und das sehe ich wie Schroti - weiß man in der Regel hoffentlich, was auf einen zukommt, wenn man studiert. Und wenn man sich den Ausgaben und Herausforderungen nicht gewachsen fühlt und kurz vor dem Burnout steht, sollte man sich das einfach nochmal überlegen
.
Und woher weiß man das mit 18? Von dem was die Eltern sagen? Ich schreibe das bewusst provokant, denn mehr als 1/3 aller Studenten bricht das Studium ab und sitzt auf Bafögschulden. Die Wahrheit ist doch die, dass viele junge Menschen mit 18 gar nicht wissen, auf was sie sich einlassen. Sei mal ehrlich: Wusstest du mit 18, dass du bis zur Rente im gleichen Job schuftest? Wenn ja, gratuliere ich dir. Dann gehörst du zu den wenigen Menschen, die Entschlossenheit als große Stärke verzeichnen.
Und allerdings gibt es Ausbildungsberufe, wo man nebenbei sehr viel machen muss: alleine was Medienberufe angeht. Da musst du oft neben der Arbeit im Betrieb und über die Schule hinaus Konzepte entwickeln, Entwürfe und Layouts machen oder an Projektarbeiten teilnehmen und auch dafür Dokumentationen und Facharbeiten anfertigen. Alleine oft für Werbepsychologie, Onlinemarketing, Strategieplanung usw. . Und ein Gesamtkonzept neben Logo und Ausarbeitung für ein fiktives Unternehmen zu machen ist neben einer 40 Stunden-Woche auch nicht so toll. Vor allem, wenn du das Zeug dann im "Urlaub" ausarbeiten musst, weil du unter der Woche nicht dazu kommst oder allgemein eine ganz enge Frist dafür hast.
Bei diesen Berufen handelt es sich doch oft um eine schulische Ausbildung. Klar ist das mies, aber wenn du dir vorstellst, dass ein Informatikstudent neben alldem noch arbeiten muss, weil er wirklich gar kein Geld bekommt oder sich das Studium auf 5 Jahre zieht, dann ist das nicht weniger beschissen. Viele verwirken ja ihren Baföganspruch oder bekommen erst gar keins und sollen ihre Eltern verklagen. Wer macht das bitte?
Mein Cousin hat Erzieher gelernt und der musste neben der Ausbildung viele schriftliche Arbeiten verfassen und abgeben. Oder ganz früher, da mussten die angehenden Heilerziehungspfleger meistens völlig unentgeltlich oder sehr mies bezahlt ein Jahr voll arbeiten, um überhaupt die Anerkennung zu erhalten und weitermachen zu dürfen. Da fiel auch übrigens Schulgeld für die Ausbildung an, dass du die überhaupt noch machen durftest.
Meine Schwester ist Erzieherin und ich kenne ihre Hefter und Dokumente. Trotz allem würde ich das nicht mit meinem Masterstudium vergleichen. Die Anforderungen was das wissenschaftliche Arbeiten anbelangt liegen einfach darunter. Bei meiner Schwester hat das Arbeitsamt damals die Ausbildung bezuschusst. Sie musste das Geld nicht zurück bezahlen. Sie hat in der Nähe gelebt und ist dafür nicht umgezogen, hat ihre Praktika absolviert und damit hatte sich die Sache. Krank werden durfte sie nicht, das war S****. Wenn sie länger als 14 Tage krank war, musste sie ein Jahr wiederholen. Das war bei der schulischen Ausbildung so. Dennoch würde ich es nicht mit mir vergleichen wollen. Hat sie auch mehrfach gesagt. Ich hab sehr oft Nachtschichten machen müssen oder tagsüber gearbeitet und hatte davor oder danach noch Pflichtveranstaltungen an der Uni, bei denen man sich aktiv beteiligen musste. Nebenbei noch Hausarbeiten und Referate auszuarbeiten auf wissenschaftlichem Niveau. Im Bachelor hatte ich teilweise 48 bis 50 Stundenwochen. Ganz schlimm war die Prüfungszeit. Da hab ich 20 Stunden die Woche gearbeitet und saß täglich über 8 Stunden an Jura, Entwicklungspsychologie, Soziologie oder Konfliktmanagement und was wir nicht alles hatten.
Es ist also auch nicht so einfach bei Azubis oder so, dass man sagen könnte, dass es einem pauschal meistens wesentlich besser geht in einer Ausbildung.
Man kann hier sicher nicht alle Einzelschicksale über einen Kamm scheren, aber Fakt ist, dass jede Verkäuferin, Sozialassistentin, Tierpflegerin oder jede Friseurin weitaus weniger für die Ausbildung zu tun hat, als ein Student, der nebenher noch schauen muss, seinen Lebensunterhalt zu erkämpfen. Eine Mehrheit der Azubis wird nicht Pilot oder Fluglotse. Ein Großteil geht eher solideren Ausbildungen nach. Man kann das nicht von der Hand weisen. Sicher mag es Ausbildungen geben, die etwas arbeitsintensiver sind, aber erschwerend beim Studium kommt eben die finanzielle und persönliche Selbstorganisation hinzu. Bei der Ausbildung ist es eben sehr viel wahrscheinlicher, dass man noch in der Nähe wohnen kann und doch einen kleinen Obolus bekommt. Auch wenn es nur 400 Euro sind. Beim Studium hast du gar nichts und musst auch noch Bücher, Laptop, Drucker und den ganzen Schreibkram besorgen.
