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Verdrängung, wer kennt das?

  • Starter*in Starter*in ich halt
  • Datum Start Datum Start
Smallmum meinte:
Oje, das kenn ich zu gut. Wenn das Verdrängte dann kommt und ich reden will, dann sagen alle du lebst jetzt und nicht in der Vergangenheit. Aber oft ist das Vergangene die reine momentane Realität. Es versteht keiner.
Mich holt immer wieder die vergangenheit mit meiner mutter ein. Ich wollte eine therapie machen, aber da geht keiner ran, weil einfach zu schwierig ist.
Ich fühle mich ungeliebt und mir fällt es daher auch sehr schwer eine Bindung zu jemanden aufzubauen. Ich bin erst 41 und darf garnicht dran denken, wie es je weiter gehen soll. Ich lasse auch niemanden an mich ran um nicht verletzt zu werden. Wer mich haben will braucht sehr viel geduld.
Smallmum
AW: Verdrängung, wer kennt das?

Hallo Smallmum,
dein Beitrag hat mich sehr berührt, denn so wie Dir ging es mir auch. Jemand der es nicht selbst erlebt kann das nicht verstehen. Ich hatte lange Zeit arg mit Flashbacks zu tun und sie haben mich sehr geängstigt. Ich bin den Weg über die Therapie gegangen, allerdings bin ich arg abgestürzt, das nichts mehr ging. Ich hatte zu keinem mehr Vertrauen, habe total verdreht gedacht (und habe das sogar gemerkt, konnte es aber nicht grade rücken) und habe Panikattaken bekommen. Medikamente, Krankenhausaufenthalte, weitere Therapien folgten (an die eigentliche Problematik wollte aber auch keiner). An eine Beziehung war gar nicht zu denken. Ich habe mich auch total ungeliebt gefühlt und habe das auch an mir ausgelassen (Stichwort Selbstverletzung). Zu dem Zeitpunkt dachte ich, das es sich niemals ändern wird und ich mein Leben verpasse. Um es kurz zu machen, ich habe jemand kennengelernt, mit dem das Unmögliche möglich wurde, aber es ist ein steiniger Weg. Der Partner braucht viel Geduld und geht oft durch ein Wechselbad der Gefühle. Oft frage ich mich wie er es aushält, wenn ich mich von einem auf den anderen Moment so verändere und ihn dann auch anfeinde. Ich bin dann, ausgelöst von Belanglosigkeiten, von jetzt auf gleich in einer anderen Zeit und kann es nicht steuern. Jegliche Nähe löste früher bei mir diese Flashbacks aus und ich bin diesen Situationen aus dem Weg gegangen, weil sie mir Angst machten. Folge: ein einsames Leben! Nicht falsch verstehen, ich hatte Freunde und keiner hat was von meinen Problemen geahnt. Meine Eigenarten wurden mir nachgesehen. Mein Partner ist mit mir den Weg gegangen, indem er sich nicht schocken lassen hat und einfach blieb. Er hielt mich fest, wenn ich ihn wegstieß und nahm Anteil an dem was ich gerade erlebte. Im Prinzip war er meine Therapie. Heute kann ich Nähe zu ihm genießen. Flashbacks habe ich auch heute noch, aber sie ängstigen mich nicht mehr wie früher. Ich weiß mit umzugehen. Ganz wichtig ist glaube ich aber auch die Vergangenheit zu akzeptieren. Nicht verdrängen, sondern sagen ja das ist mein Leben, jetzt stehe ich hier und was kann ich tun. Ich will mein Leben selbst gestalten und nicht mehr die Geisel meiner Vergangenheit sein. Ich will Dir Mut machen und sagen, das alles Möglich ist. Ich wünsche Dir ganz viel Glück und den Mut die Dinge anzugehen. Lass Dich nicht unterkriegen….
 
