aber wie soll das in den situationen ohne diese "spielchen" (zugzwang etc) funktionieren??
Ehrlich: mit sehr viel Übung
😀
Will's nicht so runterflapsen: wir sind seit insgesamt 8 Jahren zusammen, seit 5 verheiratet - und vor etwas mehr als 2 Jahren waren wir uns zwar einig, daß wir zusammenbleiben wollen, für mich ist er der Mensch überhaupt, mit dem ich zusammensein will - und trotzdem hatte ich den Eindruck, unsere Ehe wäre am Ende. Gab viele Faktoren, die erschwerend mitspielten, wir hatten die Firma übernommen und uns beide bis zur Erschöpfung darin aufgerieben, wie auch immer: wir haben einen Coach konsultiert. Einen ganz pfiffigen, der auch das Buch "
Ihr könnt uns einfach nicht verstehen!" geschrieben hat - geht da um Ost/West-Konflikte, war für uns insofern passend, weil ich als Münchnerin mit meinem sächsischen Mann im Grunde schon massive Kommunikationsprobleme hatte, ich kam aus einem Lesbenleben, er aus einer behüteten Kleinfamilie ohne Brüche, ich mit meiner Katastrophenbiografie, er mit seinem geradlinigen Lebensweg ohne besondere Erfahrungen in der "großen Welt" - nuja, und dann halt im Brandenburger Outback gestrandet sozusagen... ich fühl mich heut zwar nimmer so ganz als Alien, aber vor 2, 3 Jahren war ich an dem Punkt, wo ich nicht mehr konnte. Also dieser Coach (mit dem ich nu nicht so besonders warm wurde, obwohl der schlau ist) - also ließ mein Mann sich von dem coachen, ich mich von einer lösungsorientierten Psychologin - und dann haben wir uns halt wieder zusammengerauft.
Genau genommen: wir raufen immer noch. Ist wirklich schwierig, weil selbst wenn man erkennt, wo die "Strategien" des anderen liegen oder wo man selbst komische Signale für den anderen aussendet, kann man das ja nicht grad eben so abstellen.
Wir machen regelrechte "Meetings", versuchen einander zu erklären, welche Situation jeder wie erlebt hat, versuchen auch so bestimmte "Sprachgewohnheiten" des anderen aufzudröseln (Beispiel wenn ich frage: "Warum machst du denn das so?" - dann meine ich genau das: ich will wissen, warum mein Mann etwas auf bestimmte Weise tut. Wenn er dieselbe Frage stellt, dann weiß ich, daß das in seinem Sprachgebrauch als Kritik gemeint ist - mußte ich merken, weil ich hier mehrfach aggressive Reaktionen bekam und nicht verstand, was zum Geier die Leute hier gegen uns angeblichen "Besser-Wessis" haben
😀)
Man muß natürlich nicht alles so auf die Spitze treiben wie wir - ehrlich gesagt ist das manchmal anstrengend und nervig, weil man grad im Privaten ja einfach mal relaxen will und so reden, wie einem der Schnabel gewachsen ist, aber wie gesagt: wir "arbeiten" sozusagen unter erschwerten Bedingungen. Und es ist spannend, wenn man mehr und mehr feststellt, daß wahnsinnig viele Konflikte schlicht und ergreifend auf Mißverständnissen beruhen, die keiner so richtig wahrnimmt, wenn er davon ausgeht, daß er sich doch "völlig normal" verhält - ergo der andere irgendwie komisch tickt.
Mein Mann hat mir öfter mal signalisiert, daß ich ihm einfach sagen soll, was er tun soll - so in der Art: Hilf mir im Garten, besorg dies oder bring den Müll runter, aber auch so Sachen wie: räum die Stube auf, geh jetzt ins Bett - ist schon spät, hast du deine Unterlagen für ... schon zusammen usw. - boh! Fand ich übergriffig, sowas kann ich nicht! Ich hab oft gesagt "Ey, ich bin nicht deine Mutter!" - und umgekehrt bin ich oft ausgeflippt, wenn er mir sagt, wann ich ins Bett zu gehen habe, daß ich irgendwas erledigen soll - ich hab oft gesagt: "Ey, ich konnte 40 Jahre ohne deine Hilfe überleben, ich schaff's zur Not auch weiter ohne deine Hilfe!"
Aus dem Nähkästchen geplaudert...
😛 - ist alles Kleinkram im Grunde, aber geeignet, auf Dauer eine Beziehung zu zerstören, wenn sich das hochschaukelt. Heut weiß ich, daß er es als Fürsorge empfindet, wenn er sich in "meinen Kram" einmischt (kann ich trotzdem nicht ab, aber wir streiten heute anders darüber
😀) und daß er von mir gerne "Anweisungen" hätte, weil er manche Dinge einfach nicht einordnen kann (alles, was nicht programmiert werden kann, wirkt auf ihn chaotisch).
Worauf ich hinaus will ist: man lernt Partner nicht mehr so kennen wie früher, wo alle aus dem selben Dorf stammten und dieselben Gewohnheiten, dieselbe Kommunikation und dasselbe Wertesystem haben. Man fängt ja schon an, binnen kurzer Zeit, wenn man auswärts studiert oder so, eigene, neue Gepflogenheiten zu entwickeln und je nachdem, mit welchen Leuten man sich umgibt, welche Medien man 'konsumiert' usw. andere Dinge für "selbstverständlich" und allgemeingültig zu halten. Und ich meine, da lohnt es sich dann schon, genauer zu hinterfragen, wenn jemand plötzlich gereizt reagiert, "zickig" antwortet, wenn zu viel telefoniert oder geSMSt wird (kann ich überhaupt nicht ab, dieses ständige Nachhaken, wo ich bin, was ich mache und wie meine Verdauung funktioniert - die funktioniert! Auch wenn ich mal
nicht zu Hause bin, ich will darüber nicht auch noch Bericht erstatten, wenn mein Gutster mal 2 Tage weg ist) - ist bissl überspitzt ausgedrückt, aber ich hoffe, es ist verständlich, wie ich das meine. Beziehungen werden heute so schnell für "gescheitert" erklärt und immer wieder lese + höre ich, daß der Partner "auf einmal" so komische Gewohnheiten angenommen hätte. Find ich manchmal traurig, weil oft genug scheitert's einfach daran, daß sich die Paare einfach nicht
wirklich gut kennenlernen.