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Überwindung von Ängsten durch Schocktherapie?

Gretchen Wieners

Aktives Mitglied
hallihallo ihr lieben!😛

folgendes: als ich noch jünger war (so ca. ab 5 -12) habe ich immer widerwärtige, für mich total furchtbare sendungen sehen müssen, bei denen ich mich jedesmal enorm gefürchtet habe. was fast schlimmer war als das eigentliche sehen der sendungen war hinterher das zu bett gehen, v.a. wenn es dunkel war nachts. aber auch am tag habe ich mich gefürchtet, hatte z.b. oft angst, dass hinter der tür ein monster/geist/übernatürliches wesen/mörder/leichenmonster steht, das mich umbringen will, oder unter dem bett vll oder in dunklen ecken, die man nicht gleich auf anhieb einsehen konnte, in der kloschüssel (ja!😱) oder hände die aus abflüssen herauskommen und einen erwürgen o.ä.

jedenfalls denke ich, dass das von diesen sendungen kam, weil eben dort genau diese sachen, vor denen ich mich jahrelang gefürchtet habe immer vorgekommen sind.

mein problem jetzt: zurzeit trage ich mich mit dem gedanken herum aus meiner wg auszuziehen (auch dort gibt es so manche sachen die mich belasten) und ganz allein zu wohnen. ich war jetzt schon drauf und dran mich in dieses vorhaben vollends reinzuknien, bis mir wieder eingefallen ist, dass ich ja auch noch heute eine zwar "gemäßigte", aber immer noch vorhandene angst davor habe, wenn ich allein in einer wohnung bin auf bestialische art und weise umgebracht zu werden, dass mir fratzen aus dem spiegel entgegen sehen, dass sich monster in dunklen schränken, hinter türen, unter betten etc. befinden.

meine frage: wie kann ich so was endlich loswerden? würde sich da vll eine art "schocktherapie" anbieten, in der ich vll genau die sendungen von damals auf dvd o.ä. wieder ansehe, um zu begreifen, dass ich im grunde gar keine angst haben muss?
 
hi andrea..

öhm, wieso musstest du dir diese sachen angucken?
klar kann das später folgen haben. fünf jahre alt!
das ist so ein verdammt prägendes alter.
mit schocktherapie meinst du, dich selbst zu therapieren, oder?
also nen abend lang diese filme nochmal zu schauen?
ganz ehrlich: du weißt ja garnicht wie du darauf reagierst.
wenn du momentan nicht stabil bist, was das angeht, halte ich das für keine gute idee.
wie wärs wenn du dir mal ein paar professionelle ratschläge zu dem thema einholst?
 
Hallo Andrea,
völlig ohne Ängste wären wir kaum lebensfähig - es ist
also kein gutes Ziel, Ängste völlig "weg" zu bekommen,
egal mit welcher Methode oder Therapie.
Ich denke, es ist eher ein Therapie- oder Trainingsziel,
zwischen der Relevanz einer Angst zu unterscheiden
und zu sehen, wo ich etwas tun kann und wo nicht.
Irreale Ängste, wie du sie teilweise schilderst, laufen
außerhalb des bewussten Verstandes ab, weshalb du
auch mit bewussten Gedanken da kaum heran kommst.
Du kannst aber deine "Ausnahmezeiten" untersuchen,
also Tage und Stunden, in denen diese Angstgedanken
weg bleiben. Dann kannst du dich fragen, was da anders
ist und es wiederholen. Der Unterschied kann von kleinen
Dingen herkommen, z.B. von einer Musik, einer Kerze,
einem Gedichtband oder davon, was du den Tag über so
machst.
Und du kannst natürlich präventiv deine neue Wohnung
so einrichten, dass wenige "dunkle Ecken" bleiben, so
dass deine Fantasie weniger Futter bekommt. Eine andere
Option ist, dich mit den "Gespenstern" bewusst anzufreun-
den, also sie als hilfreiche Teile deines eigenen Unbewuss-
ten zu akzeptieren und deine Wohnung besser zu sichern
als du es bisher tust oder dich in Selbstverteidigung aus-
bilden zu lassen usw.
Meine Erfahrung ist, dass Ängste an Stärke verlieren, wenn
ich den ganz realen Kern in ihnen akzeptiere und das tue,
was in meiner Macht steht, dass sie nicht wahr werden.