Hallo animo,
das, was du von der Thera erzählst kenne ich auch. In dem Moment wo ich die Erinnerungen zugelassen habe und erkennen mußte, dass sie zu meinem Leben gehören bin ich auch gestürzt. Ich habe mich fallen lassen - in der Hoffnung, das ich einen guten Therapeuten habe der den Aufschlag abdämpfen kann und in der Hoffnung, dass ich doch eigentlich ein Mensch bin der - von was auch immer - gut beschützt ist.
Ich bin mit Depressionen und Suizidverhalten in die Klinik gegangen, habe dort erst einmal meine Angst kennenlernen dürfen (habe ich nie zugelassen) und ambulant wollte ich unbedingt wissen warum die da ist. Ich habe meine ersten Panikattacken in der ambulanten Thera gehabt, habe tagelang nur geweint und viele Verletzungen die mir im Leben zugefügt wurden einzeln beweint und bedauert. Ja - die Vergangenheit erkennen, annehmen, bearbeiten und, ganz wichtig, loslassen - dabei hilft mir mein Therapeut.
Ich glaube ich hatte das Glück einen Super-Therapeuten gefunden zu haben. Alleine wäre ich heute nicht hier und würde schreiben. Ja, ich hatte einen Therapeuten der sich nicht gescheut hat "an die eigentliche Problematik" heranzugehen, aber auch erst in dem Moment als ich gesagt habe - ich habe die Schnauze voll, ich will die Dinge jetzt beim Namen nennen.
Also - Mut, ja Mut brauchte ich eine ganze Menge. Und - Mut wünsche ich allen die sich auf den Weg machen ihre Verdrängungen nochmals zu erleben um sie dann als, doch überwiegend, traurigste Ereignisse, im Gedächnis zu behalten und zu akzeptieren.
Ich glaube auch, dass es Menschen gibt die ihre Verdrängungen alleine bearbeiten können - doch irgendwie bedaure ich diese Menschen. Du hast die Hilfe deines Freundes bekommen, ich die Hilfe des Therapeuten - es ist doch schön wenn wir Menschen finden die uns helfen - und wenn wir nicht alleine vor unseren Problemen und Lebensaufgaben stehen.

Alles Liebe und viel Mut im Leben
Der Lichtblick
 
Hallo Lichtblick,
schön das Du auch Deinen Weg gefunden hast. Lichtblick ist schön, sucht man in den schwarzen Zeiten doch so sehr danach. Du hast Recht, es ist schön, wenn wir Menschen finden, die uns helfen und ich muss sagen, bei mir waren es sogar eine ganze Reihe. Irgendwie war es immer so, das wenn ich dachte jetzt geht gar nichts mehr, sich irgendwo eine Tür öffnete. Ich hatte verschiedene Therapien. Meine erste war eine Verhaltenstherapie, die mir sehr gut getan hat, was das Fachliche angeht. Leider gab es einen Vertrauensbruch zwischen meiner Therapeutin und mir, an dem ich nachhaltig zu knabbern hatte. Es folgten Klinikaufenthalte und ambulante Therapien mit einer Therapeutin die sehr beharrlich war (Beharrlichkeit ist mein Schlüssel zum Vertrauen) und die mich nach und nach wieder aufgebaut hat. Sie hat sozusagen den Grundstein gelegt. Zusätzlich bin ich in eine WG gezogen, zu einem mir völlig fremden Mann. Weiß auch nicht was mich da geritten hat, aber das war ohne wirklich zu überlegen und ging ratzfatz. Ich weiß noch wie ich bei meinem Einzug in meinem Zimmer gesessen habe und gedacht habe: „Wie konntest Du das nur tun?“ Es war absolut gut, denn ich habe dort gelernt, mit jemanden zusammenzuwohnen ohne mich bedroht zu fühlen. Erste Zeit war aber schwierig. Durch Zufall bin ich an eine Mitarbeiterin geraten, die Rehaanträge stellt. Mein Therapeut war krank. So kam ich über Umwege zu einer Umschulung. Durch die Umschulung bin ich ich 400 km von meinem Heimatort weggezogen. Die räumliche Distanz tat mir gut und letztendlich habe ich dort meinen Freund kennen gelernt. Du siehst es ist nicht nur mein Freund gewesen, aber wie soll ich sagen? Ich fühlte mich früher so fremd, nicht geliebt und wahr genommen. Ich hätte mir nie träumen lassen, das ich einem Menschen so vertrauen könnte und das Liebe so ein starkes Gefühl ist. Ich habe es immer gehofft und war froh, als eine Patientin mit ähnlicher Symtomatik eine Beziehung einging (mit 37 Jahren Ihre Erste und sie sind inzwischen schon 6 Jahre verheiratet). Es gab mir Hoffnung, denn ich litt sehr darunter so beziehungsunfähig zu sein. Und wenn sie es konnte, konnte ich es vielleicht auch?!? Ich bin nach wie vor schwierig, was die Beziehung angeht, aber wir gehen unseren Weg. Und ich glaube sehr daran, wenn sich eine Tür schließt öffnet sich eine Andere…
Wie geht es Dir heute? Bist Du noch in Therapie? Wie meisterst Du Deinen Alltag. Nehme mal an, das Du nicht Symtomfrei bist. Ich wünsche Dir, das Du immer eine helfende Hand in Deiner Nähe hast, Dir auch alles Liebe animo
 