Wie ich auch schon geschrieben habe, mittlerweile ist es auch oft der Fall, dass Azubis für ihren Wunschberuf von Zuhause wegziehen müssen.
Ich kenne keinen Friseur und keinen Immobilienkaufmann, der für eine Ausbildung 400 km weit weg zieht. Wenn gibt es auch für diese Azubis, Ausbildungshilfe vom Amt.
Oder was ein WG-Zimmer in manchen Städten kostet?
Da weißt du, wie beschissen es für Studenten sind, die gar kein Ausbildungsgehalt haben und das was sie rein bekommen bei Bafög noch zurück zahlen müssen.
Und ich kenne Leute, die haben fürs Pendeln für ihre Ausbildung über 100 Euro monatlich hingelegt.
Das ist kein ausschließliches Azubiphänomen. Ich kenne viele Studis, die sich das Leben in der Stadt nicht leisten können und stattdessen von A nach B pendeln und im Monat ebenfalls an die 100 Euro hinblättern müssen. Ein Cousin von mir studiert in einer Stadt in Bayern und wohnt in der Grenzregion. Er zahlt horrende Summen fürs Pendeln.
Aber meines Erachtens stellst du das Thema zu eindimensional hin und pauschalisierst bei den Ausbildungsberufen.
Sei doch mal ehrlich. Ich weiß ja nicht ob du studiert hast oder nicht (vermutlich wie du dich äußerst, hast du keine Studentenerfahrung), aber du willst doch die Anforderungen der meisten Studenten nicht mit einer Ausbildung vergleichen. Ebenfalls die Bedingungen. Wie gesagt. Was willst du 10 000 Euro Bafögschulden entgegen setzen? Ich kenne nur eine Ausbildung als Pilot, bei der du mehr bezahlst, aber Studenten starten mit Hilfe von staatliche Unterstützung von vorn herein mit Schulden ins Berufsleben. Das hat ein Azubi nicht. Ich kann nur für meine Region sprechen, aber ich kenne bis auf wenige Ausnahmen niemanden, der für eine Ausbildung 500 km weggezogen ist. Klar, die meisten waren dann auch Verkäufer, Friseure, Bürofachangestellte oder Maurer und Maler. Aber die haben einerseits noch zu Hause wohnen können, andererseits haben sie ein geringes Gehalt bekommen.
Trotzdem von den Anforderungen intellektuell und wissenschaftlich kein Vergleich zum Studium.
Klar, beim Pilot oder Steuerfachangestellten oder der Verwaltungsfachangestellten ist das Niveau etwas höher, aber ein Großteil der Ausbildungsberufe ist wissenschaftlich nicht ansatzweise mit einem Studium vergleichbar.
Hier kommen mehrere Faktoren zusammen. Du musst, wenn du studierst erst einmal so selbstständig sein, dass du dich in einer völlig neuen Umgebung orientieren musst oder kannst. Das haben viele Azubis nicht. Bis auf wenige, die weg ziehen. Dann musst du mitunter deine Finanzierung sichern. Entweder Bafögantrag oder selbst jobben. Sprich, dir eine Arbeit besorgen. Die Ängste hast du bei der Ausbildung nicht. Geld kommt oder das Amt stützt dich und du musst lediglich schauen, die Ausbildung auf die Reihe zu kriegen. Dann musst du darüber hinaus deinen Studienalltag organisieren und abstimmen. Stundenplan basteln, Arbeitszeiten abstimmen, Referate, Hausarbeiten vorbereiten. Die Wahrscheinlichkeit, dass du fürs Studium umziehen musst, ist sehr viel höher als für einen Azubi.
Ich vermittle beruflich selbst Ausbildungsplätze/Praktika an Schüler und Schülerinnen und begleite sie beim Einstieg ins Berufsleben. Glaub mir, der Anteil der 15 bis 16 Jährigen, die umziehen ist extrem gering. Von meinen 60 Jugendlichen, die ich betreue, habe ich nicht einmal ein Drittel, das den Landkreis verlässt. Die meisten jungen Leute bleiben im Landkreis. Und wenn sie weiter weg eine Auusbildung haben, dann pendeln sie. Die Kosten trägt entweder das Amt oder die Eltern tragen sie. Im Vergleich zum Studium müssen die auch nichts zurück zahlen. Das ist Ausbildungshilfe. Die läuft bei vielen übers Arbeitsamt.
Klar, es muss nicht jeder studieren, aber dennoch halte ich es für weit hergeholt eine Ausbildung von allen Anforderungen mit einem Studium gleich zu setzen, das viel mehr Eigeninitiative und Kompetenzen erfordert.
Nach 70 bis 90 Seiten ist man unabhängig davon in jedem Fall urlaubsreif und darum ging es hier ja. Ich will gar nicht abstreiten, dass es nicht auch Ausbildungen gibt, die hohe Anforderungen haben, aber ein Großteil erfordert eher durchschnittliche Kompetenzen. Auch die selbstständige Lebensführung ist dadurch, dass die Meisten noch zu Hause leben nicht weit ausgeprägt.
Und BAB muss man meist nicht zurückzahlen. Bafög aber schon. Auch wenn man das Studium abbricht.