Gruß und alles Gute!
Werner

P.S. Es gibt auch Futons, die man direkt auf den Boden
legen kann - da wäre schon mal ein Problem gelöst 😉
 
meine frage: wie kann ich so was endlich loswerden? würde sich da vll eine art "schocktherapie" anbieten, in der ich vll genau die sendungen von damals auf dvd o.ä. wieder ansehe, um zu begreifen, dass ich im grunde gar keine angst haben muss?

Aus meiner Sicht nicht. Ich hab's mal versucht (hab mir eine große Stoffspinne an die Wand gepinnt - hatte höllische Angst vor Spinnen, weil ich erstens zu oft im Keller war, wo es viele Spinnen gab und weil ich meiner Pflegemutter in Träumen immer als riesige Spinne gesehen habe) - Folge waren fürchterliche Albträume und Angstzustände. Würde ich dir nicht empfehlen, mich hat diese "Methode" zurückgeworfen.

Du wirkst zur Zeit etwas aufgewühlt. Was sagt denn deine Therapeutin zu der Idee mit der "Schocktherapie"? 🙂
 
hi andrea..

öhm, wieso musstest du dir diese sachen angucken?
klar kann das später folgen haben. fünf jahre alt!
das ist so ein verdammt prägendes alter.
mit schocktherapie meinst du, dich selbst zu therapieren, oder?
also nen abend lang diese filme nochmal zu schauen?
ganz ehrlich: du weißt ja garnicht wie du darauf reagierst.
wenn du momentan nicht stabil bist, was das angeht, halte ich das für keine gute idee.
wie wärs wenn du dir mal ein paar professionelle ratschläge zu dem thema einholst?

naja, man kann sagen ich hätte sie auch nicht sehen müssen, denn ich wurde nicht an einen stuhl gefesselt und vor den fernseher gesetzt... aber es war so, dass meine mutter sich diese sendungen immer sehr gern ansah. ich bin dann mal dazu gekommen, weil ich bei ihr sein wollte, sie ließ mich zu sehen. als ich dann die ersten leichen und fratzen sah bekam ich angst, das sagte ich ihr auch und sie lachte mich auch, weil es ja nicht echt sei und fügte hinzu, dass ich ja gehen könne, wenn ich das nicht sehen wollte. ich hatte dann aber bereits angst wieder in mein eigenes zimmer zu gehen, weil ich ja jetzt bereits die sachen gesehen hatte. so bin ich bei ihr geblieben und habe weiter zugesehen, weil ich mir immer noch sicherer vorkam bei ihr zu sein + horror-tv-zeug als ohne horrorsendungen aber allein in nem anderen raum, wo ja schon die mörder, schlitzer, monster usw. hätten lauern können.
folglich habe ich monate bzw. jahrelang fast immer mitgesehen, wodurch sich meine ängste noch um ein vielfaches verstärkt haben. ich hab ihr das auch gesagt, aber sie hat mich nie ernst genommen.

ich meine einfach, dass ich mir eben mal/öfter bewusst diese sendungen reinziehe und abwarte was passiert. vielleicht auch mit einer vertrauten person zusammen? dass ich halt quasi alle schrecklichen bilder/momente von damals nochmal erlebe und so lange ansehe, bis ich ein für alle mal merke, dass nichts passiert.
ja, ich frag morgen auch gleich wieder die therapeutin was sie so meint.
 
Hallo Andrea,
völlig ohne Ängste wären wir kaum lebensfähig - es ist
also kein gutes Ziel, Ängste völlig "weg" zu bekommen,
egal mit welcher Methode oder Therapie.

