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Umgang mit meiner paranoiden Mutter.

Hallo Callia,

wenn ich die Geschichten glauben würde, die meine Mutter mir erzählt, dann wäre die einzige logische Konsequenz daraus - die Leiterin und das Personal wegen mehrfach versuchten Mordes anzuzeigen. Und das ist eben das, womit ich ein Problem habe und das ich nicht in meinem Kopf zusammen bringen kann: Ich kann nicht so tun, als würde ich ihr glauben und gleichzeitig nichts dagegen unternehmen. Wie soll meine Reaktion aussehen: "Mutter, ich glaube auch, dass man dich umbringen will und es tut mir leid, aber lebe damit". So?

Aber der Vergleich mit einem Kind ist vielleicht nicht schlecht. Ist zwar nicht wirklich das gleiche, aber vielleicht etwas, womit ich arbeiten kann. Danke, ich werde darüber nachdenken.
 
Lies meine Worte nochmal.

Genau darum geht es eben nicht! 😉 Es geht nicht darum zu sagen, ich glaube dir. Wenn Du sagst: "Ich verstehe das Du Angst hast und wir schauen einfach ob Du einen Anfall bekommst". Wo ist da Wahrheit für ihr Realität? Du signalisierst nur -> Du hast Angst das verstehe ich, ich sehe und nehme deine Angst wahr.
Misstrauen ist eine "große Grundlage" in der Psychose. Warum? Ich nehme etwas wahr, dass andere nicht wahrnehmen und dann sagen mir alle noch es stimmt nicht? Stell dir vor alle Menschen sprechen dir ab das deine Wahrnehmung, Anni, dass die nicht stimmt? Da geht Vertrauen natürlich verloren. Aber die Not anzuerkennen und zu sehen kann das Misstrauen lindern. Sensibel darauf einzugehen und zu sagen "schau Mal ob du wirklich einen Anfall bekommst". Macht sie immer wieder die Erfahrung das nichts passiert, kann sich die Wahrnehmung wieder an die Realität gleichen.

Ich habe Angst, die Tabletten sehen anders aus, mache aber immer wieder die Erfahrung es passiert nichts. Die Angst reduziert sich, Vertrauen steigt und der Wahn kann sich abbauen.

Und das was Du beschreibst ist kein seltenes Phänomen.

Natürlich sind Medikamente der beste Weg, aber wenn sie nicht helfen?
Edit: Wobei ich die Komponente Demenz dabei, als etwas empfinde, das noch lange anhalten wird. Sie wird durch das Vergessen keinen Lerneffekt haben können. Und in der Kombination halte ich Streit und Diskussionen über Wahrheit sowieso für sinnlos. Demenz macht eine andere Wahrnehmung und Psychose auch.
 
Zuletzt bearbeitet:
Wir haben in unserer Familie, glaube ich, eine ganz gute Streitkultur und einen offenen Umgang miteinander. Da würde ich in solchen Momenten auch mit meiner Mutter Tacheles reden. Ob es was nützen würde, weiss ich natürlich nicht.

Noch nachgeschoben: ich liebe meine Schwester wirklich sehr. Und jeder weiss auch, dass ihm aus der Familie nichts schlechtes droht, sondern, dass alle wollen, dass es der entsprechenden Person gut geht. Diesbezüglich haben wir alle ein Urvertrauen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Im Übrigen unterscheiden sich auch in der Klassifikation die Depression mit psychotischen Symptomen und Depression ohne psychotische Symptome. Ob das bedeutet das die Psychose sich anders lagert also eine paranoide Psychose weiß ich nicht.
 
Hallo Mipft,

ich denke, bei einer Schwester würde ich genauso reagieren und nicht einmal ein schlechtes Gewissen dabei haben. Vor allem bei meiner Schwester nicht ;-). Aber das ist halt meine Mutter und ich fühle mich ihr gegenüber irgendwie verpflichtet und vor allem tut sie mir leid, also muss ich mich sehr beherrschen. Und da sie niemanden mehr hat, der sich um sie kümmert, kann ich mich nicht zurückziehen. Ich muss da irgendwie durch und möglichst so, dass ich selbst keinen Schaden abbekomme.

