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Überstundenregelung in meinem Betrieb

Ich vermute nach wie vor, dass der AG die Arbeitszeit festlegen darf.
Wenn er das darf, kann er nach der Regelarbeitszeit (8Std. plus 1 Std Zwischenpause) eine weitere Stunde Pause anordnen, die er natürlich nicht bezahlt.

Angeordnete (!) Überstunden fingen bei Dir erst an, wenn Du die 8Std plus 1 Std Mittag plus 1 Std. Zwangspause um hättest.

Um nach 9 Std ohne die Std. Pause weiter zu machen bedürfte es einer Anordnung, die eine Ausnahme von dieser Regel beschreibt.
Dann könntest Du nach 9 Std die erste Überminute machen.
 
Ich habe in der Zwischenzeit mit einer Kollegin gesprochen, die in den kommenden Tagen ein Jahresgespräch mit den Chefs hat - und dabei kam heraus, dass sich unsere Arbeitsverträge in der Tat unterscheiden: Wo bei mir nur oben genannte Textbausteine enthalten sind, steht in ihrem Vertrag explizit drin, dass eine zusätzliche Stunde pro Arbeitstag mit dem Gehalt abgegolten ist.

Offenbar unterscheiden sich die Verträge in diesem Punkt zwischen denjenigen Arbeitnehmern, die vor ein paar Jahren angefangen haben (besagte Kollegin ist seit 2019 hier), und denjenigen Arbeitnehmern, die erst vor Kurzem angefangen haben.
Wow, eine Stunde pro Tag! Also 5 in der Woche, 22 im Monat. auf 164 Stunden Durchschnittsabeitszeit pro Monat wären das 13%.

In Gehalt ausgerechnet wären das bei einem Bruttoarbeitslohn von 3500 € 455 €, die der AG monatlich nicht zahlen muss. Wow!

Und sowas hat sie unterschrieben?
Und auf der Grundlage wird Euch dann auch mal gleich die Mehrarbeit nicht angerechnet?
 
@ weidebirke
...also Vertrauensarbeitszeit.

Normalerweise kauft sich der AG mit inkludierten Zeitstunden frei, indem er dafür natürlich ein höheres Grundgehalt springen lässt. Lassen muss. Sonst macht es ja keiner. Der Arbeitgeber geht davon aus das wichtige Schlüsselpositionen oftmals einen größeren Anfall von Mehrarbeit haben. Somit stellt man sich kostenmäßig besser wenn Überstunden im Vertrag mit enthalten sind und man geht auch von einer höheren Arbeitsbereitschaft dieser Person aus, da Verantwortungsträger. Und dieser nicht das Gefühl hat er würde andauernd unbezahlte Überstunden machen und sich verheizen lassen.

Beim TE gehe ich davon aus das im Grundgehalt wohlmöglich der Ausgleich der Überstunden fehlt. Oder das Gehalt passt ganz gut, aber der Passus wurde im Vertrag vergessen. Das könnte natürlich auch sein.

Wenn er einen guten Draht zu seiner Kollegin hat, kann er ja vielleicht in Erfahrung bringen was sie ungefähr verdient.
 
Weil ich es manchmal bei Fragesuchenden ganz interessant finden würde zu erfahren, wie es denn letztendlich mit ihnen weitergegangen ist, will ich doch auch mal kurz updaten - nach zwei Jahren, wie ich erschrocken feststelle (die Zeit rennt!): Ich bin immer noch bei meinem Arbeitgeber mit der merkwürdigen Überstundenregelung beschäftigt, aber tatsächlich hat sich inzwischen etwas getan...

Die Geschäftsführung hat sich verändert: Eine der beiden Personen ist gegangen, dafür sind zwei Führungspersonen direkt aus dem Mitarbeiterteam nachgerückt. Gleichzeitig wurde auch unsere Zeiterfassung angepasst: Nun beginnt die Überstundenzeit tatsächlich, wie es sein soll, nach 8 Stunden und einer Minute. Gleichzeitig sind wir dazu angehalten, in Phasen, in denen wenig zu tun ist, sogar Unterstunden aufzubauen, die wir dann mit den Überstunden, die wir später in der heißen Phase machen, ausgleichen. Außerdem soll jede Minute unserer Arbeitszeit im Zeiterfassungsprogramm festgehalten werden, nicht nur kundenbezogene, sondern auch interne Aufgaben.

Dies ist offiziell ein Testballon: Sollten wir dieses Modell nicht so nutzen, behält sich die Geschäftsführung das Recht vor, die alte Regelung wieder einzuführen. Tatsächlich sind wir diesbezüglich schon ermahnt worden, die neuen Freiheiten des Modells zu nutzen, weil es für viele langjährige Mitarbeiter, die es jahrelang anders praktiziert haben, eine enorme Umstellung ist zu sagen: Ich arbeite heute mal 4 Stunden weniger, dafür dann in der heißen Stunde mal in einer Woche 4 Stunden mehr...

Insofern ist ein wenig die Befürchtung da, dass die alte Regelung wieder eingeführt wird und die ganze Diskussion wieder von vorn startet. Das ist ein bisschen schade, zumal durch das minutiöse Festhalten unserer Arbeitszeit eine gewisse "Big Brother is watching you"-Attitüde mitschwingt (denn es gibt nun mal Tage, da trägt man dann mal 5 Stunden "Diverses" in die Zeiterfassung ein, weil nichts zu tun ist). Insgesamt aber geht gerade ein Zug durchs Team. Das ist schön zu sehen.
 

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