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Umgang mit Schuldgefühlen nach Tod meines Vaters

Warum? Überleg mal, was wir unseren Körper alles antun, was die Organe alles aushalten müssen. Der menschliche Körper ist ein Wunder, hat aber auch seine Grenzen.
Emphysem kriegt man nicht von ungefähr...zB. oder man kann nicht erwarten, dass es einem gut geht, wenn man ständig schwächende Selbstgespräche führt und die nicht ersetzt endlich mit Mutmachenden und stärkenden, LIEBEvollen.
Liebe Mary, du warst jetzt viele Wochen in großen Ängsten und in sehr schweren, sehr kümmerlichen Gedanken vertieft. Bei dir ist das jetzt gesammelt und daher wundere dich nicht, dass du noch nicht anders kannst, als so erstarrt zu sein. Das wird wieder anders, glaub mir!! Das ist jetzt so! Jetzt löst sich alles und kommt noch einmal massiv hoch, bevor es weggespült wird.
 
Ja, das Wissen und die Gefühle laufen nicht immer nebeneinander. Manchmal brauchen Gefühle deutlich länger. Hab Geduld mit dir. Es ist gut, dass du in therapeutischer Behandlung bist. Mir hat das bei meiner Ptbs in Teilen geholfen. Dieses Gemisch aus Gefühlen wirst du irgendwann wieder sortiert bekommen. Trauer ist ein langer und sehr schmerzvoller Prozess und es braucht einfach Zeit um wieder klarer sehen zu können. Schuldgefühle sind da sicherlich nicht unnormal, aber du darfst sie irgendwann loslassen. Du hast dein bestes gegeben, das wusste dein Papa sicher auch. Vielleicht hilft es dir einen Brief an ihn zu schreiben mit deinen Gefühlen. Mir hatte das mal in einer sehr traurigen und schweren Situation geholfen, um mit mir wieder ins reine zu kommen.

Ja, ich brauche Geduld...

Liebe Mary, dein Verlust tut mir sehr leid. Alles was du schreibst, klingt so, als hätte sich dein Vater keine bessere Tochter wünschen können. Dass du deinen Job hast stehen- und liegenlassen, dass du ihn gepflegt hast in seinen letzten Wochen, dass du dagewesen bist, obwohl es dir so schwer fiel, das alles mit anzusehen. Meinst du nicht, dass wenn schon ich das denke, dein Vater das nicht erst recht gewusst hat? Trau ihm ruhig zu, dass er die Dinge, die du dir jetzt vorwirfst, richtig einordnen konnte. Er kannte dich doch. Was meinst du, was er zu dir sagen würde, wenn er deinen Text lesen könnte?

Ich hoffe es sehr, dass er gespürt hat, dass ich ihn liebe. Er war einfach nicht mehr ganz klar und hatte auch Halluzinationen; ich war in einigen Momenten nicht sicher, wie viel von ihm noch in ihm drinsteckte...
Das mit dem Text aus seiner Perspektive ist eine gute Idee.

Warum? Überleg mal, was wir unseren Körper alles antun, was die Organe alles aushalten müssen. Der menschliche Körper ist ein Wunder, hat aber auch seine Grenzen.

Wie meinst du das genau?
 