Mit Medikamentenumstellung ist bei meiner Mutter gerade sehr schwierig, weil sie ja in dieser Hinsicht sehr misstrauisch geworden ist, jede Tablette genau anguckt und alles, was anders aussieht als sonst, ist für sie falsch und nur dafür da, um ihr zu schaden. Und dann weigert sie sich halt diese "falschen" Tabletten zu nehmen.

Trotzdem vielen Dank, ich fühle mich verstanden und das ist auch eine große Hilfe.

Hi,

Wäre es vielleicht eine Möglichkeit, dass sie stationär in einer Klinik neu eingestellt wird (und idealerweise danach das Pflegeheim wechselt)?

Medikamente sind immer knifflig und wenn sie gleich vier verschiedene für Psyche nimmt, tut es bestimmt nicht gut, wenn sie da mal eine oder mehrere auslässt. Und wenn sie schon wieder in Psychose abgerutscht ist, dann ist es nicht unwahrscheinlich, dass sie ihre Medikamente zur Zeit nicht mehr zuverlässig nimmt (weil sie dem Personal ja nicht traut).

Und so wird es dann natürlich auch nicht besser.
 
@Callia
Um aus positiven Erfahrungen zu lernen, muss man logisch denken können und das kann meine Mutter eben nicht. Wenn etwas passiert, was ihren negativen Erwartungen widerspricht, dann ist auch das ein Teil des Plans: "Sie" wollen, dass sie "ihnen" wieder vertraut, damit "sie" sie dann überlisten können.
 
Hi Guest,

"Ihre" Medikamente nimmt sie ja ganz brav und gerne. Aber weil sie gelegentlich auch andere Probleme bekommt, die nichts mit ihrer Psyche zu tun haben, bekommt sie auch andere Medikamente verschrieben und da glaubt sie eben nicht, dass die neue Tablette z. B. gegen Cholesterin sein soll, sie denkt "neu, also gefährlich". Wenn man sie überredet, die Tablette zu nehmen, redet sie sich ein, dass es ihr schlecht wird und steigert sich wohl so hinein, dass sie wirklich ein Herzrasen bekommt, was sie dann in ihrem Wahn bestätigt.

Sie möchte nicht weg, weil ihr Pflegeheim mit der Klinik und allen anderen Pflegeheimen kooperieren kann und "sie" können sie ja dann überall töten. In ihrem Pflegeheim kennt sie sich aus und weiß, wem sie noch trauen kann und wem nicht.

Ach ja, noch etwas: Weil sie ihre Suizidversuche mit gesammelten Medikamenten unternommen hat, lässt man sie nie alleine damit, also, das ist unter Kontrolle.
 
Zuletzt bearbeitet:
@AnniOtt
Ich habe zwar keine Erfahrung mit Demenz oder Wahnvorstellungen, bin aber zufällig in letzter Zeit in verschiedenen Büchern über diese Themen gestolpert. Ich möchte davon ein paar Zitate einfügen, die dir (vielleicht) ein bisschen weiter helfen.
Immer wenn ich ihr vorschlage, eine Sache anders zu sehen, ist sie verärgert,
Dazu schreibt Manfred Lütz im Buch "Neue Irre..."
Der Wahnkranke kann die ganze Welt nur unter dem alles beherrschenden Gesichtspunkt sehen. [...] Von diesem Gedanken ist er mit keinem vernünftigen Argument abzubringen [...] Genau das zeichnet den Wahn ja aus, dass man ihn nicht mit Argumenten beseitigen kann.
Deine Mutter mit Logik von ihrer Wahnüberzeugung abzubringen, ist leider vergebliche Liebesmüh'.
Hat jemand Erfahrung damit und eine Idee, wie ich mich ihr gegenüber verhalten soll?
Ich glaube, alles was du tun kannst ist entweder schweigend zu nicken und ihr das Gefühl zu geben, dass ihr wenigstens ein Mensch auf dieser Welt glauben schenkt, oder deine Mutter abzulenken und das Thema zu wechseln. Zweiteres würde ich an deiner Stelle mal versuchen.

