Hallo Gast,
Es ist immer wieder sehr traurig und frustrierend von dem Leid zu hören, was einige Soziopathen, wie dieser Kerl, der dir das angetan hat so anrichten können. DAher möchte ich dir mein Mitgefühl aussprechen und dir einige Dinge nahelegen, damit du es bist, die am Ende gewinnt, nicht dieser Straftäter!
Leider ist es so, dass Verdrängen überhaupt nichts bringt. Du hast das ja auch schon mitgekriegt...die Auswirkungen: Autoaggression, psychische Instabilität etc. sprechen ja eine deutliche Sprache. Der einzige Weg da raus ist ein Sprung nach vorn, über alles zu reden, den gesamten Seelenschmerz und Seelenmüll rauszulassen, damit er dich nicht innerlich zerfrisst.
Die bei Gewaltopfern üblichen Scham- oder Schuldgefühle blockieren zwar, sollten aber auf jeden Fall überwunden werden. Du musst dir für dich innerlich klar machen, dass dich keinerlei Schuld an diesem Verbrechen trifft. Eine Vergewaltigung, sexueller Missbrauch einer Minderjährigen ist eine Straftat und der Täter gehört hinter Gitter. Extrem schändlich ist es das Vertrauen eines Kindes zu missbrauchen und es zum Objekt der Triebbefriedigung zu erniedrigen. Es geht hier um Macht, um Unterdrückung, dir wurde mit der Tat mitgeteilt: du bist nix wert, hast nicht die Freiheit der Selbstbestimmung und bist Sklavin eines fremden Willens und Waltens über dich...Das ist nicht o.K. denn kein Mensch auf dieser WElt, auch und gerade Familienangehörige etc. haben kein Recht über dich und deinen Körper zu bestimmen. Nur du allein darfst das! Es darf auch nicht sein, dass der Täter so davonkommt und du stattdessen durch dein Leiden bestraft wirst, oder noch einen draufsetzt, indem du dich selber mit Ritzen etc. bestrafst. Aus diesem Zirkel ungünstiger Verhaltensweisen hilft dir nur viel Arbeit an deinem Selbstbewusstsein und zerschundenem Selbstwertgefühl und eine gute Traumatherapie...Klinik für ein paar Wochen kann gar nicht mal so übel sein (wurde denn eine Depression od.ä. diagnostiziert, oder wer hat dazu geraten?) dann ambulante Behandlung und psychologische Betreuung ist an sich schon der richtige Weg. Gut ist auch dein Schritt hier ins Forum, du kannst dich unangemeldet oder auch registriert vollkommen anonym hier aussprechen und auch mit Leidensgenossinnen austauschen, was dir ggf. auch sehr gut tun wird.
Wichtig ist es auch einzusehen, dass du damit anfangen musst dir selber zu helfen, damit dir andere helfen können, d.h. es kommt entscheidend darauf an, dass du bei der aktiv Thera mitmachst. So schmerzhaft es auch sein mag traumatische ERinnerungen nochmals zu durchleben...man muss an den Kern der Sache heran, um Kontrolle darüber zu erlangen. D.h. ruhig offen über alles reden...SChamgefühle sind ein Luxus, den man sich in einer Thera nicht leisten kann. Oft denken Gewaltopfer auch: ich möchte andere nicht mit meinen Dingen belasten oder so....Dieser Gedanke ist in einer Thera total fehl am Platze..denn Psychologen etc. haben überhaupt kein Problem damit mal ein wenig belastet zu werden...bzw. für die ist es an sich keine Last, sondern Job..und ich denke die sollten ruhig mal ordentlich was zu tun kriegen...also keine falsche Scham oder Scheu den kompletten Seelenschmerzberg da mal abzuladen und da zu lassen! Du kannst dort völlig offen sein, schreien und toben, heulen, brauchst nicht darüber nachzudenken wie du was sagst und was du sagst, sondern es einfach raussprudeln lassen...wird alles vollkommen vertraulich behandelt und dir auch nicht zur Last gelegt oder so..Also wovor fürchtest du dich eigentlich? Kann natürlich sein, dass du Angst davor hast glücklich bzw. glücklicher zu werden...kommt auch vor aus verschiedenen Gründen: mangelndem Selbstwertgefühl, dass man denkt: ich hab nix anderes verdient als Schmerz und Unglück etc, oder die Macht der Gewohnheit hat dich im Griff...auch schlechte Gewohnheiten (wie Ritzen) haben die Eigenart den Glauben zu vermitteln, man hätte damit alles unter Kontrolle, man wäre dadurch in Sicherheit oder so....ist aber leider ein reiner Aberglaube! Und hier kann und sollte man mal Ursachenforschung in einer Therapie machen und diese schiefe Logik zu deinen Gunsten mal etwas gerader rücken.
Ich kann nur sagen: Mädel, das Leben ist kurz und zwar zu kurz um zu lang herumzuleiden. Anstatt dass andere an den SAhnetöpfen des Glücks herumschlabbern zu lassen und dich (insbesondere von einem Mistkerl von V***) in eine dunkle Ecke wegdrängen zu lassen, solltest du schleunigst deinen Hintern bewegen mal die Ellbogen zu benutzen um dich freizukämpfen. Und dazu gehört natürlich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln dein Gewalt-Trauma zu bekämpfen.
Sieh es mal so: entweder lebenslange Hölle, lebenslanger Schmerz und Leid in der Gefangenschaft mit deinem Trauma, oder knallharter und auch schmerzhafter Weg nach draussen, Verarbeitung in einer Therapie, aber danach wird es dir entscheidend besser gehen und du kannst auch wieder ein normales Leben führen. Du hast die WAhl, du mußt dich entscheiden...leider kann dir das niemand abnehmen.
Also mein Rat ist: mach das mit der Behandlung und lass dich doch bei Unsicherheit nochmal zusätzlich persönlich in einer Beratungsstelle für Gewaltopfer beraten über die verschiedenen weiteren Möglichkeiten, die du zusätzlich hast.
Du musst keine Angst haben, denn du bist ja im Grunde nunmehr in Sicherheit, ERinnerungen können zwar schmerzhaft sein, aber dir nix mehr antun...und wenn du diese Erinnerungen gemeinsam mit Therapeuten bearbeitest, bzw. über alles reden kannst was dich bedrückt, über was du dir Gedanken machst etc.werden dir Wege gezeigt, wie du besser damit umgehen kannst. Also hab ein wenig Vertrauen zu dir selber und auch zu den Fachärzten und mach ruhig mal...du wirst das schon schaffen!
LG
Tyra