passiert. mir geht es nicht gut.

dann geht es zunächst darum zu schauen, wie kannst du im alltag wieder stabil werden. es gibt techniken, die helfen mit den flashbacks. man kann schauen, was braucht man, um wieder sicherheit zu bekommen. der therapeut kann dir erklären, was im körper bei einem trauma passiert und warum du so reagierst. sich selbst zu verstehen, gibt oft sicherheit.

das letzte was ein therapeut möchte (jedenfalls wenn er seinen job versteht) ist neue flashbacks auslösen und wenn, dann viel später unter kontrollierten bedingungen. also heute kann ich in situationen reingehen und auch wenn es sehr heftig ist, ich kann sie nach der stunde abschließen und sicher nach hause gehen. das habe ich gelernt.

es ist ein großer irrtum, man hört es leider oft, man müsse über das trauma sprechen. das stimmt so nicht. irgendwann ist man so stabil, dass die psyche das bedürfnis hat darüber zu reden, weil das gehirn so ordnung ins chaos bringt und abschließen kann, aber in keiner weise muss man darüber reden, um es zu verarbeiten. im gegenteil, am anfang wird ein traumatherapeut eher stoppen und bitten, nicht darüber zu reden. erst muss man stabil sein und dann braucht man die richtigen gelernten und geübten techniken, um mit heftigen gefühlen umgehen zu können.

hier zu schreiben ist ein guter schritt richtung heilung. atme erst mal durch. komm an in dem gefühl, dass nichts schlimmes passiert ist. keiner hat dich verurteilt, dich angegriffen und die flashbacks sind sehr schlimm, aber du hast sie überlebt. das ist ganz ganz viel, was du geschafft hast.

und mit jedem schritt wird es ein bisschen leichter.

hier sind so viele menschen, die wissen, was du durchmachst. die kennen die scham, die angst, das chaos, die wut (kannst du schon auch ein bisschen wut fühlen?). du bist erst mal angekommen. wirst verstanden. und das reicht erst mal. prügle dich nicht vorwärts. das bringt nichts.

Ich nehme an, du lebst jetzt allein? Kannst du arbeiten gehen? Wie kommst du im Moment im Alltag klar? Magst du erzählen? Nicht darüber, was dir passiert ist, sondern darüber, wie es dir jetzt geht.
 

_jule_

Mitglied
es ist einfach schrecklich, was dir passiert ist. und es tut mir so leid. das sollte wirklich niemand erleben müssen.

ich wurde auch zweimal vergewaltigt. ich kann sehr gut verstehen, dass du nicht darüber reden möchtest. das ist auch ein schutz und du darfst der psyche vertrauen. sie wird freigeben, was sie kann und was dich nicht überfordert.

als mir das zum ersten mal passiert ist, war ich schon in therapie und habe meinem therapeuten vertraut, aber erzählt habe ich nichts. alles in mir war wie ein tsunami. ich hatte gar keine worte dafür. alles war bedrohlich. man kann nicht mitten im sturm schon das haus reparieren. erst mal den sturm überstehen.

mit dem schreiben hier bist du schon einen ersten schritt gegangen. und vielleicht braucht es jetzt zeit, um den zu verdauen.

therapie ist nicht gleich therapie.

du hast hier schon mehr erzählt, als ein therapeut normalerweise von dir erwarten würde. (und was du hier geschrieben hast, kannst du ausdrucken und mitnehmen).

es reicht zu sagen, mir ist was schreckliches passiert. mir geht es nicht gut.

dann geht es zunächst darum zu schauen, wie kannst du im alltag wieder stabil werden. es gibt techniken, die helfen mit den flashbacks. man kann schauen, was braucht man, um wieder sicherheit zu bekommen. der therapeut kann dir erklären, was im körper bei einem trauma passiert und warum du so reagierst. sich selbst zu verstehen, gibt oft sicherheit.

das letzte was ein therapeut möchte (jedenfalls wenn er seinen job versteht) ist neue flashbacks auslösen und wenn, dann viel später unter kontrollierten bedingungen. also heute kann ich in situationen reingehen und auch wenn es sehr heftig ist, ich kann sie nach der stunde abschließen und sicher nach hause gehen. das habe ich gelernt.

es ist ein großer irrtum, man hört es leider oft, man müsse über das trauma sprechen. das stimmt so nicht. irgendwann ist man so stabil, dass die psyche das bedürfnis hat darüber zu reden, weil das gehirn so ordnung ins chaos bringt und abschließen kann, aber in keiner weise muss man darüber reden, um es zu verarbeiten. im gegenteil, am anfang wird ein traumatherapeut eher stoppen und bitten, nicht darüber zu reden. erst muss man stabil sein und dann braucht man die richtigen gelernten und geübten techniken, um mit heftigen gefühlen umgehen zu können.

hier zu schreiben ist ein guter schritt richtung heilung. atme erst mal durch. komm an in dem gefühl, dass nichts schlimmes passiert ist. keiner hat dich verurteilt, dich angegriffen und die flashbacks sind sehr schlimm, aber du hast sie überlebt. das ist ganz ganz viel, was du geschafft hast.

und mit jedem schritt wird es ein bisschen leichter.

hier sind so viele menschen, die wissen, was du durchmachst. die kennen die scham, die angst, das chaos, die wut (kannst du schon auch ein bisschen wut fühlen?). du bist erst mal angekommen. wirst verstanden. und das reicht erst mal. prügle dich nicht vorwärts. das bringt nichts.

Ich nehme an, du lebst jetzt allein? Kannst du arbeiten gehen? Wie kommst du im Moment im Alltag klar? Magst du erzählen? Nicht darüber, was dir passiert ist, sondern darüber, wie es dir jetzt geht.
Vielen Dank für deine Antwort und deine Erfahrung mit der Therapie. Zu wissen, das man nicht alleine damit ist tut gut.
Anhand deiner Beschreibung/Erfahrung zur Therapie merke ich, dass ich eine totale Abwehrhaltung darüber hatte.
Ich wohne zusammen mit meinem Freund (habe es ihm gestern Abend zum ersten Mal berichtet, allerdings nicht so ausführlich wie hier geschrieben, es ist mir nicht leicht gefallen). Ich gehe arbeiten, die Ablenkung hat mir schon immer gut getan, zu Hause würde mir ansonsten die Decke auf den Kopf fallen. Manchmal sind es nur kleine Dinge/Bewegungen die mich komplett aus dem Alltag werden.
 

Anzeige (6)

Ähnliche Themen

Anzeige (6)

Anzeige(8)

Gastraum
Regeln Hilfe Benutzer
  • H (Gast) hanali
  • Chat Bot:
    Raumnachrichten wurden entfernt!
  • Chat Bot:
    Gast Kajak hat den Raum betreten.
  • (Gast) Kajak:
    Hallo
    Zitat Link
  • @ Otter:
    Hey
    Zitat Link
  • (Gast) Kajak:
    Habe ich es verdient zu sterben?
    Zitat Link
  • (Gast) Kajak:
    Ich weiß nicht, ob ich es noch verdiene zu Leben
    Zitat Link
  • Chat Bot:
    Gast hanali hat den Raum betreten.
  • (Gast) hanali:
    Doch, hast du!
    Zitat Link
  • (Gast) hanali:
    Jeder hat das. Wenn er/sie sich anstrengt, ein gutes Leben zu führen
    Zitat Link

    Anzeige (2)

    Oben