Hallo animo,
war einige Tage abgetaucht und habe jetzt deine Worte gefunden.
Ja, es ist schon gut die passenden Menschen zur passenden Zeit zu finden.
Wie es mir im Moment geht? Nein, ich bin nicht symptomfrei - im Moment überhaupt nicht. Meine Therapie läuft jetzt so langsam aus. Ich habe mir eine Arbeit gesucht, ich weiß, dass ich noch "einen Knoten" zu lösen habe, komme an den aber nicht heran - ich agiere aus, stelle mich tot, bin überfordert und bekomme dieses Spagat zwischen Arbeit-freundlich und gefühlstechnisch in Aufruhr nur mit größter Kraftanstrengung hin. Ich kämpfe mal wieder und hoffe irgendwie auf die guten Mächte in denen ich wunderbar geborgen bin (frei nach Bonhoeffer). Ich sehe sie im Moment aber leider nicht - ich kann mal wieder, wie so oft in den letzten Jahren einfach nur stürzen und schauen, was dabei herauskommt. Also alles in allem - irgendwie Schei......
Aber ich will und werde nicht aufgeben. Ich habe ja schon bessere Tag erlebt. Was ich im Moment noch nicht kann sind Beziehungen eingehen. Ich habe eine riesengroße Distanz zu den Menschen und checke sehr genau ab was auf mich zukommt - manchmal wohl auch zu lange oder zu genau. Ich habe eben noch viel Angst.
Mal schauen wie es weitergeht - aber aufgeben, das gibt es nicht - das Leben ist ein Geschenk und so will ich damit auch umgehen (gut manchmal gibt es Geschenke die mir nicht gefallen, aber auch die werfe ich nicht weg)
Ich wünsche Dir viele gute Stunden und Kraft für die trüben Stunden die ja immer mal wieder kommen werden
Der Lichtblick
 
Hallo Lichtblick,
es tut mir total Leid, das es Dir so schlecht geht, ich kann was Du schreibst voll nachfühlen, da es mir früher genauso ging. Und glaub mir, ich bin JEDEN Tag dankbar, das ich da durch bin. Ich kenne noch schlechtere Tage, aber nicht mehr die Hölle von früher. Erst gestern habe ich mich mit Kollegen gestritten, weil sie einfach nicht wissen wie das Leben noch sein kann. Ich muss dazu sagen, wir machen viele Überstunden und unser Chef ist nicht immer einfach. Aber MIR geht es dort meistens gut, da die Arbeit überschaubar und nicht stressig ist. Es muss halt an dem Tag alles fertig gemacht werden, an dem die Arbeit anfällt und wenn man bis Mitternacht dasteht. Ich kann verstehen, das meine Kollegen sagen, dass ihnen das stinkt, aber entweder ich akzeptier es oder ich muss was verändern. Sie können nicht verstehen, das ich die selbe Situation als gut empfinde. Dafür muss man wahrscheinlich erst schlechteres erlebt haben.
Diese Distanz, von der Du schreibst, kenne ich auch nur zu gut, jahrelang war sie Therapiethema. Ich habe mich damals als gut funktionierende tote Hülle empfunden und jeder war glücklich mit mir. Immer lächelnd, mitfühlend und Verständnis für andere. Ich konnte im Beisein von anderen nie sagen, wie es mir wirklich geht, was ich wirklich fühle (wurde mir allerdings erst später bewusst). Ich habe gelernt, mich zu spüren. Nicht immer einfach für andere und manchmal habe ich noch ein schlechtes Gewissen, wenn ich für meine Rechte eintrete, aber die Zeiten, wo ich immer nur auf andere Rücksicht nehme, sind definitiv vorbei und mir geht es viel besser.
Was die Beziehungsängste angeht, kann ich Dir nur sagen, ich habe es früher für unmöglich gehalten, das ich jemand so nah an mich ranlasse. Keiner durfte mich wirklich sehen. Wenn es Dich interessiert, schreibe ich Dir ein andermal mehr dazu. Muss jetzt leider gleich zur Arbeit. Ich kann Dir nur sagen, ich dachte zwischenzeitlich ich ertrage nicht einen Tag mehr (so extrem bestimmt 4 Jahre, phasenweise mein halbes Leben) und heute geht es mir gut (seit ca. 3? Jahren). Ich kann Dir nur Mut machen, es gibt ein Licht am Ende des Tunnels…
Alles Gute animo
 

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