Ich denke, es ist eher ein Therapie- oder Trainingsziel,
zwischen der Relevanz einer Angst zu unterscheiden
und zu sehen, wo ich etwas tun kann und wo nicht.
Irreale Ängste, wie du sie teilweise schilderst, laufen
außerhalb des bewussten Verstandes ab, weshalb du
auch mit bewussten Gedanken da kaum heran kommst.
Du kannst aber deine "Ausnahmezeiten" untersuchen,
also Tage und Stunden, in denen diese Angstgedanken
weg bleiben. Dann kannst du dich fragen, was da anders
ist und es wiederholen. Der Unterschied kann von kleinen
Dingen herkommen, z.B. von einer Musik, einer Kerze,
einem Gedichtband oder davon, was du den Tag über so
machst.
Und du kannst natürlich präventiv deine neue Wohnung
so einrichten, dass wenige "dunkle Ecken" bleiben, so
dass deine Fantasie weniger Futter bekommt. Eine andere
Option ist, dich mit den "Gespenstern" bewusst anzufreun-
den, also sie als hilfreiche Teile deines eigenen Unbewuss-
ten zu akzeptieren und deine Wohnung besser zu sichern
als du es bisher tust oder dich in Selbstverteidigung aus-
bilden zu lassen usw.
Meine Erfahrung ist, dass Ängste an Stärke verlieren, wenn
ich den ganz realen Kern in ihnen akzeptiere und das tue,
was in meiner Macht steht, dass sie nicht wahr werden.

Gruß und alles Gute!
Werner

P.S. Es gibt auch Futons, die man direkt auf den Boden
legen kann - da wäre schon mal ein Problem gelöst 😉

Hallo Werner,

nein, also dem kann ich mich nicht anschließen, ich denke, dass es im grunde nichts im leben eines menschen geben sollte vor dem er oder sie angst haben muss. ohne angst wären wir vermutlich nicht schon längst tot, sondern um einiges glücklicher und entspannter.

bei mir gibt es eigentlich kaum zeiten, wo diese ängste wirklich weg wären, wenn ich alleine in einer wohnung wohne. nur dann vielleicht, wenn ich so beschäftigt bin, dass ich gar keine zeit habe darüber nachzudenken. aber sich deshalb ständig mit zeug zuzupflastern werde ich deshalb auch nicht tun.

wie meinst du das mit "sich mit den gespenstern/monstern/leichen bewusst anzufreunden"? wie soll das denn gehen? ich weiß ja, dass sie mich "umbringen wollen"? selbstverteidigung bringt in dem fall auch nichts, weil es sich ja in meinen ängsten um teils übernatürliche wesen handelt. und wie die wohnung besser sichern?
ich habe auch schon mal versucht mir mit ihne quasi anzufreunden, das ganze ist aber nur in bizarre gedankenspiele ausgeartet und ich habe mich noch mehr mit der sache beschäftigt und reingesteigert.

lg
 
Aus meiner Sicht nicht. Ich hab's mal versucht (hab mir eine große Stoffspinne an die Wand gepinnt - hatte höllische Angst vor Spinnen, weil ich erstens zu oft im Keller war, wo es viele Spinnen gab und weil ich meiner Pflegemutter in Träumen immer als riesige Spinne gesehen habe) - Folge waren fürchterliche Albträume und Angstzustände. Würde ich dir nicht empfehlen, mich hat diese "Methode" zurückgeworfen.

Du wirkst zur Zeit etwas aufgewühlt. Was sagt denn deine Therapeutin zu der Idee mit der "Schocktherapie"? 🙂

hallo fritzie,
und hast du dann noch eine andere idee bekommen, wie du die angst doch noch überwunden hast?
ja, ich bin auch zur zeit etwas durcheinander.🙄
noch habe ich sie von meiner idee nicht in kenntnis gesetzt, was ich aber wahrscheinlich noch heute tun werde!
 
Guten Morgen Andrea, überwunden habe ich solche Ängste sehr langsam und schrittweise. Durch verschiedene Therapien, die ich im Rückblick als hilfreich, aber als nicht 'optimal' verlaufen ansehe (falls es "optimal" in diesem Zusammenhang überhaupt geben kann). Damit meine ich, daß meine ersten Therapiejahre aus Psychoanalysen bestanden - eine Therapieform, die langwierig und 'in die Tiefe gehend' ist und zum damaligen Zeitpunkt für mich in manchem zu "bloßlegend" war. Man schiebt belastende Erlebnisse ja nicht umsonst erstmal ins "Vergessen", das soll schützen.