Dazu zitiere ich aus dem Buch 'Oscar' von Dr. David Dosa. Eigentlich geht es im Buch um eine Katze, aber da der Ort der Handlung in einem Pflegeheim für Demenzkranke stattfindet, liest man mehr über die Patienten und noch viel mehr über deren Angehörigen und wie sie mit der Krankheit umgehen. Dr. Dosa berichtet von einer Frau deren dementer Vater sie ständig mitten in der Nacht verängstigt anrief und sagte: "Da liegt eine fremde Frau neben mir. Bitte komm und hol mich ab." Die Tochter erzählt:
Ich gebe es nicht gerne zu, aber ich bin wohl etwas zornig geworden. Wie oft kann man wohl gelassen sagen, dass es sich bei dieser fremden Frau um die eigene Mutter handelt? Es war gleichermassen traurig und frustrierend, aber irgendwann habe ich gemerkt, dass man mit diesen ständigen Wiederholungen am besten umgeht, indem man von der Sache ablenkt, statt Erklärungen zu liefern. Ich habe also nicht mehr versucht, meinen Vater davon zu überzeugen, dass diese fremde Frau seine Frau war, sondern habe einfach das Thema gewechselt - und schon war alles in bester Ordnung.
Ich muss da irgendwie durch und möglichst so, dass ich selbst keinen Schaden abbekomme.
Dazu muss ich nochmal aus dem Buch 'Oscar' zitieren. Dr. Dosa schreibt von einem Mann...
...der auch angesichts der Demenz seiner Mutter immer sein fröhliches Wesen behalten hatte. Auf die Frage, wie er das bloss schaffe erwiderte er: "Ach, von meiner Mutter habe ich mich schon vor langer Zeit verabschiedet. Inzwischen habe ich mich regelrecht in diese kleine alte Dame da verliebt."
Das finde ich schön. Seine Mutter, die mit ihm Hausaufgaben gemacht und den Weihnachtsbaum geschmückt hat, ist nicht mehr da. Dafür hat er sich jetzt in diese kauzige alte Dame verliebt.
 
Hallo "Ficus", vielen Dank für deine Antwort.

Mutters Probleme kommen nicht von Demenz, sondern von Paranoia: Sie löst immer noch Sudokus, weiß ganz genau, was sie tut und worüber sie gesprochen hat. Also abgesehen von ihrem Wahn ist sie noch ziemlich klar im Kopf, mit ablenken kommt man da nicht weit. Ich kann mich mit ihr völlig normal unterhalten, bis ich auf einmal merke, dass sie in ihren Wahn abgerutscht ist.

Alles, was du schreibst, ist auch für mich logisch und nachvollziehbar, das einzige Problem, das ich nicht lösen kann ist, wie ich so tun kann, als ob ich meiner Mutter glaube und dabei nichts unternehmen? Denn ich gehe ja davon aus, dass, wenn sie mir das alles erzählt, sie wohl möchte, dass ich sie irgendwie beschütze. Aber das kann ich ja nicht, weil das alles nicht real ist.

Ich weiß nicht, was für sie schlimmer ist, dass man ihr nicht glaubt oder das man ihr glaubt, aber sie im Stich lässt. Für mich wäre das Letztere schlimmer. Deswegen bleibe ich vorerst bei meiner jetzigen Vorgehensweise: Ich bitte sie, mir das alles nicht zu erzählen. Bis mir etwas Besseres einfällt oder mir jemand etwas Besseres rät.
 

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