...ich stand gestern abend sehr sehr lange auf der Autobahnbrücke. Meinen Katzen hatte ich genügend zu essen hingestellt und nur für meine Eltern und meine Katzen einen Abschiedsbrief geschrieben, indem ich sie um Verzeihung bat.
...ich hatte keine Angst vor dem Tod, es fehlte mir nicht an Mut, es wäre nur ein kurzer Schmerz gewesen - und Schmerzen bin ich schon lange gewohnt.
Ich konnte es meinen Eltern nicht antun, ich brachte es nicht übers Herz Ihnen wehzutun und ihnen den Rest ihres Lebens zugrunde zu richten, sie hätten auch nicht mehr von mir Abschied nehmen können. Auch mit den Autofahrern hatte ich Mitleid, aber letztendlich waren sie mir doch egal, ich kannte sie ja nicht persönlich. Aber meine Eltern...
...ich hatte niemand, war ganz allein, ich schaffte es nicht jemand anzurufen...
...irgendwann lief ich wieder heim. Ich bin gestern, auch wenn ich nicht gesprungen bin, das zweite Mal gestorben....
...ich nahm ein Blatt Papier und schrieb folgendes darauf:
"Du legst bei mir nie wieder den Hörer auf. Ich bin kein Dreck.
Organisiere bitte Deinen Auszug. Du hast noch 1 Woche"
Und dann faxte ich dieses Blatt meinem Ex-Mann.
...er kam nicht vorbei, rief nicht an, oder irgendwas. Er ließ mich alleine, nach all den Jahren hatte er nicht den Anstand, mit mir persönlich zu sprechen und mir noch den letzten Rest Würde zu lassen. Vergessen, was ich alles für ihn getan habe und dass ich stets bedingungslos, bei all seinem verbockten Scheiß und seiner labilen Persönlichkeit, hinter ihm stand. Selbst seine Freundin war es ihm mehr wert, indem er mit ihr persönlich gesprochen hat.
... ich hatte die Situation, mit der ihr Euch so viel beschäftigt habt und mir Helfen wolltet (und ihr habt mir unendlich viel geholfen), seine Gedanken zu eruieren, richtig eingeschätzt. Der große Unterschied ist halt, dass ich ihn persönlich kenne - und es war meine innerste Überzeugung (ich habs Euch irgendwann mal geschrieben) dass er sich letztendlich nicht für mich entschieden hat. Es war dieser Satz von mir vor ca. 1 Woche "egal wie du dich entscheidest, für sie oder alleine zu bleiben, wir werden uns nie wieder im Leben sehen". Davor hatte er Angst. Entweder kann er jetzt mit der Konsequenz besser umgehen oder er glaubt, es seien nur leere Worte gewesen - das würde bedeuten, er hat mich all die 7 Jahre nicht gekannt, ich würde dies nie leichtfertig sagen.
... was war passiert?
... in mir hatte sich die letzten 3 Tage Wut, Enttäuschung und weiterer Schmerz aufgestaut. Ihr müßt mir einfach glauben, dass sein kaltes Verhalten und die Gleichgültigkeit sehr sehr schlimm waren.
Als er anrief, war er so kalt wie noch nie, ich riß mich zunächst zusammen, er fragte nach Samstag, ich sagte ihm ich habe leider keine Zeit - ich würde weggehen, seine lapidare Antwort, ach so na denn. Ich rechtfertigte mich, indem ich sagte, ich wußte ja nicht wann Du Zeit hast, Du hast Dich ja nicht gemeldet. Er fragte was denn los sei, was er falsch gemacht habe. Ich sagte ihm nichts sei los, das sei es ja gerade. Ich hätte so mit mir gekämpft, hätte seine Stimme vermißt etc. Er sagte darauf, Du hättest mich doch anrufen können. Ich sagte ihm, genau das wolle ich nicht ihn anbetteln. Ich hatte keine Kraft mehr ich mußte wieder anfangen zu weinen. Ich fragte ihn, er hätte mich wohl offensichtlich nicht vermißt - Schweigen (es brach mir fast das Herz). Ich sagte ihm, ich könne weder anfangen zu verarbeiten noch zu arbeiten, da er mit mir nicht sprechen würde und mich nicht an seinen Gefühlen teilhaben ließe. Ich sagte ihm, er würde mich ausschließen und dass es mir so weh tut, dass er den einen Tag sagen würde er liebe mich und den anderen Tag völlig Abweisend zu mir sei. Er sagte zu mir, was ist nur los mit uns? Uns sagte ich, was ist mit Dir los? Ich verstehe Dich nicht mehr. Ich sagte ihm, ich dachte eigentlich, dass wir, nach dem Gespräch am Samstag, anfangen gemeinsam zu kämpfen, zu reden und zu verarbeiten. Tja und da brach es aus ihm raus, er sagte mir durchs Telefon, dass er, seit er am Montag bei seiner Freundin war, jeden Tag mehr und mehr an seinen Gefühlen zweifle - es würde jeden Tag mehr. Ich brach völlig zusammen, ich sagte zu ihm, ich hatte Dich extra gefragt ob Du Dir sicher seist und Dir gesagt, Du dürfest mir nicht nochmals wehtun. Und Du gabst mir zur Antwort Du seihst Dir sicher. Ich sagte ihm, Du hast mir Hoffnungen gemacht und mich mit diesen Hoffnungen weiter eine Woche leben lassen - Du hast mir wieder keine Chance gegeben. Ich sagte ihm auch, dass ich ihm extra damals sagte, dass ich ihm viel Zeit geben würde, er solle sich nicht vorschnell entscheiden - er sagte damals ja ich weiß, aber ich bin mir sicher. Er sagte nichts.... ich flippe emotional das erste Mal gegenüber ihm so richtig aus, neben dem Telefonat, verwüstete ich die ganze Wohnung, ich schrie meine Verzweiflung heraus, ich schrie, ob er sich eigentlich bewuß sei, was er mir da antut, dass ich ihm damals sagte ich gebe ihn frei und er solle mir nicht weiter weh tun, ich schrie geh endlich zu ihr, es wird auch mit ihr der Alltag einkehren und irgendwann wirst Du merken, dass Du einen sehr großen Fehler gemacht hast und dann ist es zu spät...ich schrie ja, lieber tust Du mir weh als Deiner Freundin, was ich noch geschrieen habe, während ich die Wohnung zerschlug weiß ich nicht, aber es war wohl nicht viel - es war nur die pure Verzweiflung, Trauer und Schmerz. Er sagte glaube ich die ganze Zeit nichts - er legte einfach den Hörer auf.