Hallo,

Ich habe dasselbe Problem auf sovielen Ebenen und diese Schuldgefühle sind erst 4 Wochen nach dem Tod von meinem Vater, der auch sehr plötzlich starb, aufgetaucht. Ich habe es aber noch viel schlimmer und zwar habe ich meinen Vater im Oktober 22 mit Corona infiziert, obwohl ich sogar Symptome hatte, habe ich meine Eltern besucht (ich war mir zu dem Zeitpunkt sicher, dass es kein Covid war). Er ist dann nach 5 wochen ITS-Aufenthslt und 3 Wochen Beatmung gestorben..
Ich konnte ihn noch an 5 Tagen im Krankenhaus besuchen als er noch ansprechbar war und im Nachhinein bereue ich v.a. vieles nicht gesagt zu haben. Aber am schlimmsten ist das, was 6 Monate vor seinem Tod passiert ist. Mir fallen immer so einzelne Situationen ein, in denen ich einfsch nicht nett war, total grundlos. Ich hätte viel mehr helfen können. Ich habe ihn nie wirklich gefragt, wie es ihm geht oder ob er Hilfe braucht. Auf der anderen Seite dachte ich, meine Eltern wüssten, dass es selbstverständlich ist, dass ich ihnen helfe, wann immer sie es brauchen, aber ich hätte viel mehr auf sie zugehen müssen und nachfragen müssen, das habe ich nicht geschafft, weil ich andere Sachen im Kopf hatte, die aber total unwesentlich sind aus heutiger Sicht ... Ich bin zwar erst 26 aber mein Vater war schon Pflegebedürftig und meine Mutter hat die Pflege übernommen. Ca. ein Jahr vor seinem Tod hat meine Mutter mir erzählt, dass sie das alles nicht mehr schafft, dass sie psychisch am Ende ist und an Selbstmord denkt.. Es kann halt wirklich anstrengend sein eine kranke Person zu Pflegen + Haushalt + Nebenjob (teilzeit), den sie hatte und mein Vater war auch vom Wesen manchmal ganz komisch und gemein, ich glaube, weil er einfach krank war, er ist öfters aus dem Bett gefallen und meine Mutter hatte dann natürlich Todesangst, das war ja auch wirklich gefährlich. Bei so einem kranken Menschen kann das schnell passieren, dass man sich was bricht und stirbt und das alles hat sie wahrscheinlich komplett fertig gemacht. Und was habe ich gemacht? So gut wie NICHTS. Mein Vater hat ja auch unter der ganzen Situation gelitten. Ich weiß noch, dass ich da mit ihr versucht habe eine Lösung zu finden, dass er nicht mehr aus dem Bett fällt, und ich habe auch paar mal nachgefragt, was denn jetzt ist, da er ja immer so gemein zu ihr war und sie deswegen selbstmordgedanken hatte. Der letzte Stand war, dachte ich, dass sich das wieder gelegt hat oder besser geworden ist. Kurz vor seinem Tod habe icj aber dann erfahren, das dem gar nicht so war und ich habe nichts gemacht. Icj wusste dass es zuhause so viele Probleme gab und meine Mutter hat sich mir anvertraut und ich habe kein bisschen geholfen und das macht mich fertig, weil mein Vater auch so sehr darunter gelitten hat, meine Mutter ist öfters ausgerastet und hat ihn angeschrieben, sie war einfach unfähig mit der Situation umzugehen und ich habe nichts gemacht, obwohl ich sogar selbst mal in der Pflege gearbeitet habe und eiglt. Wusste dass es für diese Probleme Lösungen gibt. Ich habe das Problem aber aus privaten Gründen nach hinten verschoben, ich hatte andere Gedanken und jetzt ist alles zu spät. Ich wusste eigentlich immer, dass mein Vater der wichtigste Mensch in meinem Leben ist, ich hatte ihn auch immer als Handyhintergrund, aber ich habe einfach so wenig gemacht und das ist mir im letzten Monat bewusst geworden und icj kann dir sagen, niemand kann mich davon überzeugen, dass mich keine Schuld trifft. Ich kann dir auch keinen nützlichen Rat geben, ich kann dir nur sagen, du bist auch nur ein Mensch mit Gefühlen und Bedürfnissen und du kannst nicht immer perfekt und rücksichtsvoll handeln, zumindest damals konntest du es einfach nicht wissen.

Ich für mich weiß jetzt, dass ich mich grundlegend geändert habe und es ist entsetzlich, dass erst mein Vater dafür sterben musste. Mir ist bewusst geworden, dass ich Prioritäten falsch gesetzt habe, dass ich in Gesprächen, so wie du das auch erzählst, einfach unnötig falsch und gemein gehandelt hab, obwohl doch das Wohlbefinden der eigenen geliebten Menschen Priorität haben sollten, und nicht die eigenen komischen Überzeugungen, die dann dazu führen, dass man was negatives sagst. Ich meine, was ist denn wichtiger, bei deinem Beispiel jetzt,.. dass sich der geliebte Mensch, der sogar im Sterben liegt freut, dass er noch einen Witz gemacht hat, oder die Möglichkeit, dass du deine Abneigung gegenüber sexuellem Witzen betonen kannst und dafür es der anderen Person aber ein schlechtes Gefühl gibst. Also ich finde ersteres viel wichtiger. Aber ich sage dir, ich habe diese Perspektive erst nachdem mir das alles bewusst geworden ist und ich kann dir leider nur sagen, du hast jetzt noch die Möglichkeit diese Fehler nie wieder zu machen. Ich weiß, viele sagen zu dir, das ist doch nicht so schlimm dein Verhalten. Aber so lange DU es als schlimm empfindest, ist es das auch, genauso wie ich mein Verhalten gegenüber meinem Vater einfach nicht akzeptieren kann und sehr darunter leide. Du kannst es aber nicht rückgängig machen und du wusstest es nicht besser. Jetzt kannst du dich aber noch ändern. Und ich sage dir, du hast sehr viel getan. Andere hätten sich gar nicht so viel Zeit genommen und man kann doch immer mehr tun, aber du warst da und hast in diesem Moment doch dein bestes gegeben. Dieses Wissen hilft mir auch jetzt noch mit meinen Fehlern umzugehen.

Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Kraft.
 
Aus der Erfahrung weiß ich, Menschen gehen, wenn sie bereit sind.
Viele Menschen schaffen es deswegen noch auf Angehörige zu warten.
Sprich zu ihm und glaube daran daß er Dich hört. Er weiß um deine Liebe und sicherlich auch - egal wie krank er war- um deine Belastung.
Ich verstehe deine Gedanken, aber fühle dich nicht schuldig und vielleicht kannst du es aus der Sicht deines Papas sehen, er würde es dir sicherlich nie vorhalten.
 

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