Deshalb meine Frage nach deiner Therapeutin - ich hab den Eindruck, daß für dich sehr viele Dinge schnell nach außen drängen. Das ist einerseits gut, andererseits fände ich es günstig, wenn du nicht in Eigenregie belastende Ängste bzw. überhaupt Emotionen durch zusätzliche Trainings an die Oberfläche holst und sozusagen aktivierst, sondern dich vergewisserst, daß ein Mensch, dem du vertrauen kannst, für dich da ist und dir beispielsweise in einer akuten Angstsituation hilft, diese Angst anzunehmen und dann "aufzulösen".

Konkretes Beispiel aus meiner Klinikzeit: zur damaligen Zeit geriet ich oft nachts im Halbschlaf in eine Art "Bewußtseinszustand", der mich immer wieder gelähmt hat. Ich war wie in einem Vakuum, in dem es weder Geräusche, noch Licht, noch Worte gab, es war wie ein unendliches Nichts, in dem ich mich befand, kein Tastsinn, keine Gerüche - absolutes "Nichts" außer mir und eine grenzenlose Angst und Einsamkeit. Solche Zustände dauerten stundenlang an. Bei Tag betrachtet waren die Wahrnehmungen bzw. die "Nichtwahrnehmung" von irgendwas außer mir selbst unrealistisch: mein Zimmer war auch nachts immer etwas beleuchtet, das Zimmer war nie ganz still, im Bett zu liegen läßt einen die Matratze, die Bettdecke usw. normalerweise ja spüren. Darüber in der Therapie zu sprechen half mir insofern, daß mir meine damalige Therapeutin zunächst ganz pragmatisch erklärt hat, daß diese Zustände wie eine Erinnerung an Zeiten waren, in der ich noch nicht sprechen oder richtig sehen konnte - sprich: Kleinkindalter. Damit konnte ich als Erwachsene erstmal diese "Nicht-Zustände" mit dem Verstand erfassen. Der nächste Schritt bestand aus verschiedenen "Techniken": einerseits Körperwahrnehmungstherapie (für mich ungeeignet, ich bin in Panik geraten - äußerst unschön, aber die Therapeutin konnte mich immerhin auffangen und mir helfen, aus dieser schreienden Panik wieder rauszukommen). Darauf folgte eine nicht ganz so unmittelbar wirkende Kunsttherapie, in der ich mich diesen Gefühlen schrittweise annähern konnte, sie einerseits bildlich darstellen, andererseits aber bei Tageslicht und in der Kommunikation mit der Therapeutin "dosieren" konnte, auch in den Bildern Bezugspunkte hinzufügen konnte, so daß dieses "Nichts" nicht ohne Rahmen und ohne Anhaltspunkte blieb.

Seelische Beeinträchtigungen mögen schwerwiegend und "unübersichtlich" sein, vor allem wenn sie vielfältig sind und man das Gefühl hat, am liebsten alles schnell, effektiv und geplant auflösen zu wollen, damit man Erfolgserlebnisse hat und den ganzen "Psychokram" bald abschütteln kann - ist ja manchmal auch nervig, diese ständige Beschäftigung mit dem eigenen Innenleben, stimmt's? Aber es kann auch spannend sein, wie man Stück für Stück auflösen kann mithilfe von Techniken, die innerhalb einer Therapie (oder in Absprache mit dem Therapeuten auch ergänzenden Zusatztherapien) stattfinden. Man selbst ist Expertin für das eigene Empfinden, ein/e gute/r Therapeut/in ist Experte für's Koordinieren - einfach, weil er oder sie über das Fachwissen verfügen sollte, in welchen Schritten die Summe der seelischen Blessuren sinnvollerweise aufgelöst werden sollten.

Ist etwas kompliziert zu erklären, worauf ich hinaus will ist: Ängste, Phantasien, im Grunde jede Art von Symptom ist wie eine Geschichte, die eine Seele zu erzählen hat. Symptome sind nützlich und gut, aber sie wollen mit Vorsicht und Bedacht 'geführt' werden, damit sie nicht wie eine Horde wildgewordener Pferde aus einem herausbrechen und einem dabei neue Verletzungen zufügen.
 

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