... wißt ihr, es ist nicht so dass ich die ganze Zeit dachte (denn dann wäre ich naiv und ich habe es euch ja auch geschrieben), jetzt ist wieder alles Friede Freude Eierkuchen. Ich wußte, er würde auch seine Zeit brauchen, sich vollständig von dieser Frau zu lösen, aber ich dachte, er sei sich sicher, dass seine Gefühle zu mir stärker seien als die zu ihr und dass er sich deshalb sicher sei, dass wir eine gemeinsame Zukunft hätten. Das was er mir jetzt erneut angetan hat, indem er Tag für Tag mehr an seiner Entscheidung zweifelt, also an uns und mir, (nachdem er sie ein letzes Mal gesehen hatte) und die Kälte die er mir entgegenbringt - er macht mich, vielleicht indirekt, für sein Unglück verantwortlich, das kann ich nicht mehr ertragen. Ich kann ihm nicht verzeihen, dass er mich in "Sicherheit" gewogen hat. Ich hätte ihm bestimmt viel vergeben können und ich war trotz meiner Zweifel, sicher, dass er der Mann meines Lebens ist und ich ihn aufrichtig liebe. Aber dass er so gemein und rücksichtslos mir gegenüber ist, mir nicht einmal die Chance gegeben hat, vielleicht mal über alles zu reden, und dass es ihn auch jetzt nicht interessiert wie es mir geht - das kann ich ihm nicht verzeihen. Mir wurde die ganzen 3 Wochen von meinem kleinen Umfeld immer wieder gesagt, wie sie meine Haltung bewundern würden, dass ich so viel Verständnis habe, für alle beiden und dass ich immer so fair sein würde (und glaubt mir ehrlich, ich blieb immer stark, spendete Trost und zeigte durchweg für die Situation und meinen Mann Einsicht, fing früh an, meine Fehler zu durchdenken, sah die Untreue als Chance für uns .....).
... heute morgen wurde mir klar, er brauchte genau diesen Ausbruch von mir. Ich habe es ihm dadurch leichter gemacht, er wird nicht kommen, es wird ihm jetzt nicht leid tun, vielleicht in ein paar Jahren. Er wird es für sich als Zeichen sehen und zu ihr gehen, vielleicht fuhr er gestern schon zu ihr, aber spätestens heute oder morgen. Leider ist das Mädchen zu naiv um zu begreifen, sie wird harte und unschöne Zeiten vor sich haben, mit einem labilen Menschen, denn auch wenn sie jetzt gemeinsam lachen und Spaß haben, es wird die Zeit kommen, in der meinen Mann die Vergangenheit wieder einholt und seine Unzufriedenheit - und da er wohl keine Therapie machen wird, ist dies vorhersehbar - und dann wird es auch dort nichts mehr zu lachen geben. Sicher nicht die nächsten Monate oder vielleicht auch Jahre, die werden schön sein, aber das Leben besteht nicht nur aus dem hier und jetzt, da bin ich mir ganz sicher - und es hilft mir zu wissen, auch er wird irgenwann richtig verzweifelt und unglücklich sein, so wie ich es jetzt bin. Die Gedanken, dass er sich nun mit ihr vergnügt, muß ich beiseite drängen, es verletzt mich nur noch mehr - ich muß mich gedanklich an die Zukunft verweisen und, auch wenn ich es nie erfahren werde, mit dem Gedanken und vielleicht auch mit der Hoffnung Frieden schließen, dass er bereuen wird. Das Mädchen wird auf Wolke 7 schweben, sie weiß ja auch nicht, dass mein Mann schon sein ganzes Leben seine Partnerinnen betrogen hat.
... so, nun werde ich anfangen, die Wohnung wieder aufzuräumen, ich werde anfangen, nebenher, die ersten Sachen von ihm in einen Karton zu packen. In einer Woche möchte ich den Hausschlüssel haben, ansonsten lasse ich das Schloß auswechseln. Solange er sich vernünftig verhält, werde ich es auch tun (was die Sache mit der Wohnungsaufteilung, das Finanzielle etc.) betrifft. Ich werde morgen anfangen, das zu regeln. Heute geht es noch nicht. Ich brauche erst wieder Luft zum atmen. Den Blumenkorb bringe ich nachher ins Altenheim, den Anblick ertrage ich nicht, aber es wäre schade, es wegzuwerfen, wenn man jemand damit eine Freude machen kann. Ein Bild von ihm habe ich zerrissen, die anderen Dinge werde ich in einen Karton packen und sie erst mal aufbewahren - 7 Jahre kann man nicht so einfach in den Mülleimer schmeißen.